Hach, Internet
Es gibt sie noch, die tollen Internet-Stories: Weezer covern „Africa“

Ist es grundsätzlich sowas besonderes, wenn eine Band einen Song covert? Nein. Wenn Weezer aber "Africa", den 1982er-Hit der Band Toto covert, ist es was anderes. Wir erzählen euch auch, wieso das so ist. 

Ja, ja — ich kann euch schon wieder schreien hören: „Ihr seid ein Tech-Blog! Wieso ist es wichtig, wenn Band A einen Song von Band B covert?“ Meine Antwort: Weil es einem 14-jährigen Mädchen wichtig war. Weil es einen Internet-Hype um dieses Cover gab, weil es eine tolle Geschichte ist — und ich tolle Geschichten sowohl mag, als auch gerne weiter erzähle. Aber der Reihe nach:

Es geht konkret um die Band Weezer. Die Mannen um Sänger Rivers Cuomo haben sich des Songs „Africa“ von Toto angenommen. So weit, so normal — schließlich ist der Hit von 1982 weltbekannt und wurde in der Folge von vielen Künstlern neu interpretiert. In diesem Fall ist die Geschichte eine besondere und diese Geschichte geht so:

#WeezerCoverAfrica

Am sechsten Dezember des letzten Jahres erschien folgender Tweet:

Direkt an Rivers Cuomo gerichtet hieß es da: „It’s about time you bless the rains down in africa“. Ein Zitat aus dem Song „Africa“, dazu ein Account, der sich „Weezer Cover Africa“ nennt — die Mission war also klar: Entweder möchte da jemand die Band Weezer trollen, oder jemand hat tatsächlich diesen Herzenswunsch, dass Weezer Toto covert — okay, eventuell auch beides.

Wie sich herausstellen sollte, steckt hinter dem Account die 14-jährige Mary, wie Noisey bereits am achten Dezember 2017 berichtete. Das Mädchen aus Cleveland kam durch die School of Rock-Stunden mit ihrer Cover-Band auf Weezer. Ursprünglich ein Green Day-Fan, kam sie bald auf den Weezer-Geschmack.

In einem Interview sprachen Weezer darüber, was sie bei ihrem 2017er-Album inspiriert habe und Mary alberte herum, als sie sagte, dass sie wette, Weezer wurden durch Totos „Africa“ inspiriert. Eigentlich also nur ein dummer Gag, aber die Idee war in der Welt. Jetzt wollte sie sehen, ob man die Band tatsächlich dazu bringen kann, den Song „Africa“ zu covern.

Sie legte los mit ihrem neuen Twitter-Account und es gab sogar eine erste Reaktion der Band, genauer gesagt eine Reaktion des Drummers:

Das Internet machte das, was es schon oftmals so gekonnt getan hat: Mischt sich ein, feiert die Idee und macht lustig mit. Erste Medien stürzten sich auf die Geschichte, Noisey war von Anfang an mit von der Partie:

So entstand aus diesem Gag sowas wie eine Bewegung, die Weezer zu jeder Gelegenheit dazu aufforderte, doch nun bitte endlich „Africa“ von Toto zu covern. Die Band äußerte sich zu der Idee in den kommenden Monaten zwar nicht mehr zu der Story, aber es wurden immer mehr Menschen, die Weezer zum Covern aufforderten. Das Hashtag „WeezerCoverAfrica“ trendete sogar auf Twitter aufgrund der Berichterstattung.

Vor ein paar Tagen dann zeigte Weezer, dass man sich nicht nur von Fans trollen lässt, sondern dass sie selbst die verdammten Troll-Könige sind: Sie veröffentlichten nämlich — quasi aus dem Nichts — tatsächlich eine Cover-Version. Und ja, es war tatsächlich eine Cover-Version eines Toto-Hits. Und nein, es war nicht „Africa“, sondern „Rosanna“!

Beide Songs sind damals sogar auf dem gleichen Album namens „Toto IV“ erschienen: „Rosanna“ als Opener, „Africa“ als Schluss-Song. Weezer zeigten also dem fordernden Twitter-Mob eine lange Nase und nahmen einfach einen anderen Song auf.

Ich halte die Reaktion der Band für einen grandiosen Gag und ich wette, in der Noisey-Redaktion sieht ganz ähnlich aus. Sie spielten das Spiel aber weiter mit und jammerten in einem neuen Artikel:

Weezer, why are you toying with us? Why won’t you bless the rains? Is it something we’ve done? Or are you setting us all up for the best “Africa” cover the world has ever heard? Last we checked, there were no Twitter accounts beseeching you to cover “Rosanna.” There is no @WeezerCoverRosanna. There is @WeezerCoverAfrica. Why are you so intent on dashing the hopes of our nation’s teens? Please, Weezer, this year has taken so much from us. Give us what we want. We want “Africa.”

Aber die Story ist ja auch längst noch nicht am Ende — also noch besteht die Chance, dass es zu einem guten Ende gebracht wird. Und in der Tat: Weezer ließen nur fünf weitere Tage auf sich warten, bis dann gestern — ebenso plötzlich wie bei „Rosanna“ — eine weitere Cover-Version veröffentlicht wurde. Wieder Toto, wieder vom Album „Toto IV“ und ja: Dieses mal war es dann tatsächlich „Africa“!

Manchmal ist es wirklich so leicht und man braucht lediglich eine Rockband, die den Wunsch eines Teenagers erfüllt, um Twitter für einen Tag komplett glücklich zu machen ;)

Nicht nur, dass eine 14-Jährige in Cleveland und unzählige Menschen auf Twitter begeistert waren — auch die Reaktion von Toto höchstpersönlich ließ nicht lange auf sich warten:

Klar, dass man auch im Hause Noisey jetzt besänftigt war, weil endlich die „Gebete erhört wurden“. Die Frage ist lediglich, was nun aus der guten Mary wird. Im Sommer stehen zwar Weezer-Konzerte an, auf die sie sich freut, aber was ihren Twitter-Account und ihre ursprüngliche Forderung angeht, könnte sie jetzt natürlich auf eine Sinnkrise zusteuern. Erst mal will sie jetzt aber die ganze Story in Ruhe genießen — wie ich finde, ihr gutes Recht.


Was lernen wir aus der Geschichte? Eigentlich nichts außer dass man gerade im Internet durchaus große Dinge anstoßen kann. Dass man die Welt — und sei es nur ein kleiner Ausschnitt davon — verändern kann, wenn man hartnäckig bleibt und an eine Idee glaubt.

Ich will jetzt nicht zu pathetisch werden und von „Weezer covern Africa“ auf „alles ist machbar“ schließen, aber ich kann euch sagen, was ich machen werde: Ich werde mir jetzt einen Zettel nehmen und ein paar Ideen sammeln, von denen ich glaube, dass man sie mithilfe des Internets und den Menschen dort anstoßen kann, egal, wie behämmert die Ideen auch klingen mögen.

Mal überlegen: Vielleicht fordere ich, dass die nächste Android-Version „Android Currywurst“ getauft wird. Oder, dass Depeche Mode auf ihren kommenden Berlin-Konzerten nur Songs der ersten vier Alben spielen, anstelle von Songs der letzten vier Alben. Vielleicht muss man aber auch globaler denken und fordert einfach, dass sich alle Smartphone-Hersteller verpflichten, nur noch „saubere“ Rohstoffe zu verwenden und beispielsweise auf Materialien zu verzichten, mit denen Kriegstreiber unterstützt werden.

Okay, das letzte ist dann tatsächlich eine Nummer zu unrealistisch, scheint mir. Aber sei es drum: Ich erfreue mich jetzt daran, dass in Zeiten, in denen man tagtäglich mit Fake-News, Hassrede und schlechten Nachrichten zugeballert wird, auch noch diese Welt existiert. Die Welt, in der eine positive Geschichte die Runde macht, die vielleicht nicht für jedermann sonderlich spannend ist, die aber definitiv niemandem schadet und dem ein oder anderen sogar den Glauben daran zurückgibt, dass man viel bewegen kann, wenn man nur möchte.

PS: Ich mag Weezer, sehr — aber musikalisch hauen mich jetzt beide Toto-Covers nicht aus den Socken. Interessiert mich aber tatsächlich nur am Rande. Ich höre sie mir dennoch gerne an und will den Artikel natürlich nicht beenden, ohne euch selbst noch den Song zu präsentieren. Und wie ihr seht, haben Weezer tatsächlich auch ein Artwork gewählt, welches den Tweet des kleinen Mädchens in den Vordergrund stellt. Wer will der Band da noch böse sein, dass ihre Interpretationen nicht an die Vorlage heranreichen? ;)