Fortnite: Epic Games scheffelt Kohle – jetzt wollen Künstler ihren Anteil

Dank Fußball-Weltmeister Griezmann waren die Fortnite-Emotes zuletzt schwer im Gespräch. Jetzt fordern erste Künstler ihren Anteil, weil Epic Games auch mit ihren Tänzen Millionen verdient.

Letzte Woche schrieb ich über den „Take the L“-Jubel des Antoine Griezmann. Im WM-Finale bediente er sich — nicht zum ersten mal — dieser Art zu jubeln und sorgte dafür bei Kroatien-Fans und neutralen Zuschauern für Unmut. Die Pose, bei der der Protagonist wie ein Hampelmann von einem Bein aufs andere springt und mit der L-Geste den Bezwungenen als Loser diffamiert, hat sich Griezman beim Spiel Fortnite abgeschaut.

Das Spiel bricht derzeit alle Rekorde, Epic Games soll sich inoffiziellen Zahlen zufolge darüber freuen, bereits jetzt mehr als eine Milliarde US-Dollar mit dem Spiel umgesetzt zu haben. Der Clou dabei: Ihr könnt das Game kostenlos zocken, könnt aber freiwillig Geld investieren für verschiedene Gimmicks. So könnt ihr eurem Avatar ein anderes Outfit verpassen, ihn mit einem besonders ästhetischen Backpack ausstatten usw.

Zu den Dingen, die erworben werden können und die bei den Spielern äußerst beliebt sind, gehören neben den Skins auch die vielen verschiedenen Tänze. Meine erste Idee letzte Woche, als ich wegen der Griezmann-Geschichte recherchierte, war es, einmal einen Beitrag darüber zu verfassen, in welchem es nur um diese Tänze und Emotes geht. Mir schwebte vor, dass ich euch den Fortnite-Jubel bzw. -Tanz in Videos dem Original gegenüberstelle.

Wie beim „Take the L“ denken sich nämlich nicht pfiffige Programmierer die Posen aus. Stattdessen bedient man sich einfach bei dem, was der Pop-Kosmos so hergibt. Mal greift man auf uralte Tänze wie den Charleston zurück, mal sind es neuere Dance-Styles wie der Electro Shuffle. Auch unsäglich behämmerte Phänomene finden ihren Weg ins Spiel, bestes Beispiel dafür ist der „Floss“-Dance, den das Backpack-Kid berühmt gemacht hat.

Ich mag mich über den Kameraden jetzt gar nicht lange auslassen, bin einfach nur immer noch erstaunt, mit wie wenig Talent man heutzutage berühmt werden kann und ich bin auch erschüttert, dass die Kids seinen Move so eifrig nachmachen. Selbst in der Innenstadt sehe ich Kinder so herumhampeln und kann nicht glauben, dass ein Move, der mehr nach Schlaganfall als nach Tanz aussieht, so angesagt ist. Populär wurde die Nummer seinerzeit, als Katy Perry bei einem TV-Auftritt den Kollegen dabei hatte, der ihr dann schließlich durch dieses „Floss“-Gehampel die Show stahl.

Mittlerweile ist er 16 Jahre alt, freut sich bei Instagram über 2 Millionen Abonnenten und dort postet der „Künstler“, der eigentlich Russel Horning heißt, weiterhin fleißig Videos, dessen Erfolg ich nicht verstehe (ich schiebe es mal auf mein Alter ;) ).

Wie gesagt: Eigentlich wollte ich euch wie beim Backpack Kid den jeweiligen Fortnite-Dance bzw. dessen Herkunft erklären. Je mehr ich aber recherchierte, desto langweiliger fand ich die Idee und zudem gibt es so manches Video, welches das zusammengefasst ganz schön zeigt — also sowohl das Original als auch die Fortnite-Variante. Zieht euch also den verlinkten Clip rein oder schaut mal selbst — gibt echt massig dieser Videos.

„We Need Dat Cash“

Das Thema hat mich dennoch nicht losgelassen, weil ich mir beim Recherchieren bereits die Frage stellte, ob Epic Games diese Dances einfach nutzen darf, oder ob es Fälle gibt, bei denen man sowas wie eine Lizenzgebühr zahlen muss. Ich muss zugeben, dass ich mich damit vorher nicht beschäftigt hab, ob man sich sowas wie einen „Signature Move“ schützen lassen kann. Aber wenn man sich überlegt, wie viele Millionen Epic scheffelt, sollte man davon ausgehen, dass Künstler früher oder später auf die Idee kommen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Ein neuer Dance im Spiel nennt sich „Swipe it“ und wieder einmal hat man sich diesen einem Künstler abgeschaut (auch wenn ich zuvor nie von ihm gehört hab). 2 Milly hat sich diesen Tanz-Move ausgedacht und zeigt ihn in Milly Rock (und nennt ihn auch so).

Der Künstler meldet sich jetzt bei Kotaku zu Wort und ist wenig begeistert. Er fühlt sich bestohlen und übergangen, zusätzlich ist er stinkig, weil man seinen Move nicht nur verwendet, sondern ihn auch noch umbenannt hat. Das bedeutet, dass jetzt eine deutlich größere Menschen diesen Dance kennen lernt, kaum einer aber weiß, wer der Urheber ist.

Als Reaktion auf den Kotaku-Artikel erklärt der Rapper zudem, dass er derzeit mit seinen Anwälten überlegt, wie man vorgehen kann und hofft insgeheim natürlich auf einen ordentlichen Zahltag.

I do take it as a Very big deal I just wish [Epic] would have reached out with a payout and a contract being that I am solely the creator of the Dance And Song MillyRock…I don’t feel it’s appropriate that my art (dance) which is a big part of culture is basically stolen. 2 Milly, Rapper

Persönlich habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass der Move ein besonders prägnanter ist oder etwas nie zuvor Dagewesenes. Aber das ist hier nicht der Punkt, denn schließlich ist die Geschichte ja einigermaßen viral gegangen und wurde so groß, dass Epic Games diesen Tanzstil unbedingt bei Fortnite featuren wollte. Ich kann also grundsätzlich nachvollziehen, dass Künstler da Ansprüche anmelden. In die gleiche Kerbe haut übrigens Rapper BlocBoy JB, dessen Bewegungen aus „Shoot“ ebenfalls bei Fortnite zu bestaunen sind. Er erklärt schlicht: „We need dat cash!“

Während es für 2 Milly bereits okay wäre, wenn einmal ein fetter Scheck von Epic bei ihm in der Post liegt, geht der Rapper „Chance the Rapper“ noch einen deutlichen Schritt weiter. Er überlegt, was für eine unfassbare Möglichkeit es für einen Rapper wäre, wenn er im Spiel gefeatured würde. Wieso sollte Epic Games nicht dazu übergehen, den Künstler zu nennen und im Auswahlmenü auch die entsprechende Musik dieses Rappers zu verwenden.

Ich denke, dass man sich verschiedene Möglichkeiten der Kooperation vorstellen kann. Allein so ein Feature dürfte sicher vielen Künstlern reichen, weil ihre Musik so einem sehr großen Publikum vorgestellt wird. Bei anderen, bekannteren Musikern oder Tänzern könnte ich mir vorstellen, dass sie lieber eine einmalige Summe sehen möchten oder gar eine prozentuelle Beteiligung, wenn das sprechende Emote verkauft wird.

Was sich der Spiele-Konzern davon annimmt, ist allerdings eine ganz andere Frage. Während man bei Musik klare Grenzen ziehen kann und die Urheberschaft klar geregelt ist, sieht es komplett anders aus, wenn es sich um einen Tanz, einen Tanzschritt oder vielleicht sogar nur eine Handbewegung handelt. Diese Bewegungen bekommt man nicht geschützt, so dass Epic Games rechtlich auf der sicheren Seite sein dürfte.

Aus einem moralischen Blickwinkel betrachtet, sollte sich Epic Games — ebenso andere Hersteller, die auf solche Signature Moves setzen — durchaus mal Gedanken machen, wie man die Urheber dieser Gesten mit ins Boot holen kann. Ich muss zugeben, dass ich selbst zwiegespalten bin bei dem Thema. Es dürfte nahezu unmöglich sein, bei einer Handbewegung (wie beispielsweise dem „imaginären Schmutz von der Schulter wischen“) jemandem zu erklären, dass man der Urheber ist. Bei einem typischen Tanz-Move/-Stil hingegen könnte ich es mir schon eher vorstellen. Was sagt ihr? Könnt ihr dieser Argumentation folgen oder denkt ihr eher, dass das zu weit ginge?