Finger drückt auf das Display der Apple Watch

Force Touch: Beim iPhone 6S erwartet, bei Android ein alter Hut

Nachdem schon die Apple Watch mit Force Touch aufwarten kann, gilt diese Funktionalität auch für das kommende iPhone 6S als ganz heißer Kandidat, was die Neuerungen auf dem Smartphone aus Cupertino angeht. Android bietet diese Technologien aber schon seit vielen Jahren.
von Carsten Drees am 8. September 2015

Force Touch ist der nächste „heiße Scheiß“ – keine Frage! Zumindest, wenn man bei Apple nachfragt. Die haben diese Funktion nämlich in der Apple Watch implementiert und wie es aussieht, dürfen sich iPhone-Fans auch darauf freuen, dass das unmittelbar vor der Tür stehende iPhone 6S diese Funktion aufbieten kann. Apple selbst erklärt sein Force Touch wie folgt:

Die Apple Watch erkennt nicht nur Berührungen, sondern auch Druck, was der Benutzeroberfläche eine völlig neue Dimension verleiht. Force Touch nutzt winzige Elektroden rund um das flexible Retina Display, die zwischen leichtem Tippen und stärkerem Drücken unterscheiden können und sofortigen Zugriff auf kontextspezifische Steuerungen erlauben. Mit Force Touch rufst du durch festes Drücken auf das Display zusätzliche Steuerungen in Apps wie Nachrichten, Musik und Kalender auf. Du kannst auch verschiedene Zifferblätter auswählen, ein Training pausieren oder beenden, eine Adresse in der Karten App suchen und mehr. Force Touch ist die innovativste berührungsempfindliche Technologie seit Multi-Touch.

Wer hat’s erfunden? Apple sicher nicht

Touch-Displays sind sicher keine Erfindung, für die sich die Entwickler bei Apple auf die Schultern klopfen dürfen – das gab es auch schon lange vor dem ersten iPhone, wenngleich die Zeit der Smartphones mit Touch-Display genau mit dem ersten iPhone begann. Die nächste Stufe, die gezündet wurde, waren dann die Multitouch-Displays, durch die auch eine komplexere Bedienung möglich wurde und nun will Apple einen weiteren Schritt auf der Evolutionsleiter machen und nach der Apple Watch auch das iPhone mit Force Touch ausstatten, also mit der Möglichkeit, durch die Intensität des Drucks eine noch komplexere Bedienung zu ermöglichen.

Gerade bei Apple, die viele Technologien für sich beanspruchen, die im Grunde aber von anderen Unternehmen entwickelt wurden, legen wir ja gerne mal den Finger in die Wunde und müssten konstatieren: Auch dieses Mal ist Apple nicht der Urheber einer Technologie, sondern kommt sogar erst viele Jahre, nachdem die Force Touch-Funktion bei Googles mobilem OS eingeführt wurde – genauer gesagt sogar schon mit API Level 5 bei  Android 2.0 Eclair und das war im November 2009!

Das bedeutet, dass seit Jahren jedes Gerät, welches mit Android befeuert wird, dieses Feature schon von Haus aus mitbringt. Das funktioniert je nach Display unterschiedlich ausgeprägt, aber es funktioniert eben, wie euch eine kleine Demo beweist, die von Adam Outler programmiert wurde und unterschiedliche Druck-Intensitäten anzeigen kann.

Force Touch Demo
Force Touch Demo
Entwickler: adamoutler
Preis: Kostenlos
  • Force Touch Demo Screenshot
  • Force Touch Demo Screenshot

Da stellt sich jetzt natürlich die Frage, wieso diese unzähligen Android-Smartphones dieses Feature überhaupt nicht nutzen. Dafür hat Outler auch eine recht simple Antwort:

How is this useful? It’s not, really. It just adds a level of complexity to a user experience. Adam Outler

Die Möglichkeit der komplexeren Bedienbarkeit muss also kein zwingender Vorteil sein – im Gegenteil: Hier wird es es sogar als Nachteil beschrieben, da es beim Smartphone eben oftmals auf die möglichst einfache Bedienung ankommt. Verweisen möchte ich da auf Huawei, die jüngst im Rahmen der IFA ihr Mate S vorstellten, welches ebenfalls – zumindest auf einigen Märkten mit der 128 GB-Version – Force Touch anbieten werden. Deutlich spannender in besagtem Smartphone finde ich da schon den rückseitigen Fingerprint-Scanner, der mich mit einem Finger durch Galerien blättern lässt, die Benachrichtigungsleiste öffnet und ähnliches.

Aber machen wir uns nichts vor: Die Android-Jünger werden bei der Vorstellung des iPhone wieder einmal mit dem Finger auf Apple zeigen und hämisch erklären, dass Force Touch bei „uns“ ein altes Feature ist, welches niemand braucht, während die Apple-Jünger ebenfalls hämisch lachend erklären werden, dass man es unter Android lediglich nicht hinbekommen hat, nützliche Use Cases zu ersinnen.

Und das muss man Apple ja lassen: Oftmals sind es erst die Ideen aus Cupertino, die vorhandene Technologien erst so rund machen, dass es wirklich jeder genau so nutzen will. Warten wir mal die iPhone-Vorstellung ab, ob Apple die Bedienbarkeit von Smartphones durch Touch Force nun komplett umkrempelt – oder ob es eher eine Luftnummer wird.

Quelle: Pocketnow.com