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Don Dahlmann

Elektromobilität – China vs. den Rest der Welt

Die chinesische Regierung möchte bis 2020 mindestens 5 Millionen E-Autos auf den Strassen gehen. Das geht nicht ohne die Hilfe ausländischer Hersteller, aber die genau die will man nicht mehr fördern.

von Don Dahlmann am 17. Juni 2015

Es hätte so schön sein können. BMW hat mit dem i3 ein vielleicht nicht gerade schönes, aber sehr praktisches Auto gebaut. 150 km Reichweite, wiederverwertbare und ökologisch abbaubare Materialien, einigermaßen günstiger Preis. Das passt doch eigentlich perfekt auf den chinesischen Markt, vor allem, nachdem die Regierung klar gemacht hat, dass man mehr E-Autos auf den Strassen sehen will. Doch die Sache hat einen Haken: im Ausland gefertigte Fahrzeuge sind von Steuererleichterungen und Subventionen ausgenommen.

Es war noch nie leicht in China Geschäfte zu machen. Früher war ein Joint-Venture mit einem chinesischen Partner Pflicht, heute muss man zumindest nachweisen, dass man Dienstleistungen anbietet, die dem Staat und seinen 1.3 Milliarden Bewohnern nützlich sind, bzw. nur in China angeboten werden. Der Staat greift zudem permanent regulierend ein, was die Sache nicht leichter macht. Ein Dorn im Auge war der chinesischen Regierung die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Automobilunternehmen, doch man erkannte schnell, dass es einerseits Jahrzehnte benötigt um eine eigene schlagkräftige Autoindustrie aufzubauen, zum anderen kaufte die eigene Bevölkerung eben lieber ausländische Fahrzeuge. Da konnten Chery Automobile, BYD, Geely, BAIC oder Brilliance noch so oft ausländisches Design kopieren und die Preise der Staatsfirmen noch so günstig sein – am Ende kauften die Chinesen halt dann doch BMW, VW, Audi usw.

china bevölkerungEine neue Chance für die inländische Industrie sieht man allerdings jetzt. E-Autos sollen die von Smog bis zur Unbewohnbarkeit belasteten Städten entlasten. Ein bisschen steckt da zwar eine Milchmädchenrechnung hinter, weil der Strom für die E-Autos aus schmutzigen Kohlekraftwerken stammt, aber darum geht es der chinesischen Regierung erst einmal nicht. Wie eine Studie des Mercator Institutes eindrucksvoll belegt.

So sind importierte E-Autos von allen Subventionen und Steuerbegünstigungen ausgeschlossen. Staatliche Organisationen, von denen es in China jede Menge gibt, einschließlich Wirtschaftsunternehmen, dürfen keine E-Autos aus dem Ausland anschaffen. Ausländische Hersteller haben also nur zwei Möglichkeiten: entweder sie lassen das mit den E-Autos in China, was ihnen auf lange Sicht einen erheblichen Nachteil erbringt, oder sie verlagern den Bau der Fahrzeuge nach China. Doch das ist nicht ganz so leicht. Zum einen müssen die passenden Fertigungsanlagen erst hergestellt werden, zum anderen ist der Re-Import zum Beispiel nach Europa durch Zölle usw. dann auch wieder teuer.

Aber selbst wenn sich ein Hersteller auf die Investition einlässt, ist noch nicht alles gewonnen. Denn China plant einen eigenen Schnellladestandard für E-Autos, der auf Gleichstrom basiert. Damit will man die Hürden für ausländische Hersteller noch weiter erhöhen, bzw. die Preise deren Modelle die in China gebaut werden, weiter nach oben treiben.

Als Vorbild für diesen wirtschaftlichen Protektionismus gilt das „chinesische Internet“ hinter der großen Firewall. Der Ausschluss von Google, Facebook und Co dient nur zu einem gewissen Teil dazu, kritische Stimmen und Kommentare auszuschließen. Vielmehr wurde dadurch die eigene Internetindustrie angekurbelt. Alibaba und Baidu sind nicht nur marktbeherrschend, sondern mittlerweile auch so groß und mächtig, dass sie sich auf den internationalen Markt trauen. So sieht zum Beispiel Amazon die Konkurrenz von Alibaba mehr als kritisch.

Eine ähnliche Situation wünscht sich China für die eigene Automobilbranche. E-Autos und die damit verbundene Technologie soll es richten. Das Problem ist bisher nur: Die Chinesen kaufen keine E-Autos. Gerade mal 52.944 reine E-Autos und Plugin-Hybride konnten 2014 in China einen Käufer finden. Zum Vergleich: in Deutschland waren es auch nicht gerade berauschende 13.049 aber in den USA immerhin 119.710 Wagen. Während der Verkaufsanteil von E-Autos bei 0.73% liegt, dümpelt er in China bei 0.23% herum. Und das trotz einer 7 Milliarden Euro schweren Finanzierung.

Ab Ende September kommt der rein elektrische DENZA in China zu den Händlern. / End of September the pure electric DENZA will be available in China.

Einige deutsche Hersteller sind mittlerweile auch wach geworden. Mercedes hat ein Joint-Venture mit BYD und schonen einen eigenen Wagen, den Denza. Auf dem Markt. Durch die Subventionen ist die ummodulierte B-Klasse in China rund 10.000 Euro günstiger als das vergleichbare Modell in Deutschland. Und auch BMW, deren i3 in China wie erwähnt zu teuer ist, hat vorgesorgt. Zusammen mit Brilliance stellt man den „Zinoro E1“ her, ein, nun ja, Abfallprodukt des i3, allerdings ohne dessen Technologie.

Wie sich der Markt am Ende entwickeln wird, ist schwer zu sagen. Der Protektionismus der chinesischen Regierung wird den heimischen Autobauern einen Vorteil verschaffen. aber ihnen fehlt das Image und oft auch noch die Technologie um die nötigen Verkaufserfolge zu erziehen. So lange die Konsumenten auf ausländische Wagen stehen. Wie man aber auch beim Aufbau der eigenen Internetindustrie in China gesehen hat, kann der Protektionismus auch noch verschärft werden. Zumindest so lange, bis die eigene Industrie den Markt beherrscht.