Fake-Videos: Mit diesen 5 Tipps gehst du auf Nummer sicher

Fake-News und seit neuestem auch Fake-Videos machen uns allen das Leben schwer. Wir haben 5 Tipps, wie ihr gefälschten Videos auf die Schliche kommen könnt.

Seit ein paar Tagen macht ein Video die Runde, in welchem Ex-US-Präsident Barack Obama anfangs Dinge sagt, die man ihm so eigentlich nicht zutraut. Wenn jemand wie Obama, der sich stets sehr diplomatisch, differenziert und eloquent präsentiert, plötzlich ziemlich rüde lospoltert, dann ist das natürlich verdächtig.

In besagtem Video wird der ganz offensichtliche Fake aber auch selbst aufgedeckt: Wieder einmal kam die Deepfake-Technologie der FakeApp zum Einsatz und der US-Comedian Jordan Peele lieh dem Fake seine Stimme bzw. imitierte die des Ex-Präsidenten. Es wurde schlicht Peeles Mund in Barack Obamas Gesicht montiert, was zunächst wohl ziemlich beknackt aussah. Dank der künstlichen Intelligenz lernt die Software mit der Zeit aber dazu, so dass es auf den ersten Blick kaum noch auffällt, dass wir es hier mit einer Montage zu tun haben.

Später hat man dann für den Feinschliff noch einen Experten für Videoeffekte Hand anlegen lassen und das Resultat nach etwa 56 Stunden sieht so aus:

Aktuell ist das noch eine zumindest einigermaßen aufwendige Geschichte, wenngleich wir schon darüber berichten mussten, dass “dank” der FakeApp die technischen Anforderungen deutlich geringer geworden sind, um ein solches Fake-Video erstellen zu können. Ihr seht ja selbst, mit was für Riesenschritten unsere Technologien immer intelligenter und smarter werden, also erwartet mal ruhig, dass sich diese Prozesse noch deutlich vereinfachen lassen und dann quasi jedermann ein solches Video erstellen kann.

Bei einer App wie Pinscreen reicht mittlerweile schon ein Foto aus, um einen zumindest halbwegs realistischen 3D-Avatar erstellen zu können. Der CEO von Pinscreen — der in Deutschland geborene Hao Li — kommt übrigens auch in diesem Video zu Wort (in der ARD-Mediathek bis zum 18. Februar 2019 verfügbar), in welchem ebenfalls die Möglichkeiten dieser Fake-Videos beleuchtet werden.

Pinscreen: Instant 3D Avatars
Pinscreen: Instant 3D Avatars
Entwickler:
Preis: Kostenlos
  • Pinscreen: Instant 3D Avatars Screenshot
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Auch im Audiobereich kommen neue Technologien zum Einsatz, wie uns beispielsweise Adobe mit seinem Project VoCo bewiesen hat. Auch hier wird eine künstliche Intelligenz so trainiert, dass sie eine menschliche Stimme so gut kennen und imitieren lernt, dass man schlussendlich lediglich ein Skript verfassen muss — die künstlich erzeugte Stimme spricht diesen Text dann erstaunlich gut.

Das alles bedeutet, dass auf uns eine Welle an falschen Videos zurollt, in denen nicht mehr auf den allerersten Blick ersichtlich sein wird, ob es nun echt ist oder nicht. Wenn ihr seht, wie viele Menschen bereits jetzt auf Fake-News hereinfallen, in denen es nur um Texte oder bestenfalls manipulierte Fotos geht, könnt ihr euch vermutlich ausmalen, wie viele mehr Leute auf eine Nachricht vertrauen, in der ein Video die Grundlage darstellt.

Wir sind es halt gewohnt, dass wir für uns selbst das Gesehene automatisch verifizieren. Wenn wir ein Video aus einem Krisengebiet sehen, wissen wir zwar oft nicht wirklich, ob der Clip tatsächlich aktuell ist und tatsächlich den vorgegebenen Sachverhalt wiedergibt, aber wenn wir zum Beispiel unserer Kanzlerin bei der Neujahrsansprache lauschen, würden wir niemals auf die Idee kommen, die Authentizität zu hinterfragen.

In Zukunft müssen wir da deutlich vorsichtiger sein und da hilft es, sich bereits jetzt schon gründlicher damit zu befassen, woran man so einen Fake erkennen kann. Fünf Tipps haben wir für euch aufgelistet, die euch eine kleine Hilfestellung sein sollen. Zwei davon beziehen sich explizit auf gefälschte Videos, die anderen drei Hinweise solltet ihr stets berücksichtigen, wenn euch Nachrichten vor die Augen kommen — besonders, wenn es sich um “Breaking News” dreht.

1. Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Generell empfiehlt es sich, nach dem Betrachten eines Videos oder dem Lesen einer Nachricht nicht vorschnell zu urteilen. Das beste Beispiel dafür war jüngst erst wieder der schlimme Vorfall in Münster, als ein Mann mit einem Van in eine Menschenmasse raste. Ohne, dass es schon wirklich bestätigte Fakten gab, wurde eifrig spekuliert und in Windeseile verbreiteten sich viele falsche und oftmals widersprüchliche Meldungen. Gerade bei Breaking News ist also besondere Vorsicht gefragt.

Bezogen auf den konkreten, oben genannten Fall würde das bedeuten: Schließt nicht sofort bei so einer dünnen Faktenlage, dass es ein islamistischer Anschlag war, schließt aber ebenso auch nicht automatisch aufs Gegenteil. Beobachtet die Situation und die News im Netz und verschafft euch ein Bild, bevor ihr selbst blind teilt.

2. Schau dir die Quelle an

Das sollte IMMER IMMER IMMER selbstverständlich sein, wenn ihr eine News wahrnehmt: Wo kommt das Video eigentlich her? Wer hat es geteilt und wer ist der Urheber? Wenn ein unbekannter Twitter-Nutzer mit fünf Followern ein Video hochlädt, ist definitiv mehr Vorsicht geboten, als wenn auf einem verifizierten Account ein solcher Clip erscheint. Verschwörungstheoretiker werden dem zwar jetzt widersprechen, aber natürlich dürft ihr einen anderen, höheren Wahrheitsgehalt erwarten, wenn die Quelle die New York Times, die BBC oder ein deutscher öffentlich-rechtlicher Sender ist und nicht irgendein kleiner YouTuber.

3. Überprüfe, wo es sonst noch online ist – und wo nicht

Es ist immer verdächtig, wenn eine Breaking News lediglich auf einer Seite zu finden ist. Ein schönes Beispiel dafür sind die immer wieder auftretenden Nachrichten, die über den vermeintlichen Tod von Prominenten berichten. Da lohnt sich stets ein Blick, welche Nachrichten-Seiten noch davon berichten und natürlich auch, welche es nicht machen. Wenn ein Hollywood-Star stirbt und weder CNN, der Spiegel oder die ARD berichten darüber, dann darf man ruhig skeptisch werden.

Das gilt ebenso, wenn ihr über so ein Video wie das oben gezeigte stolpert. Hört ihr, wie Obama Trump anpöbelt, dann schaut lieber, dass ihr es woanders verifiziert bekommt. Nehmt den Titel des Videos, bestimmte Phrasen oder Schlüsselwörter und googelt einfach danach. Stellt die Suche so ein, dass euch dann auch nur die News der letzten Stunde angezeigt werden, um es übersichtlicher zu gestalten. Gibt es keine zweite Quelle oder keine News-Agentur, die dieses Video aufgreift, ist erneut Vorsicht geboten.

4. Achte auf den Mund

Dieser Tipp hängt konkret mit den aktuellen Deepfake-Videos zusammen. Die Qualität dieser Clips wird besser und besser, aber es gibt eben Auffälligkeiten, die sich euch erschließen können, wenn ihr gründlich hinschaut. Achtet konkret auf den Mundraum, denn die künstliche Intelligenz tut sich aktuell noch ziemlich schwer damit, dass Innere des Mundes genau so hochklassig abzubilden wie das Gesicht. Die Zunge, die Zähne usw. können also einen solchen Fake entlarven.

5. Spiele das Video langsamer ab

Auch der letzte Tipp dreht sich konkret um die Deepfake-Videos der FakeApp und schließen an den letzten Punkt an: Schaut auch gründlich hin, indem ihr bei Bedenken Bild zu Bild betrachtet bzw. die Videos langsamer laufen lasst. Bei YouTube geht das beispielsweise sehr einfach, indem ihr auf die Einstellungen geht und dort dann auf Geschwindigkeit. Hier könnt ihr die Geschwindigkeit dann herabsetzen.

Möglicherweise fallen euch bei den Übergängen von Frame zu Frame Unregelmäßigkeiten und Fehler auf — noch ist die FakeApp nicht stark genug, um tatsächlich den perfekten, fehlerfreien Fake zu erschaffen. Genau Hinschauen ist also definitiv angesagt.


Mit diesen fünf Tipps solltet ihr bei diesen Fake-Videos eigentlich auf der sicheren Seite stehen. Wie schon weiter oben erwähnt, gilt das Quellen-Überprüfen, -Verifizieren und -Gegenchecken selbstverständlich für jede News und nicht nur für Videos. Die Welt ist leider nicht so simpel, dass man einfach immer auf andere Nationen, auf Regierungen oder auf Mark Zuckerberg schimpfen kann.

Wir müssen also auch was dafür tun, dass wir a) nicht auf Fakes reinfallen und b) diese natürlich auch nicht weiter verbreiten. Selbstverständlich wird nicht nur sehr emsig daran gearbeitet, diese Illusionen zu verbessern, sondern auch daran, wie man diese zuverlässig entlarvt. Bis es aber soweit ist und die schwarzen Schafe unter den Videos von vornherein als Fake erkannt und aussortiert werden, müssen wir eben selbst besonders wachsam sein. Das gilt vor allem mit Blick auf die technische Entwicklung und den immer realistischer werdenden Fakes, die wir befürchten müssen.

Quelle: BuzzFeed