Google: Mit künstlicher Haut und Nanopartikeln gegen den Krebs

Bei Google, besser gesagt: in den Labors von Google X arbeitet man u.a. fieberhaft daran, mit Nanopartikeln Krankheiten wie Krebs besiegen zu können. Jetzt gibt es neue Informationen zu dieser Forschung und Google erklärt uns auch, was künstliche Haut damit zu tun hat. 

Bereits im letzten Oktober konnten wir euch davon erzählen, dass Google sehr intensiv damit beschäftigt ist, auch auf dem Gebiet der Krankheitsbekämpfung neue Wege zu finden. Wir konnten euch erklären, dass ein Armband in Planung ist, welches Nanopartikel tracken kann, die ihr zuvor per Tablette eingenommen habt. Anhand dieser Partikel sollen Veränderungen im Körper wahrgenommen werden und bestenfalls eine Krankheit anzeigen, bevor sie tatsächlich ausbricht.

Jetzt gibt es erstmals Einblicke in die Arbeit dieser Labors aufgrund eines Videos von The Atlantic. Dort wird präzisiert, wie das technisch von statten gehen soll, zudem erklärt uns Andrew Conrad, der Kopf von Googles Life Sciences-Abteilung, wieso man zum Zwecke der Krebsbekämpfung künstliche Haut geschaffen hat. Was auf den ersten Blick ein wenig creepy klingt, dient durchaus der Sache, aber der Reihe nach:

Wie bereits im ersten Beitrag erklärt, gelangen die Nanopartikel in euer Blut, indem ihr euch eine Pille reinhaut. Diese Partikel zirkulieren dann in eurem Körper und sollen sich dann beispielsweise an Krebszellen haften. Damit das gelingen kann, sind sie mit bestimmten Antikörpern beschichtet. Treffen diese Partikel auf ihrer Reise nun auf Krebszellen und haften daran, fangen sie an, Licht abzugeben. Durch einen Magneten im Armband werden diese kleinen Kollegen quasi wieder eingesammelt, erklärt Arnold.

google nano krebs 01Genau das ist dann der Grund, wieso in den Labors von Google künstliche Haut entwickelt wird: Im Video seht ihr zwei künstliche Unterarme, für die die Wissenschaftler menschliche Haut von Spendern mit selbst entwickelter künstlicher Haut kombiniert haben. Das Resultat soll über identische Eigenschaften wie menschliche Haut verfügen und somit testet man derzeit, wie stark das Licht durch die verschiedenen Hautschichten dringt, welches von dem Armband des Patienten erkannt und ausgelesen werden soll.

Aktuell sollen über 100 Menschen in diesen Gesundheits-Labors von Google beschäftigt werden, die intensiv daran arbeiten, diese Entwicklung voranzutreiben. Ziel ist, in möglichst absehbarer Zeit nicht mehr auf Krankheiten mit Medikamenten zu reagieren, sondern im Vorfeld zu verhindern, dass diese Krankheiten ausbrechen. Dabei müssen wir uns leider aber schon darauf einrichten, dass noch sehr, sehr viel Forschungsarbeit und Zeit notwendig ist – eine Krebsheilung auf dieser Basis ist also noch nicht wirklich zum Greifen nah.

Dennoch ein großartiger Ansatz, wie ich finde, wenngleich ich mich in diesem Themenbereich natürlich null auskenne und vermutlich aus dieser Unwissenheit heraus so optimistisch bin, dass da wirklich schnell feine medizinische Errungenschaften auf uns zukommen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei Kommentatoren unseres ersten Artikels zu dem Thema verweisen. Leser johannes c verwies nämlich darauf, dass auch hierzulande schon längst daran gearbeitet wird, Krebs mit Nanopartikeln auf den Pelz zu rücken und belegte das mit ein paar Links. Der andere Leser namens bontus ist selbst in der Krebsforschung tätig und dämpfte ein wenig meinen Optimismus, was schnelle Fortschritte angeht. Er erklärte:

Ein Antikörper kann zwar bestimmte Proteine sehr spezifisch erkennen und binden, aber wir müssten dazu vorher wissen nach welchen Proteinen wir eigentlich suchen und diese müssten dann zusätzlich NUR auf Krebszellen vorkommen oder im Blut umherschwimmen. Dies ist allerdings kaum der Fall, das beste bekannte Beispiel ist hier TMPRSS2-ERG, ein Fusionsgen im Prostatakrebs, dass aber leider nur bei 40-50% der Patienten vorkommt und keinerlei prognostischen Wert hat. Und das ist bisher wirklich das Beste was wir haben… Andere Fusionsgene produzieren oftmals keine Proteine, also kann auch kein Antikörper genutzt werden. Und zu guter letzt: nicht alle Zellen in einem Tumor sind gleich (Stichwort Heterogenität), da gibt es oftmals Dutzende verschiedener Populationen in ein und demselben Tumor eines Patienten.

Kurz: die Idee ist nett, der Rest aber nur schönes Marketingblabla und weit davon entfernt wirklich klinisch nützlich zu sein. Google wird den Krebs damit sicherlich nicht besiegen, dazu Bedarf es dann doch etwas mehr als einem X im Namen.

Behaltet das also bei dem Thema im Hinterkopf: Wir sind noch lange nicht am Ende dieser Reise und es ist beileibe nicht nur Google, welches sich dieser Thematik annimmt. Bei den Jungs aus Kalifornien ist vermutlich einfach nur die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir davon erfahren, ohne uns durch Fachmagazine zu ackern. Fakt ist jedenfalls, dass viele Wissenschaftler in die richtige Richtung überlegen und ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns noch über viele großartige Errungenschaften im Health-Bereich freuen dürfen in den kommenden Jahren.

via wtvox.com