Facebook hat 2 Milliarden Nutzer – Gratulation, aber jetzt muss auch was passieren

Seit einigen Stunden freut sich Facebook über zwei Milliarden Nutzer! Gratulation an Zuckerberg und Co. - aber mit dieser Zahl geht natürlich auch noch mehr Verantwortung einher.

Mark Zuckerberg hat einen weiteren Meilenstein für Facebook verkündet: Zwei Milliarden Menschen tummeln sich jetzt auf dieser Plattform, die einst mal ersonnen wurde, damit US-Studenten unkomplizierter in Kontakt bleiben konnten. Zunächst einmal also Glückwunsch an Facebook für diese unglaubliche Entwicklung!

As of this morning, the Facebook community is now officially 2 billion people! We’re making progress connecting the world, and now let’s bring the world closer together. It’s an honor to be on this journey with you. Mark Zuckerberg

Zuckerberg hat die Zahl in seinem Posting nicht weiter präzisiert, aber im Februar – bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen – stand man bei 1,86 Milliarden aktiven Nutzern, im Mai dann schon bei 1,94 Milliarden, so dass wir davon ausgehen können, dass die 2-Milliarden-Marke ebenfalls für die aktiven Nutzer gilt. “Aktiv” bedeutet in diesem Fall, dass sich zwei Milliarden Menschen in diesem Monat auf Facebook haben blicken lassen.

Die Dienste mit den größten Nutzerzahlen, angeführt von Facebook
Facebook, dann kommt lange nichts. Und nach YouTube folgen weitere Services aus dem Facebook-Lager

Zwei Milliarden Menschen, die sich jeden Monat auf Facebook einloggen (davon etwa 1,3 Milliarden täglich) – das bedeutet auch, dass mehr als die Hälfte aller Menschen mit Internetzugang das Social Network nutzen. Ende 2016 lagen wir bei etwa 3,5 Milliarden Menschen, die weltweit das Internet nutzen können.

Facebook: aktive Nutzer-Entwicklung bis Juni 2017

Seit einigen Tagen lässt Zuckerberg uns wissen, dass er das Unternehmen Facebook einen etwas anderen Kurs einschlagen lässt. Bringing the World Closer Together ist das neue Motto. Dabei geht es darum, dass Facebook nicht nur ein Sammelbecken für möglichst viele Menschen auf diesem Planeten sein soll, sondern sich diese Leute auch möglichst eng verzahnen sollen.

Er stellt die Frage, wieso zwei Milliarden Menschen Facebook nutzen, aber lediglich 100 Millionen von ihnen sich in sogenannten “meaningful communities” engagieren. Als Beispiel für diese Gruppen nennt er Facebook-Gruppen, in denen sich junge Eltern zusammenfinden und austauschen, oder Gruppen, in denen Leute mit der gleichen Krankheitsdiagnose zusammenfinden.

Und wie geht es weiter, Facebook?

Hab ich verstanden, Facebook – wir sollen alle ein bisschen mehr zusammenrücken. Menschen, die sich austauschen und vernünftig kommunizieren, tun sich zumindest gegenseitig meist nichts an. Würden also alle Menschen weltweit einfach via Facebook miteinander rumhängen, wäre der Planet ein friedlicherer Ort – so weit zumindest die romantisch verklärte Sicht Zuckerbergs.

Dabei können wir jetzt auch erst mal außen vor lassen, wie viel davon wirklich Wille ist, die Welt zu verbessern und wie viel lediglich geschäftliches Kalkül. Ich habe es euch ja schon mehrfach geschrieben: Mark ist Unternehmer und natürlich drauf besonnen, seinen Laden möglichst wirtschaftlich zu gestalten, aber dennoch nehme ich ihm diese die-Welt-besser-machen-Nummer komplett ab.

Er weiß, dass er niemals wieder arbeiten müsste und trotzdem seine Kinder und Kindeskinder ausgesorgt hätten. Dennoch wirft er sich immer wieder in neue Themen rein, lässt neue Technologien entwickeln, spricht mit Menschen (derzeit klappert er kleine Städte in den USA ab) und nicht zuletzt spendet und investiert er selbstverständlich auch in sehr viele Projekte, die ihm am Herzen liegen.

Die Welt enger zusammenbringen – dazu gehört auch, dass man bedenkt, dass über die Hälfte der Menschheit noch kein Internet hat. Auch dort ist Facebook emsig dabei, Grenzen einzureißen und das Internet selbst in die letzte Ecke der Erde zu bringen. Das ist unabhängig von geschäftlichen Interessen lobenswert. Aber (kommt, ihr wusstet, dass da noch ein fettes “aber” kommen würde), die Verantwortung für ein so riesiges Unternehmen geht deutlich weiter.

Du hast Verantwortung für diese Welt, Mark

Mark Zuckerberg ist nicht der Heiland. Darüber brauchen wir nicht diskutieren und ich bin sicher, er sieht sich auch nicht als irgendwas, was in so eine Richtung geht. Aber Fakt ist nun mal, dass er – mehr oder weniger versehentlich – diesen Koloss Facebook geschaffen hat, der die Welt umspannt und aktuell eben zwei Milliarden Menschen unter seinem Dach vereint.

Das geht zweifellos einher mit großer Verantwortung und da gibt es auch nichts Vergleichbares auf der Welt: Niemals gab es ein Unternehmen, welches mit seinen Nutzern/Kunden eine Größe erreichte, die man fraglos mit der Größe von Weltreligionen vergleichen kann. Ich glaube, Mark ist sich dieser Verantwortung auch bewusst und tut – aus seinem Blickwinkel betrachtet – die richtigen Dinge, um dem gerecht zu werden.

Erst vor wenigen Tagen hat man sich mit YouTube, Microsoft und Twitter zum Global Internet Forum zusammengetan, um gegen den Terror in der Welt vorzugehen. Darin geht es u.a. auch wieder um die allseits beliebte Gegenrede, die von Facebook so gerne eingefordert wird.

Und genau an dem Punkt glaube ich, dass man (Politiker/Regierungen, Nutzer, im Grunde wir alle) Zuckerberg und Facebook durchaus noch ein bisschen auf die Finger klopfen muss. Wie kann es sein, dass Menschen unter widrigen Bedingungen und viel zu großem Druck (zeitlich und psychisch) für Facebook arbeiten, um der Masse der Regelverstöße, Beschimpfungen, Drohungen, etc Herr zu werden?

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Es reicht einfach nicht, dass man in einem Land wie Deutschland ein paar Hundert Männchen mit zu wenig Kompetenz und noch weniger Zeit ausstattet, um sie die Beiträge von vielen Millionen Bürgern überprüfen zu lassen und dann den Rest der Nutzer dazu auffordert, per Counter Speech sein übriges zu tun.

Klar ist Gegenrede ein richtiger Weg und ich nutze ihn gerne. Aber es ist dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und hier muss Facebook noch jede Menge tun. Wie sollen zwei Milliarden Menschen zusammenrücken, die unterschiedlichste Religionen ausüben, unterschiedlichste Ansichten haben, verschiedene Sprachen sprechen und auf den unmöglichsten Winkeln der Welt zuhause sind, wenn wir nicht mal im vermeintlich zivilisierten Deutschland mit 30 Millionen Facebook-Nutzern in der Lage sind, das Social Network zu nutzen, ohne dass wir uns alle verbal die Köppe einhauen?

Facebook sagt Danke

Danke ❤️ an 30 Millionen

Posted by Facebook on Donnerstag, 1. Juni 2017

Nochmal: Ich bin stets ein Fürsprecher für Zuckerberg und seine Leute, weil ich ihnen abnehme, dass sie nicht nur ein Unternehmen vorantreiben wollen, sondern den Planeten ein bisschen besser machen möchten.

Ich glaube aber auch, dass ihnen die Dinge angesichts dieser unfassbaren Größe auch ein bisschen über den Kopf zu wachsen scheinen. Ich mag die Umtriebigkeit Facebooks, mit der man sich neuen Zielen zuwendet, aber man sollte dabei berücksichtigen, dass man auf dem Weg auch alle Menschen mitnimmt, die schon längst da sind. Ich wiederhole mich, aber ich glaube, dass Facebook nicht nur die Pflicht, sondern auch die Möglichkeiten besitzt, eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen, damit diese Milliarden-Community vernünftig miteinander umgeht. Es dürfen dann eben nicht eine Handvoll Menschen zusätzlich eingestellt werden, sondern Tausende pro Nation, um dem gerecht zu werden.

Heute lassen wir Zuckerberg und Co. mal in Ruhe ihre zwei Milliarden Nutzer feiern – aber ab morgen würde ich mir wünschen, wenn da Nägel mit Köpfen gemacht würden. Ich engagiere mich gern auf Facebook und auch gern in Gruppen, aber das ist beileibe nicht das größte Problem, welches der Social-Network-Riese zu lösen hat.

Es ist schwierig, jenseits der 2-Milliarden-Marke weiter zu wachsen, das sehe ich ein. Aber erst einmal muss Facebook wirklich alles dafür tun, dass diese zwei Milliarden Menschen adäquat versorgt werden auf der Plattform – danach kann man neue Pläne schmieden und angehen.

Quelle: Facebook via TechCrunch