Fünf Alternativen zum Chrome Browser unter Android

Chrome ist praktisch, schnell und von Google. Es gibt also auf den ersten Blick nur wenige Gründe, sich vom besten Browser zu verabschieden und ein anderes "Internetzugriffsprogramm" zu versuchen. Doch auch wenn Chrome ohne Zweifel die Nummer 1 unter den Android-Browsern ist, gibt es sehr gute Alternativen im Play Store, die zum Teil deutlich schneller sind.
von Marcel Hilzinger am 23. April 2015

Bevor Chrome auf Android kam, gab es eine recht große Browservielfalt. Eigentlich waren damals die meisten Browser besser als der auf Webkit basierende Standard-Browser des Android Open Source Projekts. Wer sich also schon länger mit Android beschäftigt, dem fallen beim Stichwort Browser-Alternative zuerst Dolphin, „Opera Mini“ und vielleicht noch der „Next-Browser“ vom Go-Projekt ein. Diese Browser gibt es weiterhin im Play Store und sie werden von den Entwicklern auch noch gepflegt. Doch es geht noch besser, wie der folgende Artikel mit zwei „Klassikern“ und drei weniger bekannten Tipps zeigt.

Opera (ohne Mini)

Die Norweger hatten mit Opera mal einen der besten Browser für Desktop-Rechner am Start, doch eine Browser-Engine zu entwickeln, ist weniger schwer, als diese über lange Zeit zu pflegen. Deshalb spürte man Opera dann irgendwann um 2010 den Zahn der Zeit doch arg an. Das hat man auch in Oslo erkannt, und sich deshalb dazu entschieden, nicht weiter an einer eigenen Engine zu basteln, sondern Chromium/Blink als Engine zu benutzen. Seither gibt es Opera in der „Vollversion“ auch für Android und der Browser ist nicht nur verflixt schnell, er bringt auch jede Menge Features mit. Zunächst gibt es die Schnellwahl, die nur deutlich mehr Seiten beim Start anzeigt als Chrome und sich auch einfacher anpassen lässt. Der Schnellwahl-Button ist zudem in die Browserleiste integriert, sodass du deine Favoriten wirklich schnell erreichst.

Sehr praktisch ist auch die eingebaute Scroll-Funktion: Sobald Opera erkennt, das du am Scrollen bist, erscheint am rechten Rand ein Symbol mit einem Pfeil. Es führt dich automatisch ans Seitenende oder an den Anfang einer Webseite. Über das Pluszeichen vor der URL fügst du Webseiten schnell zu den Favoriten hinzu oder speicherst Beiträge offline. Weniger glücklich gelöst ist der Button für einen neuen Reiter. Hier besteht auf Tablets die Chance, das man sich vertippt und auf dem Opera-Logo landet. Dafür ist wieder um auf Tablets der Wechsel zwischen den Reitern besser — da klassisch — gelöst. Wenn du nur eine Handvoll Seiten geöffnet hast, kannst du also einfach per Fingertip zwischen den Seiten wechseln und musst nicht das mühevolle Spielchen wie bei Chrome durchspielen. Auf dem Handy gibt es hingegen auch hier das gewohnte Interface mit dem Symbol und der Anzahl geöffneter Reiter.

Horizontales Blättern, statt vertikales wie bei Chrome. Der Wechsel zwischen den Tabs ist bei Opera einfacher.
Horizontales Blättern, statt vertikales wie bei Chrome. Der Wechsel zwischen den Tabs ist bei Opera einfacher.

Falls du einmal über eine schlechte Internetanbindung verfügst, dann wechsle einfach in den Offroad-Modus. Opera holt sich die Webseiten dann aus dem stark komprimierten Browser-Cache von Opera, anstatt diese direkt zu laden und spart so jede Menge Daten (kann Chrome inzwischen auch, das Feature stammt aber von Opera). Last but not least ist Opera in der aktuellen Beta-Version der laut Vellamo-Benchmark schnellste Android-Browser auf 64-Bit-Systemen. Das aber nur, weil Opera bei der Implementation der aktuellen Chromium-Version 42 etwas schneller als Google war. Mit Opera bekommst du also die gleich gute Engine wie bei Chrome, dafür aber eine — meiner Meinung nach — einfacher zu bedienende grafische Oberfläche, die vor allem auf Tablets deutlich mehr Spaß macht als Chrome.

Schlechtes Netz? Kein Problem für Opera. Die Daten kommen komprimiert aus Norwegen auf dein Handy.
Schlechtes Netz? Kein Problem für Opera. Die Daten kommen komprimiert aus Norwegen auf dein Handy.
Opera-Browser – News & Suche
Opera-Browser – News & Suche
Entwickler: Opera
Preis: Kostenlos

Firefox

Man sieht sich im Leben immer zwei Mal. Wenn du Firefox vor rund einem Jahr unter Android voller Tatendrang ausprobiert hast und dann enttäuscht wieder zu Chrome zurückgekehrt bist, dann ist jetzt der passende Augenblick, um dem „echten“ Open-Source-Browser eine zweite Change zu geben. Die lahmen App-Starts, Abstürze und andere Kinderkrankheiten gehören der Vergangenheit an und auch wenn Firefox nicht zu den absolut schnellsten Browsern gehört, stellt er die meisten Seiten im Netz problemlos und zuverlässig dar.

Beim Start bietet der Browser eine Schnellwahl an, mit Wischgesten nach rechts und links landest du in der History, bei den Favoriten und den am häufigsten besuchten Seiten. Einen Download-Manager bietet der Browser ebenfalls an. Firefox verfügt über eine eigene Rendering Engine (Gecko). Solltest du also über eine Seite stolpern, die Chrome oder ein anderer Chromium-Basierter Browser nicht korrekt darstellen kann, dann lohnt sich ein Blick auf Firefox.

B = Beta = Besser: Von Chrome, Opera, Firefox und weiteren Browsern gibt es auch Beta-Versionen im Play Store. Diese verfügen üblicherweise über die neueste Rendering-Engine und auch neue Funktionen. Aus Erfahrung laufen die drei erwähnten Browser in der Beta-Version recht stabil, sodass du eine Nutzung als Standard-Browser durchaus in Betracht ziehen kannst.

Mit Firefox Sync hat die Mozilla-Foundation zudem ein Feature im Angebot, das bisher nur Chrome bieten konnte: All deine Tabs, Favoriten und gespeicherten Passwörter kannst du mit dem Desktop-Rechner oder anderen Androiden synchronisieren und last but not least gibt es auch schon sehr viele Addons für den freien Browser. Laut Vellamo ist Firefox Beta der drittschnellste Browser hinter Opera und Chrome.

Dank Firefox Sync hast du alle Daten immer mit dabei, egal auf welchem Gerät du dich anmeldest.
Dank Firefox Sync hast du alle Daten immer mit dabei, egal auf welchem Gerät du dich anmeldest.
Ganz perfekt läuft Firefox unter Android 5.0 noch nicht. Hier sind unten ein paar Elemente abgeschnitten.
Ganz perfekt läuft Firefox unter Android 5.0 noch nicht. Hier sind unten ein paar Elemente abgeschnitten.

Wenn du also Firefox auf dem Desktop-PC oder Notebook benutzt, gibt es praktisch keinen Grund, nicht auch unter Android auf den freien Browser zu setzen.

Firefox: privat+sicher surfen
Firefox: privat+sicher surfen
Entwickler: Mozilla
Preis: Kostenlos

Yandex Browser

Yandex ist quasi wie Google, nur auf Russisch. Yandex bietet Maps, E-Mail, einen App Store und natürlich einen Browser an. Dabei ist die Entstehung recht witzig: Nachdem Firefox anno 2012 anstelle von Yandex in Russland Google als Standard-Suchmaschine festlegte, entschloss man sich bei Yandex quasi spontan, einen eigenen Browser zu programmieren. Diesen gibt es seit Januar 2014 auch für Android und er gehört zu den besten Browsern im Play Store. Die Mozilla Foundation hat den Wechsel inzwischen wieder rückgängig gemacht, der Yandex Browser ist geblieben.

Unter Android überzeugt der flinke Browser, der ebenfalls auf die Chromium/Blink-Engine setzt und deshalb auch rund 30 MByte groß ist durch ein aufgeräumtest Interface und eine fehlertolerante Suche, die wie bei Google Vorschläge bereits beim Tippen anzeigt.

Oben ohne: Der Yandex-Browser zeigt die URL-Zeile unten an. Das erleichtert die Tipp-Arbeit...
Oben ohne: Der Yandex-Browser zeigt die URL-Zeile unten an. Das erleichtert die Tipp-Arbeit…
DIe einzelnen Reiter sind übersichtlich übereinander dargestellt.
DIe einzelnen Reiter sind übersichtlich übereinander dargestellt.

Durch einen Deal mit den russischen Freunden bei Kaspersky überprüft der Yandex-Browser die aufgerufenen Seiten auf Malware und blockt zum Beispiel Seiten, die SMS-Spam oder gefährliche Weiterleitungen enthalten. Von Opera hat man sich den Turbo-Modus ins Boot geholt und auch eine Sync-Funktion bietet der Russen-Browser an, damit alle Daten auf allen Geräten auf dem gleichen Stand sind (Yandex gibt es auch für Windows und Linux). Mir persönlich gefällt an Yandex Browser besonders gut, dass sich die URL-Zeile unten befindet. Das erspart den üblichen Augenspagat zwischen Keyboard und Eingabefeld. Reiter zeigt der Browser zudem als Karten an — übersichtlicher als bei Chrome. Auch wenn der Yandex-Browser beim Vellamo-Benchmark mangels 64-Bit-Version nicht an die Werte von Chrome, Opera und Firefox herankommt, lädt er Webseiten deutlich schneller als alle drei erwähnten Browser. Probier’s einfach mal aus!

Yandex Browser with Protect
Yandex Browser with Protect
Entwickler: Яндекс
Preis: Kostenlos

Tint Browser

Das komplette Gegenstück zu den bisher vorgestellten Browsern stellt der Tint Browser dar. Die App ist lediglich 565 KByte groß und somit findest du hier weder eine Sync-Funktion, noch die neueste Chromium-Engine noch andere tolle Features. Der Tint-Browser ist denn auch die ideale Lösung für alle, die einen möglichst schlanken Browser suchen, der mit Android 4.x kompatibel ist und auch aktuelle Seiten noch recht zügig und fehlerfrei darstellt. Die App wurde vom Entwickler allerdings seit über einem Jahr nicht mehr aktualisiert, und auch im frei zugänglichen Git-Repo des Entwicklers hat sich in den vergangenen 12 Monaten außer vereinzelten Fehlerberichten nichts getan.

Klein aber fein: der Tint Browser ist gerade mal 565 KByte groß und flink wie ein Wiesel.
Klein aber fein: der Tint Browser ist gerade mal 565 KByte groß und flink wie ein Wiesel.
Mit seiner Sidebar war der Browser Anfang 2014 der Zeit voraus...
Mit seiner Sidebar war der Browser Anfang 2014 der Zeit voraus…

Das bedeutet aber nicht, dass der Browser über gar keine speziellen Features verfügt: Im Gegenteil: Tabs lassen sich wahlweise als Incognito-Reiter öffnen, wenn gewünscht auch als Standard-Einstellung und es gibt im Play Store auch ein paar Erweiterungen (Adblocker, Flash-Player). Da der Tint Browser eine — veraltete — Webkit-Engine benutzt, solltest du ihn und vor allem die Erweiterungen nur dann einsetzen, wenn du ganz genau weißt, was du tust. Der Tint Browser ist die beste Wahl, wenn du einen möglichst schnellen und ressourcenschonenden Browser suchst.

Tint Browser
Tint Browser
Entwickler: Anasthase
Preis: Kostenlos

Habit Browser

Beim Schreiben dieses Artikels war ich kurz davor, den Habit Browser aus der Liste zu kicken, weil auch diese App schon länger kein Update mehr erhalten hat. Seit gestern gibt es aber eine neue Version im Play Store, so dass einer Empfehlung nichts im Weg steht. Der Habit-Browser hat seinen Namen daher, dass er über sehr viele Einstellungsmöglichkeiten verfügt. Du kannst ihn somit deinen Gewohnheiten anpassen. Das Design ist nicht jedermanns Sache (mir gefällt es zum Beispiel nicht), aber der Browser arbeitet schnell und ist mit 3,5 MByte auch nicht besonders groß. Welche Rendering-Engine der Habit Browser benutzt, verrät uns der japanische Entwickler „Notari“ nicht öffentlich. Auf Grund des Browser-Fingerprints kommt aber ziemlich sicher die Webkit-Engine zum Einsatz, die auch Apple für seinen Safari-Browser benutzt.

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Das Handling der einzelnen Reiter ist auch auf kleinen Displays kein Problem.
Das Handling der einzelnen Reiter ist auch auf kleinen Displays kein Problem.

Das tollste Feature des Habit Browsers ist die Ringsteuerung. Wie bei Chrome mal eingeführt, dann wieder verschwunden lassen sich die wichtigsten Funtkionen wie zurück, vor, Bookmark über ein ringförmiges Bedienelement vornehmen, wenn du vom rechten Rand her ins Browserfester hinein wischst. Ebenfalls praktisch, wenn auch gewöhnungsbedüftig sind die Doppeltip-Icons. Hältst du zum Beispiel das Zurück-Icon gedrückt, dann bedeutet das für den Browser „Gehe zum Anfang der Seite“, ein langer Fingertip auf das Bookmark-Symbol öffnet die History und so weiter.

Der schwebende Ring vereinfacht die Bedienung mit einer Hand.
Der schwebende Ring vereinfacht die Bedienung mit einer Hand.

Der Habit Browser ist kein Browser für die Massen. Aber es ist sehr gut möglich, dass er genau der Browser ist, auf den du gewartet hast!

Habit Browser
Habit Browser
Entwickler: mura.k
Preis: Kostenlos+

Und zum Schluss noch ein Tipp: Vergiss Flash! Es gibt anscheinend immer noch Nutzer, die auf Ihren Handys und Tablets Seiten aufrufen, die den Flash-Player benötigen. Versuche gar nicht erst das Problem der Flash-Player-Installation zu lösen, sondern meide die Seite oder schreib dem Betreiber eine E-Mail, dass er endlich mal seine Seite aktualisieren soll. Flash ist tot und gefährlich. Zwei gute Gründe, die Technologie zu meiden wie die Pest!