GE Garages Hub plant die Energiewende für Deutschland

Ich war für MobileGeeks auf der GE Garages in Berlin und habe mir dort einen Vortrag zur Energiewende in Deutschland angeschaut. Ein paar Eindrücke möchte ich nun hier wiedergeben.
von Daniel Böber am 2. April 2015

Die GE Garages ist ein Gründer und Innovations-Hub welcher gerade in der Berliner „Factory“ besucht werden kann. Es geht vor allem um das Kennenlernen neuer und spannender Technologien. Die Themen der Vorträge wechseln hier täglich. Passend sind jeweils Redner aus zugehörigen Branchen als Experten vor Ort.

Wo stehen wir und wo geht die Reise hin?

“Was ist die Energiewende?”, das war das Thema der GE Garages in der Berliner Factory.
Das Gebäude vermittelt schon von außen das typische Start-Up Flair und auch beim betreten springen einem gleich Wegweiser wie „hier geht’s zur Google Developers Launch“ ins Auge. Ich als Technikfreak fühle mich natürlich gleich wohl.
Der Kern der Veranstaltung war das Fach-Panel „Digitalisierung als Erfolgsfaktor für die Energiewende in Deutschland“ moderiert von Dr. Joachim Müller-Soares (Herausgeber „bizz energy today“). Gleich zu Beginn wurde hier auch klargestellt – es soll diskutiert werden! Die Teilnehmer waren gut gewählt, denn genau diese lebhafte Diskussion kam auch recht schnell zustande.

Eingeladen waren:

Prof. Dr.-Ing. Stephan Reimelt, President & CEO GE Europe, CEO GE Germany

Roger Kohlmann, Mitglied der Hauptgeschäftsführung und Geschäftsbereichsleiter Energienetze, Regulierung und Mobilität, BDEW

Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH für Hamburg und Norddeutschland

Carl-Ernst Giesting, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der RWE Vertrieb AG Dortmund

Dr. Frank Schmidt, Leiter Konzerngeschäftsfeld Energie, T-Systems International GmbH

Eine Modell einer Turbine aus Titan
Modell aus dem 3D Drucker

 

Dezentralisierung – Das Thema Nummer Eins

Wir dürfen nicht stehen bleiben, war der O-Ton. Wenn wir es nicht machen, macht es jemand anderes. Es geht um die Umstrukturierung unserer Stromnetze. Diese müssen intelligent werden, denn das klassische Verteilprinzip von Kraftwerk zu Steckdose gibt es bald nicht mehr. Wir kennen es bereits von Solar-Panels: Überschüssige Energie kann ins Netz gespeist werden und wird auch entsprechend subventioniert. Wo wir schon beim nächsten Punkt sind: Wie wird das Preismodell aussehen. Konkrete Antworten gab es darauf noch nicht, aber es wird klargestellt, dass massiv umgedacht werden muss. Hier ist die Zusammenarbeit von Netzbetreiber, Politik aber auch Stromabnehmern gefragt. Eine gewisse Kompromissbereitschaft muss jeder mitbringen.

Was bedeutet das für uns

Kompromisse? Ja genau! Wie auch das Benzin für unsere Autos ist Energie ein wertvolles Gut. Das merken wir spätestens bei der Stromrechnung. Auf dem Weg zur nachhaltigen und emissionsfreien Stromerzeugung sind Kompromisse wichtig. Ein Beispiel wäre die Wäsche einfach 30 Minuten später zu waschen, wenn draußen wieder die Sonne scheint und die Solar-Panels Energie liefern oder das Kühlhaus bei ausreichend Energie im Netz 2 Grad abzukühlen, um dann in der nächsten Stunde wieder etwas sparsamer zu arbeiten. All diese Szenarien funktionieren nur, wenn die Komponenten miteinander “sprechen”. Hier kommt das Smart Home sicher in naher Zukunft ins Spiel. Weiterhin bietet sich hier eine große Lücke, die es noch mit passender Software zu füllen gilt.

Windkraftanlagen zur nachhaltigen Energieerzeugung
Windkraftanlagen

 

Smartmeter – Smart Home, wer braucht das alles?

Wer den Begriff Smartmeter das erste Mal hört – es handelt sich um einen digitalen und vernetzen Stromzähler. Er soll der entsprechenden Intelligenz im Stromnetz beitragen. Auch diese Neuerung wurde diskutiert, denn die Technologie kann bereits gekauft und installiert werden – gegen Aufpreis. Das dürfte sicher ein Grund sein, warum bei einem Testlauf nur 3500 von 1 Mio. Kunden das Smartmeter haben wollten. Der Mehrwert ist einfach noch nicht ersichtlich. Ein Intelligentes Netz kann im Gegenzug aber nur mit ausreichend Messwerten funktionieren. Eine Lösung für dieses Dilemma ist noch nicht wirklich abzusehen.

Typisches Smartmeter zur digitalen Stromerfassung
Smartmeter

 

Die Herausforderung an Politik und Stromanbieter

Für den Umbau der Netze werden riesige Geldsummen benötigt. Da der Stromhandel in Deutschland relativ streng reguliert ist, kommt auch die Politik ins Spiel. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, sonst verpassen wir den Anschluss. Wir dürfen auf der aktuellen “Vorreiter – Position” nicht ausruhen und sitzen bleiben. Tatsächlich erleben wir zurzeit eher einen Stillstand rund um dieses Thema. Sicher auch einer der Gründe warum gerade eine Plattform wie die GE-Garages gewählt wurde – man sucht nach Innovationen!

Stromspeicher Technologie als Lösungsansatz

Ein Problemlöser für die flexiblen Netzlasten wäre eine vernünftige und effiziente Möglichkeit Energie auch über längere Zeit zu speichern. Diese gibt es leider noch nicht. Wir alle kennen die Probleme: Akkus altern schnell, laden ineffizient, sind teuer und ab einer gewissen Leistung auch groß und gefährlich. Elektroautos sind noch nicht sehr weit verbreitet und auch Smartphones sind in dieser Hinsicht noch nicht weiter. Doch der perfekte Akku wäre genau das passende Puzzleteil. Jeder Haushalt könnte eine Batterie laden und damit erstens autark versorgt werden und zweitens auch Lastspitzen im Netz ausgleichen. Auch hier können wir nur weiter abwarten.

Diskussionen nach der Veranstaltung
GE Garages Launch

 

Die GE Garages kurz besichtigt

Neben der Kern Veranstaltung gab es noch allerhand nebenbei zu entdecken. Vorort konnten moderne 3D Drucker und Fertigungstechnik bis hin zum Laser-Cutter ausprobiert und in Aktion erlebt werden. Auch Alexander, ein Gewinner unserer Ticket-Verlosung, konnte sich sofort für das Thema begeistern. Dass es hier nicht um Serienfertigung, sondern um Prototyping geht, wurde mir zumindest spätestens bewusst, als mir der Preis für die Herstellung eines kleinen Turbinenmodells genannt wurde. Zwar bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, aber bei über 500€ für ein 3 cm großes Modell ist man noch weit vom “Heimgebrauch für jedermann” entfernt.

Mein Fazit

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung. Mit diesem Gedanken im Kopf habe ich dann abends auch die Heimreise aus Berlin angetreten. Rein thematisch passte es hier im Smart Home Hub natürlich nur teilweise. Gelernt habe ich dann doch viel Neues rund um die Energiewende – allemal interessant die Denkweise der verschiedenen Experten und auch ihre teils sehr verschiedene Wahrnehmung aufzusaugen. Es bleibt trotzdem ein Fachevent, was beim Vortrag deutlich zu spüren war. Viele wirtschaftliche Aspekte, wenig Raum für Neugierde. Man sollte sich schon einmal mit dem Thema befasst haben, um mitreden zu können, sagen wir es so.
Viel Konkretes gab es nicht aber dafür waren die vorgesehenen 2 Stunden Diskussion auch viel zu kurz. Der Kurs jedoch wird deutlich, Deutschland will sich weiter als Vorreiter positionieren und versucht ganz klar Dialog mit Politik, Industrienetzwerk und natürlich auch dem Endverbraucher zu führen. Es wird auch wieder deutlich wie wichtig die Start-Up Szene ist, wie wichtig neue Gedanken und Herangehensweisen sind und wie groß der Wert von Innovationen sein kann.
Fernab vom Fach-Panel war die GE Garages mit all den modernen Geräten rund um
Prototyping auch etwas für die ganze Familie. Mir wurde viel und vor allem auch verständlich erklärt. An anderen Tagen konnten sogar Schulklassen mit einfach zu bedienender Software ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sagte man mir. Schade, dass über derartige Events immer wenig geschrieben oder geredet wird.

Mehr Informationen zum ganzen Event findet ihr übrigens via Hash „#garages2015“ im Netz.