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Gniddle im Kurztest – Deutscher Tinder 2.0?

Als ich mir zum x-ten Mal die total nervige Parship- und Elitepartner Werbung ansehen musste bekam ich irgendwie spontan Lust zu schauen, wer überhaupt noch in der Welt der Dating-Plattformen und Apps mitmischt. Immerhin hatte ich damals (2003) über so eine Plattform meine Frau kennengelernt (immer noch mit mir verheiratet, 3 Kinder, 4 Meerschweine) – ich persönlich glaube schon, dass es auch heute noch Menschen gibt, die ernsthaft nach Partnern suchen, die nicht gerade frisch ihren Doktor gemacht haben und ein total tolles Triple-A Niveau besitzen. Durch Zufall entdeckte ich gniddle im App-Store – und fand den Ansatz spannend: Nicht nur neue Partner finden, sondern auch Freunde. Das deutsche Tinder, aber aufgebohrt. Schauen wir uns die App einmal genauer an.

gniddle fußt auf Empfehlungen aus dem Freundeskreis und verschafft Singles ein etwas anderes Dating-Erlebnis. Basierend auf den jeweiligen Freundeskreisen in Social Networks findet man mit der gniddle App Kontakte, die nicht gänzlich fremd sind. Somit sind anonyme Selbstdarsteller auf herkömmlichen Datingportalen, peinliche Online-Dates sowie zeitaufwendiges Scannen von unzähligen Profilen nicht mehr notwendig und verschafft zumindest ein gewisses Maß an Gefühl der Sicherheit.

Gezeigt werden in der App nur Menschen, die mindestens einen Freund gemeinsam haben oder direkte Freunde. Direkt Kontakt mit diesen Personen kann nur über den gemeinsamen Freund aufgenommen werden und auch nur dann wenn dieser grundsätzlich zustimmt.

Meint der gemeinsame Freund, dass eine Zusammenführung keinen Sinn macht, lehnt er die Anbahnung einfach ab und man sucht eben weiter.

Um es auf den Punkt zu bringen:

Es gibt zwei Datingmöglichkeiten: Freunde (nicht nur Singles!) vergniddlen aktiv Freunde miteinander oder Singles suchen unter den Freunden der Freunde andere Singles. In  jedem Fall gilt: Ein Kontakt kommt immer nur über einen gemeinsamen Freund zustande! So ist gewährleistet, dass nicht wahllos gespamt wird oder nur „oberflächliche“ Verbindungen hergestellt werden (die andere Seite bekommt erst dann eine Nachricht, wenn der gemeinsame Freund die Anfrage bestätigt). Denn wer traut sich schon jemanden mit einem Freund zu verkuppeln, von dem er weiß, dass er eh nur poppen will? Der gemeinsame Kontakt dient also der nachhaltigen Qualitätssicherung und -steigerung! Sie wissen besser als jeder Algorithmus oder Psychotest, wer zu wem passt und wer nicht.

Die App selbst ist schlicht gestaltet, was die Bedienung an sich sehr einfach macht. Nicht überladen, nicht zu verspielt – und schnell. Auf einem iPhone 5s macht sie eine richtig gute Figur. Es wäre wünschenswert, wenn Tablet und Android bald nachziehen würden.

Im ersten Moment fühlt sich die App ein wenig wie Tinder an, nur dass man hier eben Freunde und Freundesfreunde sieht und keine unbekannten Dater. Hier swipe ich jedoch keine User weg die mir nicht gefallen, sondern schiebe mich durch eine scheinbar zufällig generierte Galerie. Lustig mal wieder zu sehen, wen man eigentlich so in seiner Freundesliste hat.

Wer jedoch ein paar Minuten Zeit investiert und sich mit dem Grundprinzip der App auseinandersetzt, der bekommt ein wirklich neues und unterhaltsames Erlebnis der Kontaktabahnung. Denn eigentlich geht das ganz einfach:

Freunde vergniddlen: Ich ziehe ein Profilbild (z.B. Frank) auf den oberen gniddle und sofort erscheint eine Liste meiner Freunde, welche ich mit der Person verkuppeln kann. Ich kann dann in der Liste scrollen oder, was viel einfacher ist, in der Suche einen Namen eingeben. Es erscheint ein neuer Screen, wo mit der gniddle zeigt ,welche Personen ich aktiv ansprechen will. Ich soll einen kleinen Introtext eingeben und anschließend werden beide benachrichtigt. Das passiert übrigens über den Facebook Messenger. Fertig. Ich bekomme dann noch Info, wenn die beiden die Anfrage annehmen. Erst wenn beide annehmen, können sie direkt chatten und sich kennenlernen.

Ganz ähnlich funktioniert es auch, wenn ich als Single neue Leute kennenlernen will. Ich swipe mich durch die Profile und wenn mir jemand gefällt, kontaktiere ich einfach den gemeinsamen Freund und hoffe, dass er mich der anderen Person (über die App) vorstellt. Da ich verheiratet bin, ist das selbstredend ein Tabu-Feature für mich ;-)

Hot or not?

Als Social Login kann derzeit nur Facebook gewählt werden – weitere Netzwerke wie Twitter, G+ oder Xing/LinkedIn wären wünschenswert. Auch die ganze Such- und Filterfunktion darf nochmal von den Entwicklern angefasst werden. Diese ist doch noch recht rudimentär.

Ich bin gespannt, inwiefern sich gniddle am prüden, deutschen Markt durchsetzen wird. Die Idee, das klassische Offline Thema des Verkuppelns in die digitale Welt zu heben finde ich sehr gut. Es braucht noch ein paar Updates, bis die Sache richtig rund ist und hoffe, dass die Entwickler schnell nachbessern, bevor andere kommen. Wenn es eine tiefere Klassifizierung geben sollte wie „Ich suche Tennispartner“ oder so in der Art, dann könnte die „Freunde vergniddeln“ Sache nochmal so richtig spannend werden. Oder gemeinsame Reisepartner suchen. Oder halt einfach nur der größte Kuppler der Welt werden.