Microlino Gotham Black

Elektro-Highlights in spe: Von Supersüß bis Bestie

von Robert Basic am 22. August 2018

Es kann durchaus sein, dass ich ein Zahlenmensch bin, der auf Daten Wert legt. Das ist aber auch ziemlich laaaangweilig auf Dauer. Ist ja nicht so, dass ich nur Vollnerd in Statistik bin, sondern sogar mit Menschen sprechen kann und auch Emotionen empfinde. Und Emotion + Elektroauto ist so eine Sache:

Das allererste Mal war eine Enttäuschung

Wenn es um Elektromobilität geht, war mein erstes Mal eine pure Enttäuschung. Es war einmal in Essen vor langer Zeit. Ich glaube irgendwo zwischen 2008 und 2010 herum. Daimler hatte eingeladen, um den ersten smart electric drive ever vorzustellen. Ich bin mir allerdings nicht mehr sicher, ob das damals die zweite oder die erste Version war. Auf jeden Fall setzte ich mich rein, drehte das Zündschloss und typisch „warum geht der Motor nicht an?“. Nach einigen Sekunden kam es auch mir Blitzmerker. Ok, und dann der wahre Schreckmoment beim Beschleunigen: „Das Ding hört sich ja wie eine Straßenbahn an!!!“ dachte ich mir schockiert. Wenn das die Zukunft sein sollte, dann ne, Danke. Das ist ja zum Abwinken. Ich brachte es damals nicht über mein Herz, den mit glänzenden Augen wartenden smart-Ingenieuren über meinen Hörschock zu erzählen.

Smart ed 2007
smart ed 2007

Jahre später – 2012 dann – gab es ein Update, da war der smart ed schon wesentlich spaßiger unterwegs, die Testausfahrt in Berlin machte einen Heidenspaß. Und ich war schockverliebt in das zum Event ebenfalls ausgestellte smart forvision concept:

smart forvision 2012

smart forvision 2012

smart forvision 2012
smart forvision 2012 / ich bin mir nicht mehr sicher, aber die Hecklichter waren glaube ich zugleich Lüfter!

Wie dem auch sei, seitdem sind viele Jahre vergangen und Millionen von Postings rund um Elektromobilität wurden rauf- und runtergeschrieben. Heute kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass den Elektroautos eine Zukunft gehört. Wie schnell diese Zukunft Mainstream wird, weiß niemand so genau.

Soll auch keine Rolle jetzt spielen. Denn mit dem Aufkommen der E-Auto Ära gibt es eine herrliche Explosion an Ideen und Konzepten. Drei davon würde ich gerne kurz vorstellen, die mit Sicherheit auffallen dürften und 2019 auf die Straße kommen (sollen).

1. Der Microlino

Das kleine Winzding wiegt leer und ohne Akku 435 kg, ist 243 Zentimeter und 5 Milimeter lang (kein Scherz), die Breite beträgt 1,50 m, der Kabinenroller besitzt eine Sitzbank (!) für zwei Personen, die durch die Vordertür einsteigen müssen. Höre ich Isetta? Genau sowas. Nur eben elektrisch mit einem 8 oder 14,4 kWh Akku und 90 km/h Max-Speed. Das Krasseste? Der Kofferraum soll 300 Liter fassen. 2019 gibt es den auch auf deutschen Straßen zu sehen. An Vorbestellungen seien rund 2.500 Stück eingegangen. Preis ab? 12.000 Euro. Mehr zu dem quietschesüßem Etwas bei Microlino selbst.

Der in Gotham Black: Meiner! Aber ja doch, es gibt auch andere Farbvarianten.

 

2. Porsche Taycan

Da haben wir es wieder, ein Porsche ohne Röhren ist kein Porsche, sondern eine schnelle U-Bahn. Dennoch wagt sich Porsche auch an das Thema E-Autos heran. So hat die Enthüllung des Konzepts (Serienname: Taycan) weltweit für Furore gesorgt. Zitat Porsche: „Zwei permanent-erregte Synchronmotoren (PSM) mit einer Systemleistung von mehr als 600 PS (440 kW) beschleunigen den Elektro-Sportler in deutlich weniger als 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und in unter zwölf Sekunden auf 200 km/h. Hinzu kommt eine von Elektrofahrzeugen bisher unerreichte Dauerleistung: Mehrere Beschleunigungsvorgänge direkt hintereinander sind ohne Leistungsverlust möglich. Die maximale Reichweite beträgt über 500 Kilometer gemäß NEFZ. Der Allradler verfügt über eine 800-Volt-Architektur und ist für das Laden am Schnellladenetz vorbereitet. Hier lässt sich in rund vier Minuten Energie für 100 Kilometer Reichweite nachladen (nach NEFZ).

Ob es der Brüller wird, keine Ahnung, aber optisch sieht das Konzeptdesign Sahne, Schnitte, Schön, Schalala aus:

Taycan
Taycan
Taycan

Preisfaktor? 10fach zum Microlini, mindestens. Die Wetten gehen alle easily über 100.000 Euro. Wenn schon das Basismodell des 911ers schlappe 97.914 Euro kostet, ohne Schischi, dann wird der Taycan einige Lithium-Gramm in Euro drauflegen müssen.

Niemand hat gesagt, nach oben hin ginge kaum noch etwas. Tesla Roadster? Ja, ja, ja? Fette 250.000 US-Dollar? Wow… nein, die Preiskrone und noch viel mehr geht an das aberwitzigste E-Auto von einer „Butze“, deren Besitzer ein echter Speedhead ist. Und einst aus seinem aufgemotzten BMW 3er ein E-Auto schuf. Das war der Anfang. Wenn Frankreich der Weltmeister im Fußball wurde und Kroatien heldenhafter Vizeweltmeister, so ist hier Kroatien Weltmeister im Elektroautobau, hands down!

3. Der Rimac C-Two: 2.000.000 Dollar + 100.000

Das ist der Grundpreis des neuen Supersportwagens aus Kroatien. Sparen lohnt nicht mehr. Die bereits ausverkaufte Charge von 150 Stück kommt auf einen durchschnittlichen Bestellwert von 2,6 Millionen Dollar. Kein Wunder, die optionale Ausstattung beträgt 600.000 US-Dollar.

Rimac C-Two

Wozu das Ganze? Es ist ein aberwitziger Racer mit abstrusen Leistungswerten, die schon die Jungs von Top Gear haben erblassen lassen.  Auch bei Dragster-Rennen in den USA hat der Rimac alles weggesemmelt. Schon der erste Rimac One zog den Testern die Ohren lang:

Das Problem? Das reichte Mate Rimac, dem Gründer nicht.

Die Leistungswerte des neuen C-Two sind keine Vertipper: 1.914 PS, 2.300 Newtonmeter Drehmoment, in unter 12 Sekunden auf 300, Spitze 412, Reichweite irgendwas über 600 (völlig egal). Auf 100? Könnt ihr nicht so schnell lesen, 100!

Rimac C-Two

Mate Rimac – mein Lands- und Stadtmann – wuchs in Frankfurt/Main auf (nicht wundern, wenn er in Interviews perfektes Deutsch spricht, also fragt nicht so komisch), sein Unternehmen bei Zagreb – meiner wunderschönen Geburtsstadt – ist eines der angesehensten in Kroatien. Er ist noch blutjung, hat einen extrem guten Ruf als Chef und nicht als cholerischer Schreihals. Die Firma legt größten Wert darauf, dass deren Sportwagen komplett aus eigener Hand gefertigt sind. Und sich auch wie echte Racer fahren.

Wer will, kann beim Rimac C-Two die Antriebskraft beliebig von 0 bis 100 zwischen Vorder- und Hinterrädern verteilen. Ebenso die Bremskraft und das KERS-System. Das KERS? Ja, das wird auch für andere gefertigt. Denn die eigentlichen Brötchen verdient Rimac als Dienstleister für bekannte Hersteller, die auf High Performance und höchste Qualität Wert legen. Übersetzt? Das sind keine Knallchargen, sondern die Firma hat sich längst etabliert.

Rimac
Antriebsverstellung vorne/hinten

Mehr trommeln kann ich nicht. Es sei mir verziehen, es ist eine High Tech Butze aus Kroatien. Und ein Traum vieler kroatischen Ingenieure.

Ein Video zum Rimac One (der Vorgängermodell) von Rimac himself präsentiert, dessen Traum es ist, eine Supersportwagen-Firma auf Augenhöhe mit Ferrari und Lambo zu bauen. Vorhang auf und viel Spaß:

Mehr zu Rimac in einem Facebook-Posting meinerseits. Anlass war der Einstieg Porsches in Rimac mit einer 10%-Beteiligung. Was ein Mega-Erfolg für die junge Firma ist, die 2009 gegründet wurde.

So, das waren sie. Von 10.000 ist-der-süß über 100.000 haben-will zu 2.000.000 nicht-mehr-kaufen-kann. Wenn jetzt einer immer noch der Meinung ist, Elektroautos sind lahm und langweilig, dem kann ich nicht mehr helfen.