Clickbait
Unfassbar! Ihr werdet nicht glauben was Facebook jetzt schon wieder ausheckt!

Facebook will ab sofort verstärkt gegen Clickbait vorgehen. Eine neue Änderung am Algorithmus soll Überschriften erkennen, in denen eigentlich notwendige Informationen nicht enthalten sind. Websites, die ihre Benutzer gezielt neugierig machen und zu Klicks verleiten werden dann gefiltert - wenn es denn klappt.

Facebook will ab sofort verstärkt gegen reißerische Überschriften vorgehen. Ein überarbeiteter Algorithmus soll erkennen, wenn ein Beitrag als „Clickbait“ einzustufen ist und vermutlich allein dazu dient, möglichst viele Besucher auf die verlinkte Website zu locken.

Im Fokus der Änderungen stehen Überschriften, die gezielt elementare Informationen zurückhalten oder selbige verzerren. Beiträge, auf welche diese Kriterien der sogenannten „Curiosity Gap“ zutreffen, sollen zukünftig seltener im Feed der 1,7 Milliarden Benutzer auftauchen. Damit will das Unternehmen von Mark Zuckerberg & Co. die Qualität der angezeigten Beiträge insgesamt steigern und den Feed wieder lesenswerter machen.

Clickbait-Überschriften entwickelten sich über einen relativ langen Zeitraum zum echten Problem für Soziale Netzwerke. Sie erzeugen in erster Linie Neugier und verleiten den Benutzer beinahe zwangsläufig zum Besuch der verlinkten Internetseite. Da die Algorithmen der Plattformen – vereinfacht zusammengefasst – solche Klicks protokollieren und hinter oft geklickten Überschriften einen interessanten Beitrag vermuten, wurden diese Beiträge öfter im News-Feed anderer benutzer angezeigt, und somit öfter geklickt, und somit öfter angezeigt, und somit … eine Endlosspirale.

Dieses Phänomen sorgte dafür, dass Internetseiten wie das berühmt-berüchtigte heftig.co zeitweise mehr Facebook-Traffic generierte als etablierte Medien. Auch Buzzfeed oder der Huffington Post wirft man ähnliche Taktiken vor. Eines haben diese Websites gemeinsam: hinter dem Klick finden sich meistens kurze, mehr oder weniger nichtssagende Texte, die nur als Pseudo-Legitimation für die danebengeklatschten Werbeanzeigen dienen. Besonders beliebt sind Top 10 Listen oder lange Bilder-Klick-Strecken, die weitere vermarktbare Seitenaufrufe generieren werden sollen.

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Gegen Anbieter wie heftig.co geht Facebook bereits seit 2014 vor. Vor fast genau zwei Jahren überarbeiteten die Entwickler den Algorithmus und erkannten fortan, wenn ein Benutzer einen Clickbait-Link klickten, aber nur wenige Sekunde auf der dahinterliegenden Seite verweilten, um dann zu Facebook zurückzukehren. Eine derart kurz betrachtete Internetseite konnte nach der Logik der Developer nicht die vermutete Relevanz haben. Zudem wird seitdem berücksichtigt, ob ein häufig geklickter Link auch in einer passenden Relation geliked und geteilt wird. Passt das Verhältnis nicht, erscheint das dem Algorithmus verdächtig.

Die nun eingeführte Aktualisierung geht – glaubt man Facebook – noch einen erheblichen Schritt weiter. Die Plattform ist mittlerweile in der Lage, den „Sinn“ einer Überschrift oder eines Linktextes zu erkennen. Als inakzeptable Beispiele werden Sätze wie

“When She Looked Under Her Couch Cushions And Saw THIS… I Was SHOCKED!”; “He Put Garlic In His Shoes Before Going To Bed And What Happens Next Is Hard To Believe”; “You’ll Never Believe Who Tripped and Fell on the Red Carpet…”; “Apples Are Actually Bad For You?!”;“The Dog Barked At The Deliveryman And His Reaction Was Priceless.”

genannt.

Versierten Social Media Managern werden diese Beispiele allenfalls ein müdes Lächeln entlocken. Sollten sich Facebooks Bemühungen auf das Ausfiltern von in GROSSBUCHSTABEN geschriebenen Reizwörtern und Phrasen wie „was dann passierte“ beschränken, dann darf man von der Umstellung nicht allzu viel erwarten. Richtiger Clickbait, der ganz fiese, wird heute längst anders gemacht.

Studie: Facebook- und Instagram-Nutzer zunehmend gelangweilt
Studie: Facebook- und Instagram-Nutzer zunehmend gelangweilt

Theoretisch müssten Mark Zuckerbergs Entwickler mit ihrem zig Terabyte, Petabyte, Exabyte, Zettabyte, Yottabyte großen Datenbestand längst in der Lage sein, wesentlich exakter eine potentielle Irreführung des Benutzers vorherzusagen. Hinzu kommt, dass Facebook bereits in der Lage ist, das Verhalten eines Benutzers nach dem Verlassen der Plattform auf einer externen Website zu protokollieren – auch diese Erkenntnisse könnten in die Filter und Algorithmen zur Reduzierung von Clickbait einfliessen.

Entweder Facebook verrät uns in der Pressemeldung nur die halbe Wahrheit, oder die Entwicklung der Qualitätsfilter ist tatsächlich noch nicht entsprechend weit fortgeschritten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: eine mehr oder weniger manuelle Erkennung von Clickbait-Phrasen lässt sich nur mit hohem Aufwand und dementsprechend verspätet auf andere Sprachen übertragen. Sprich: während US-Amerikaner und Briten von einem derartigen Update trotz seiner Unzulänglichkeiten recht zeitig profitieren könnten, könnte bis zu einem wirklich effektiven Rollout im deutsch- oder spanischsprachigen Raum noch einige Zeit vergehen. In der dazwischenliegenden Zeit besteht die Gefahr, dass eigentlich relevante Beiträge bei der Wahl einer zu „kreativen“ Headline mit dem Holzhammer aus dem News-Feed gekickt werden.

Facebooks News-Feed und der zugrundeliegende Algorithmus sind auch abseits der Clickbait-Problematik immer wieder Gegenstand von Diskussionen. So tauchen in regelmäßigen Abständen Vorwürfe auf, Zuckerberg und seine Programmierer würden aktiv in den US-Wahlkampf eingreifen und Beiträge gezielt priorisieren oder zensieren.

Gleichzeitig sieht sich das Soziale Netzwerk mit dem Problem konfrontiert, dass ein erheblicher Teil der Benutzer nur noch passiv konsumierend auf der Plattform unterwegs ist und sich nicht mehr aktiv mit eigenen Beiträgen oder teilenswerten „Lebensereignissen“ an den Inhalten beteiligt. Das wiederum führt – darauf deuten mittlerweile einige Untersuchungen hin – zu einer gähnenden Langeweile, die sich trotz steigender Mitgliederzahlen in einer immer weiter zurückgehenden Verweildauer niederschlägt.