Google Einstellungstest: So heftig waren die Fragen für Bewerber

Google bietet nur den Besten der Besten einen Job an. Die hochqualifizierten Bewerber mussten dabei früher einige wirklich fiese Fragen beantworten, sogenannte Brainteaser.

Wann hattet ihr euer letztes Bewerbungsgespräch? Je nachdem, wie lange das bei euch her ist, könnt ihr euch vielleicht noch lebhaft daran erinnern, wie ihr da mit schweißnassen Händen gesessen habt und zwischen euch und eurem Traumjob nur noch ein Gespräch mit dem Personaler lag. Bei mir ist dieses klassische Einstellungsgespräch schon eine ziemliche Weile her – Anfang der Neunziger nach dem Abschluss der Höheren Handelsschule schrieb ich exakt vier Bewerbungen, bekam zwei Zusagen und führte mit diesen Unternehmen auch zwei dieser Gespräche. Nennt es faul – ich nenne es effektiv. ;)

Diese Gespräche dürften aber so gar nicht mit dem zu vergleichen sein, die geführt werden, wenn das Unternehmen Facebook, Apple, Microsoft oder Google heißt. Diese großen Namen können quasi den Rahm der allesamt hochqualifizierten Bewerber abschöpfen und das tun sie, indem sie natürlich sehr intensiv prüfen, wen sie auf die Gehaltsliste setzen.

Bekommt ihr beispielsweise eine Einladung von Google, ist das Unternehmen vermutlich im Vorfeld schon überzeugt davon, dass ihr fachlich echt was auf dem Kasten habt. Aber das ist nur eine einzige Facette beim Gespräch mit dem Personal-Verantwortlichen. Ihr müsst nicht nur euren Fachbereich beherrschen, sondern auch entsprechende kognitive Fähigkeiten und Führungsqualitäten mitbringen, aber auch Demut zeigen, um sich immer wieder neuen Argumenten gegenüber öffnen zu können.

Unter diesen Fragen waren aber auch ein paar vertreten, bei der ihr auch mit allem Fachwissen nicht punkten könnt. Viele dieser Fragen sind bei den Google-Tests mittlerweile nicht mehr vertreten, weil es sich dabei um Fangfragen handelte, und Google mittlerweile eine andere Philosophie bei den Tests vertritt, mehr auf die Persönlichkeit des Bewerbes eingehen möchte. Die Seite Impact Interview veröffentlichte bereits vor Jahren eine Liste mit 140 Fragen, die alle tatsächlich so in Bewerbungsgesprächen gestellt wurden.

Darunter finden sich natürlich fachliche Fragen oder welche, die sich mit Google an sich befassen, allerdings eben auch die sogenannten Brainteaser: Aufgaben, die auf den ersten Blick oft absurd erscheinen und bei denen man ein wenig knobeln muss, um seinem Gegenüber eine passable Antwort zu liefern. Auf diese Fragen gibt es oftmals keine absolut richtigen Antworten und es kommt lediglich darauf an, wie man sich dem Problem stellt und welche Strategien man sich aus dem Ärmel schütteln kann, um einen Lösungsansatz zu erarbeiten. Zumeist ist es äußerst hilfreich, wenn man ein solides Allgemeinwissen mitbringt, aber seht selbst – wir haben ein paar dieser Fragen ausgewählt, die Google tatsächlich so in Bewerbungsgesprächen gestellt hat:

Wie viele Golfbälle passen in einen Schulbus?

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Bei dieser wie bei auch vielen anderen Fragen dieser Art geht es Google – oder jedem anderen Unternehmen, welches auf Brainteaser setzt – nicht um eine absolute Zahl oder ein tatsächlich richtiges Ergebnis. Vielmehr interessiert euer Lösungsansatz – so kann man erkennen, wie ihr euch einem Problem nähert, ob ihr alle entscheidenden Faktoren berücksichtigt etc.

So müsstet ihr in diesem Fall zunächst mal wissen, wie breit so ein Schulbus ist: Vier Kinder sitzen nebeneinander und dazwischen ist noch Platz für den Mittelgang – wir schätzen hier mal 2,75 Meter Breite. Auch ein Erwachsener muss bequem darin stehen können, also nehmen wir an, dass er etwa 2,10 Meter hoch ist.

Schätzen wir jetzt die Länge des Busses auf 12 Meter, haben wir alles beisammen, um die Kubikmeter zu errechnen. Wären in diesem Fall (gerundet) 3 Meter Breite x 2 Meter Höhe x 12 Meter Länge = 72 Kubikmeter. Tippen wir jetzt, dass man bei einem Durchmesser eines Golfballes bei etwa drei Zentimetern liegt und so auf einen Meter Länge auf etwa 30 Golfbälle kommt, machen das bei 30 x 30 x 30 Bällen in der Summe 27.000 Golfbälle. Multipliziert das mit 72 und ihr kommt auf etwa 1,94 Millionen Golfbälle.

Vermutlich könnt ihr bei so einer Frage noch extra punkten, wenn ihr nun noch einen kalkulierten Wert abzieht von der Summe, da sich ja schließlich auch noch Sitzbänke etc. im Bus befinden, die verhindern, dass das volle Volumen ausgeschöpft wird. Zudem könnt ihr durch die runde Form der Golfbälle die Zwischenräume nicht perfekt ausnutzen.

Sie werden auf die Größe einer Münze geschrumpft…

…und in einen Mixer geworfen. Ihre Masse wurde so reduziert, dass ihre Dichte die gleiche ist. Die Klingen starten in einer Minute. Wie retten Sie sich?

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Eine typische Frage – seinerzeit – für Google, bei der es darum geht, wie das Unternehmen tickt und was für Leute als Verstärkung benötigt werden. Da ist oft Kreativität gefragt, aber auch Allgemeinwissen und es geht natürlich auch darum, wie ihr euch an ein Problem begebt, welches so gar nicht vorhersehbar war und euch unvorbereitet trifft.

Ich habe bei der Recherche echt viele verschiedene Lösungsansätze gesehen – beim Business Insider, wo ich über diese Bewerbungsfragen gestolpert bin, schlägt man zum Beispiel vor, irgendwie den Motor des Mixers zu zerstören. Das dürfte unmöglich sein, weil der Motor isoliert ist und ihr nicht einfach irgendwas, was ihr am Leib tragt, dort reinwerfen könnt, um die Blätter zu blockieren. Das Wall Street Journal hat sich dieser Frage wirklich ausführlich gestellt und kommt zu dem Schluss, dass ihr einfach rausspringen könnt.

Wichtig ist dabei, dass Google direkt in der Frage Masse und Dichte erwähnt und daher davon auszugehen ist, dass die das nicht umsonst in der Fragestellung berücksichtigen. Hier sind also Physik-Experten gefragt. Bindet ihr beispielsweise zwei Raketen zusammen und zündet sie, werden die nicht doppelt so hoch fliegen wie eine einzelne. Die Energie hat sich zwar verdoppelt, aber eben auch die Masse, die bei der Überwindung der Schwerkraft berücksichtigt werden muss. Ergo – eure Doppel-Rakete fliegt ebenso hoch wie einzeln.

Dasselbe Prinzip gilt auch für euch, wenn ihr geschrumpft im Mixer sitzt: Masse und Muskelenergie schrumpfen proportional, so dass ihr ebenso hoch springen könnt wie in Normalgröße – der Hüpfer aus dem Mixer sollte also ein Leichtes sein.

Wie viel wiegt Manhattan?

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Eine der Fragen, bei der ihr nicht wirklich ein exaktes Ergebnis liefern könnt. Niemand kann euch das exakte Gewicht des Bodens beziffern und vermutlich auch niemand die Anzahl der Häuser. Versucht so komplex wie möglich, auf alle Punkte einzugehen, die für das Ergebnis eine Rolle spielen könnten und nutzt euer Allgemeinwissen, beispielsweise bei der Fläche Manhattans. Auf welchem Grund ist Manhattan gebaut, wie groß ist Manhattan, wie hoch sind die Häuser durchschnittlich und wie schwer ist im Durchschnitt eine Etage. Berücksichtigt die Einwohnerzahl mit einer durchschnittlichen Kilozahl pro Einwohner, die Anzahl der Autos etc.

Wie gesagt: Es ist unmöglich, diesen Wert tatsächlich zu ermitteln, aber euer Gegenüber möchte sehen, wie ihr diese Aufgabe angeht und wie umfassend ihr verschiedenste Parameter berücksichtigt, die das Ergebnis beeinflussen.

Wieso sind Gullydeckel rund?

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Zur Abwechslung mal eine Frage, auf die es tatsächlich eine Antwort gibt: Die meisten Gullydeckel sind aus praktischen Gründen rund – ein runder Deckel kann nicht durch die Öffnung fallen, da die Diagonale in einem Viereck länger ist als seine Seiten, könnte das aber mit einem eckigen Deckel passieren. Zudem ist ein runder Deckel einfacher wieder einzusetzen, weil er halt immer passt und kann außerdem auch rollend von A nach B bewegt werden.

Wie viele Klavierstimmer gibt es auf der Welt?

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Schätzfrage incoming: Wieder aus der Abteilung “Die tatsächliche Antwort kennt kein Mensch”, auch “Fermi-Fragen” genannt. Nähert euch dem wieder wie schon bei der Frage nach dem Gewicht Manhattans. Wie viele Menschen kennt ihr, die ein Klavier besitzen? In meinem Umfeld vielleicht einer von 100, wenn überhaupt. Setzt das ins Verhältnis zur Bevölkerung, berücksichtigt dabei, dass durchschnittlich mehr als eine Person in einem Haushalt leben und dass in New York vielleicht mehr Leute Klavier spielen als im Okavangodelta in Afrika. Überlegt, wie oft so ein Klavier gestimmt werden muss, wie lange das jeweils dauert und wie viele Klaviere ein Klavierstimmer somit am Tag stimmen kann.

Auch hier ist nicht entscheidend, dass eine Zahl abgeliefert wird, sondern wie umfassend ihr verschiedene Werte berücksichtigt, die euch zum möglichen Ergebnis führen könnten und eine Aufgabe in mehrere Teilaufgaben zerlegt.

Ihr müsst herausfinden, ob ein Freund eure aktuelle Telefonnummer hat, ohne ihn dabei selbst zu fragen. Wie geht ihr vor?

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Ihr sollt herausfinden, ob euer Kumpel Bob eure richtige Telefonnummer hat. Ihr könnt ihn aber nicht direkt drauf ansprechen, sondern nur durch eine Freundin, die ihm den Zettel gibt, eure Nummer aber nicht sehen soll. Was müsst ihr zusätzlich zu der Frage auf den Zettel schreiben, damit ihr die Information bekommt, ohne dass die Nummer dort aufgeschrieben wird?

Wieder gibt es nicht nur eine richtige Lösung. Die Frage wurde bei einem Einstellungstest zum “Software Engineer” gestellt, also könntet ihr versuchen, das mit mathematischem Know-How anzugehen. Fragt eine Prüfsumme ab – Bob könnte alle Ziffern eurer Nummer addieren und lediglich die Nummer auf das Papier schreiben.

Wer es schlichter mag und dabei nicht so fachlich, sondern eher ein wenig um die Ecke denkt, könnte aber auch “Ruf mich heute Abend um 20 Uhr an” auf den Zettel schreiben – klingelt’s, habt ihr auch die Antwort, dass er eure richtige Nummer hat.

Welche Zahl kommt als nächstes in der folgenden Sequenz? 10, 9, 60, 90, 70, 66 …?

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Sowas hatte ich in der Tat auch bei meinen Einstellungstests – allerdings waren es logische Zahlenfolgen, wo man wirklich einfach die nächste Zahl ermitteln konnte. In diesem Fall müsst ihr das anders angehen und so hilft es, sich die Zahlen in englischer Sprache aufzuschreiben. Ten, Nine, Sixty, Ninety – ihr erkennt, dass jede Zahl einen Buchstaben mehr vorweisen kann. Eine mögliche Lösung wäre also 96.

Entwerfen Sie einen Evakuierungsplan für San Francisco.

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Eine unmöglich zu beantwortende Frage, weil es zu viele Parameter gibt, die ihr berücksichtigen müsstet. Am Pfiffigsten geht man hier wohl vor, indem man eine Gegenfrage stellt und fragt, um was für eine Katastrophe es sich handelt, wegen der die Stadt evakuiert werden muss. Schließlich müsst ihr bei einem Flächenbrand anders vorgehen als bei einer ausgebrochenen Seuche.

Wie häufig am Tag überlappen sich der große und kleine Zeiger an einer Uhr?

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Um 0.00 Uhr und um 12.00 Uhr überlappen sie sich definitiv, aber wie oft passiert es am kompletten Tag? Die Antwort lautet: 22 Mal überholt der Minutenzeiger den Stundenzeiger am Tag und zwar um 0:00, 1:05, 2:11, 3:16, 4:22, 5:27, 6:33; 7:38, 8:44, 9:49, 10:55, 12:00, 13:05, 14:11, 15:16, 16:22, 17:27, 18:33, 19:38, 20:44, 21:49, 22:55

Wie viel würden Sie einem Fensterputzer berechnen, der alle Fenster in Seattle putzt?

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Hier gibt es zwei Ansätze, mit denen ihr diese Nummer angehen könnt: Entweder läuft es wieder auf eine Schätzung hinaus, bei der ihr eine durchschnittliche Zahl an Häusern mit einer durchschnittlichen Zahl an Etagen und Fenstern in Seattle ermittelt und so auf einen Wert kommt, den der Fensterputzer erhält. Einfacher wäre es, hier einfach eine Antwort wie “10 Dollar pro Fenster” zu geben.

Ihr habt acht gleichgroße Bälle…

…sieben haben ein identisches Gewicht, einer ist minimal schwerer. Ihr habt eine Waage und dürft lediglich zwei Wiege-Vorgänge durchführen. Wie ermittelt ihr, welches der schwerere Ball ist?

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Das ist tatsächlich mal eine Frage, die ich auch ohne Hilfe hätte beantworten können (weil ich eine sehr ähnliche Quizfrage neulich erst wieder bei Columbo gesehen habe ^^).

Ihr legt auf jede Seite der Waage jeweils drei Bälle. Sind beide Seiten gleich schwer, befindet sich der schwerere Ball unter den verbliebenen beiden. Legt dann also diese beiden Bälle auf die beiden Seiten der Waage und ihr seht, welcher Ball der schwerere ist.

Sollte beim ersten Wiegen jedoch eine Seite mit drei Bällen schwerer sein als die andere, habt ihr die Suche nach dem richtigen Ball zumindest schon mal auf drei eingegrenzt. Jetzt müsst ihr lediglich zwei dieser drei Bälle nehmen und wiegen – neigt sich eine der Seiten, habt ihr den Ball gefunden, sind beide Bälle gleichschwer ist der richtige der dritte, nicht gewogene Ball.

 

Das waren jetzt lediglich 11 Beispiele für Fragen, wie sie tatsächlich bei Google in den Bewerbungs-Tests gestellt wurden. Beispiele dafür gibt es massig weitere, denn es sind nicht nur die großen US-Unternehmen wie Microsoft, Apple oder eben Google, bei denen die Bewerber so geprüft werden. Ich finde den Ansatz hochinteressant und sogar auch nachvollziehbar, wieso man solche Fragen einstreut. Hätte man mir damals aber solche Fragen gestellt, ich hätte wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut. Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, was diese Brainteaser und Knobelfragen angeht: Schaut mal bei der Karrierebibel vorbei, wo der geschätzte Kollege Jochen Mai einen sehr interessanten Artikel zum Thema veröffentlicht hat und zudem 40 dieser Rätsel auflistet, bei denen ihr euer Glück versuchen und mitraten könnt.

PS: DAS passiert übrigens, wenn man Google seine eigenen Fragen stellt – die künstliche Intelligenz in Google Home im Job-Interview.

Quelle Impact Interview via Business Insider