Elon Musk - Zeichnung von thierry ehrmann
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Elon Musk bekommt Kindergärtner zur Seite gestellt

von Robert Basic am 30. September 2018

Die US-Behördenaufsicht SEC hat sich mit Elon Musk außergerichtlich geeinigt.

Die Details der Einigung:

  • Musk will step down as Tesla’s Chairman and be replaced by an independent Chairman. Musk will be ineligible to be re-elected Chairman for three years;
  • Tesla will appoint a total of two new independent directors to its board;
  • Tesla will establish a new committee of independent directors and put in place additional controls and procedures to oversee Musk’s communications;
  • Musk and Tesla will each pay a separate $20 million penalty. The $40 million in penalties will be distributed to harmed investors under a court-approved process.

Er verliert damit erzwungenermaßen seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender für drei Jahre. Und damit einen wichtigen Teil seiner Macht. Zwei weitere AR-Mitglieder werden zudem einberufen, die ebenso unabhängig sein müssen. Sprich? Sie dürfen weder mit den Investoren noch der Musk-Familie in irgendeiner Weise verbunden sein (der Vorstand und der Aufsichtsrat fungierten bis dato als reine Steigbügelhalter für Elon). Deren Aufgabe wird es explizit sein, Musk als eine Art Kindergärtner auf die Twitter-Finger zu schauen. Ohne deren Zustimmung wird kein einziger Tweet von Elon Musk mehr herausgehen dürfen, der in irgendeiner Art und Weise Tesla betrifft. Peinlicher hätte man nicht mehr die große Schwäche des Unternehmens in den Vordergrund stellen können. Die Strafe in Höhe von 40 Millionen US-Dollar ist eher symbolisch zu verstehen. Was am Ende dabei herumkommt, weiß kein Mensch. Denn die zivilgerichtlichen Klagen Betroffener stehen noch aus. Ebenso die Überprüfung des US-Justizministerium gegen Tesla.

Elon Musk bleibt damit CEO von Tesla, muss jedoch drei unabhängigen AR-Mitgliedern Bericht erstatten. Womit sich die Kontrollmacht stark verändert. Ein wie bisher gewohntes Durchmanagen im  gewohnten Tesla-Chaos und in der Alleinherrschaft Elons wird damit womöglich unterbunden.

Wenn man es so will, hat das SEC Tesla einen Großen Gefallen getan. Und dazu beigetragen, dass dieses Unternehmen endlich erwachsener wird. SpaceX behält seinen CEO und kann frei darüber entscheiden, ob es in Zukunft an die Börse möchte. Was mit Elon Musk unmöglich geworden wäre.

Elon selbst kann weiter auf die teuerste Absahn-Wette aller Zeiten hoffen. Der 2018 abgesegnete Vertrag bietet ihm bei Erfüllung aller Ziele (kaskadierende Mischung aus Marktwerten und Gewinnen) ein Gesamtvermögen von 158 Milliarden US-Dollar alleine in Tesla-Aktien (Maximalwert der optionalen Ausschüttung in Aktien-Optionen: 55,8 Milliarden US-Dollar + einen Eigenanteil in Höhe von 22%, den Elon bereits an Tesla hält). Was diese Dimension an vereinbarten Gehaltsvorteilen angeht, übertrifft ihn weder Bezos noch Gates. Hätte er den Posten als CEO verloren, wäre der Vertrag fast nichtig geworden. Die Bedingung ist: Er bleibt entweder CEO, AR-Vorsitzender oder Chief Product Officer bei Tesla. Als CEO kann er damit weiter auf das größte Absahnen aller Zeiten hoffen. Eine Garantie hat er aber nicht mehr, denn wie Travis Kalanick bei Uber droht ihm der gleiche unrühmliche Abgang, wenn er es weiterhin übertreibt und der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat mitsamt dem neuen Vorsitzenden den Daumen senkt.

Gefühlt ist Elon Musk seit dem Twitter-Chaos rund um den Börsenrückzug deutlich leiser geworden. Jedoch ist Langeweile – wenn man es so werten möchte – nicht die Abwesenheit einer wichtigen Eigenschaft, mit der ein so großes Unternehmen verantwortlich und kommunikativ vertrete werden sollte.

Titelbild: Zeichnung von Thierry Ehrmann, CC by 2.0