Fortnites geklaute Tänze: Carlton (u.a.) will Epic Games an den Kragen

Alfonso Ribeiro verklagt Epic Games. Die Fortnite-Macher haben seinen ikonischen Tanz geklaut, den er als "Carlton" in der Serie "Prinz von Bel Air" oft dargeboten hat. Auch das "Backpack Kid" leitet entsprechende Schritte ein.
von Carsten Drees am 19. Dezember 2018

Fortnite bleibt ein Phänomen unserer Zeit. Epic Games hat mit dem Spiel bekanntlich einen absoluten Volltreffer gelandet und scheffelt mit dem eigentlich kostenlosen Spiel Dollar-Milliarden. Das funktioniert, weil es massig Goodies zu kaufen gibt, die euch im Spiel zwar nicht besser machen – aber für mehr Spaß sorgen.

Das Paradebeispiel dafür sind die Tänze, die ihr eurem digitalen Ich verpassen könnt, wenn ihr ein bisschen Geld ausgebt. Diese Tänze sind oft aus der Popkultur adaptiert, finden also aus unserer realen Welt ihren Weg ins Spiel — und aus dem Spiel umgekehrt oft auch wieder zurück in unsere Welt, wie beispielsweise jubelnde Fußballer immer wieder beweisen.

Wenn wir also darüber reden, dass sich Epic mit Fortnite ordentlich die Taschen voll macht, bedeutet das auch, dass  sie sich diese Moves aneignen und unter anderem damit ihr Geld verdienen. Klar, dass das Begehrlichkeiten weckt — zumindest bei denjenigen, die sich von Epic Games bestohlen fühlen. Schon im Sommer berichteten wir über erste Rapper, die sich zu Wort meldeten, namentlich 2 Milly, dessen “Milly Rock”-Move Einzug ins Spiel gehalten hat.

Wir haben also auf der einen Seite eine Tanzbewegung, bei der sich vortrefflich streiten lässt darüber, ob es ein so spezieller “Signature Move” ist, dass man sie einer bestimmten Person zuordnen kann und auf der anderen Seite ein Unternehmen, welches sich beliebig bei allen möglichen Tanzschritten bedient, ohne einen Cent dafür zahlen zu müssen. Schon in meinem letzten Artikel zum Thema war ich daher hin und her gerissen, was davon zu halten ist. Ich schrieb:

Aus einem moralischen Blickwinkel betrachtet, sollte sich Epic Games — ebenso andere Hersteller, die auf solche Signature Moves setzen — durchaus mal Gedanken machen, wie man die Urheber dieser Gesten mit ins Boot holen kann. Ich muss zugeben, dass ich selbst zwiegespalten bin bei dem Thema. Es dürfte nahezu unmöglich sein, bei einer Handbewegung (wie beispielsweise dem “imaginären Schmutz von der Schulter wischen”) jemandem zu erklären, dass man der Urheber ist. Bei einem typischen Tanz-Move/-Stil hingegen könnte ich es mir schon eher vorstellen.

Genau da sehe ich auch nach wie vor das Problem: Wann hat man ein Anrecht auf eine bestimmte Bewegung? Selbst Michael Jacksons ikonischer Moonwalk stammte schließlich nicht von ihm. Ich bin nach wie vor riesiger Jackson-Fan und seine Ausnahmestellung in der Popmusik steht völlig außer Frage — dennoch könnte sich selbst ein Michael Jackson, würde er noch leben, nicht drauf berufen, dass besagter Moonwalk oder andere seiner typischen Bewegungen klar ihm zuzuschreiben sind. Bei diesem Thema verweise ich gern auf folgendes Video, in welchem er und Bob Fosse zur Musik von “Billy Jean” zusammengeschnitten wurden:

Aber ich merke, wie ich schon wieder ein wenig vom Thema abkomme, denn ich wollte euch eigentlich eher davon erzählen, dass sich langsam der Protest verstärkt Richtung Fortnite. Neben dem oben genannten Beispiel von 2 Milly melden sich nun weitere Protagonisten zu Wort und melden Ansprüche an.

Der eine ist “Carlton” – so zumindest sein Name in der Serie “Prinz von Bel Air”, unter dem er eher bekannt sein dürfte als unter seinem tatsächlichen Namen Alfonso Ribeiro. Der andere ist ein Internet-Phänomen und als “Backpack Kid” bekannt geworden mit seinem ebenso angesagten wie unschönen “Floss Dance”:

Beide, sowohl Ribeiro als auch Russell Horning, wie das “Backpack Kid” richtig heißt, leiten jetzt gerichtliche Schritte ein, weil sie sich um ihr geistiges Eigentum betrogen sehen. Das ist insofern zumindest bei letzterem interessant, weil sich Horning noch vor wenigen Monaten begeistert davon zeigte, dass sein Tanz Teil des Spiels sei. Ein Scheck an ihn wäre zwar eine nette Sache gewesen, aber generell wäre er kein Freund dieser Deals.

Mittlerweile hört sich das also ganz anders an — vermutlich, weil sich Managment und seine Mama nun um diese Angelegenheit kümmern. 2K Sports, die für das Spiel NBA 2K verantwortlich sind, sind übrigens auch betroffen: Auch hier ist der Tanz zu sehen und auch hier muss das Gericht entscheiden, wie die Nummer ausgeht. Übrigens gehen mittlerweile sowohl Alonso Ribeiro als auch 2 Milly ebenfalls gegen 2K Sports vor.

Beim Tänzer und Schauspieler Ribeiro sieht die Geschichte ähnlich aus: Wie bei Horning erkennen wir im Video nicht nur eine leichte Ähnlichkeit mit seinem Tanz, sondern können erkennen, dass es wirklich 1:1 abgekupfert ist in dieser Kombination der Bewegungen (und nein, ihr müsst euch nicht die ganzen 30 Minuten des Clips antun ^^):

Was beide Künstler gemeinsam haben — abgesehen von ihren Moves innerhalb von Fortnite: Außer diesen Szenen haben sie aktuell nicht wirklich viel vorzuweisen. Horning versucht sich eifrig dabei, Leute mit seinen Videos zu begeistern und will wohl auch mit Musik sein Glück probieren — alles aber mit überschaubarem Erfolg, gemessen an dem “Floss”-Hype.

Ribeiro hingegen hat natürlich sehr erfolgreich den Carlton im Fresh Prince verkörpert, nachdem er zuvor schon als Tänzer zusammen mit Michael Jackson in einem Pepsi-Spot agieren durfte. Wenn ihr euch den Clip anschaut: Carlton äh Ribeiro ist der Typ mit der roten Lederjacke.

Das ist übrigens nicht die Pepsi-Werbung, in der Jackson sein schrecklicher Unfall zustieß, als nämlich seine Haare plötzlich in Flammen standen. Wie wir später erfahren sollten, begann hier bekanntlich seine jahrelange Tortur mit Schmerzmitteln.

Nach dem Fresh Prince glückte Ribeiro nicht mehr wirklich viel. Ich kann mich an einen üblen Film (irgendwas mit Killerinsekt?) erinnern, wirklich viele Filme drehte er aber nicht. Stattdessen tauchte er im britischen Dschungelcamp auf und nahm auch — immerhin erfolgreich — an “Let’s dance” teil.

Dass ich auf die Vita von Ribeiro und auch Horning verweise, hat seinen Grund:

  • Beide werden vermutlich nie wieder so einen Hit landen wie es mit dem Floss Dance bzw. der Rolle im Fresh Prince und dem “Carlton Dance” der Fall war.
  • Beide können mit Fug und Recht behaupten, dass ihre Moves 1:1 übernommen wurden — also ihr geistiges Eigentum — und Epic damit massig Kohle macht.
  • Beide müssen feststellen, dass es nicht nur bei Fortnite bleibt, sondern sich auch andere Spiele dieser Tänze bedienen, wir also am Anfang eines Trends stehen könnten.

Klar also, dass die beiden dem jetzt einen Riegel vorschieben möchten. TMZ liegt wohl die Anklageschrift Ribeiros vor und das Magazin zitiert auch seinen Anwalt David Hecht:

It is widely recognized that Mr. Ribeiro’s likeness and intellectual property have been misappropriated by Epic Games in the most popular video game currently in the world, Fortnite.

Ich schrieb es bereits: Ich wäre ein großer Freund davon, dass sich Epic hier auf Kooperationen einlässt, von denen beide Seiten profitieren. Das können einmalige Zahlungen sein, bei einem Rapper könnte ich mir vorstellen, dass man die entsprechende Musik als Feature einbaut und auch die richtigen Namen (sowohl des Künstlers als auch des Moves) nennt. Ob hier pro Kauf Cent-Beträge an die Künstler gehen oder eine einmalige Summe, ist dabei jetzt auch nicht wirklich die Frage, beides wäre für mich denkbar.

Wichtiger ist aber, dass nicht die Menschen in die Röhre schauen, die nachweislich die Vorlage für bestimmte Tänze geliefert haben. Das wird vermutlich im Einzelfall nicht immer leicht zu beweisen sein, aber zumindest Ribeiro und Horning gehen daher nun einen weiteren Schritt und wollen sich ihre Bewegungen ganz offiziell patentieren lassen. Klingt ein bisschen nach “Echt? So weit isses schon?”, aber ich kann es ganz ehrlich nachvollziehen, dass man sich auf diese Weise um sein geistiges Eigentum kümmert.

Mag sein, dass wir hier ganz neue Patentstreitigkeiten auf uns zukommen sehen: Jemand wird behaupten, dass er den Carlton Dance schon vorher inszeniert hat, jemand anders wird darauf pochen, dass der Floss Dance in Wirklichkeit von ihm stammt usw. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zunächst mal geht es darum, dass Epic auf einem Berg Geld sitzt und ich glaube, dass es fair wäre, ein klein wenig davon an die Acts abzutreten, die nachweislich mitverantwortlich für die Einnahmen sind — oder seht ihr das anders?


PS: Ach kommt – einen kleinen Rausschmeißer hab ich noch, wo wir gerade so gut dabei sind ;)

… und bei Gelegenheit schreibe ich dann vielleicht auch mal einen Beitrag darüber, wie man viel zu lange zum Schreiben benötigt, weil man zwischendurch zu viele YouTube-Videos schaut ;)

Quellen: TMZ, Polygon