Electrify-BW: Die Empörung der selbsternannten “Bescheidwisser”

Jana Höffner und Jérôme Brunelle, die Moderatoren des Electrify-BW Podcasts, sind empört. Wir haben es tatsächlich gewagt, uns gegen die Unterstellung zu wehren, unsere Berichterstattung sei "gekauft". Derartiges Feedback erreicht die elektromobile Filterblase wohl nur äusserst selten, wie auch andere Beispiele zeigen.

Wochenende, fast – und wir sind mal wieder Thema im Electrify B.W. Podcast. Eigentlich hatten wir uns zwischenzeitlich mit den beiden Moderatoren Jana Höffner und Jérôme Brunelle darauf geeinigt, dass wir baldmöglichst miteinander und nicht übereinander sprechen, doch auf die Schnelle konnte kein gemeinsamer Termin für eine Podcast-Aufzeichnung gefunden werden.

Offensichtlich hat unsere ausführliche Reaktion auf den vorherigen Podcast besonders beim früheren Radiomoderator Jérôme Brunelle für Verärgerung gesorgt, der eine vorgezogene Antwort erforderlich macht. Brunelle fühlt sich ungerechtfertigt in eine rechtsradikale Ecke gerückt, weil wir einen Teil seiner Äußerungen unter dem Stichwort “Lügenpresse!” zusammengefasst haben.

Jana Höffner und Jérôme Brunelle hatten uns in ihrem vorangegangenen Podcast unmissverständlich unterstellt, dass unsere Berichterstattung über Tesla davon beeinflusst sei, wer auf unserem Blog Werbung schalte. Wortwörtlich sagte Jérôme Brunelle, der sich nach eigener Wahrnehmung damals ”zurückgehalten” hat:

“Und dann kommt Mobilegeeks daher und finden alles toll, ich hab’s mir ja auch durchgelesen, was aus Deutschland kommt, finden alles toll, super, und auf der anderen Seite wenn Tesla irgend ‘ne Schraube ‘nen Rückruf macht, ‘nen freiwilligen Rückruf macht, […] dann Riesenschlagzeile, […] na siehste, na siehste, da frag’ ich mich echt, wer hat da was nicht verstanden, aber gut, is’ klar, wer schaltet Werbung bei Mobilegeeks, das hab’ ich jetzt gar nicht geguckt? […] Weiß ich nicht, wer schaltet da Werbung, müsste man sich einmal anschauen. [Lachen]Jérôme Brunelle

Daraufhin antwortet ihm seine Kollegin Jana Höffner

“Jaguar, Audi, BMW […], müsste man sich mal anschauen [Hust] Daimler [Lachen]. Da jetzt einen Zusammenhang ‘draus zu konstruieren wäre natürlich sehr gewagt. Also, da muss man vorsichtig sein.” Jana Höffner

woraufhin Jérôme Brunelle betont

“Wir haben das nie behauptet! Aber, ehm, soll sich jeder mal selbst ein Bild davon machen, guckt euch selbst Mobilegeeks an, wir haben unsere Meinung gesagt, wir finden es nicht toll, aber wir leben ja in einem Staat wo jeder seine Meinung sagen darf.” Jérôme Brunelle

Wir haben die beiden Moderatoren in ebenso unmissverständlicher Weise darauf hingewiesen, dass sie mit solchen “Meinungs”-Äußerungen die Integrität und Reputation unserer Autoren angreifen. Damit begeben sie sich, und das wiederholen wir an dieser Stelle gerne, wie viele andere auf das Niveau der Lügenpresse-Schildchenschwenker, denen es schlicht um die billige Diskreditierung von unliebsamen Medien und Nachrichten geht.

Ihr macht euch, liebe Jana Höffner und lieber Jérôme Brunelle, an dieser Stelle die Mechanismen derjenigen zu eigen, von denen ihr euch nun empört distanzieren wollt. Ihr bedient ohne Skrupel billigste Ressentiments und Vorurteile gegenüber Medien und Autoren, im besten Fall nennt man so etwas Üble Nachrede. Gerade jemandem wie Jérôme Brunelle, der nach eigenen Angaben über eine journalistische Vorbildung verfügt (Update: oder wie Jana Höffner, die sich in Ihrem Publizistik-Studium mit “konstruktiver Medienkritik” beschäftigt haben will) sollte die Dimension dieser hingerotzten Unterstellung klar sein.

Es ist bezeichnend, wie leichtfertig sich die beiden Moderatoren eine solche Unterstellung ‘raushauen – und wie empört sie reagieren, wenn man ihnen daraufhin den Spiegel vorhält. Im “Kampf um die gute Sache” ist, so scheint es, einfach jedes Mittel erlaubt – und “böse” sind schließlich immer die anderen.

Im heute veröffentlichten Podcast #21 bemüht sich Jérôme Brunelle, seine Äußerungen im vergangenen Podcast zu relativieren – um gleich darauf wieder das Lügenpresse-Schildchen zu schwenken. Wörtlich teilt er seinen Zuhörern mit:

“Wir haben uns auch angeschaut, wer ist eigentlich Sponsor oder wer unterstützt diese Seite, also woher bekommen diese Gelder. Wir hatten das auch gesagt, wir haben nicht gesagt dass deswegen irgendwie Artikel gekauft worden sind oder ähnliches sondern wir hatten’s einfach gesagt. Man kann natürlich auch zwischen den Zeilen lesen, so ehrlich sollten wir sein, und das war durchaus nicht unbeabsichtigt aber wir wissen es einfach nicht und wir denken uns unseren Teil und wir haben ja auch ganz ausdrücklich gesagt in der letzten Folge, liebe Hörer, denkt ihr euch bitte auch euren Teil.” Jérôme Brunelle

Die empörte Reaktion auf das Wort Lügenpresse geht einher mit vielen anderen Missverständnissen, denen die Moderatoren offenbar unterliegen. Aus irgendeinem Grund unterliegt z.B. Jérôme Brunelle der Annahme, ein Leser von MobileGeeks sei “irgendwie” unser “Kunde”. Das impliziert nicht nur, dass wir gefälligst mit jeder noch so weit­her­ge­holten “Kritik” höflich und verständnisvoll umzugehen hätten. Es impliziert darüber hinaus vielmehr, dass wir uns als Medium oder Autoren mit unserer ehrlichen – weil u.U. unangenehmen und den “Kunden” möglicherweise verärgernden – “Meinung” zurückzuhalten hätten.

Update: Dass sich Jérôme Brunelle zudem viele Gedanken über die aktuelle Berichterstattung zur Elektromobilität und explizit zu Tesla gemacht hat und kurzerhand zu dem Schluss kommt, dass wohl viele Journalisten – anders als er, schließlich ist er seit ein paar Monaten Besitzer eines Model S – “nicht so in dem Thema ‘drin” sind darf man wohl ebenfalls unter “Medienkritik” verbuchen. Er kann es sich (Zitat) “eben nicht anders vorstellen”. Zur unsagbaren Arroganz der selbsternannten “Experten” kommen wir später noch einmal.

“Ich bin genauso kritisch gegenüber Tesla wie gegenüber jede andere Firma. ]…] das heisst nicht, wenn ich einen Tesla kaufe, dass ich ein Tesla-Fan bin. Ich bin kein Fan von irgendeiner Firma. […] Und dann lass’ ich mich nicht, und zwar von niemandem, als Tesla-Fan bezeichnen […]. Also ich find’s, ganz ehrlich lieber Bernd Rubel, ‘ne Unverschämtheit […] mich als Tesla-Fan zu bezeichnen oder die Jana, find’ ich einfach ‘ne ganz schlechte Nummer.” Jérôme Brunelle

 

Wir kennen diesen Reflex, Jana Höffner und Jérôme Brunelle. Er begleitet uns schon seit Jahren und taucht immer dann auf, wenn – und damit sind wir beim nächsten Thema – “Fanboys” in ihrer kleinen Filterblase gestört werden. Linux gegen Windows, Apple gegen Samsung, Tesla gegen “die etablierten Autohersteller” … früher oder später stampft irgendjemand mit den Füßchen auf den Boden und findet es “seltsam”, dass die eigene “Meinung” oder “Expertise” offenbar nicht kommentarlos als der Weisheit letzter Schluss beklatscht wird.

Jérôme Brunelle und Jana Höffner halten in seinen weiteren Ausführungen fest, dass die Berichterstattung über Elektromobilität auf Mobilegeeks “eher negativ” oder “einseitig” oder “auf die negativen Aspekte konzentriert” sei.

Überschriftenleser, und die Arroganz der “Experten”

Leser-Feedback zu unserem Artikel zur “Umweltsau Tesla”

Wir können an dieser Stelle nur herzlich lachen, denn wir sind begeisterte Befürworter der Technologie und thematisieren gerade deshalb die Pros, Contras und die daraus resultierenden Herausforderungen in den kommenden Jahren. Das Missverständnis der beiden Moderatoren ist, dass sie aus unserer gelegentlichen Kritik an Tesla zwangsläufig ableiten, wir seien Gegner der Elektromobilität. Auch hier bedient man sich wieder einem altbekannten Muster: ein einzelnes Unternehmen – in diesem Fall Tesla – wird als “Sinnbild” einer Technologie verherrlicht, womit jegliche Kritik an diesem Unternehmen zur Kritik an der Technologie selbst mutiert – lame. Das, lieber Jérôme Brunelle, ist typisches Fanboy-Verhalten und dient genau genommen auch nur wieder dem Zweck, einer unliebsamen Berichterstattung den “Stempel” der Rückständigkeit und Voreingenommenheit aufzudrücken.

Glashaus, Steine, “negativ” sind immer die anderen

 

Zudem, so führen Jérôme Brunelle und Jana Höffner weiter aus, sei zwar der Inhalt unser Artikel nicht unwahr, aber unsere Überschriften seien “negativ” und – wie man ja offenbar allgemein wisse – in der Regel würden nur diese gelesen. Das sind – erneut, Willkommen in der Fanboy-Blase – typische Argumente von vermeintlichen “Medienverstehern”, die mit selbsterfüllenden Prophezeiungen die eigene “Argumentation” bekräftigen.

Viel schlimmer: Es zeugt von einer unsagbaren Arroganz der selbsternannten “Experten”, die kurzerhand allen anderen eine nur oberflächliche Beschäftigung mit der Thematik unterstellen. Hunderttausende Leser eines Tech-Blogs, allesamt “DAUS”, die angeblich nicht über die Überschrift hinauskommen auf der einen Seite – und die beiden allwissenden Experten, die über “positive” und “negative” (wtf?) Berichterstattung entscheiden auf der anderen Seite. Naja … wenigstens können ein paar unserer Leser noch selbst essen oder alleine aufs Klo gehen (wtf? 2:14:00)

”Lügenpresse” vs. “Bescheidwisser”

Der Trick, unliebsamen Medien eine Voreingenommenheit oder gar Beeinflussung durch Andere zu unterstellen, ist entgegen Jérôme Brunelles Wahrnehmung nicht ausschliesslich rechtsradikal besetzt. So ordnete der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen den Begriff bereits 2015 der Klientel der “Bescheidwisser” zu, die sich gerne Verschwörungstheorien hingeben und allerorten “Propaganda” und “Manipulation” wittern. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger hält fest, dass sich in dem Begriff “Lügenpresse” der Vorwurf der Einseitigkeit in der Auswahl und Darstellung von Themen, Informationen und Meinungen manifestiere – also genau das, was uns Jérôme Brunelle und Jana Höffner wider besseren Wissens und zur Unterstützung ihrer eigenen “Argumentation” vorwerfen.

Bezeichnenderweise übernehmen die beiden Moderatoren mit ihren Unterstellungen über eine mögliche Beeinflussung unserer Autoren ein Schema, das momentan von vielen Akteuren im Bereich “Elektromobilität” angewandt wird. Unter nahezu jedem Artikel und im Zusammenhang mit jeder Studie, die sich kritisch mit der Elektromobilität beschäftigen, taucht früher oder später der Verdacht auf, die “Öl-Lobby” habe ihre Finger im Spiel. So beginnt z.B. der Klimawandel-Leugner und neoliberale Europakritiker Horst Lüning – lustigerweise ein “Star” in der Tesla-Szene – jedes seiner Videos mit dem Satz

“Guten Abend, Herzlich Willkommen im Unternehmerblog, kurz UnterBlog genannt. Begleiten Sie mich auf meinem Lebensweg und lernen Sie die Geheimnisse der Gesellschaft und Wirtschaft kennen, die von Politik und Medien gerne verschwiegen werden.” Horst Lüning

Vielleicht sollte man sich, wenn man nicht mit solchen Akteuren verglichen werden will, einfach mit haltlosen Anschuldigungen zurückhalten, Jérôme Brunelle und Jana Höffner? Vielleicht sollte man die Erkenntnisse von anerkannten Experten nicht als “Gehirnfürze von irgendwelchen Wissenschaftlern” bezeichnen? Vielleicht sollte man die vermeintlich hohen Maßstäbe, die man an andere anzulegen vorgibt, zuerst bei sich selbst anlegen? Vielleicht – nur vielleicht – sollte man sich der Verantwortung bewusst sein, die das Publizieren eines Mediums mit sich bringt, ob es nun der Podcast eines gemeinnützigen Vereins oder ein Tech-Blog ist? Und vielleicht – nur vielleicht – sollte man nicht von sich auf andere schließen und daraus schlussfolgern, dass sich andere ebenfalls auf einer “Mission” befinden und “Ziele” verfolgen?

In diesem Sinne: Schönes Wochenende. Und: Glückwunsch zu den 15.000 Hörern, gern geschehen. Scheinen ja doch nicht alle nur die Überschrift zu lesen. [qed]

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