Saschas letzter Rant
Warum Frank Thelen und Yvonne Hofstetter Schwätzer sind

Frank Thelen und Yvonne Hofstetter beenden mit ihren Statements zur deutschen Industrie ein weiteres großes Jahr für Schwätzer. Die eine will Bücher verkaufen, die uns allen Angst machen sollen - der andere nutzt seinen Rundumschlag zum Pushen seiner kleinen Investments. Die angeblich dem Tode geweihten Branchen feiern unterdessen internationale Rekordergebnisse und planen besonnen die Zukunft für hunderttausende Arbeitnehmer.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, in den kommenden 72 Stunden dürften Viele von uns satt, zufrieden oder nachdenklich auf das zurückliegende Jahr blicken. Geht es nach der Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter und dem Investor Frank Thelen, dann müsste der Gedanke an das kommende Jahr uns allerdings tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treiben: Wir alle, besonders hier in Deutschland, sind “doomed”. Voll im Arsch. Ende, Aus, Micky Maus.

Yvonne Hofstetter erklärt uns nicht erst seit ihrem Bestseller “Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen” (ohne Ausrufezeichen), dass diese ganze verdammte Big Data Nummer uns alle auch ohne Vorratsdatenspeicherung zu gläsernen Smombies machen wird, die auf Schritt und Tritt überwacht werden. Sie selbst ist Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH und wertet mit entsprechend “intelligenten” Systemen im Auftrag staatlicher Behörden und der Rüstungsindustrie riesige Datenmengen aus.

Das neue Steckenpferd der Co-Autorin der megagefloppten #Digitalcharta scheint aber der (durchaus lukrative) Bereich “Industrie 4.0” zu sein, den Hofstetter mal eben kurzerhand zum schwarzen Fleck in Deutschland erklärt. Glaubt man der Dame, dann leben deutsche, international tätige Mega-Konzerne und die dort beschäftigten Ingenieure und Programmierer seit rund 10 Jahren unter einem dicken, schweren Stein. Irgendetwas müssen wir – sowohl hier, vor Ort in Taipeh als auch auf Events wie der CeBit oder der Hannover Messe – völlig falsch verstanden haben.

2016: Ein weiteres gutes Jahr für Schwätzer

Das wäre jetzt alles nicht so tragisch, wenn sich nicht ein erheblicher Teil der Medien dauernd auf vermeintliche “Evangelisten” wie Hofstetter & Co. stürzen würden und in einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung den Standort Deutschland kleinschreiben würden. Man kann sicherlich hinterfragen, ob unser Bildungssystem oder unsere Sozialsysteme auf die zukünftigen Herausforderungen der Digitalisierung ausreichend vorbereitet sind. Doch diese permanente Panikmache und dieses Niederschreiben unserer Unternehmen entspricht nicht nur nicht der Realität, es dient – ganz offensichtlich – nur der eigenen Profilierung. Das nächste Interview, das nächste Buch, der nächste Auftritt auf irgendeinem Symposium warten schon. Mach Dich zur Marke.

Ein mindestens gleichwertiger Kandidat in dieser Riege ist Frank Thelen, der einigen vielleicht als strenger Investor im Shark Tank Abklatsch “Die Höhle (oder Hölle?) der Löwen” bekannt ist. Dort darf sich Thelen u.a. mit dem Anchorman der Hannover Connection Carsten Maschmeyer vergnügen, der über seine “liebe Veronika” oder Blömmekes auf der Fensterbank seiner Villa lamentiert und immer noch versucht, seine AWD-Historie irgendwie hinter sich zu lassen.

Thelen durfte der deutschen Wired ein “Interview” geben, in dem er der gesamten deutschen Automobilindustrie und Technologiebranche mal so richtig ans Bein pinkeln (und sein eigenes neues Investment “Lilium” ein gefühltes dutzend Mal erwähnen) konnte. Der begeisterte Fahrer eines mit Notebook-Akku-Zellen vollgepackten Tesla Model S sieht schwarz für Deutschlands Chancen bei der Digitalisierung und greift dabei auf die Erfahrungen zurück, die er mit seinem gegen die Wand gefahrenen doo-Investment gemacht hat.

Glaubt man Frank Thelen, dann ist nicht nur die gesamte deutsche Automobilindustrie, sondern auch die gesamte Zuliefererindustrie “null digitalisiert!”. Ne komm, jetzt mal Klartext, “Also wirklich: null.” Wie man es richtig macht, zeigt nach Thelens Auffassung hingegen Tesla, für die der Bonner Durchblicker schließlich schon mal einen Werbespot drehen durfte.

Die deutsche “Bankenindustrie” (?) bekommt auch noch gleich einen mit, die wissen offenbar noch nicht einmal, was “Blockchain” heisst, was in Kombination mit dem fehlenden Blahblub “Mindset” eigentlich zur kollektiven Entlassung aller Vorstände führen müsse. MyTaxi und Uber sind nach Thelens Ansicht auch bereits dem Tode geweiht, denn – erwähnten wir es bereits? – irgendwann fliegt ja sein Investment Lilium durch den Äther. Apropos: wann is’n “irgendwann”, Frank? Du beschwerst Dich ja darüber, dass die Autobauer immer nur ankündigen, aber nie liefern. Gib uns doch bitte mal ein Datum.

Getragen vom kleinen Erfolg in ihrer jeweiligen Mini-Bubble liefern die altklug mit dem Zeigefinger fuchtelnden Hofstetters und Thelens vermeintliche Erklärungen und Patentrezepte für Branchen und die in diesen Industrien beschäftigten Menschen, ohne sich wirklich mit den Folgen auseinandersetzen zu müssen. In dieser luxuriösen Position des allwissenden Fremdbetrachters kann man alles von sich geben, ohne für die Konsequenzen geradestehen zu müssen. Das kann, verantwortungsvoll wahrgenommen, wichtig für die Entwicklung einer Gesellschaft sein. Bei Hofstetter und Thelen wirkt es einfach nur lächerlich.