E-Learning in Südkorea: Wo Lehrer Millionäre werden

Als Lehrer Millionär werden? Mit E-Learning-Kursen? Was in Deutschland unmöglich scheint und nach Wunschdenken klingt, ist in Südkorea bereits Realität. Die Süddeutsche berichtet von Cha Kil-yong – seines Zeichens Mathematiklehrer – und Kwon Kyu-ho – seines Zeichens Literatur-Lehrer. Beide haben eines gemeinsam: Sie verdienen mit Lehrvideos und E-Learning-Kursen Millionen. Ihr Erfolg zeigt jedoch nicht nur Chancen und Potenzial für das deutsche Bildungssystem, sondern auch die Schwächen und Probleme des südkoreanischen Schulsystems…

e-learning hub

Eine ganz grundlegende Voraussetzung für den Erfolg der beiden Lehrer: Bildung wird in Südkorea deutlich höher geschätzt als in Deutschland. Lehrer werden dort nicht als notwendiges Übel gesehen, sondern gesellschaftlich geachtet. Wer im südkoreanischen Bildungsbereich arbeitet genießt ein Ansehen, das hierzulande nicht einmal ansatzweise denkbar ist.

Der Grund dafür: In Südkorea wird ein guter Bildungsstand nicht nur als wichtige Voraussetzung für die Zukunftschancen der einzelnen Person, sondern als Stärke der gesamten Volkswirtschaft und des Landes gesehen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Schüler und Lehrer. Diese Ansprüche – und der enorme Arbeits- und Lernumfang, der in südkoreanischen Schulen alltäglich ist – tragen Früchte: In den PISA Ergebnissen rangiert Korea in allen Bereichen vor Deutschland.

PISA_Überblick

Doch dieser Erfolg hat eine Kehrseite: Die guten Ergebnisse werden durch stundenlanges Pauken und auswendig lernen und einen enormen Leistungsdruck erkauft. Freizeit oder Entspannung sind für viele südkoreanische Schüler fast schon Fremdworte.

Das öffentliche Schulsystem bietet den Schülern dabei jedoch nicht die nötige Unterstützung. Deshalb haben private Schulen und die eingangs erwähnten E-Learning-Plattformen Hochkonjunktur. Lehrer wie Cha Kil-yong und Kwon Kyu-ho vermitteln Schülern in ihren Videos und E-Learning-Kursen das Wissen, dass diese für die schulischen Prüfungen und Tests brauchen.

Das Grundproblem: Südkoreanische Schüler lernen primär für die Schule und die schulischen Leistungen. Das ist bis zu einem gewissen Grad zwar auch in Deutschland der Fall, dennoch werden hierzulande immer noch mehr lebenspraktische Themen und Kenntnisse vermittelt, als in südkoreanischen Schulen.

Vorbild und Abschreckung gleichermaßen

Das südkoreanische Bildungssystem und die Erfolgsgeschichten der beiden Lehrer können für Deutschland sowohl Vorbild als auch warnendes Beispiel sein. Vorbildlich sind…

  • … die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung von Lehrern.
  • … der hohe Stellenwert von Bildung und die bereitgestellten Ressourcen.
  • … der selbstverständliche, ergänzende Einsatz von E-Learning-Plattformen.

Die Schattenseite ist jedoch ebenso eindeutig: Bildung sollte hierzulande zwar wichtiger und wertgeschätzt werden, sollte sich jedoch nicht zu einer reinen leistungs- und ergebnisorientierten Veranstaltung entwickeln. Schon heute gibt es die Tendenz, lebenspraktische und langfristig sinnvolle Fähigkeiten zugunsten standardisierter Tests zu vernachlässigen.

Statt sich auf Testergebnisse und auswendig lernen zu konzentrieren, sollten Lehrer und Schulen die Möglichkeit erhalten, die analytischen Fähigkeiten, das selbstständige Denken, Problemlösung und Verständnis der Schülern zu fördern und zu entwickeln. E-Learning-Systeme können dabei eine wichtige Rolle spielen und Schülern eigenverantwortliches Lernen ermöglichen. Ein Leistungsdruck nach südkoreanischem Vorbild sollte jedoch nicht das Ziel der Entwicklung sein.

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