Facebook, der blaue Riese – mehr als nur ein Social Network

Facebook hat neue Zahlen vorgelegt und spricht nun von 1,55 Milliarden Nutzern weltweit. Außerdem nennt man Nutzerzahlen zu Whatsapp, Instagram und dem Facebook Messenger. Grund genug, mal auf all das zu blicken, was Facebook zu bieten hat, über das eigentliche soziale Netzwerk hinaus. 

Facebook hat wieder einmal Einblicke gewährt, u.a. was Nutzerzahlen angeht. Ihr wisst ja alle, dass es lange nicht mehr damit getan ist, sich Facebook als ein “normales” Social Network vorzustellen, wie es zum Beispiel MySpace mal war oder wie es Twitter aktuell ist. Mark Zuckerberg ist ein sehr umtriebiger Mensch, der mit seinem Team sehr clever das Unternehmen in gleich mehreren Bereichen ausbaut und sich dabei derzeit sehr weltmännisch gibt und zuletzt auf großer Tour durch China und Indien gewesen ist. Dass er dabei in China seine erste Rede sogar komplett in der Landessprache gehalten hat, ist nur eine der bemerkenswerten Facetten des Mark Zuckerberg.

Wie gesagt ist dieser blaue Riese eben schon längst mehr als ein soziales Netzwerk – eher ein weltumspannender Konzern, der für nicht wenige nahezu gleichzusetzen ist mit dem Internet an sich. Jetzt veröffentlichte Zahlen belegen das nochmal eindrucksvoll: 4,5 Milliarden Dollar bedeuten einen Umsatzzuwachs von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Gewinn wuchs auf 891 Millionen Dollar, was ein Plus von 11 Prozent bedeutet.  Wir wollen uns hier die Bereiche jetzt mal einzeln vornehmen und aufbröseln, was dieses Unternehmen aktuell ausmacht.

Facebook

Facebook Community Update November 2015

Zunächst einmal ist da natürlich das Herz des Unternehmens, also Facebook als Social Network. Ich glaube, seit mittlerweile drei Jahren oder so wird der nach wie vor andauernde Höhenflug immer wieder von Abgesängen begleitet, in denen immer wieder auch die Rede davon ist, dass vor allem junge Menschen in Scharen davonlaufen und lieber auf anderen Plattformen aktiv sind.

Wenn dem so sein sollte, dann kann Facebook das bestens kaschieren durch andere Nutzer, die dazu stoßen: Aktuell freut man sich in der Firmenzentrale in Kalifornien über 1,55 Milliarden Facebook-Nutzer – also etwa ein Viertel der Weltbevölkerung. Diese Zahl verdeutlicht, dass Facebook sich längst in Gefilden bewegt, in die all diese MySpaces und studiVZs dieser Welt niemals im Ansatz vordringen konnten und das ist auch mit ein Grund dafür, wieso Facebook nicht von dem einen Tag auf den nächsten belanglos werden kann, egal welche Konkurrenz auftaucht.

Mittlerweile ist die Werbe-Maschinerie auch schwer am Rollen, so dass Facebook auch wirklich Geld verdient und nicht einfach nur Nutzer anhäuft mit seinem kostenlosen Angebot. Sehr früh hat man durch Übernahmen (beispielsweise FriendFeed, wer sich noch erinnert) den Weg geebnet für den News Feed, so wie wir ihn heute kennen, hat mit der Möglichkeit, sich extern über Facebook bei anderen Angeboten einloggen zu können, einen weiteren Meilenstein passiert und kann sich heute darüber freuen, dass der Rubel rollt.

Immer wieder probieren Plattformen wie tsū, durch neue Ansätze und durch andere Privatsphäre-Vorstellungen dem übermächtigen Facebook was als Alternative entgegenzusetzen, aber bislang kann keines dieser Angebote eine kritische Masse erreichen, die auch nur im Ansatz erkennen lässt, dass Facebook ernsthaft gefährdet sein könnte. Facebook als komplettes Unternehmen ist mittlerweile vielseitig genug aufgestellt, um nicht nur auf das reine Social Network Facebook setzen zu müssen, besorgt sein muss man aber so oder so derzeit nicht: Man vermeldet, dass über eine Milliarde Menschen täglich Facebook besucht, dass mehr als 45 Millionen kleine und mittlere Unternehmen Facebook-Seiten pflegen und dass jeden Tag derzeit über 8 Milliarden (!) Videos auf Facebook betrachtet werden. Das ist nicht nur für sich betrachtet eine unfassbar hohe Zahl, sondern auch ein schöner Tritt in den Hintern von YouTube. Dabei müssen wir allerdings auch berücksichtigen, dass Facebook da nicht immer mit ganz fairen Waffen arbeitet.

 

Messenger

facebook-messenger-ios-android

Der Messenger – das Chat-Tools Facebooks – war lange Zeit ausschließlich Teil des Social Networks, bis man ihn für die mobilen Versionen auslagerte. Mittlerweile hat Facebook eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Stand-Alone-Apps rausgehauen, die teils schnell wieder verschwunden waren oder eben auch jetzt noch neben dem eigentlichen Facebook existieren. Ein Beispiel dafür ist die Groups-App, die mittlerweile auch schon von über 925 Millionen Menschen genutzt werden soll – oder eben der Messenger, der aktuellen Infos zufolge nun über 700 Millionen User vorweisen kann, die regelmäßig dort aktiv sind.

Ich persönlich mag und nutze die Messenger-Anwendung auch sehr gerne. Oft ist es wirklich so, dass ich nur dank der Chat Heads auf meinem Smartphone-Screen mit den jeweiligen Kontakten schreibe, ohne Facebook selbst zu nutzen, will sagen, ich nutze die Messenger-App auf dem Smartphone deutlich häufiger, als ich auf dem Gerät Facebook einsetze. In meiner persönlichen Gunst hat der Messenger von Facebook WhatsApp schon längst abgelöst.

WhatsApp

Whatsapp Logo

Ich sagte es oben: WhatsApp nutze ich nicht so häufig, wie den Facebook Messenger, aber das ist natürlich nicht einmal im Ansatz etwas, was den generellen Trend widerspiegelt. Im Gegenteil: Bei den jetzt veröffentlichten Zahlen konnte uns Mark Zuckerberg über 900 Millionen Nutzer informieren, die WhatsApp einsetzen. Dabei handelt es sich um monatliche Nutzerzahlen, also nicht etwa eine Zahl, die mithilfe von massig Karteileichen zustande kommt.

Dem ein oder anderen mag es redundant vorkommen, wenn man selbst einen erfolgreichen Messenger in seinen Reihen hat und sich dann mit WhatsApp für über 20 Milliarden Dollar ein Angebot einverleibt, welches auf den ersten Blick einen ziemlich ähnlichen Funktionsumfang bietet. In Wirklichkeit ist das aber eine ziemlich pfiffige Nummer, gerade wenn ihr euch an das erinnert, was ich euch weiter oben über abwandernde junge Nutzer bei Facebook erzählt habe. Ähnliche Funktionen bedeuten nicht zwangsläufig, dass man auch ein identisches Klientel bedient. Gerade unter jungen Usern scheint es durchaus eine gängige Alternative zu sein, sich statt über Facebook lieber in WhatsApp-Gruppen auszutauschen.

Immer mehr erkennt auch die Industrie den Nutzen von WhatsApp und haut seine Information auch über diese Plattform raus. In Sachen Monetarisierung ist Facebook hier noch nicht so weit wie beispielsweise bei Instagram, aber auch da werden die Jungs und Mädels noch nachbessern, davon könnt ihr ausgehen.

Instagram

Instagram Logo

Die Instagram-Nummer ist eine ganze ähnliche wie die mit WhatsApp: Auch hier hat man sich ein schnell wachsendes Unternehmen einverleibt, welches eine soziale Facette besitzt, die man über Facebook selbst so nicht abgedeckt hat. Und es gibt noch mehr Parallelen: Auch hier legt man stetig zu bei den Nutzern – 400 Millionen nutzen auf monatlicher Basis die Bilder-Plattform – und auch hier bekommt man dabei oft die Nutzer zu packen, die auf Facebook nicht mehr wirklich Lust haben.

Die App, die euch eure mit Filtern “veredelten” Fotos und Videos mit eurer Community teilen lässt, ist gegenüber WhatsApp schon weiter, was die Monetarisierung angeht und dazu auch deutlich besser geeignet als ein reiner Chat-Messenger. Die Übernahme ging im Vergleich zu WhatsApp auch für relativ “kleines” Geld über die Bühne – etwa eine Milliarde Dollar wurden seinerzeit fällig, als der Deal eingestielt wurde.

Oculus

Oculus Rift

Für Oculus VR musste Facebook letztes Jahr mehr Geld hinblättern als für Instagram zwei Jahre zuvor: 2 Milliarden Dollar waren es in diesem Fall. Die Geschichte ist hier aber auch eine ganz andere als beispielsweise bei den Übernahmen von WhatsApp und Instagram: Bei den beiden vorgenannten Services hat Facebook sehr clever sein Portfolio erweitert, um die Menschen mitzunehmen, die vielleicht nicht so große Facebook-Fans sind.

Oculus VR – Hersteller der Oculus Rift-Brille, die als Consumer-Version im nächsten Jahr endlich käuflich zu erwerben sein wird – ist eine Investition in die Zukunft. Aktuell können wir noch nicht genau sagen, wohin die  Reise geht mit der Virtual Reality. Wissen nicht, wie private Konsumenten und die Industrie ansprechen werden und ob wir in zehn Jahren vielleicht mit VR-Brillen in der U-Bahn sitzen werden.

Fakt ist aber, dass VR uns als spannendes und größer werdendes Thema auf Schritt und Tritt durch die nächsten Jahre begleiten wird und Facebook durch die Übernahme von Oculus VR einen Fuß in der Tür hat – schon jetzt. Versucht euch Facebook vorzustellen, wie es durch Virtual Reality erfahrbar werden könnte! Wenn wir nicht mehr “nur” chatten und skypen, sondern uns in ein paar Jahren per virtueller Brille auf eine ganz andere kommunikative Reise begeben können, als wir uns jetzt ausmalen können, wird mit Sicherheit Facebook in der allerersten Reihe stehen mit passenden Möglichkeiten – die Weichen dazu hat man bereits jetzt gestellt.

Internet.org

Facebook Internet.org
Wer Angst hatte, dass ich mit euch jetzt hier jede noch so kleine Startup-Übernahme Facebooks durchgehen werde, kann nun beruhigt aufatmen. Nein, werde ich natürlich nicht – allein schon deswegen, weil es bei vielen dieser Akquisitionen nur darum geht, eine bereits bestehende Komponente zu verfeinern oder auszubauen oder sich einfach bestimmte helle Köpfe ins Team zu holen.

Wir können allerdings nicht über die Bandbreite von Facebook Inc schreiben und dabei nicht auf Internet.org eingehen:

Im Video erklärt Mark Zuckerberg, dass er Facebook deswegen aus der Taufe heben konnte, weil ihm die Möglichkeiten des Internets zur Verfügung standen. Internet.org ist eine Initiative von Facebook, dem neben dem Unternehmen selbst auch noch weitere Partner wie beispielsweise Samsung, MediaTek, Qualcomm und Nokia angehören. Der Plan bei Internet.org ist es nun, allen Menschen weltweit die Möglichkeiten an die Hand zu geben, die Mark Zuckerberg seinerzeit hatte.

Können alle Menschen auf diesem Planeten jederzeit auf die Informationen des Internets zugreifen, vervielfachen wir auch die Chancen, dass wir dort den nächsten Mark Zuckerberg, den nächsten Steve Jobs, den nächsten Bill Gates oder den nächsten Elon Musk ausfindig machen können. Ob die dann ein “neues” Facebook bauen, ein fliegendes Auto oder den Krebs heilen – alles ist denkbar und die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Genie seine Idee mit der Welt teilen kann, wächst mit jedem Menschen, den man ins Internet bringt.

Facebook-Drohne im FlugAktuell gelingt das laut dem jüngsten Bericht Facebooks bei immerhin schon 15 Millionen Menschen. Das ist ein Bruchteil dessen, was man anstrebt, aber immerhin ein Anfang. Facebook ist in Sachen Hardware noch lange nicht so breit aufgestellt wie Google, aber auch hier sehen wir bereits die Ansätze, die dazu führen sollen, das irgendwann später ein Facebook-Rädchen ins andere greift. Neben der nötigen Hardware der Smartphone-Industrie und entsprechenden Tarifen der lokalen Mobilfunkanbieter braucht man auch die notwendige Infrastruktur, um wirklich Internet für Jedermann anbieten zu können.

Deshalb experimentiert Facebook mit eigenen Drohnen, die Internet in entlegenste Winkel des Planeten liefern sollen, will aber auch per Partnerschaft mit Eutelsat für breiteren Internetzugang sorgen.

 

Ihr seht also, Facebook ist deutlich mehr als lediglich das, was ihr auf dem Display seht, wenn ihr auf dem Rechner oder per Smartphone-App beim Social Network vorbeischaut. Vieles macht jetzt schon dem ein oder anderen Angst, weil Facebook mittlerweile ein Konzern geworden ist, den man mit den anderen US-Größen wie Amazon, Google und Apple in eine Liga einsortieren kann und bei dem sich so mancher sorgt, dass das Unternehmen im Endeffekt nichts Gutes im Sinne hat mit den unfassbar vielen Daten, die von den Nutzern gesammelt werden.

Neben all dem, was Facebook jedoch als wirtschaftliches Unternehmen zusteht – also im Eigeninteresse Geld zu erwirtschaften – nehme ich es dem guten Herrn Zuckerberg in der Tat ab, dass er tagtäglich bestrebt ist, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Das auf der einen Seite und seine Cleverness/sein Geschäftssinn werden dafür sorgen, dass ihr euch von dem Gedanken verabschieden könnt, dass Facebook nur so eine Momentaufnahme ist, wie es Friendster, MySpace, studiVZ etc. einmal waren. Es ist eben nicht nur ein Social Network, sondern ein ganzes Stück mehr – und sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.

Als kleinen Ausblick in die Zukunft kann man die Ankündigung sehen, dass in der nächsten Woche bereits eine eigenständige News-App von Facebook veröffentlicht werden könnte. Zusammen mit den Instant Articles und der Möglichkeit für Presse und Promis, live via Video-Stream zu berichten, wird man die Medienwelt wohl ein gutes Stück verändern können. Das und all das, was uns vom blauen Riesen noch blüht, werden wir selbstverständlich interessiert verfolgen und auch künftig für euch berichten.

Quelle: Facebook und Mark Zuckerberg auf Facebook