Researchers produce first Audi e-benzin
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E-Fuels: Rohrkrepierer oder CO2-Sofort-Retter?

von Robert Basic am 21. August 2018

Vornweg ein Video, was E-Fuel ist: ein künstlicher hergestellter Treibstoff, das Benzin oder Diesel sein könnte. Der Clou ist dabei, dass bei der Produktion der Atmosphäre CO2 entzogen wird. Um es nachher durch den Auspuff zu jagen. Das nennt sich Klima- oder CO2-Neutralität. Also schon mal kein Zaubertrick.

Es gibt verschiedene Wege, E-Fuel herzustellen, im Kern bleibt die Idee der Klimaneutralität.

Preis

Das Riesenproblem – und das macht es zum Rohrkrepierer – ist und bleibt: Egal wie man es sich schönrechnet, es kostet ein Vielfaches von normalen Benzin und Diesel. In dem Artikel Sind synthetische Kraftstoffe die Zukunft? wird ein Preis von über 4 €/Liter genannt:

Und welcher Preis stünde letztendlich am Preismast? Aktuell belaufen sich die Kosten für E-Fuels auf bis zu 4,50 Euro pro Liter Dieseläquivalent. Ein Zielkosten­niveau von circa einem Euro pro Liter ­Dieseläquivalent erscheine mit Importen aus Regionen mit hohem Angebot an Sonne oder Wind aus heutiger Perspektive erreichbar, so die Experten von Dena und LBST. Die Prognos-Studie geht davon aus, dass Power-to-Liquid im Jahr 2050 zu Kosten zwischen 70 Cent je Liter bei opti­malen Standortbedingungen und rund 1,30 Euro je Liter erzeugt werden können.

Seitdem das Thema immer wieder hochkommt, liest es sich wirklich toll, was die Habenseite angeht. Aber, außer netten Versuchsanlagen – so wie bei Audi im Rahmen von E-Gas und E-Fuel – bleibt es dann auch dabei. Letztlich geht es immer um die Kosten und den Preis. Selbstverständlich haben Ölkonzerne null Interesse, ihre Ölfelder kurz mal stillzulegen. Der gesamte Explorationsvorgang bis hin zur Tankstelle ist etabliert und der Vertrieb zu geringeren Kosten zu haben, womit unter dem Strich mehr Geld verdient werden kann. Pech. Egal wie und ob sich E-Fuels hochskalieren ließe und ob der Preis dann auf marktübliche Niveaus fiele.

Aber das CO2

Ja, ich weiß, Verkehr macht zwar einen markanten Anteil am CO2-Ausstoß aus, doch die Rettung naht doch mittels all den tollen Elektroflitzern? Die Lösung ist doch da. Wozu E-Fuels überhaupt noch? Weil wir eigentlich keine Zeit mehr haben. Darum.

naive Fantasie: E-Fuel
Eine schematische Darstellung einer Produktionsanlage, die Audi real finanziert

Ich mag all die Argumente nicht wiederholen, die unter Klima- und Kostenaspekten den Mobilitätswandel beim Punkt Antriebstechnik nur sehr zäh gestalten. Das Tempo des Wandels ist zu lahm, exorbitant lahm. Es dauert extrem lange, all die Verbrenner gegen E-Autos zu tauschen. Aus Preis- und Reichweitengründen. Zumal Elektro ein „first world problem“ ist, um es überspitzt zu sagen. Die reichen Länder können sich den Luxuswandel leisten. Schön für uns. Die Länder mit noch niedrigen PKW-Dichten werden das Problem nur x-fach verschärfen, die ja auch gerne so wir hochmobil wären. Und es ist ja nicht so, dass die nationalen Wirtschaften nicht vorankommen. Womit automatisch die PKW-Dichte rasant steigt. Ergebnis? Solange wird bis auf Weiteres der globale PKW-Bestand an Verbrennern weiter und weit schneller anwachsen als der E-Bestand hinterherkommt. Wir sprechen von Jahrzehnten.

Die damit zeitlich gestreckten Auswirkungen, eigentlich positiven E-Auswirkungen auf die CO2-Bilanz sind zu den deklarierten Klimazielen nicht konform. Im Grunde geht es eigentlich nur noch darum, die Temperatursteigerung nicht mehr ganz so drastisch ansteigen zu lassen.

Also E-Fuel? Das Gedankenspiel ist einfach: Wenn wir schon den Verkehr nicht mal eben so von Benzin/Diesel auf Strom umschalten können, dann könnten wir wenigstens dafür Sorge tragen, dass die fossilen Brennstoffe durch günstige, massiv produzierte, klimaneutrale E-Fuels ersetzt werden. Einfach so, schnipp! Das ginge innerhalb einer extrem kurzen Zeit.

CO2 Sofortretter = Ohne Gnade und ohne Chance

Da hierzu aber der politische Wille fehlt, die Energielieferanten null Interesse haben und sowieso alle (first world) Welt elektrogläubig wurde, bleibt es dabei. In einem Tempo X werden von Land zu Land Benziner durch Elektroautos ersetzt. Die solange eben mit fossilen Brennstoffen fahren. Ende der Nachricht.

Eine Technologie offene Geschichte ist das eh nicht, obwohl der Ansatz ein ideales Mittel wäre. Bleibt mir nur noch auf den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages zu verweisen
E-Fuels
Aktenzeichen: WD 5 – 3000 – 008/18
Abschluss der Arbeit: 22. Januar 2018
Fachbereich: WD 5: Wirtschaft und Verkehr; Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz