Im Fokus: Facebook
Facebook: Mark Zuckerberg und die alten, weißen Männer

Gerade spricht Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum zweiten Mal vor US-amerikanischen Politikern. Beim ersten Termin sah aber nicht nur er blass aus. Eine erste Einschätzung.

Während ich hier diese Zeilen tippe, sitzt der gute, alte Mark Zuckerberg vor den Abgeordneten vom Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses und steht erneut Rede und Antwort. Erneut, weil er bereits gestern vor dem Ausschuss des Senats aussagen musste und nun ein zweites Mal diese mehrstündige Tortur über sich ergehen lassen muss.

Viel wurde im Vorfeld über diese beiden Auftritte diskutiert, keine Nachrichten-Sendung in diesen Tagen kommt ohne das Thema “Facebook” aus und auch wir haben in dieser Woche bereits mehrfach das größte Social Network der Welt thematisiert.

Ich habe gerade in den Beginn der neuen Anhörung reingeschaltet, die Mark Zuckerberg mit exakt dem selben Statement begann wie gestern. Das Procedere heute ist ein klein wenig anders: Die Abgeordneten haben je nur vier Minuten Redezeit, nochmal eine Minute weniger als gestern. Das bedeutet natürlich, dass in dieser knappen Zeit nicht sehr viel formuliert und nachgehakt werden kann.

In diesen vier Minuten wird sich dann auch noch dafür bedankt, dass Mark Zuckerberg persönlich vorbeigekommen ist, bevor dann leider oft Fragen folgen, die wir gestern schon gehört haben. Aber ich will den Dingen nicht vorgreifen und bespreche jetzt erstmal das, was ich gestern während der ersten Anhörung aufgeschnappt habe.

Da ist zunächst einmal ein sehr nervös wirkender Mark Zuckerberg mit großem Gefolge und zur Feier des Tages hat er das graue Shirt mal zuhause gelassen und sich in feinen Zwirn geworfen. Auf mich machte er den Eindruck, dass er sich sichtlich unwohl fühlte, aber hey: Ein Typ, der eh schon nicht gern vor Publikum redet, wird zu einem höchst unerfreulichen Thema von alten Polit-Hasen gegrillt und das noch vor laufenden Kameras, die das in die ganze Welt übertragen — da darf man sich wohl wahrlich schon mal unwohl fühlen.

Anfangs kam das, was wir erwarten durften: Er entschuldigte sich gleich mehrfach und nahm gleich für mehrere Punkte — Fake-News, Russlands Einmischung in die US-Wahl, natürlich Cambridge Analytica — die Schuld komplett allein auf sich. Das halte ich übrigens für einen pfiffigen Move des Facebook-Gründers: Sollte er tatsächlich irgendwann beschließen, dass er besser seinen Hut nimmt und aus der ersten Reihe abtritt, würde niemand anders durch diesen Skandal beschädigt worden sein.

Über fünf Stunden reden die Senatoren auf Mark Zuckerberg ein und für mein Empfinden merkt man ihm an, dass er über die irgendwie immer gleichen Fragen verwundert ist. Ebenso schien es mir aber auch, dass er von Minute zu Minute sicherer wurde. Allerdings blieb er mit seinen Antworten sehr oft auch im ungefähren. Immer wieder wiederholte er wie ein Mantra diesen Satz:

Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu. Mark Zuckerberg, Facebook CEO

Ebenso gab es immer wieder seine Einsicht, dass er Fehler gemacht habe und die Info, dass man an diesem oder jenem Punkt bereits intensiv arbeite. Gerade, wenn es technischer wurde, schien er nicht so gut vorbereitet. Kann sein, dass er diese Dinge tatsächlich nicht wusste (“Werden ausgeloggte Nutzer auf anderen Seiten getrackt?”), kann aber natürlich auch sein, dass er sich absichtlich da ein wenig dumm gestellt hat.

Hoffte man darauf, dass man beim Themenkomplex “Cambridge Analytica” und den damit verbundenen Daten-Skandal völlig neue Informationen zu hören bekam, muss ich euch leider enttäuschen. Jeder, der sowohl den Nachrichten als auch den Aussagen Facebooks in den letzten Tagen gefolgt ist, kannte all das, was Zuckerberg da äußerte: Es tut Facebook leid, diese Fehler werden nicht mehr passieren, es kommen viele neue Maßnahmen, die sich bereits in Arbeit befinden usw. — all das konnte man seit Ende März bereits in verschiedenen Beiträgen im Facebook-Newsroom erfahren.

“Wir schalten Anzeigen”

Während viele vermutlich darauf hofften, dass dieser junge Milliardär von den Polit-Profis entzaubert und womöglich vorgeführt würde, ergab sich für den Zuschauer ein anderes Bild: “Zuck” wurde immer souveräner und die Senatoren entpuppten sich als zumeist ziemlich unbedarft, was Facebook angeht. Mehrmals entlarvten sie sich selbst, dass sie keinen Hauch einer Idee haben, wie genau Facebook sein Geld verdient. Folgender Dialog fand tatsächlich statt und ist in der Tat bezeichnend dafür, was die Herrschaften da gestern von sich gaben:

Frage: Wie halten Sie ein Geschäftsmodell aufrecht, bei dem Benutzer nicht für Ihren Service bezahlen?

Antwort: Wir schalten Anzeigen.

Wie ihr euch denken könnt, hat das halbe Internet zugehört und genau aufgepasst und seit gestern wird natürlich auch darauf herumgeritten, wie absurd diese mehrstündige Vorstellung teilweise war, bedingt durch das Unwissen der Senatoren, hauptsächlich alte, weiße Männer.

Confused senators at Mark Zuckerberg's hearing asked confusing questions

Facebook had important questions to answer. These senators didn't do their homework.

Gepostet von ThinkProgress am Dienstag, 10. April 2018

 

Auch “The Verge” hat einen ähnlichen Clip zusammengeschnitten:

Zuckerberg Goes to Washington

Mark Zuckerberg testified before Congress for 5 hours — and things got weird.

Gepostet von The Verge am Dienstag, 10. April 2018

Das ist auf der einen Seite tatsächlich witzig zu sehen, wie sich diese Politiker dort mit einem Wissen über Facebook und über das Internet präsentieren, welches fast schon an konservative deutsche Politiker wie Oettinger erinnert. Im Grunde ist es aber eher ein schlimmes Armutszeugnis, dass sie sich da so präsentiert haben.

Natürlich muss ein Senator nicht zwingend das Wissen abrufen können, das für uns mehr oder weniger selbstverständlich ist. Ranghohen Politikern unterstelle ich aber, dass sie sich von ihren Mitarbeitern zuarbeiten lassen und sich die wichtigsten Infos aneignen. Wenn ich weiß, dass Mark Zuckerberg dort sein wird, dass man über Facebooks Geschäftsmodell und über Datenmissbrauch reden möchte, dann sollte ich doch in der Lage sein, Facebook zunächst einmal grob verstanden zu haben, oder nicht?

Das Problem dabei für uns alle: Egal, wie es da nun weitergeht, es sind diese weißen, alten Männer, die letzten Endes zu entscheiden haben, wie das Facebook der nächsten Jahre aussehen muss bzw. ob und wie es reguliert wird. Ich hoffe inständig darauf, dass diese vielen schwammigen “Wir kommen dann auf Sie zu”-Antworten Mark Zuckerbergs tatsächlich dazu führen, dass die wesentlichen Punkte zufriedenstellend für alle Seiten geklärt werden können.

Für ein Resümee ist es meines Erachtens deutlich zu früh, weil wir noch nicht wissen, wie sich Facebooks nächste Schritte dann tatsächlich darstellen, wie stark Facebook von den US-Behörden reguliert wird (oder überhaupt) und ob Zuckerberg und seine Mannen diesmal tatsächlich verstanden haben, dass man die Datensicherheit der Nutzer in der Prioritäten-Liste vor der Gewinnmaximierung einsortieren muss.

Zuckerberg ließ durchblicken, dass man 20.000 neue Stellen schaffen möchte, um vor allem gegen Hassrede vorzugehen. Das lässt mich tatsächlich ein wenig hoffen, dass er es jetzt kapiert hat, denn immerhin würde die Mitarbeiterzahl (aktuell etwas mehr als 25.000 Menschen) so fast verdoppelt.

Es bleibt aber auch eine gesunde Portion Skepsis. Einfach, weil sich die Politiker gestern so sagenhaft schlecht präsentiert haben und weil wir diesen Facebook-Tanz (vorpreschen, Fehler zugeben und entschuldigen, Besserung geloben, wieder vorpreschen) einfach schon zu oft gesehen haben. Hier könnt ihr euch übrigens den kompletten Spaß reinziehen, alternativ gibt es auch eine Mitschrift zum Nachlesen oder hier einen Zusammenschnitt, der die Highlights in knackigen zehn Minuten zusammenfasst.