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EU: Langfristige CO2-Ziele und EU-Umweltrat mit neuen Zielwerten für Verkehr

von Robert Basic am 10. Oktober 2018

Gestern haben sich die EU Umweltminister der Mitgliedsstaaten auf neue CO2-Werte für den Straßenverkehr geeinigt. Das sind noch lange keine in Gesetze gegossenen Beschlüsse, sondern sie dienen als Verhandlungsgrundlage. Man wird sich in den nächsten Tagen mit dem EU-Parlament zusammensetzen, um die endgültigen Werte sattelfest zu machen. Soweit das Formale.

Ein kurzes EU-Plädoyer und der innere Stammtisch

Am Rande: Es ist ein Faszinosum zu beobachten, wie sich ein riesiger Staatenbund organisiert, um beschlussfähig zu sein und irgendwie gemeinsam voranzugehen. Ich selbst bin ein riesiger Fan des Gedankens an ein gemeinsames Europa. Der bloße Gedanke alleine macht aber nicht satt. Es kommt auf das langweilige, alltägliche Werk eines jeden Gebildes hinter einem Gedanken an. Und genau da bin ich jedesmal aufs Neue fasziniert, wenn ich in die Details einsteige, wo wer wie warum was bei der EU überhaupt macht. Ich kann nur jedem raten, selber einzutauchen. Versucht zunächst den groben Aufbau und die ungefähre Arbeitsweise zu durchblicken (Parlament, Kommissionen, Wahlen, Gesetzesgebung, EU Rat, Dienste, Wikis, Dokus, Mitwirkungsmöglichkeiten, Personen). Schaut euch danach die einzelnen Bereiche an, mit denen sich die EU bis ins letzte Detail exzessiv beschäftigt. Dann verstummt der innere Stammtisch relativ schnell, der so gerne über die EU Bürokraten und deren „krummen Gurken“ meckert. Wer immer nur anderen nachplappert, gerade populistischen EU-Gegnern, bleibt leidlich dumm.

Kommen wir zu dem Vorschlag der EU-Umweltminister (EU-Rat, Bereich Umwelt).

Was will der EU-Rat?

Für PKWs:

  • -15% bis 2025
  • -35% bis 2030

Fürs Vans / leichte Nutzfahrzeuge

  • -15% bis 2025
  • -30% bis 2030

Quelle (es gibt noch weitere Details dazu, aber auf die gehe ich hier nicht ein). Es wird sowieso erst richtig spannend, wenn es in die endgültige Verhandlungsrunde geht.

Wichtig zu wissen: Die Reduktion bezieht sich auf das Basisjahr 2021! Bis 2020 müssen nämlich die Flotten der Autohersteller ein Maximum von 95 Gramm CO2 auf einen Fahrkilometer ausstoßen. Im Durchschnitt über alle zugelassenen Pkws hinweg. Wir sprechen daher von einem Flottendurchschnitt. Im Moment befinden wir uns EU-weit bei 119 Gramm je Kilometer. Übrigens, jeder Hersteller ist natürlich für die Einhaltung seines eigenen Flottenwerts zuständig. Wenn X es nicht schafft, kümmert das Y herzlich wenig. Wer es nicht schafft? Der wird deftige Strafen je Fahrzeug bezahlen müssen. Aber lassen wir das hier beiseite.

Was will das EU-Parlament?

Man hofft auf -40%. Darüber haben wir bereits geschrieben und eine erste Einschätzung abgegeben.

Was will die EU-Kommission?

Man hatte sich mit der Autoindustrie, die -20% anboten, auf -30% geeinigt. Was eine EU-Kommission ist? Oh Gott, bitte auf die Brexit-Seite stellen und schämen. EU-Kommissionen sind sozusagen eine Art Exekutive,  Kabinett und Ministerium zugleich. Sie haben das entscheidende Recht, EU-Gesetze vorzuschlagen. Bitte hier informieren.

Wo steht die EU bei der Erfüllung der eigenen CO-2 Ziele?

Es ist nicht leicht, alle Daten und Zielkorridore im Kopf zu behalten. Daher ein Ausflug in die Langfristwelten der EU im Bereich Klimawandel. Hierzu als Einstiegsquelle eine Übersichtsseite der EU.

Das langfristige Ziel konkret?

  • Bis 2050 sollte die EU ihre Treibhausgasemissionen um 80 % gegenüber dem Stand von 1990 senken.

Auf welche Sektoren beziehen sich diese CO2-Ziele?

Energie (siehe Beispielslink), Industrieprozesse, Flächennutzung, veränderte Flächennutzung und Forstwirtschaft, Abfälle, Landwirtschaft, Verkehr und weitere.

Welche Etappenziele hat die EU bisher im Visier?

Ja, die gibt es. Und zwar für die Jahre 2020, 2030 und 2040.

  • Bis 2020:
    – Senkung der Treibhausgasemissionen um 20 % (gegenüber dem Stand von 1990)
    – 20 % der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen
    – Verbesserung der Energieeffizienz um 20 %
    => alle 2020er Ziele gelten als erreicht!
  • bis 2030:
    Senkung der Emissionen um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 (dieses Ziel wurde bereits im Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 festgelegt).
  • bis 2040:
    Senkung der Emissionen um 60 % bis 2040.

Macht die EU Fortschritte?

Natürlich werden die Zielvorgaben auch statistisch nachgehalten. Auswertungen én masse gibt es auf dieser Seite zum Einstieg.

  • Von 1990 bis 2016 wurden die Emissionen in der EU um 23 % gemindert, während die Wirtschaft im selben Zeitraum um 53 % wuchs.
  • Im Jahr 2016 allein gingen die EU-Emissionen um 0,7 % zurück, das BIP stieg jedoch um 1,9 % an.
  • Die EU beteiligt sich weiterhin aktiv an der internationalen Klimapolitik und erhöhte ihre Beiträge zur Klimafinanzierung im Jahr 2016 auf 20,2 Mrd. Euro.

Anbei einige selbsterklärende Charts, um ein Gefühl für die Korridore zu bekommen, in denen wir uns bewegen.

EU Emissionen
Quelle

 

EU Monitoring
Quelle

 

EU Monitoring
Quelle
CO2 Ausstoß
Statistisches Bundesamt

Was sagt die EU zum Verkehr?

Zitat:

Die Emissionen im Verkehrsbereich könnten bis 2050 um mehr als 60 % gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden.

Kurzfristig ließen sich Emissionssenkungen durch eine Verbesserung der Kraftstoffeffizienz benzin- und dieselbetriebener Fahrzeuge erzielen.

Mittel- bis langfristig bieten Plug-in-Hybrid- und Elektrofahrzeuge die größte Aussicht auf Erfolg.

Im Luft- und Straßengüterverkehr werden verstärkt Biokraftstoffe eingesetzt, da sich der Schwerlastverkehr nicht vollständig auf Strom umstellen lässt.

CO2-Werte des Straßenverkehrs?

CO2 -Werte EU Verkehr
Quelle

Warum macht das die EU?

Zitat:

  • Europas Wirtschaft durch die Entwicklung sauberer Technologien und kohlenstoffarmer oder -loser Energieträger neuen Schwung geben und Wachstum und Beschäftigung ankurbeln,
  • Europa bei der Reduzierung seines Verbrauchs wichtiger Ressourcen wie Energie, Rohstoffe, Land und Wasser unterstützen,
  • die Abhängigkeit der EU von teuren Öl- und Gaseinfuhrenreduzieren,
  • zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit beitragen, beispielsweise durch geringere Luftverschmutzung.
  • Für diesen Übergang sind über die nächsten vier Jahrzehnte 270 Milliarden Euro (oder im Durchschnitt 1,5 % des BIP jährlich) an zusätzlichen Investitionen erforderlich.

Soweit so gut, das war eine kleine Bildungsreise zur EU und hier speziell dem Thema Treibhausgas CO2 gewidmet.