Rant!
Facebook „#Faxit“: Meine Fresse, dann löscht halt euer Profil!

Nach dem jüngsten Daten-Skandal verlassen einige Menschen Facebook. Viel mehr Menschen jedoch bleiben und nutzen Facebook als Plattform für ihren Unmut. Ein Kommentar.

Mark Zuckerberg hat es verbockt! Der Mann, der schon so viele Shitstorms und Daten-Skandale unbeschadet überlebt hat und dessen Plattform wie Phönix aus der Asche jedes mal nur noch weiter und noch schneller gewachsen ist, hat den Bogen scheinbar überspannt. Nach dem jüngsten Skandal um Cambridge Analytica und den abgegriffenen Daten von 50 Millionen Nutzern steht der 33-Jährige wieder mal am Pranger und dieses mal drischt tatsächlich die ganze Welt auf ihn ein — nicht etwa nur ein paar User, die sich über ein neues Feature oder ein geändertes Design mokieren, sondern Millionen Nutzer weltweit, Unternehmen, die sich natürlich ebenfalls um ihre Daten sorgen und nicht zuletzt sogar Regierungen.

Und ganz ehrlich: An diesem Pranger steht er völlig zu recht. Meiner Meinung nach gab es da nicht wirklich ein Datenleck, sondern einfach nur ein Unternehmen, welches legale Daten abgegriffen hat und sich im Anschluss nicht an eine Abmachung mit Facebook gehalten hat. Will man Zuckerberg nicht vorwerfen, dass er extra darüber hinweg gesehen hat, was Cambridge Analytica da treibt, so muss man ihn dann zumindest doch für seine Naivität anzählen, dass so etwas möglich war.

Aber darüber möchte ich gerade (noch) nicht reden, sondern über das, was in der Zwischenzeit auf Facebook los ist. Es ist das selbe Spiel wie immer, wenn ein mehr oder minder großer Skandal Facebooks die Medien beherrscht: Es gibt massenweise Ankündigungen, die Plattform „jetzt aber wirklich“ endgültig zu verlassen und noch mehr Menschen, die einer riesigen Empörungs-Maschine gleich gerade durch Facebook walzen.

So mancher davon hat sein Profil mittlerweile tatsächlich gelöscht, bei dem ein oder anderen Unternehmen unterstelle ich dabei allerdings, dass es sich eher um einen Marketing-Stunt handelt.

Aber geschenkt, über so eine Marketing-Nummer rege ich mich nicht auf. Auch nicht über diejenigen, die ihre Konsequenz aus den jüngsten Vorfällen ziehen und tatsächlich ihr Profil dauerhaft löschen. Was mir aber tatsächlich gerade wieder einmal unglaublich auf den Sack geht, sind diese ganzen Schwätzer, die auf Facebook Mark Zuckerberg und Facebook generell beschimpfen, sich in epischer Länge über die Verfehlungen der Plattform auslassen — und drei Minuten später wieder ein lustiges Bild, ein Musik-Video oder einen lustigen Schwank aus ihrem Leben posten.

Wir können — und müssen — darüber reden, dass hier jetzt von verschiedenen Seiten was zu passieren hat, damit wir nicht schon bald erneut von einem weiteren solchen Skandal erfahren. Aber dieses sinnfreie Echauffieren macht mich tatsächlich wahnsinnig. Selbstverständlich kann man auch auf Facebook die Verfehlungen der Plattform diskutieren, aber ich halte es für unsagbar inkonsequent, Mark Zuckerberg auf einer Sympathie-Liste irgendwo zwischen Adolf Hitler und Voldemort zu verorten, ein „das macht mir hier schon lange keinen Spaß mehr“ zu raunen und dann einfach so zu verfahren wie bislang.

Dann seid doch wenigstens konsequent, meine Güte! Zieht euren persönlichen #Faxit durch und geht doch zu Twitter, Instagram (haha, witzig — gehört ja auch Zuck) oder von mir aus sogar zu Vero oder programmiert euch ein ganz neues Netzwerk. Von mir aus beschließt auch, komplett auf Social Networks zu verzichten und ein digitales Detox-Sabbatical einzulegen. Mir alles recht. Aber es muss aufhören, dass ausgerechnet die Leute, die Facebook so gut verstanden haben, dass sie noch letztes Jahr lustige „Hiermit widerspreche ich den Facebook AGB’s“-Spruchbilder geteilt haben, sich über Facebook empören, zum x-ten mal einen Abschied ankündigen und dann trotzdem wieder bleiben und trotzdem wieder nicht konsequenter werden bei ihren Postings und trotzdem wieder nicht herausfinden, wo sie die bepissten Privatsphäre-Einstellungen finden und wie sie funktionieren.

Kümmert euch, verdammt! Wenn das alles für euch untragbar ist, dann geht – kein Problem und absolut nachvollziehbar. Wenn ihr bleiben wollt, dann passt euer Verhalten entsprechend an. Postet weniger und bedachter, setzt euch mit den Privatsphäre-Einstellungen auseinander und kümmert euch darum, welchen Apps ihr erlaubt, dass sie auf eure Daten zugreifen dürfen.

Letzten Endes seid ihr selbst dafür verantwortlich, was ihr auf Facebook treibt, sagt und zeigt. Ihr könnt nicht allen Ernstes jedes noch so peinliche Foto öffentlich teilen, euch bei „Tests“ wie „Wie viel Prozent Arschloch bin ich“ und „Welches Obst bin ich“ vergnügen, die euch auch noch das letzte bisschen Rest an verwertbaren Daten aus eurem Account lutschen und dann zwischendurch einem 33-jährigen Multimilliardär, der mit seiner Plattform ein knappes Drittel der gesamten Menschheit verbindet, erklären, wie er seinen Laden zu führen hat.