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Formel E – Die Revolution im Motorsport

von Claus Morell am 28. Februar 2015

Im September 2014 gab es nicht nur eine Evolution, sondern auch eine Revolution im Motorsport. Die Formel E Meisterschaft hatte begonnen und setzt nun neue Maßstäbe für Motorrennen.

Wer jetzt an elektrische Seifenkisten denkt liegt weit daneben. Es handelt sich hier um richtige Rennwagen, die von 0 auf 100 km/h respektable 3 Sekunden brauchen. Sie fahren mit einer Top-Geschwindigkeit von sagenhaften 225 Kilometer pro Stunde und deren 200 kg schweren Batterien liefern bei bis zu 1000 Volt eine maximale Energie von 28 Kilowattstunden. Im Gegensatz zur Formel 1 haben die Formel E Rennwagen nur zwei Gänge.

Natürlich reichen die Batterien nicht ewig, sondern befeuern einen Formel E Rennwaren nur für ca. 25 Minuten. Jedes Team besitzt deshalb zwei absolut identische Rennwagen und muss daher ungefähr in der Mitte eines Rennens den Wagen wechseln. Die Rennen finden auf einer 2,5 bis 3 Kilometer langen Strecke statt, gehen über 25 bis ca. 35 Runden und dauern ca. 55 Minuten. Zwar sind die Rennen der Formel 1 schneller und die Rundenzahlen, sowie Strecken länger, doch an Spannung muss sich ein Formel E Rennen nicht hinter der Formel 1 verstecken.

Für zusätzliche Spannung sorgt der so genannte FanBoost. Die Formel E Fans können bis kurz vor dem Rennen aus allen Fahrern drei wählen, die von einem extra Boost profitieren können. Pro Wagen kann der Fahrer dann 5 Sekunden lang auf 180 kW (245 PS) mehr Leistung zurück greifen. Dieser kleine Boost kann schon dafür entscheidend sein, wenn man jemanden überholen möchte. Wann die Fahrer diesen Boost einsetzen ist ihnen freigestellt, aber der FanBoost kann immer nur ein mal pro Wagen genutzt werden.

Das schöne an den Formel E Rennen sind die Strecken, denn die Rennen werden nicht auf irgendwelchen Formal 1 Rennstrecken gefahren, sondern auf abgesteckten Strecken in den Städten wie, Beijing, Buenos Aires, Berlin, oder London. Die erste Saison besteht zur Zeit aus 10 Rennen und die Rennen finden vom September 2014 bis Juni 2015 statt. Für die zweite Formel E Saison ab 2015 ist eine Erhöhung um 2 Rennen auf 12 Rennen geplant.

  • Beijing, China – 13. Sepember 2014
  • Putrajaya, Malaysia – 22. November 2014
  • Punta del Este, Uruguay – 13. Dezember 2014
  • Buenos Aires, Argentinien 10. Januar 2015
  • Putrajaya, Malaysia – 14. März 2015
  • Miami, USA – 04. April 2015
  • Monte Carlo, Monaco – 09. Mai 2015
  • Berlin, Deutschland – 23. Mai 2015
  • Moskau, Russland – 06. Juni 2015
  • London, England – 27. Juni 2015

Die Formel 1 ist in Sachen Fahrer immer noch eine reine Männerdomäne und auch hier setzt die Formel E endlich neue Zeichen. Es gibt zehn Teams mit je zwei Fahrern und von Beginn an werden mit Katherine Legge und Michela Cerruti zwei Frauen hinter dem Lenkrad sitzen. Bei den männlichen Fahrern kann man Namen wie etwa Nick Heidfeld, Jarno Trulli, Nicolas Prost und Takuma Sato lesen.

Für die erste Formel E Saison gibt es für alle Teams einheitliche Rennwagen. Das heißt Motoren, Getriebe, Batterien, Reifen, Chassis und so weiter, werden von einem Lieferanten gefertig. Für die zweiten Saison 2015 werden dann weitere Lieferanten zugelassen.

Das erste Formel E Rennen in Beijing war extrem spannend. Ich sah das Rennen am Samstag in der Früh auf dem Britischen Sender “itv4”. In Deutschland sendet leider nur SKY die erste Saison live. Zur zweiten Formel E Saison 2015 wird hoffentlich auch ein FreeTV-Sender hier in Deutschland die Rennen live übertragen.

Wie viel Action die Formel E bietet zeigte die letzte Runde vom Rennen in Beijing. Mir bliebt in der letzten Runde fast das Herz stehen.

Was dieser Horror-Unfall aber schön zeigt ist der hohe Standard an Sicherheit, den ein Chassis aus Carbon und die Sicherheitszelle aus Aluminium heute bietet. Vor einigen Jahren wäre so ein Unfall alles andere als glimpflich für den Fahrer ausgegangen.

Eines der größten Diskusionsgründe bei der Formel E sind die Sausage Kerbs (zu Deutsch: Wurst-Randsteine). Diese scheinen etwas zu hoch geraten zu sein, wenn man die Fahrer fragt. Andererseits sollen diese Sausage Kerbs die Fahrer davon abhalten in Kurven einfach die Strecke abzukürzen.

Nach vier Rennen von insgesamt zehn bin ich hin und weg. Zwar sind die Rennen kürzer als bei der Formal 1, aber was die Action und Spannung angeht, so bleibt bei der Formel E nichts zu wünschen übrig. Wer nicht richtig mit seiner Energie haushaltet, dem kann sogar kurz vor dem Ziel noch der Saft ausgehen. Es ist auch irgendwie cool wenn man die Formel E Rennwagen an sich vorbei zischen hört, statt den Ohren betäubenden Lärm der Formel 1 Rennwagen zu hören.

Wollt Ihr mal in die Rennen schnuppern, aber nicht gleich ein ganzes Rennen sehen?
Hier für Euch die offiziellen Formel E Zusammenfassungen der ersten drei Formel E Rennen.

Rennen 1 – Beijing, China

Rennen 2 – Putrajaya, Malaysia

Rennen 3 – Punta del Este, Uruguay

Rennen 4 – Buenos Aires, Argentinien

Wenn jemand noch vor vier Jahren von elektrischen Rennwagen geredet hätte, hätten wir bestimmt geschmunzelt. Sehen wir uns die rasante Entwicklungen in der Formel E an, dann bleibt die Zukunft dieser Serie spannend.