LifeStage und Live-Konferenzen: Facebook setzt weiter forciert auf Video

Mit LifeStage will Facebook Snapchat Konkurrenz machen und unter 21-jährige ansprechen. Videokonferenzen mit zwei Teilnehmern sollen den Live-Streaming-Bereich erweitern.

Man beachte den Unterschied, einmal mit “f” und einmal mit “v”: Facebook baut das eigene Video-Angebot weiter aus und testet zusätzliche Möglichkeiten, die Plattform aus der muffigen Text-Ecke zu befreien. Diesmal positioniert sich man gegen den Konkurrenten Snapchat und YouTube bzw. das hierzulande ohnehin nie wirklich erfolgreiche und in Kürze eingestellte Hangouts On Air.

Mit LifeStage veröffentlicht Facebook eine vorerst nur für iOS erhältliche App, die – warum auch immer – speziell für Benutzer sein soll, die nicht älter als 21 Jahre sind. Die App zeichnet kurze Videoclips auf und kreiert daraus parallel zum bereits existierenden Facebook Profil ein Videoprofil, das ohne Text auskommt. Stattdessen kann man z.B. über ein Herzchen oder einen Kackhaufen (das ist doch einer, oder?) ein Like oder ein Dislike zur momentan aufgenommenen Szene hinzufügen und so der eigenen “Stimmung” plakativ Ausdruck verkeihen.

Downloaden und installieren kann LifeStage jeder, doch erwachsene Benutzer können nur ihr eigenes Profil betrachten. Die App soll sich besonders an Schüler wenden und verfügt sicherheitshalber über eine radikale Blockier- und Reportfunktion, mit der Belästigungen kurzerhand ein Ende haben sollen.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

Zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt die Anmeldung bei LifeStage auch ohne Facebook-Account. Nach der Wahl der eigenen High School sehen Benutzer andere Schüler an der selben High School oder Jugendliche, die sich in der näheren Umgebung des eigenen Standorts aufhalten. Datenschützern dürfte schon dieser Punkt die Zornesröte in’s Gesicht treiben, denn selbstverständlich ist die gesamte Prozedur mit einem exzessiven Location-Tracking verknüpft. Zudem warnt Facebook in den Nutzungsbedingungen:

“Everything you post in Lifestage is always public and viewable by everyone, inside and outside your school. There is no way to limit the audience of your videos. We can’t confirm that people who claim to go to a certain school actually go to that school. All videos you upload to your profile are fully public content.”

Ein Lehrstück in Sachen Viralität könnte Facebook mit einer anfänglichen Beschränkung abliefern. Das eigene Profil wird erst dann angezeigt, wenn die App von mindestens 20 anderen Schülern an der Schule installiert wurde. Selbstverständlich werden schon deshalb viele Schüler kurz nach der Installation dazu übergehen, ihre Klassenkameraden und Freunde zu einer Installation zu überreden. Die Gefahr besteht, dass sich die App damit mittelfristig auch zur digitalen Waffe gegen “Aussenseiter” richten könnte, die auf diese Weise einfach ausgeschlossen werden.

Direkte Kontaktaufnahmen sind bei LifeStage nicht vorgesehen. Stattdessen zeigt sich die App des sonst als Auster verschrienen Facebook hier bemerkenswert offen und ermöglicht den Benutzern die Verlinkung auf andere Social Profiles, darunter sogar Snapchat.

Sehr interessant ist die Entwicklungsgeschichte hinter LifeStage. Dahinter steht Michael Sayman, der mit gerade einmal 19 Jahre z.Zt. jüngste Produktmanager bei Facebook. Als Sechzehnjähriger entwickelte Sayman 4snaps. Die App, bei der ein Gegenspieler basierend auf 4 Fotos einen zuvor gewählten Begriff erraten muss entwickelte sich schnell zum Hit – zu schnell, den Sayman konnte beinahe die Serverkosten nicht mehr bezahlen. Facebook wurde auf ihn aufmerksam, der Rest ist rückblickend eine typische Silicon Valley Erfolgsstory.

4 Snaps
4 Snaps
Entwickler: Michael Sayman
Preis: Kostenlos+

Man darf getrost bezweifeln, dass LifeStage dem großen Konkurrenten Snapchat in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte, zumal Facebook – abseits des mittlerweile zwangsverordneten Messengers – ohnehin keine Erfolge mit selbst entwickelten Stand-Alone-Apps vorweisen kann. WhatsApp und Instagram brummten bereits, bevor Mark Zuckerberg das Portmonee aufmachte, die zählen nicht. Aber LifeStage könnte tatsächlich dazu führen, dass die Plattform bei der begehrten Zielgruppe der unter 21-jährigen verstärkt als Videoplattform wahrgenommen wird.

Facebook Live Konferenzen

Wesentlich mehr Sorgenfalten dürften momentan einige Produktmanager bei Google haben. Das Unternehmen hatte vor kurzem angekündigt, dass man den Videotelefonie- und Konferenzdienst Hangouts on Air einstellt und zu YouTube überführt. Die Übertragung zu YouTube Live ist noch nicht abgeschlossen und viele ehemals treue, darunter auch professionelle Benutzer der Hangouts App sind immer noch skeptisch.

Just in diesem Moment kündigen Zuckerberg & Co. an, dass man Facebook Live in Kürze um ein interessantes Konferenz-Feature erweitern wird. Spätestens ab bis zum Jahresende sollen verifizierte Personen und Seiten die Möglichkeit erhalten, entsprechende Live Streams zu zweit abzuhalten.

Eine relativ kleine Benutzergruppe von “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens” kann die Funktion bereits ab dem heutigen Montag nutzen, benötigt werden dazu die spezielle Facebook Mentions App, iOS und ein in diesem Fall obligatorisches verifiziertes Profil. Man darf getrost davon ausgehen, dass Mark Zuckerberg das öffentlichkeitswirksam mit irgendeiner Berühmtheit demonstrieren wird.

Facebook Creator
Facebook Creator
Entwickler: Facebook, Inc.
Preis: Kostenlos
Facebook Mentions
Facebook Mentions
Entwickler: Facebook
Preis: Kostenlos

In den Vereinigten Staaten startet der erweiterte Rollout dann im September, weltweit geht es im Oktober und November weiter. Nach einer Übergangsphase, in der Facebook Seiten bevorzugt werden, sollte das Feature dann auch bei allen normalen Profilen von Privatpersonen ankommen.

Wir bei Mobile Geeks nutzen Facebook Live bereits regelmäßig. In den vergangenen Woche hattet ihr die Gelegenheit, Fragen an Sascha zu richten, und in den vergangenen Tagen streamten Mark und Tony von der gamescom in Köln. Die Streams laufen weitestgehend stabil, das Ping-Pong-Spielchen aus Kommentaren und Live-Feedback ist mit der entsprechenden Aufmerksamkeit machbar und nahezu verzögerungsfrei.

Facebook macht hier de facto einen weiteren Schritt in Richtung “Live Journalismus”. Noch bleibt abzuwarten, wie genau die Zusammenschaltung von zwei Gesprächspartnern abläuft und ob mittelfristig auch Moderationsmöglichkeiten für eine dritte Person dazu kommen. Theoretisch wäre es dann denkbar, dass die Personenbeschränkung völlig aufgehoben wird und fünf, zehn oder zwanzig Personen gleichzeitig oder im Wechsel zu einer öffentlichen Live-Übertragung zusammengeschaltet werden können.

Quelle: thenextweb.com, techcrunch.com