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Elektrisch durch die Stadt – auf dem Radweg und der Straße

BMW Motorrad präsentiert ein Elektrokleinstfahrzeug, das - endlich - in Deutschland in der Stadt genutzt werden darf. Was es kann und wie stark der Geldbeutel belastet wird, erfahrt Ihr hier.

von Claus Ludewig am 28. Januar 2019
  • BMW X2City ist ein klappbarer Roller mit einem Elektromotor zur Unterstützung. Es zählt damit zur Kategorie der E-Scooter einer Subklasse der Elektrokleinstfahrzeuge (oder auch Personal Light Electric Vehicle genannt).
  • Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h – elektronisch abgeregelt – möglich.
  • Darf auf Radwegen und auf der Straße in Deutschland gefahren werden.
  • Beleuchtung und Versicherungsaufkleber (eventuell selbstklebendes Nummernschild) sind Pflicht. Auf einen Helm kann verzichtet werden. Es wird jedoch dringend angeraten, einen Helm und Schutzkleidung (bzw. Protektoren) zu tragen.
  • BMW X2City erscheint im Februar.

Die Bundesrepublik lässt sich mal wieder viel Zeit. Während in anderen Ländern bereits seit dem Jahr 2018 die Elektrokleinstfahrzeuge durch die Stadt stromern, ist dies bei uns aktuell nicht erlaubt. Doch die Proteste, wie Sie unter anderem im Dezember stattgefunden haben, zeigen Wirkung. Die Regierung wird im Laufe des Jahres endlich Ihr Gesetz verabschieden, damit Elektrokleinstfahrzeuge auch hierzulande durch die Stadt fahren dürfen. Doch warum hat das so lange gedauert?

Nun, das liegt nicht nur an der Legislative, sondern auch an der neuen Form der Mobilität. Denn es müssen unter anderem Versicherungstechnische Fragen geklärt werden. In einigen Ländern – wie zum Beispiel den USA – sind die E-Scooter bereits erlaubt. Und schon gibt es kontroverse Diskussionen! Denn oftmals rasen die Fahrzeuglenker ohne Schutzkleidung mit bis zu 45 km/h schnellen Kleinstfahrzeuge durch die Straßen. Das ist ungewohnt für Autofahrer und LKW-Fahrer. Um das Ganze in den Fuhrpark der Verkehrsmittel aufzunehmen, hat sich daher die Bundesregierung in Deutschland, ein paar Grundregeln ausgedacht. Auf EU-Ebene werden diese Regeln ebenfalls diskutiert. Möchte ein Anbieter sein Personal Light Electric Vehicle hierzulande verkaufen, muss er sich – Stand heute – an Folgendes halten.

  • Beleuchtung am Elektrokleinstfahrzeug mit Lenkstange (z.B. ein E-Scooter).
  • Kennzeichenhalter mit selbstklebendem Kennzeichen. Oder Versicherungsaufkleber. Dies wird aktuell noch diskutiert.
  • Jedes PLEV, das schneller als 6 km/h fahren kann (z.B. E-Scooter), muss versichert werden.
  • Maximal ist eine Geschwindigkeit von 20 km/h erlaubt.
  • Polizei kann Fahrzeuglenker anhalten und sanktionieren, wie bei jedem anderen Verkehrsteilnehmer auch.
  • Führerschein der Mofa-Klasse (oder höher) erforderlich. Dadurch können Bürger ab 15 Jahren ein Elektrokleinstfahrzeug in Deutschland auf öffentlichen Straßen fahren.
  • Fahren sowohl auf dem Radweg, als auch der Straße erlaubt.
  • Keine Helmpflicht. Aber es wird empfohlen, einen Fahrradhelm zu tragen.
  • Explizit ausgenommen sind – nach derzeitigem Stand – Elektrokleinstfahrzeuge, die keine Lenkstange haben. Dazu zählen Hoverboards, E-Skateboards und Einräder. Diese dürfen maximal 6 km/h fahren und gelten offiziell als “Spielzeug”. Deshalb ist es illegal, sich damit auf öffentlichen Straßen zu bewegen. Lediglich am Fußweg (oder auf dem Privatgrundstück) dürfen diese Spielzeuge genutzt werden.

Fakt ist, dass sich die Regierung lange Zeit lässt, ehe die ersten PLEVs auf den Straßen fahren dürfen. Das ist unschön. Andererseits ist die klare Regelung vielleicht gar nicht so schlecht, da nun versucht wird, den Wildwuchs etwas einzudämmen und es so – hoffentlich – nicht zu schweren Unfällen mit Fahrern von Elektrokleinstfahrzeugen kommt, wie es beispielsweise hier passiert ist. Denn in den USA fehlen gesetzliche Vorgaben und so ist es schon zu zig teils schweren Unfällen mit PLEVs gekommen.

Es wird also auch in den USA höchste Zeit, dass es verbindliche Regelungen und Aufklärung zu dieser neuen Mobilitätsform gibt. Es ist schlicht unverantwortlich, dass Fahrzeuglenker mit bis zu 45 km/h ohne Helm und Schutzkleidung im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind. Daher ist das – wenn auch späte – Gesetz zur Nutzung von PLEVs zu begrüßen. Denn Fortschritt lässt sich nicht aufhalten und es gibt ja sehr wohl Bedarf an neuen, wendigen Formen der Mobilität. Nur so kann die letzte Meile beispielsweise von Auto zum Büro effizient zurückgelegt werden.

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E-Scooter in der Stadt. Ohne Schutzkleidung zwar erlaubt, aber gefährlich, da bis zu 20 km/h (elektronisch abgeregelt) machbar sind (Quelle: BMW).

Aufladbar und kompakt

  • BMW X2City lässt sich an Haushaltssteckdose innerhalb von 2,5 Stunden vollständig aufladen.
  • Akku kann wahlweise ausgebaut werden zum Laden oder über Ladeanschluss im Tretroller mit Strom befüllt werden.
  • Elektrische Reichweite von 30 Kilometern.

Der von BMW Motorrad entwickelte und gebaute X2City funktioniert dabei wie ein Tretroller. Nach jedem manuellen Anschieben, genügt ein Fußtritt aufs Pedal, der E-Motor springt an und beschleunigt weiter, bis die zuvor eingestellte Geschwindigkeit erreicht ist. Dabei kann der Fahrzeuglenker aus fünf definierten Stufen wählen. Zur Wahl stehen 8, 12, 16, 18 und 20 km/h. Selbstverständlich verfügt der X2City über zwei Bremsen. Eine am Vorder- und eine am Hinterrad, sodass das PLEV sicher zum Stehen kommt.

Der BMW X2City ist in vier verschiedenen Farben verfügbar. Schwarz, blau, grau und rot (Quelle: BMW).
Der BMW X2City ist in vier verschiedenen Farben verfügbar. Schwarz, blau, grau und rot (Quelle: BMW).

 

Vernetzung auch bei Elektrokleinstfahrzeugen

  • USB-Anschluss im Lenker integriert, damit ein Smartphone während der Fahrt geladen werden kann.
  • Bluetooth-Modul verbaut, sodass eine drahtlose Verbindung zwischen Telefon und X2City möglich ist.
  • Apps zukünftig denkbar.

Auch vor den kleinsten motorisierten Verkehrsteilnehmern macht die Vernetzung keinen Halt. So hat das BMW Motorrad X2City eine Bluetooth-Schnittstelle serienmäßig verbaut. Damit lässt sich das Smartphone mit dem Fahrzeug koppeln. In Zukunft sollen so diverse Apps während der Fahrt nutzbar werden. Heute schon nutzbar dagegen ist der USB-Anschluss zum Laden von Smartphones und Co.

Das BMW Motorrad X2City wird ab 4. Februar bei Kettler im Handel erhältlich sein. Die UVP beträgt 2.399 Euro.

Auf öffentlichen Straßen kann es dann bewegt werden, wenn das Gesetz zur Nutzung von PLEVs endlich verabschiedet ist. Bis dahin muss es ohne E-Motor-Einsatz beispielsweise in der Stadt geschoben werden. Würdet Ihr mit einem solchen E-Scooter – so denn das Gesetz steht – durch die Stadt fahren?

 

Quellen: