Google hat’s verstanden: High-End-Smartphones braucht (fast) kein Mensch

Google hat heute bei seinem virtuellen Event einiges an Hardware vorgestellt, darunter auch seine neuen Pixel-Smartphones. Wirkliche Premium-Smartphones sind es nicht -- brauchen wir aber auch nicht wirklich.

von Carsten Drees am 30. September 2020

Kurz, knapp und knackig — so war das Google-Hardware-Event heute. Die Kalifornier tischten reichlich auf: Zwei Smartphones, neuer Chromecast mit Google TV und Nest Audio Speaker in dreißig Minuten präsentiert — daran können sich andere Hersteller mal ein Beispiel nehmen. Etwas weniger Selbstbeweihräucherung, etwas weniger verschenkte Lebenszeit — da würden doch alle von profitieren, oder?

Aber sei es drum: Feststeht jedenfalls, dass das Pixel 4a mit 5G und das neue Pixel 5 vorgestellt wurden und beide nicht ins ganz obere Regal gehören, weder qualitativ noch preislich. Hier habt ihr die wichtigsten Specs in der Grafik, inklusive des bereits vorher im Jahr vorgestellten Pixel 4a ohne 5G:

Viel muss ich euch zu den technischen Daten nicht erzählen, die waren schließlich eh vorab längst schon bekannt. Ihr seht aber, dass mit einer Kombination von Snapdragon 765G, 8 GB RAM und 128 GB Speicher für das Pixel 5 allenfalls gehobene Mittelklasse als Prädikat gelten kann. Dafür verlangt Google dann etwas mehr als 613 Euro und bietet Vorbestellern dazu sogar noch kostenlose Bose-Kopfhörer an, die alleine ja auch schon über 200 Euro kosten.

Das Pixel 4a bekommt ihr für unter 500 Euro — damit liegt man mit beiden Smartphones deutlich unter dem, was die Smartphone-Riesen wie Apple, Samsung oder Huawei für ihre Premium-Devices aufrufen.

Ich vergleiche hier Äpfel mit Birnen? Ja, mag sein — die Frage ist aber, ob es mir einen Mehrpreis von 400-500 Euro wert ist, eine etwas stärkerer Kamera oder einen etwas flotteren Prozessor nutzen zu können.

Brauchen wir überhaupt noch Smartphone-Flaggschiffe?

Exakt damit nähern wir uns jetzt dem Kern dieses Beitrags, denn ihr habt ja sicher schon gemerkt, dass ich euch nicht wirklich neue Smartphones vorstellen möchte. Wir hinterfragen hier auf unserem Blog ja schon länger Sinn und Unsinn der Preisentwicklung bei den Spitzen-Smartphones und erklären auch schon seit Jahren, dass ein Gros der Smartphone-Käufer den technischen Mehrwert, den man sich für teils vierstellige Preise erkauft, oft gar nicht zu nutzen vermag.

Damit möchte ich keine hochklassige Hardware schlechtreden. Natürlich kann eine Smartphone-Kamera in Premium-Phones mehr als bei einer 200-Euro-Gurke, das ist doch klar. Aber wie viele Nutzer reizen eine so gute Kamera tatsächlich aus? Für ein bisschen Instagram, bei dem man eh alles mit Filtern zuballert, ein paar Party-Pics und hier und da mal ‘ne kurze Video-Story braucht ihr eben keine Leica-Optik und ein 1 100 Euro teures Handset.

Ähnlich sieht es bei den Prozessoren, beim Arbeitsspeicher und vielem mehr aus. Premium-Smartphones wird es sicher noch lange geben und sie werden auch lange noch eifrig gekauft werden, dessen bin ich mir sicher. Allein als Innovations-Motor brauchen wir ja schon Hardware, die neue Grenzen auslotet. Aber im Grunde bin ich davon überzeugt, dass neun von zehn Personen, die sich ein Smartphone zulegen, die qualitativen Unterschiede zwischen einem 500- und einem 900-Euro-Smartphone gar nicht mitbekommen und vieles einfach nicht benötigen, was man mit dem Device anstellen könnte.

Wie gesagt, wir sagen das ja schon länger, dass selbst Mittelklasse-Devices gut genug sind, damit die meisten Nutzer damit happy werden. Aber jetzt erreichen wir einen Punkt, an dem auch Google davon überzeugt ist, dass man nicht gegen die Spitzen-Smartphones von Apple und Co mit ähnlich hochpreisigen Smartphones der Spitzenklasse antreten möchte, sondern sich lieber auf andere Dinge fokussiert.

Meiner Meinung nach tut Google gut daran, diesen Kurs einzuschlagen. Sollen die anderen ruhig weiter die Grenzen dessen ausloten, was technisch machbar und preislich zumutbar ist — für Menschen, die nicht in einer Tech-Bubble leben und/oder nicht zwingend auf eines der Premium-Features angewiesen sind, reicht das locker aus, was ein 500-Euro-Smartphone auf der Pfanne hat, egal ob es von Google, OnePlus oder sonst wem gebaut wird.