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Elektromobilität: Entlastung für das Klima? Ja, aber…

Was könnten sie in D zur Reduktion der lokal erzeugten CO2-Menge beitragen?

von Robert Basic am 31. August 2018

Altes Thema, nichts Neues: Elektroautos retten das Klima. Oder genauer gesagt, sie tragen zur Reduktion der menschgemachten Kohlendioxid-Mengen bei. Prinzipiell stimmt die Grundaussage. Es gibt jedoch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute haben wir schon gehört. Nun zur schlechten Nachricht.

Damit Elektroautos einen Beitrag leisten, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:
1. Je weniger Strom nachhaltig erzeugt wird, umso geringer fällt der Reduktionsbeitrag aus.
2. Je langsamer der Verbrennerbestand durch Elektroautos ausgetauscht wird, umso weniger leistet das Elektroauto überhaupt noch einen Beitrag zu den deklarierten Klimazielen. Ende vom Lied? Ja, Elektroautos fahren herum. Nein, es ist zu spät, um überhaupt noch den ernsthaften Temperaturanstieg auf deutlich über +2 Grad aufzuhalten.

So sieht es aus. Beide Tempozeiger „Umstellung auf Öko-Energie“ und „Umstellung Verkehrsflotte“ stehen weder am Anschlag noch zeigen sie deutliche Ausschläge. Warum? Das lässt sich in einem sehr simplen Zahlenspiel aufzeigen. Sämtliche Grunddaten sind sehr einfach beim Umweltbundesamt nachzuschlagen.

♦ CO2 Ausstoßmenge IST
1. Die BRD erzeugt 900 Mio Tonnen CO2 pro Jahr.
2. Ziel der Regierung: Bis 2020 eine Reduktion auf 750 Mio Tonnen, also 150 Mio Tonnen weniger. Langfristig sollen es bis 2050 rund 80% bis 90% weniger sein.
3. Verkehrsanteil am CO2-Ausstoß aktuell: 162 Mio Tonnen (18%)
davon PKW: 122 Mio Tonnen (=2,65 Tonnen CO2 je Fahrzeug/Jahr bei 46 Mio. PKWs)
davon Güterverkehr: 40 Mio Tonnen.

♦ Reduktionseffekte (Produktionsbedingte CO2-Erzeugung für E-Mobile außen vor)

1. Bei einem Ökostromanteil von 100% und 1 Mio Elektro-PKWs: -2,65 Mio Tonnen CO2.

2. Bei einem Ökostromanteil von 50% (Stand heute: Unter 40%) und 1 Mio Elektro-PKWs: -1,3 Mio Tonnen
Berechnung: bei 0,476 kg CO2/kWh, einer üblichen 15.000 km Jahresfahrleistung, 15 kWh/100 km Verbrauch und +20% für Lade- und Transportverluste = ca. 1,3 Tonnen an CO2 fallen je Jahr pro E-Auto an. Demnach sparen wir statt -2,65 Mio Tonnen nur die Hälfte ein.

3. Bei einem Ökostromanteil von 100% und 46 Mio Elektro-PKWs (unter einem rein theoretisch angenommenen, kompletten Wechsel des aktuellen Gesamtbestands an PKW-Verbrennern): -122 Mio Tonnen CO2

4. Bei Ökostromanteil von 50% und 46 Mio Elektro-PKWs (ebenso angenommener kompletter Wechsel des Gesamtbestands PKW-Verbrennern): -61 Mio Tonnen CO2.

Soweit zu den Reduktionsdaten und den Korridoren, wie viele Tonnen wir durch den Wechsel von Verbrenner zu Elektro-PKW einsparen könnten. Jetzt geht es nur noch um das Tempo des Wechsels.

♦ Reduktionstempo?
Bei einem angenommenen Kaufverhältnis von 1:2 (E zu Verbrenner)  ab sofort: Nach rund 15 Jahren – im Jahr 2033 – gäbe es rein rechnerisch 15 Mio E-PKWs und 31 Mio Verbrenner. Das sind aber nur -40 Mio Tonnen CO2 bzw. -30% weniger CO2 Ausstoß durch PKWs.  Wir müssen überall um 80-90% herunter.

Würde sich an der Wechselrate von 1:2 nichts mehr ändern, würde die Verteilung der PKWs E:Verbrenner von da an gleichbleiben. Demnach muss auch das Austauschtempo stetig anwachsen. Momentan sind wir mathematisch nahe an der Null-Linie, da der Bestand an Elektroautos an der 1%-Marke kratzt. Bei den Neuzulassungen sieht es noch magerer aus. Wir haben demnach nicht einmal wirklich angefangen.

Help me, Obi-Wan Kenobi. You’re my only hope

Das Langfristziel der Regierung ist jedoch, bis 2050 den Ausstoß um 80-90% zu verringern. Dafür reicht das Kaufverhältnis 1:2 im Verkehrssektor nicht aus. Jedes Jahr kommen 3 – 3,5 Mio neue PKWs auf die Straße. Diese Zahl bleibt bis auf Weiteres konstant. Es muss drastisch höher ausfallen, über die Jahrzehnte. Idealer wäre eine Wechselrate von 1:1. Also 1,5 – 1,75 Mio Elektros jedes Jahr neu. Um den Ist-Bestand von 46 Millionen PKWs zügiger zu reduzieren.

Hierbei ist noch nicht berücksichtigt, wie schnell oder ob überhaupt ein Umstieg auf reine Ökostromproduktion gelingen kann. Auch haben wir nicht einmal den produktionsbedingten CO2-Ausstoß von Elektroautos verrechnet. Der bereits beim Aushub der Rohstoffe und deren Transport sowie Verarbeitung anfällt (lokal und überregional). Beliebte Materialien wie Stahl und Aluminium sind bei der Produktion extreme CO2-Faktoren (es geht nicht einmal um eine CO2-neutrale Ökoenergiezufuhr, sondern um die chemischen Reaktionen). Ob der CO2-Anteil in Deutschland anfällt oder in Bangladesh, interessiert den Globus nicht einmal ansatzweise.

Was ist die Hoffnung letztlich? Meine persönliche Meinung steht auf wackeligen Beinen: Der Einzug der autonomen Fahrzeugflotten (Verbrenner machen kostentechnisch für Betreiber absolut keinen Sinn) wird ein dramatischeres Wechseltempo anstoßen, denn das Kaufverhalten der Konsumenten. Auch unter Mitleidenschaft der Öffentlichen Nahverkehrsmittel. Das erkläre ich aber ein anderes Mal.

Auch hier taucht ein großes Problem auf: Es sind First-World-Betrachtungen. Wo wir uns das gerade so leisten können, werden womöglich andere Länder das Kapital nicht dafür haben. Nochmals zu Erinnerung: Dem Klima sind Grenzen im Kopf und an Land vollkommen egal.

Titelbild: Copyright Jason Bolosnki, Car under Fire, Flickr.com / CC by 2.0