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Erde an KI: Kannst du kurz die Welt retten? – KI-Festival im Rückblick

Künstliche Intelligenz wird unsere Zukunft in vielen Bereichen grundsätzlich verändern, so viel steht fest! Welche Chancen und Herausforderungen diese Veränderung mit sich bringen kann, versucht Microsoft mit dem vor kurzem stattgefundenen "KI-Festival" zu ergründen. Statt zu fragen, was Technologie kann, möchte man gemeinsam definieren, was sie tun sollte. Es liegt in unserer Hand, ob wir ängstlich vor den Risiken der KI zurückschrecken wollen, oder die Technologie mitgestalten, um sie besser und intelligenter zu machen. Dann nämlich hat Künstliche Intelligenz das Potenzial, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

von Vera Bauer am 13. April 2019

“KI ist nicht unbedingt das fancy Ding, was irgendwo da draußen ist, sondern es ist in vielen Fällen schon Teil unseres Alltags.” Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft

Es liegt eine gespannte Stimmung in der Luft, als ich die Bolle Festsäle in Berlin Moabit betrete. Jeder Teilnehmer kann es kaum erwarten, sich endlich mit anderen Menschen auszutauschen, über KI zu diskutieren und kreative Ideen zu entwickeln. Dazu lädt das “KI-Festival” von Microsoft nämlich ein, und zwar jeden! Normalerweise sind es nämlich Wissenschaftler und Entwickler, die diese Zukunftsvorstellungen und -wünsche mit KI realisieren. Politiker und Experten, schaffen für die Gestaltung unserer intelligenten Zukunft die passenden Rahmenbedingungen. Beim “KI-Festival” ist aber jeder Willkommen! Hier sind Lehrer, Pädagogen, Künstler, Ärzte, Pfleger und natürlich Nutzer vertreten und sie alle lassen ihre Idee hier mit einfließen.

Es ist wichtig, dass wir vielfältiger werden, auch was die Entwicklung von künstlicher Intelligenz angeht. Denn, wie schon ein Machine Learning Fail bei Amazon zeigte: Wenn wir nicht vielfältig an eine Sache herangehen, könnte eine KI sehr sexistisch angelernt werden. In diesem Fall wurden dem Programm nur sehr einseitig männliche Daten aus der Vergangenheit zur Verfügung gestellt, um neue Amazon-Bewerber auszufiltern. Weibliche Bewerberinnen schlug das Tool irgendwann gar nicht mehr vor, da in der Vergangenheit ja auch mehr Männer als Frauen gewählt wurden.

Ihr seht also, der Wandel und die Vielfältigkeit, mit der wir eine Künstliche Intelligenz anlernen können, beginnt bei uns selbst. Wir sind nicht perfekt, KI-Tools sind es auch nicht. Aber unsere und ihre Stärken können sich perfekt ergänzen! Wir müssen keine Angst davor haben, dass die Maschinen die Kontrolle über uns übernehmen, denn die Macht liegt in unseren Händen. Wenn wir uns vor dieser Kontrollübernahme fürchten, dann entgleitet uns, was einst als Chance begann. Wir brauchen in Deutschland mehr Lust auf KI, wir müssen mehr auf die positiven Aspekte schauen, auf die Chancen.

Dieser Spirit war beim Festival überall zu spüren. Jeder hatte Lust auf KI und Interesse an den unglaublichen Möglichkeiten, mit dieser Technologie das Leben von Menschen zu verbessern. Wir wollten Dinge anpacken und gemeinsam die Welt verändern. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, hat sich Microsoft drei große Themenbereich ausgedacht: Es ging um Künstliche Intelligenz im Bezug auf Gesundheit, Umwelt und das Arbeitsleben. Dazu wurden interaktive Workshops angeboten, in denen wir in Gruppen ein vorgegebenes Thema ausgesucht haben und dazu eine mögliche KI-Lösung entwickelten.

Erde an KI: Kannst du kurz die Welt retten?

Mein erster Workshop drehte sich um Nachhaltigkeit und Umwelt. Wo kann Künstliche Intelligenz hier ansetzen und Dinge verändern? Das Thema unserer Wahl befasste sich mit der Luftqualität – wir sollten sie mit einem KI-Tool also überwachen und am besten auch verbessern. Um uns nicht ganz ins Leere laufen zu lassen, wurden uns verschiedene Technologiekarten zur Verfügung gestellt.

Wir sollten aussuchen, welche Technik wir also brauchen könnten, um die vorgegebene Aufgabe zu erreichen. In unserer Gruppe stellte sich schnell eine konstruktive Diskussion ein – wir waren uns alle einige darüber, dass wir Technologien, wie Sensoren für Luftverschmutzung, Anomalie-Tools und Umweltdaten brauchen würden. Wie baut man daraus jedoch einen KI-Ansatz?

Wir grenzten unsere Idee weiter ein und wollten uns erstmal auf die Reduzierung von Autoabgase beschränken. Dazu ist es wichtig, Staus und rote Ampel-Wellen zu vermeiden. Eine Künstliche Intelligenz könnte mit Hilfe der herausgesuchten Technologien also die Verkehrssituationen im Blick behalten, analysieren wo bald mit Stau zu rechnen ist und die Autofahrer per Navi umleiten.

Heilen mit Daten: Vertraust du Dr. KI?

Nach einer kurzen Mittagspause wollte ich herausfinden, was mit Künstlicher Intelligenz im medizinischen Bereich zu machen ist. Auch hier entschied sich unsere Gruppe für ein Thema: Diesmal versuchten wir eine Lösung für die Diagnose von psychischen Erkrankungen zu finden. Ein hoch gestecktes Ziel, aber eins, dass immer wichtiger wird!

Die medizinischen Technologiekarten versetzen uns schnell in eine hitzige Diskussion, in die jeder von unseren sechs Gruppenmitgliedern etwas einbringen konnte. Wir diskutierten darüber, wie man psychische Erkrankungen erkennen könnte: Machten sie sich über körperliche Vitalwerte bemerkbar, oder doch eher über Veränderungen im Gehirn? Es war ein respektvoller Austausch, in dem auch jeder offen über seine Berührungspunkte mit einer psychischen Erkrankung sprechen konnte, ohne dafür ausgelacht oder schief angeguckt zu werden – weil es eben vollkommen normal ist!

Da wir nur zwei Technologiekarten auswählen durften, einigten wir uns darauf, die Diagnose mit Emotionserkennungssoftware und tiefgreifender Spracherkennung anzugehen. Eine solche Künstliche Intelligenz könnte sowohl im öffentlichen Bereich, im Smart Home oder auch im Auto ermöglicht werden, obwohl hier natürlich wieder ethische Fragen aufkommen. Es sind eben alles nur Überlegungen zu KI-Lösungen, keine vollwertigen Konzepte, denn um das alles genau zu durchdenken, reicht eine Stunde auf gar keinen Fall aus!

Arbeit und KI: Wer ist hier der Boss?

Spannend war auch der Workshop zum Thema Arbeit und KI, denn hier wurde eine völlig andere Methode zur Entwicklung von Ideen eingesetzt. Mit Hilfe von drei Kartenstapeln sollten wir Szenarien zusammenbauen, die uns kreativ anregen und mit denen wir “Das Ding aus der Zukunft” erdenken sollten. Ein möglicher Satz kann also sein: “In einer Zukunft geprägt von einer herrlichen KI, gibt es ein Gesetz im Zusammenhang mit Diversity“. Denkt euch dazu mal was aus!

Die Ideen waren vielseitig: Es wurden Vorschläge für ein Gesetz gemacht, bei dem alle Entscheidungen durch verschiedene Personengruppen getroffen werden müssen, die immer ein menschliches Merkmal vertreten. Sodass also nicht nur weiße alte Männer eine politische Entscheidung treffen dürfen, sondern auch die Meinung farbiger junger Frauen, Transgender-Personen und heterosexueller Männer einbezogen wird. Natürlich kann es auch hierbei Überschneidungen der Merkmale geben. Diese Entwicklungsmethode von Ideen hat mich persönlich am meisten herausgefordert, da man sich zum dem Szenario alleine etwas ausdenken musste und nicht im Team. Erst danach, wurden die Ideen in der Gruppe besprochen

“Geht raus in die Welt und verändert das, was euch nicht gefällt!” Valerie Mocker, Geschäftsleiterin bei Nesta

“Make Your Wish”-Award

Insgesamt haben alle Workshops sehr viel Spaß gemacht und ich habe den Austausch mit so vielen anderen Leuten, sowohl auf technologischer als auch kreativer Basis, sehr genossen! Der Tag endete mit einer kleinen Preisverleihung zur “Make Your Wish“-Kampagne von Microsoft. Hier hat das Unternehmen bereits im Dezember dazu aufgerufen, Ideen für die KI-Zukunft einzureichen.

Microsoft hat fünf Finalisten mit zum KI-Festival gebracht, von denen drei schlussendlich auf dem Siegertreppchen standen. Diese Ideen werden dann zusammen mit Führungskräften aus Unternehmen, Programmierern und KI-Experten, Wissenschaftlern, Umweltschützern, Ärzten und Krankenpflegern umgesetzt und finanzielle Unterstützung zugesichert.

Auch das Publikum durfte beim KI-Festival mit entscheiden – schlussendlich hat eine Jury jedoch die Sieger gekürt. Der erste Platz ging an die Idee, Ernteausfälle durch KI-gestützte Hinweise zum Schutz vor Schäden an Nahrungspflanzen zu vermeiden. Nutzer – vom Landwirt und Kleinbauern bis zum Selbsterzeuger – können ihre Pflanzen mit dem Smartphone fotografieren, KI analysiert die Bilder. Die Anwendung erkennt, welche Schädlinge darauf zu sehen sind, wertet die Farbe der Pflanze aus und leitet Empfehlungen ab, welche Nährstoffe zu düngen sind, wie die Bewässerung optimiert werden sollte oder was gegen die gefundenen Schädlinge unternommen werden kann.

Das Siegerkonzept erhält dementsprechend 25.000 Euro für die Weiterentwicklung des Projekts und technische Unterstützung durch KI-Experten von Microsoft. Platz zwei (15.000 Euro) geht an den Microsoft Partner PlanB und die Entwicklung einer KI, die den Zustand von Patienten überwacht, um bei Frühwarnzeichen für Schlaganfälle Ärztinnen und Ärzte zu alarmieren. Mit Platz drei (10.000 Euro) zeichnet die Jury Team Neusta und das Konzept einer KI für die intelligente Wartung von Stromnetzen aus.

Ich bedanke mich bei Microsoft für die Einladung zum KI-Festival und dem spannenden Tag!

Bildquelle: microsoft