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Fliegende Taxis und Liefer-Drohnen: Das sind die potenziellen Big Player

Die Zukunft findet in der Luft statt, glauben viele. Das gilt für Liefer-Drohnen ebenso wie für Flug-Taxis. Diese Unternehmen können sich Morgan Stanley zufolge Hoffnung machen, sich ein ordentliches Stück vom Kuchen sichern zu können.

von Carsten Drees am 17. Juni 2019

Die Infrastruktur in unseren Städten wird sich in den kommenden Jahren sehr stark verändern. Die Zahl der Autos dürfte abnehmen, die der Fahrrader, E-Scooter wird zunehmen. Wir werden vermutlich aber auch feststellen, dass sich mittelfristig nicht nur die Wahl der Fortbewegungsmittel auf der Straße ändert, sondern einiges an Verkehr auch von den Straßen in die Luft verlagert wird.

Das gilt zum Einen für die Art, wie wir beliefert werden. Wer unser Blog schon länger liest, wird festgestellt haben, dass wir immer wieder über Liefer-Drohnen berichtet haben. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie zuverlässig so etwas in Städten umzusetzen ist, aber es gibt viele Unternehmen, die darauf schwören, dass diese fliegenden Lieferboten eine wichtige Infrastruktur-Komponente werden können.

Tja und dann sind da noch die fliegenden Taxis, bei denen ich derzeit noch skeptischer bin. Im Grunde sind die meisten Konzepte, die sich mit dem Personentransport für die berühmte letzte Meile beschäftigen, fast durch die Bank ebenfalls Liefer-Drohnen — nur eben halt mit größerer Nutzlast, so dass bestenfalls bis zu fünf Personen befördert werden können.

Wann und wie sich diese Fluggeräte ins Stadtbild einfügen werden, entscheiden natürlich nicht die beteiligten Unternehmen für sich, sondern müssen vielmehr darauf warten, was sich die zuständigen Behörden einfallen lassen. Wenn diese Dinge aber erst einmal reglementiert und somit in trockenen Tüchern sind, möchten die Hersteller ihre Hardware aber auch möglichst schnell einsetzen. Genau deswegen bringen sich diese Unternehmen auch bereits jetzt in Stellung.

Wir haben hier eine Übersicht für euch, welche Konzerne und Start-Ups bereits jetzt als Namen gehandelt werden, die sich vom einen oder anderen Geschäft in der Luft ein Stück des Kuchens sichern dürften. Dabei handelt es sich um die verschiedensten Sparten und teilweise um bekannte Namen, die wir heute bislang eher selten mit fliegenden Taxis oder Liefer-Drohnen in Verbindung bringen würden.

Natürlich hat unsere Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und basiert auf einer Einschätzung von Morgan Stanley. Das Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt und erwartet, dass sich hier eine völlig neue Industrie entwickeln kann, die etwa bis zum Jahr 2040 ein Volumen von 1,5 Billionen US-Dollar vorweisen könnte. Wir nennen euch die Unternehmen in alphabetischer Reihenfolge.

Alphabet

Ja, apropos “alphabetische Reihenfolge”: Mit Alphabet geht es auch direkt los. Die Konzernmutter von Google hat mit Waymo ja auch bereits eine Tochter für autonome Autos in seinem Portfolio. Bis zu autonom fliegenden Drohnen jeglicher Größe ist es da eigentlich nur noch ein recht überschaubarer Schritt.

Wir dürfen wohl eh davon ausgehen, dass die umtriebigen Kalifornier einen solchen Markt sehr genau beobachten und auch die entsprechenden Ingenieure besitzen, um auch bei fliegenden Taxis ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Dazu passt auch, dass Google-Mitgründer Larry Page sich längst schon um diese Flug-Taxis bemüht und gleich in drei Projekte investiert ist — eins seht ihr oben im Video.

PS: Bei Liefer-Drohnen ist Google mit Wing bereits im Geschäft, zumindest in Australien.

Amazon

Auch Amazon ist einer dieser ganz großen Namen, die man eh immer auf dem Schirm haben muss, egal um welche technische Innovation es geht. Über Amazon Prime Air haben wir auch bereits mehrfach berichtet. Für die Amerikaner ist die Lieferung per Drohne eine wichtige Überlegung im eigenen Lieferkonzept und die Pläne sind auch schon sehr weit gediehen.

Amazon Prime Air ist ein Liefersystem der Zukunft, das mithilfe von unbemannten Fluggeräten Bestellungen innerhalb von 30 Minuten oder weniger zu unseren Kunden bringt. Mit Prime Air arbeiten wir an einem sicheren und umweltschonenden System, das unseren Service für Millionen von Kunden verbessern wird.

Ambarella

Die Osmo Action Cam von DJI oder auch die neue Dash Cam von Garmin vertrauen längst auf Kamera-Technik von Ambarella. Das Unternehmen hat vermutlich noch längst nicht jeder auf dem Schirm, aber der Halbleiter-Hersteller könnte durchaus zu einem der Aufsteiger werden, wenn mehr und mehr Drohnen in die Lüfte aufsteigen.

Sie kombinieren geringen Energieverbrauch bei ihren SoCs mit hochauflösenden Kameras und sind somit prädestiniert dafür, künftig als Auge für fliegende Taxis oder Liefer-Drohnen zu fungieren.

Apple

Huch, Apple als Unternehmen, welches mit dem Geschäft von Liefer-Drohnen Geld verdient? Ja genau, wenn es nach Morgan Stanley geht. Bei Morgan Stanley glaubt man eh daran, dass man bei Apple aus allem irgendwie Geld machen kann. Als Beispiel wird folgendes Szenario gewählt: Ihr zerdeppert euer iPhone-Display, könnt aber gerade euer zuhause oder euren Arbeitsplatz nicht verlassen, um mal eben ein paar Stunden damit zu verbringen, zu einem Apple Store zu fahren und dort das Gerät reparieren zu lassen.

Genau hier soll dann eine Serviceleistung greifen, bei der ihr eben nicht selbst das Haus verlasst und wenige Stunden später ein repariertes Device autonom zurückerhaltet an der eigenen Haustür. Ob Apple dazu eigene Hardware anbietet oder lediglich den Service, spielt dabei aktuell keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man den Begriff “Service” so auf ein neues Level hieven dürfte, was sich jenseits des iPhones ja auch auf andere Komponenten für Macs oder andere Apple-Hardware ausgeweitet auswirken könnte. Wenn es auf einem Markt Geld zu machen gibt, seid euch sicher, dass Apple einen Plan dazu in der Schublade haben dürfte.

Aptiv

Aptiv hatte ich persönlich vorher noch nicht auf dem Schirm, aber auch hier sieht Morgan Stanley Potenzial.

Aptiv wird als ein führender Anbieter von Software, elektronischer Architektur und Hardware-Integration für autonome und elektrische Autos genannt. Ihr merkt ja selbst, dass es große Schnittmengen gibt, zwischen der Technik, die sich in autonomen Fahrzeugen einfindet und der Technik, der es in fliegenden Taxis oder Liefer-Drohnen bedarf. Morgan Stanley schätzt Aptiv deswegen als besonders chancenreich ein, weil man in Las Vegas bereits mehr als 5.000 automatisierte Fahrten durchgeführt hat und bei Lyft mit 4,96 (von 5) bewertet wird. Ob diese Vorhersage fundiert ist, oder ob sie eher aus der Luft (hihi) gegriffen ist, werden wir dann in ein paar Jahren sehen.

Boeing

Unter “Boeing NeXt” will das Unternehmen die Mobilität der Zukunft neu denken und kreieren und das in all seinen Facetten, die auch autonome Fahr- und Flugzeuge beinhalten. Einen Prototypen seines Passenger Air Vecicles hat man auch bereits in die Luft gebracht.

Deutsche Post

Yay, endlich mal ein deutscher Hersteller. Die Deutsche Post hat bereits mit dem Streetscooter bewiesen, dass man innovative Fahrzeuge auf die Straße bringen kann. Mittlerweile hat man das Konzept so ausgeweitet, dass auch Dritte darauf zurückgreifen können. Auch, wenn zuletzt überlegt wurde, wie es mit dem Streetscooter weitergehen soll, muss man die Deutsche Post bzw. DHL auch auf dem Schirm haben, wenn es um Zustellungen per Drohne geht.

Morgan Stanley setzt voraus, dass das Unternehmen — aber auch andere Logistikkonzerne — Wege finden wird, die Drohnen-Lieferungen in ländlichere, dünn besiedelte Regionen kommerziell machbar zu realisieren. Das und entsprechende Regulierungen vorausgesetzt, könnten gerade Unternehmen wie eben die Deutsche Post bei den Einwohnern punkten, die nicht direkt in der großen Stadt leben.

Der Bericht listet auch Post-Konkurrenten wie FedEx und UPS auf, die zumindest in den USA über gut ausgebaute Netze verfügen. Für die Logistikbranche bieten sich in den kommenden viele Chancen — Chancen, bezogen auf Umsätze, aber auch Chancen, sich öffentlich mal wieder in einem besseren Licht zu präsentieren als zuletzt.

Garmin

Garmin ist eines der Unternehmen, dessen Namen man kennt, aber bei dem man vielleicht nicht auf Anhieb vermuten könnte, dass man auf den Liefer-Drohnen und Flug-Taxi-Hypetrain aufspringen könnte.

Damit würde man Garmin aber unterschätzen, denn bereits im letzten Jahr hat man eine Partnerschaft mit Bell zusammengetan, die bereits einen Prototypen einer Mehr-Personen-Drohne am Start haben. Während Bell die Entwicklung, Entwicklung und Produktion von VTOL-Systemen lobliegt, wird sich Garmin um die “Entwicklung, Entwicklung und Produktion der für das ODM-Fahrzeugmanagement erforderlichen Hard- und Software für die Avionik” kümmern, was Primärfluginformationen, Navigation/Kommunikation, Flugführung und Flugmanagementsysteme mit einschließt.

Intel

Auch Intel kennt man, bringt das Unternehmen aber vielleicht nicht direkt in Verbindung mit fliegenden Taxis oder Lieferboten. Dabei ist Intel so umtriebig und hat gleich mehrere Ansätze, die für diesen Markt wichtig sind und die auch Intel selbst eine lukrative Zukunft bescheren können. Zunächst wäre da Intels Tochter Movidius zu nennen mit ihren VPUs (Vision Processing Unit), aber auch Mobileye, die Kameratechnik-Spezialisten aus Israel, gehören mittlerweile zum Konzern.

Intel hat noch weitere Ansätze, die allesamt das Zeug dazu haben, für die künftigen Fluggeräte eine wichtige Bedeutung zu erlangen, also sollte man den Chip-Hersteller definitiv auch auf dem Zettel haben.

JetBlue

Air-transportation-as-a-service hat man sich bei Joby Aviation auf die Fahnen geschrieben und JetBlue — eine inländische US-Airline — setzt u.a. auf dieses Start-Up, hat auch bereits in das Unternehmen investiert. Morgan Stanley räumt den Anbietern von Inlandflügen wie eben JetBlue gute Chancen ein, wenn sie sich jetzt schon mit diesen ganz neuen Transportkonzepten auseinandersetzen. Für Deutschland ist das natürlich erst mal wenig spannend, aber auch in Europa werden wir das beobachten, dass sich immer mehr herkömmliche Airlines mit neuen Transportmöglichkeiten auseinandersetzen müssen.

Northrop Grumman

An RQ-4 Global Hawk unmanned aircraft like the one shown is currently flying non-military mapping missions over South, Central America and the Caribbean at the request of partner nations in the region. (U.S. Air Force photo/Bobbi Zapka)

Northrop Grumman ist deshalb spannend, weil das ein Vertreter ist, der aus dem militärischen Bereich kommt. Beispielsweise mit der Northrop Grumman RQ-4 hat man bereits seit Jahrzehnten Erfahrungen mit unbemannten Fluggeräten sammeln können.  Morgan Stanley erwartet, dass Northrop Grumman mit seiner Erfahrung und den jüngsten Zukäufen auch im zivilen Bereich ein wichtiges Wörtchen mitsprechen könnte.

Progressive

Progressive ist ein recht spannendes Unternehmen, welches mit Technologie im ursprünglichen Sinne eigentlich denkbar wenig am Hut hat als Versicherungskonzern. Bei Progressive ist der Name aber Programm, was das Unternehmen zu einem der führenden bei KFZ-Versicherungen machte. Mit der Zunahme bei Fluggeräten entwickelt sich auch für die Versicherungsbranche ein ganz neuer Markt. Progressive ist für seinen massiven Einsatz von Datenanalysen und Vorhersagemodelle bekannt und wird sich auch auf diesem neuen Feld flott zurechtfinden und partizipieren — denkt zumindest Morgan Stanley.

Tesla

Elon Musk ist gerne mal widersprüchlich bei seinen Aussagen. Das gilt auch für Flug-Taxis und andere autonome Fluggeräte. Aber Tesla bringt alles mit, was man auf diesem Markt braucht: Sie sind in der Lage, so komplexe Fluggeräte zu entwerfen und zu produzieren, sie verfügen über die notwendigen Akkus, haben die richtige Infrastruktur und AI-Kenntnisse. Da kommt also jede Menge zusammen, was beim Bau fliegender Taxis nützlich sein könnte. Das bedeutet nicht, dass Tesla das deswegen auch tun wird, aber Morgan Stanley sieht große Chancen, dass das passiert und das Unternehmen auf dem Gebiet auch Fuß fassen kann.


Morgan Stanley hat noch so einige Unternehmen mehr aufgezählt, beim Business Insider findet ihr weitere Vorhersagen zu Namen, die bei fliegenden Taxis eine Rolle spielen könnten. Dazu gehören auch große Namen wie Microsoft und NVIDIA, die man eh bei jeder technischen Innovation auf dem Zettel haben muss, aber auch einige Beispiele aus der Logistik- oder Flug-Branche.

Persönlich glaube ich, dass wir von regelmäßig verkehrenden Flug-Taxis noch einige Jahre entfernt sind und es deshalb noch sehr gewagt ist, zu präzise Vorhersagen zu wagen. Dennoch kann man sich hier schon mal ein wenig orientieren, welche Unternehmen und Branchen von den kommenden Entwicklungen profitieren könnten. Uber kam übrigens in der Morgan Stanley-Auflistung ebenso wenig vor wie deutsche Innovationen wie oder Lilium oder Volocopter. Würdet ihr diese Unternehmen nennen oder habt ihr andere Beispiele für Konzerne, die eurer Meinung nach definitiv eine Rolle spielen werden?