Fünf Trends im Bereich Interaktionsdesign einmal näher beleuchtet

Zum Abschluss des Jahres möchte ich euch noch ein Thema aus dem Bereich Design nahebringen. Wir schauen uns mal fünf Entwicklungen aus dem Interaktionsdesign an, die herausstechen und für Apps und Webseiten gleichermaßen gültig sind. Aus meiner Sicht ergeben sich hier ganz klare Trends.

Überzeugendes Design

Das Herzstück des Interaktionsdesigns ist seit jeher der Austausch zwischen Mensch und Maschine – ein Gespräch zwischen Nutzer und Webseite. Dieses Jahr wurden überzeugende Taktiken im Webseiten-Design auf subtile Weise verwurzelt. Sie sind sogar so unauffällig, dass sie unglaublich wirksam sind und immer wieder integriert werden. Werfen wir mal einen Blick auf eine der häufigsten Taktiken:

  • Gestaltung: Dahinter verbirgt sich, wie man bestimmte Informationen auf einer Webseite präsentiert. Also, lass es auf deiner Seite so aussehen, als ob eine Kreditkartenbezahlung keine zusätzliche Gebühr berechnet wird, sondern, dass eine Zahlung mit einer alternativen Methode einen Rabatt erbringt. Darauf springen dann mehr Leute an, denn sie denken, sie haben einen tollen Deal rausgeschlagen.image152-520x390
  • Verankerung: Präsentiere auf deiner Webseite einen Artikel mit einem höheren Preis, der als Standard angesehen werden kann. Jeder günstigere Preis, der darunterliegt, wird automatisch als super Deal empfunden. Das ist besonders effektiv für Rabatte, wo die Nutzer genau sehen können, wieviel sie sparen.
  • Kundenabneigung: Studien zeigen, dass Kunden eher reagieren, um Verluste abzuwenden, als Freude zu erlangen. Also, ein Banner mit der Aufschrift „wenn Sie sich nicht anmelden, verlieren sie 10€“, erzeugt mehr Ergebnisse als ein Fenster mit „wenn Sie sich anmelden, sparen sie 10€“.
  • Verknappung: Je geringer die Menge ist, desto höher ist die Nachfrage. Das sieht man ganz schön bei Amazon, wo dann immer steht: „Nur noch 5 Stück auf Lager“.

Unsichtbares User Interface

Unsere Professorin sagt immer, dass Design unsichtbar sein muss, sonst ist es kein gutes Design. Es arbeitet im Hintergrund, sodass der Nutzer immer einen Erfolg verspürt, bloß durch ihre eigenen Fähigkeiten. Hier sind einige nützliche Tipps, um den Anwender in allen Interaktionen zu stärken:

  • Weniger und einfachere Schritte: Je weniger Klicks ein Nutzer braucht, um ans Ziel zu gelangen, desto erfolgreicher ist das Interface. Das Unternehmen Uber hat beispielsweise einen mehrstufigen Kreditkarten-Prozess in einen einzigen, einfachen Schritt umgewandelt. Auch Amazon hat mit dem 1-Klick-Kauf die Zahlung vereinfacht und die Schritte dazwischen weggenommen.

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  • Klare, visuelle Kommunikation: Achte bei deiner Webseite auf ein einheitliches visuelles Thema und benutze Symbole, anstatt Wörter. Unser Gehirn kann ein Zeichen 60.000-mal schneller decodieren, als Schrift.
  • Allverzeihende Schnittstelle: Es kommt zu allgemeinen Benutzerfehlern, und dafür muss man Sicherheitsvorkehrungen treffen. Dazu gehören beispielsweise die Optionen des Rückgängigmachens und des Autosaves.

Der Sinnvolle weiße Raum

Ein leerer Raum ist nicht immer langweilig. Eine weiße Fläche sollte ebenso als optisches Element implementiert werden. Denkt mal an die Pause zwischen jedem einzelnen dieser Wörter – nichts Anderes als weißer Raum dazwischen. Unser Gehirn braucht diese kleinen Pausen, um die Informationen richtig aufnehmen zu können. Andernfalls, würden Worte und Bildelemente schnell ihre Bedeutung verlieren.

  • Leerer Raum schafft Hierarchie: Je mehr Leerzeichen um ein Objekt platziert werden, desto mehr Aufmerksamkeit wird diesem zuteil. Allein dieser einfache Trick kann helfen, um eine visuelle Hierarchie zu erschaffen und zu beeinflussen, was als erstes gesehen werden soll.
  • Minimalismus = Raffinesse: Minimiere die Elemente auf deiner Webseite, denn dadurch wird der leere Raum maximiert und verleiht der Seite eine gewisse Atmosphäre von Eleganz und Luxus. Das ist eine Taktik, die am häufigsten auf Mode-Marken-Webseiten zu sehen ist.

Schnittstellentext ist Design

Wenn man die Benutzerinteraktion mit einer Webseite als ein Gespräch ansieht, dann muss der Entwickler seine Worte sorgfältig wählen. Alles was auf dem Bildschirm einer App oder Seite zu sehen ist, gilt als Schnittstelle zwischen Nutzer und Anwendung. So ist der Text auch keine Ausnahme. Wenn die Bedeutung hinter den Worten nicht mit der Anwendung übereinstimmt, dann werden auch die besten Bilder und die einfachste Bedienung nichts mehr daran retten können. Hier sind ein paar Richtlinien, wie man wirklich das rüberbringen kann, was man sagen möchte:

  • Kenne die Zielgruppe: Die Zielgruppe ist bei dem Produktdesign das A und O. Das wurde uns vom ersten Semester an gepredigt und es stimmt! Kenne den Benutzer und du weißt, wie man zu ihm sprechen kann. So kann eine Webseite für Kinder Wörter und Sätze wiederholen, um die Aufmerksamkeitsspanne einzustellen. Bei einer Seite für eine Anwaltskanzlei, würde das eher nicht so gut passen.
  • Betrachte den Kontext: Schreibst du für eine Webseite oder eine App? Ist es die Homepage oder über eine Seite? Genauso, wie man den Text an die Zielgruppe anpasst, muss man ihn auch auf das Medium abstimmen. Wenn die Anwendung beispielsweise für eine hektische Situation wie das Autofahren konzipiert ist, dann muss der Text die Informationen schnell rüberbringen können.
  • Zeige Persönlichkeit: Dein Schreibstil wirkt sich auf die generelle Stimmung und Atmosphäre der Webseite aus, genau wie starke Bilder oder Animationen. Man muss die Emotionen verstehen, die transportiert werden soll, sodass der Text nicht mit den visuellen Interaktionen kollidiert.image061-520x371

Design, das reizt

Last but not least, gutes Interaktionsdesign ist immer angenehm. Eine emotionale Verbindung zum Nutzer ist immer der sicherste Weg um sich seine Loyalität zu verdienen. In dem Bild von MailChimp ist das Bestätigungsfenster ein wesentlicher Bestandteil des Email-Sende-Prozesses. Das Hinzufügen von lustigen Grafiken und einem humorvollen Text macht die Seite sympathisch und fügt etwas Freude ohne Kosten hinzu.

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  • Opfere nicht die Benutzerfreundlichkeit: Denke daran, dass ein wunderbares Design das Tüpfelchen auf dem i ist. Es macht die Seite nicht so langweilig, aber das alleine, macht die Seite noch nicht rund. Mache nie den Fehler, dass die Klarheit und die Benutzerfreundlichkeit darunter leiden.
  • Die Anwendung entdecken: Benutzer lieben Überraschungen! Schon kleine Interaktionen mit einer Art „Aufgabe“ bewirken, dass der Nutzer sich gut und belohnt fühlt. Das Bild zeigt beispielsweise eine einfache Fade-In-Animation der Animationsleiste, was schon ein bisschen mehr Freude ist die Aktion bringt.
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Das war mal ein kleiner Exkurs in die Welt des Interaktionsdesigns. Teilweise habe ich auch Sachen aus meinem Studium miteingebracht, da sich dieses ja auch um Interaktive Medien und das Design dreht. Vielleicht hilft es dem einen oder andern weiter, wenn er eine eigene Webseite oder App erstellen möchte. Ich verabschiede mich hiermit für dieses Wochenende und hoffe, dass ihr alle gut in das neue Jahr 2016 rutscht! Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder :)

Quelle: thenextweb