Kommentar
„Generation Snapchat“ – Meine Meinung zum Wandel der sozialen Netzwerke

Vor rund fünf Jahren war ich, als fast 16-jähriger Teenager, total aufgeregt, als ich mir endlich einen Account bei Facebook machen durfte. Damals war die Social Media-Seite total in und wenn man dort nicht angemeldet war, war man quasi nicht präsent. Zu der Zeit hat man sich noch keine privaten Nachrichten geschrieben. Nein, man hat alles Mögliche an die Pinnwand geklatscht. So dürften sich meine damaligen Facebook-Freunde wohl köstlich über jeden Klatsch und Tratsch von meiner besten Freundin und mir amüsiert haben.

Damals gab es weder WhatsApp, noch Instagram oder Snapchat. Facebook war die Kontaktbörse schlechthin. Dort hatte man den ganzen Jahrgang versammelt, war immer Up-to-Date über das Leben der Anderen und über die erste große Liebe wusste man, dank Facebook, natürlich alles Bescheid. Heute ist das anders! Meine Schwester ist jetzt in dem Alter, in dem ich mir damals meinen Facebook-Account eingerichtet habe. Es gibt nur einen Unterschied: Ihre Generation hat kein Interesse mehr an dem sozialen Netzwerk. Nun stelle ich mir die Frage, was in den vier Jahren Altersunterschied zwischen meiner Schwester und mir passiert ist? Wieso ist Snapchat bei ihren Freunden und der jüngeren Generation generell so viel angesagter?

FacebookBanner ältere user

Facebook ist mittlerweile unter den Erwachsenen erfolgreich wie nie zuvor. Beinahe die Hälfte aller Facebook-User ist inzwischen 35 oder älter, wobei sie vor ein paar Jahren nur eine kleine Minderheit darstellten. Die jungen Nutzer wenden sich also anderen Netzwerken zu und das kommt nicht von ungefähr. Das eigene Profil bei Facebook ist im Vergleich zu anderen Seiten irgendwie statisch. Tumblr oder Instagram wirken durch eine persönliche Note dagegen dynamischer. Natürlich geht das bei Facebook auch, aber irgendwie auf eine andere Art und Weise.

„Facebook ist

was für ältere Leute!“

Das soziale Netzwerk verliert aber generell mehr Nutzer in der Altersgruppe der Teenager, als noch vor ein paar Jahren. Die Nutzungsbestimmungen sind mittlerweile länger als die gesamte US-Verfassung, da ist es also kein Wunder, wenn viele User von den ständig geänderten Privatsphäreeinstellungen verärgert sind. Auch die Neuigkeiten-Seite wird immer mehr von Werbung, Videolinks und erkauften Posts überflutet, und das nervt! Zwar gibt es auch bei Snapchat und Instagram Werbeinhalte, aber die empfindet man als nicht ganz so störend. Bei Snapchat sieht man diese auch nur, wenn man wie bei anderen Snaps darauf klickt und mit der Anzeige interagiert.

Gesponserte-Beiträge-Facebook

Allerdings ist Facebook und sein Messenger weiterhin Spitzenreiter mit knapp 1,6 Milliarden Nutzern. Somit bleibt Facebook unter den Netzwerken gigantisch, jedoch schwindet sein größter Wettbewerbsvorteil – nämlich alternativlos zu sein – zusehends. Die Konkurrenz von Instagram und WhatsApp wurde taktisch klug ausgeschaltet, indem man die beiden einfach aufgekauft hat. Die Entwicklung von Snapchat dürfte Mark Zuckerberg aber weniger gut gefallen. Schon 2013 erkannte er das Potenzial in der Anwendung und versuchte sie für drei Milliarden Dollar zu kaufen. Evan Spiegel, der CEO von Snapchat, lehnte damals dankend ab. Wenn man sich heute den Marktanteil von Snapchat anschaut, war diese Entscheidung rückblickend eine gute, wenn auch sehr mutige.

snapchat banner erste anwendung

„Facebook ist was für ältere Leute!“. Diesen Satz ließ meine Schwester beiläufig in unserer Diskussion fallen. Ich bin gerade mal 20 Jahre alt, also zu den „älteren Leute“ würde ich mich nicht zählen. Ich bin neuen Sachen gegenüber aufgeschlossen und ich wollte verstehen, welche Faszination von der App ausgeht. Ich installierte mir also Snapchat auf meinem neuen Samsung Galaxy S7 Edge und wie so viele vor mir, verstand ich die App nicht auf Anhieb. Sie ist designtechnisch nicht selbsterklärend und das empfinde ich als störend! Meine Schwester erklärte mir dann jedes Detail der Anwendung, beispielsweise wie man neue Leute hinzufügt oder Bilder und Videos bearbeitet. Ich kam mir ein bisschen vor wie eine der „älteren Personen“, denen man ein Handy oder das Internet erklärt.

Snapchat-Funktionen-Geschichte

Warum hatte ich davor noch nie Snapchat genutzt? Nun, bis dahin war ich Windows Phone-Nutzer und mein letztes Android-Smartphone hatte ich bestimmt vor über zwei Jahren gegen ein Nokia Lumia 1020 eingetauscht. Snapchat war mal, in Form von 6Snap, für das Windows Phone verfügbar, aber da habe ich es leider verpasst, auf den Zug aufzuspringen. Dann verschwand die App von der Kacheloberfläche und das nicht etwa, weil Microsoft was dagegen hatte, sondern die Entwickler von Snapchat selbst. Sie sind schnell hinterher, die Alternativen zur richtigen App zu löschen.

Ich fand Snapchat beim ersten Öffnen nicht so simpel, und überhaupt kommt man bei der ersten Anwendung nicht hinter alle Funktionen. Schauen wir uns die App einmal genauer an… Die erste Seite der App ist kein Startbildschirm oder ähnliches, sondern die offene Kamera. Man sieht sich als allererstes selber, wie man mit blöder Grimasse und Doppelkinn in die Anwendung starrt. Mich hat das wirklich etwas erschrocken! Ich war überrascht, mein eigenes Spiegelbild zu sehen, denn diese „Startseite“ ist anders als bei anderen sozialen Netzwerken. Dort muss man explizit erstmal das kleine Foto-Icon anklicken, bevor man zu den Kameraeinstellungen gelangt. Es gibt bei Snapchat auch viel zu viele Interaktionsmöglichkeiten. Man kann was von oben nach unten, von links nach rechts und von rechts nach links ziehen. Eine Navigationsleiste ist überhaupt nicht vorhanden und man schlittert nur so durch die App durch.

GIF

Als neuer Nutzer ist man verunsichert, wenn sich gleich die Kamera öffnet. Nimmt sie nun schon auf? Sieht mich jetzt schon irgendjemand? Es ist alles viel zu undurchsichtig und eben nicht selbsterklärend! Der Witz an der App ist dann noch, dass der Sender entscheiden kann, wie lange der Empfänger das Bild sehen kann. Man kann von einer bis zu 10 Sekunden auswählen. Das ist die Eigenschaft, die Snapchat von anderen sozialen Medien unterscheidet. Bei Facebook, Instagram und Co. erstellt man im Laufe der Zeit eine persönliche Timeline. Bei Snapchat lebt man im Moment. Eine Datei kann an bestimmte Personen versendet werden, oder in die „Story“ geladen werden, die dann für alle Kontakte sichtbar ist. Snapchat informiert den Nutzer, wer sich das Bild oder Video gerade angeschaut hat – und wer einen Screenshot davon gemacht hat. Alle Dateien sind nur 24 Stunden lang verfügbar, und Freunde können sich die Story innerhalb dieser Zeit so oft angucken, wie sie möchten.

„Pass auf, was du ins Internet stellst, denn es vergisst nichts!“. Das Angebot ist verlockend: Einfach ein Bild oder Video posten und nach 24 Stunden ist es wieder verschwunden. Tja, diese Eigenschaft macht Snapchat vielleicht besonders, aber noch lange nicht zu einem barmherzigen Engel unter den sozialen Netzwerken. Die Datei ist nicht wirklich gelöscht, sie ist einfach nur nicht mehr einsehbar. Stattdessen macht Snapchat in den Nutzungsbestimmungen klar, dass man nun die Rechte an das Bild oder Video an das Unternehmen abgetreten hat. Man hat nun keinerlei Mitspracherecht mehr, was mit der Datei als nächstes geschieht. Insofern finde ich, dass Snapchat eine Mogelpackung ist. Die App gaukelt einem vor, etwas zu löschen, doch hinterrücks werden einem die Rechte einfach abgenommen.

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Bei mir löst diese Erkenntnis ein mulmiges Gefühl aus. Ich poste gerne Bilder auf Facebook, Instagram und Twitter, aber ich achte darauf, mein Privatleben da weitestgehend rauszuhalten. Es ist natürlich bekannt, dass man persönliche Sachen nicht im Internet angeben soll, deswegen ist es jetzt keine große Überraschung, dass die Dateien bei Snapchat nicht wirklich gelöscht werden. Jedoch finde ich es einfach richtig mies, sich mit dem Gegenteil zu schmücken und die Nutzer in Sicherheit zu wiegen. Inzwischen gibt es auch Apps, die Snaps speichern können. Das Alleinstellungsmerkmal von Snapchat, nämlich das Löschen der Dateien, geht dadurch verloren. Dann könnte man natürlich auch einfach WhatsApp benutzen (obwohl da natürlich auch die Datenschutzproblematik ungeklärt ist).

Pass auf, was du ins Internet stellst, denn es vergisst nichts!

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, mich irgendwann mit meinen Freunden über Snapchat auszutauschen. Dafür ist mir das Ganze noch viel zu suspekt und ich nutze lieber WhatsApp dafür, weil es eben ein einfacher Chat-Dienst ist. Für mich gibt es nur einen guten Anwendungsbereich der App, nämlich Promis und YouTuber. Die Vlogger, die man heutzutage so auf YouTube antrifft, könnten die Leute mit Snapchat viel einfacher an ihrem Leben teilhaben lassen. Sowas schaut man sich dann auch mal schnell zwischendurch an, denn für einen 8-minütigen Vlog muss man sich Zeit nehmen.

Zurück zur eigentlich Frage: Warum ist Snapchat bei den jüngeren Leuten so viel angesagter, als Facebook und Co.? Meine Schwester und ihre „Snapchat-Generation“ sind sogenannte „Digital Natives“. Sie wachsen mit dem Smartphone, dem Internet und den sozialen Netzwerken auf. Dort herrscht ein hoher Mitteilungsdrang und die ständige Erreichbarkeit, weswegen Snapchat in dieser Altersgruppe auch so beliebt ist. Man benutzt sie, um Fotos und Videos zu verschicken und es geht um das Leben im jetzigen Moment. Dass die Dateien nach einem Tag wieder „gelöscht“ werden, macht den gewissen Reiz aus und man möchte immer auf dem Laufenden bleiben. Es ist eine völlig neue Art der Kommunikation, die anscheinend simpel ist und Spaß macht. Die App sticht auch ein wenig durch die verschiedenen Bearbeitungsmöglichkeiten und die Filter heraus. Innerhalb von Sekunden ist das Gesicht völlig verzerrt oder man bekommt die Körperteile eines Hundes. Einige dieser Spielereien haben auch lustige Effekte und ich muss sagen, dass mir dieser Teil an Snapchat wirklich gefällt. Die aufgenommenen Fotos kann man übrigens auch auf dem Handy speichern, ohne sie hochladen zu müssen.

snapchat filter ich

Ich verstehe, dass Snapchat etwas Besonderes unter den sozialen Netzwerken ist, aber der Hype darum erschließt sich mir noch nicht ganz. Facebook ist im Laufe der Zeit wirklich langweiliger geworden (ich natürlich auch älter). Das Werbungsthema schreckt einfach sehr ab, jedoch bleibe ich dort am meisten mit meinen Freunden in Kontakt. Veranstaltungen und Gruppen können dort gegründet und organisiert werden – etwas womit keine andere Social Media-Seite aufwarten kann. Ich persönlich nutze am allerliebsten Twitter, weil es einfach super schnell geht und mein News-Feed einfach nicht so verstopft wird von Werbeanzeigen. Außerdem mag ich es lieber, wenn man kein Bild oder Video posten muss (Snapchat und Instagram), sondern sich auch in Textform mitteilen kann.

Schreibt mir doch in die Kommentare, ob ihr auf Snapchat aktiv seid und wenn ja, für was ihr es nutzt ;)

Quellen der Fakten: osk, tagesspiegel