Gesünder leben? Krankenkassen bezuschussen Smartwatch und Fitnessarmband

Um dieses Thema einzuleiten, erzähle ich euch mal eine Geschichte aus meinem Unialltag, die mir zu dieser Sache eingefallen ist. Der letzte Tag vor der Pause ist die Abschlusspräsentation des Projekts, mit dem sich die einzelnen Gruppen das ganze Semester lang beschäftigt haben. Meine Gruppe hatte eine App zu einem Promillerechner bzw. zur Ausnüchterung gebaut und wir wollten Menschen beim Konsumieren von Alkohol helfen. Bei unserer Präsentation meldete sich ein Kommilitone und schlug vor, die App doch für eine Smartwatch zu machen, denn das würde einen größeren Erfolg für die Gesundheit mit sich bringen. Aber stimmt das denn? Heißt eine Gesundheitsapp auf der Uhr auch gleich eine gesündere Lebensweise?

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Auf den Gedanken sind jetzt auch ein paar Krankenkassen gekommen. Wer sich eine Fitnessarmband oder eine Smartwatch zulegen möchte, der sollte erstmal bei seiner Kasse anfragen, denn ein paar geben den Versicherten demnächst Zuschuss beim Kauf eines Fitness Wearables. Es ist nicht neu, dass Kranken Krankenversicherungen durch Prämien eine gesunde Lebensweise fördern. Da gibt es beispielsweise Boni für die Anmeldung im Fitnessstudio oder die regelmäßigen Routineuntersuchungen beim Arzt. Die Förderung einer Smartwatch ist allerdings neu und bis jetzt bezuschussen auch nur die gesetzliche Krankenkasse AOK Nordost und die private DKV solch ein Wearable.

Die DKV fördert im Jahr 2015 den Kauf eines Fitnessarmbands oder einer Smartwatch mit 50 Euro pro Versicherten und Gerät. Das Angebot bezieht sich nur auf Versicherte in einigen Tarifen, in denen wir eine sogenannte Aktiv-Prämie für gesundheitsbewusstes Verhalten vorgesehen haben.

Zusammenfassend bedeutet das, wenn ich im richtigen Tarif bin, dann bekomme ich 50 Euro egal für welches Wearable zugesichert. Auch die AOK Nordost beteiligt sich in jedem zweiten Kalenderjahr an den Kosten für Pulsmesser, Self-Tracker oder ähnlichem mit 50% des Kaufpreises, maximal aber 50 Euro. Die Techniker Krankenkasse möchte solche Wearables bald fördern, aber bei denen sieht der Zuschuss etwas anders aus. Versicherte können hier entweder eine Geldprämie von 90 Euro oder eine höhere Gesundheitsdividende in Höhe von maximal 250 Euro im Jahr erhalten. Mit dem Zuschuss, könnte dann eben ein Fitness-Tracker oder auch eine Zahnreinigung bezahlt werden.

Übrigens geht es bei der Förderung der Wearables nicht darum irgendwelche Daten aufzuzeichnen. Laut der DKV interessieren die getrackten Zahlen des Gerätes eigentlich niemanden und werden auch nicht an die Krankenkasse gesendet. Man wolle keine Daten sehen, sondern nur, dass ein Versicherter ein Gerät gekauft hat. Also könnte man jetzt sagen, dass die Krankenkassen aus reiner Gutmütigkeit und aus Sorge um die Gesundheit der Menschen einen Zuschuss zu Fitness-Trackern machen? Nein, eigentlich nicht, denn mit solchen Wearables soll eine junge Zielgruppe angesprochen werden, deswegen fällt beispielsweise auch die Apple Watch unter die Fitnessarmbänder.

Kommen wir zurück zu meiner Einleitung und meiner darin gestellten Fragen. Das sich Krankenkassen an einem Fitness-Tracker, egal ob Armband oder Smartwatch beteiligen, ist ja gut und schön. Allerdings finde ich, dass der Kauf dieser Geräte genau genommen noch nicht zu einer gesünderen Lebensweise beiträgt. Der Besitz eines Fitnessarmband oder einer Smartwatch garantieren noch nicht, dass man mehr Sport macht. Genauso wenig, wie die Alkoholapp unserer Semestergruppe auf einem Wearable besser beim Konsum hilft, als auf einem gewöhnlichen Smartphone. Solche Geräte können zum Bewegen motivieren, aber ich bin der Meinung, dass eine normale Handyapp den gleichen Effekt hat. Deswegen ist es für mich nicht wirklich nachvollziehbar, wieso manche Krankenkassen so sehr auf eine Smartwatch oder ein Fitnessarmband setzen.

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Ich stehe Krankenkassen sowieso schon skeptisch gegenüber. Da kriegt man 50% Prozent vom Kaufpreis eines Fitness-Trackers erstanden, aber beim Kauf einer Brille sind es pro Brillenglas nur 7,50€ oder wie? Auch manche Hilfsmittel bei einer ernstzunehmenden Krankheit, werden von manchen Krankenkassen nicht übernommen. Glaubt mir, ich kann da ein Liedchen von singen! Versteht mich nicht falsch, Bewegung ist wichtig! Aber ob dieser gesundheitsbewusste Weg wirklich über ein Fitnessarmband und Smartwatches führt, na da bin ich eher geteilter Meinung.

Quelle: welt via engadget