Facebook: Wiederholungstäter Drees verstößt wieder gegen die Gemeinschaftsstandards

Facebook hat mich mal wieder gesperrt - Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards. Langsam finde ich die technischen Unzulänglichkeiten der Plattform nicht mehr witzig.

Ich bin ein wenig ungehalten gerade. Die weniger diplomatische Formulierung: Mir platzt hier gleich der Arsch! Wieso? Weil mich Facebook wiederholt wegen Nichtbeachtung der Gemeinschaftsstandards gesperrt hat. Das “wiederholt” könnte auf der einen Seite bedeuten, dass ich ein kleiner Hetzer bin, der weder einsichtig noch lernfähig ist und dadurch zwangsweise zum Wiederholungstäter wird. Es kann aber auch bedeuten, dass Facebook zum x-ten Male nicht in der Lage ist zu unterscheiden, was tatsächlich Hetze ist und was nicht.

Oliver Flesch – Wahre Männer, Wahre Würstchen

Im verlinkten Artikel findet ihr die Story über jemanden, der am ganz rechten Rand Beifall sucht und den Idioten (ja genau – damit bin ich gemeint), der dafür gesperrt wird, dass er auf diesen Umstand hinweist. Reicht noch nicht? Dann könnt ihr hier gern weiterlesen:

Facebook: Kämpfe gegen Hetzer & du wirst gesperrt

Account Sperrung: Facebook, wir müssen reden!

Insider packt aus: Das passiert bei Facebook, wenn ihr ein Bild oder Profil meldet

Das Bild oben ist ein Beispiel für einen Beitrag, der ursprünglich NICHT gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen hat. Wenn man mich dann aber für 24 Stunden aus dem Verkehr zieht, weil ich auf Hetze oder Fake-News hinweise, dann hinkt das alles aus meiner Sicht nicht nur ein kleines bisschen.

Jetzt aber zum aktuellen Fall: Ich komme gerade aus Berlin zurück. Dort gab es die Abschluss-Konzerte der Depeche-Mode-Tour und ich habe wundervolle Zeit mit großartigen Freunden verbracht. Logisch, dass ich mich dazu gerne noch in ein paar Sätzen äußern würde, im Messenger mit meinen Kontakten über diese schönen Tage diskutieren möchte und auch Likes für die unzähligen Beiträge vergeben möchte, die ich auf Facebook zu den Konzerten finde.

All das kann ich aber erst mal vergessen, weil ich für drei Tage gesperrt wurde. Wieder einmal wegen der Verletzung der Gemeinschaftsstandards und ich will hier kurz dokumentieren, wie es dazu kam:

  1. Ein Freund regt sich über Menschen auf, die mit ihren Statussymbolen protzen (er nennt u.a. einen Thermomix), gleichzeitig aber zu geizig für einen Streaming-Service sind und stattdessen illegal Serien schauen.
  2. Ein Kommentator bezeichnet Thermomix-Nutzer pauschal als “dumm”, später korrigiert er es und ändert seine Aussage zu “zu faul zum Kochen”.
  3. Ich melde mich mit einer ironischen Aussage, von der ich mir einbilde, dass sie im Kontext als solche zu erkennen ist. Ich sage: “Schalten sie auch in den nächsten Wochen wieder ein, wenn alle Polen klauen, alle Schwaben sparsam sind und alle Mercedes-Fahrer so fahren, als würde ihnen die Straße ganz alleine gehören”.
  4. Ich werde unmittelbar nach dem Posten wegen Hassrede für 3 Tage gesperrt.
  5. Ich lach mich kaputt.
  6. Ich reg mich auf.
  7. Ich schreibe an Facebook, weil es erfreulicherweise ein Formular gibt für den Fall, dass man an einen Fehler glaubt.
  8. Ich lach mich wieder kaputt — dieses Mal, weil meine “Anfrage nicht verarbeitet werden kann”.

Aber nochmal der Reihe nach und mit Bildern. Hier ist also das besagte Posting:

Danach poste ich diesen Kommentar, für den ich umgehend gesperrt werde:

Desweiteren greift mir Facebook — umsichtig, wie das Social Network ist — natürlich mit Hinweisen und Tipps unter die Arme.

Besonders freundlich finde ich es, dass man sich sowohl für Verständnis als auch meine Mithilfe bedankt. Mithilfe deswegen, weil man mir erklärt, dass ich Beiträge melden kann, die meiner Meinung nach gegen die Standards verstoßen. Also was meine Mithilfe angeht: Meistens kümmert sich Facebook einen Scheiß darum, wenn ich zum x-ten Male einen Hetzer gemeldet habe. Und was das Verständnis angeht: Sorry, Facebook — ich hab gerade echt kein Verständnis!

Ich hab kapiert, dass ich drei Tage nichts posten kann. Aber wenigstens liken möchte ich dann — beim Versuch wird mir allerdings das angezeigt:

Immerhin wird mir jetzt mitgeteilt, wie bzw. wo man Facebook auf einen möglichen Fehler hinweisen kann. Also schreibe ich:

Hallo, ich glaube, dass der Algorithmus, der Hassrede erkennen soll, mit Ironie nicht wirklich zurecht kommt. Unter einem Kommentar, in dem Thermomix-Nutzer pauschal als dumm und zu faul zum Kochen bezeichnet wurden, schrieb ich den beanstandeten Kommentar. Es ist eine ironische Anspielung auf die ebenso pauschale wie falsche Aussage und kein Angriff auf Polen, Schwaben oder Mercedes-Fahrer. Liebe Grüße

Jetzt nur noch flott auf “Senden” klicken und in wenigen Minuten ist alles wieder im Lot — also dachte ich zumindest…

Was mach ich jetzt? Tja, das, was mir Facebook vorschlägt — einfach später nochmal versuchen (kleines Update: Ich habe es tatsächlich bis tief in die Nacht immer wieder probiert und heute morgen wieder – keine Chance!). Und da ich Blogger bin, hab ich es auch aufgeschrieben. Weil mir — siehe oben — sonst tatsächlich der Arsch geplatzt wäre und weil ich glaube, dass ich sicher nicht der Einzige bin, der sich drüber aufregt und der aus so merkwürdigen Gründen gesperrt wird, während viele gemeldete Hetzer fröhlich weiterhetzen dürfen.

Wir reden so viel über Künstliche Intelligenz und dass sie u.a. dazu beitragen soll, Facebook besser und sicherer zu gestalten. Dieses Beispiel zeigt wieder einmal sehr schön, dass das a) noch lange nicht funktioniert und b) künstliche Intelligenz ziemlich pauschal seine Schwierigkeiten mit Ironie und Sarkasmus hat. Vielleicht sollte man sich in der Firmenzentrale mal Gedanken machen, ob man passend dazu ein Ironie-Emoji einführen soll, um solche Beiträge vom Verfasser selbst als Ironie-Postings zu flaggen. Andererseits kann es aber nicht mein Problem sein, wenn Facebook nicht in der Lage ist, solche Aussagen differenzierter zu betrachten.

Facebook hat gerade — durchaus ordentliche — Quartalszahlen veröffentlicht. Dennoch sackte die Aktie so drastisch ein, dass das Unternehmen einen zweistelligen Milliarden-Betrag verbrannte. Das hängt mit all den Dingen zusammen, die bei Facebook derzeit schief laufen und bei denen die Cambridge Analytica-Geschichte nur das prominenteste Beispiel ist.

Nachdem ich gestern über die Algorithmen bei Spotify geschimpft habe, rege ich mich heute wieder über die Algorithmen bei Facebook auf, die Postings grundlos aus dem Verkehr ziehen. Allerdings will ich auch eine letzte Möglichkeit nicht außer acht lassen: Vielleicht seid ihr ja auch der Meinung, dass die Sperre gar nicht wirklich ungerechtfertigt erfolgte und es auch schon Hassrede ist, wenn man so eine Aussage wie “die Polen klauen” in einem ironischen Kontext verwendet. Was sagt ihr?