Künstliche Intelligenz - Menschliches Gehirn vor Schaltkreisen
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Google: Mit künstlicher Intelligenz den Brustkrebs besiegen

Krebs ist noch immer eine Geißel der Menschheit. Allein 600.000 Menschen sterben jährlich an Brustkrebs. Google arbeitet gegen diese Bedrohung an - mit künstlicher Intelligenz.

von Carsten Drees am 22. Oktober 2019

Noch immer ist es schwierig für mich, hier über Krebs zu schreiben. Diese furchtbare Krankheit hat mir meine Mutter genommen, viele Verwandte, Freunde und unzählige verehrte Künstler. Meine Mama hatte ihn schon einmal besiegt, Jahre später war der Krebs zurück und dieses mal hatte sie keine Chance.

Schon damals hoffte ich bei der zweiten Diagnose, dass die Medizin so beachtliche Fortschritte gemacht haben könnte, dass man meine Mama nun besser therapieren kann. In der Tat verbessern sich Technologien und Behandlungsmethoden sehr schnell und wirklich signifikant, aber das reicht leider noch nicht. Fast genau auf den Tag vor 12 Jahren starb sie also und noch immer zucke ich heute kurz zusammen, wenn irgendwo über Krebs berichtet wird oder ich in einem Artikel darüber lese.

Gestern Nacht erging es mir wieder einmal so, als ich den Beitrag von Ruth Porat auf dem Google-Blog las. Sie war einst für Morgan Stanley tätig und wechselt von dort aus zu Google bzw. Alphabet, so sie als Chief Financial Officer ihre Brötchen verdient. Auch sie hat die Krebsdiagnose zwei mal in ihrem Leben erhalten und kann jetzt erfreulicherweise davon berichten, dass sie den Krebs zwei mal besiegen konnte.

In ihrem Beitrag schreibt sie darüber, dass sich sowohl die Erkennung als auch die Diagnose der verschiedenen Krebserkrankungen deutlich verbessert haben. Ein solcher Befund ist somit heute nicht mehr automatisch ein Todesurteil für den Patienten. Dennoch sterben immer noch viel zu viele Menschen jedes Jahr an Krebs. Allein der Brustkrebs fordert noch jährlich 600.000 Opfer, aber immerhin ist diese Zahl rückläufig.

Auch Google ist im Bereich Medizin seit vielen Jahren tätig und steckt viel Geld, Energie und Hirnschmalz in diese Forschung, inklusive auf dem Gebiet der Krebsarten. So hilft beispielsweise künstliche Intelligenz dabei, Lungenkrebs zuverlässiger zu erkennen. Mittlerweile erforscht man im Unternehmen auch spezifisch den Impact, den KI beim Brustkrebs haben könnte, sowohl, was das Erkennen der Krankheit angeht, als auch die Diagnose, wie sie danach am besten behandelt werden soll.

Eines der größten Probleme bei der Behandlung ist nämlich nach wie vor, dass es oftmals schwierig und zeitraubend ist, eine bösartige Krebserkrankung von einer gutartigen zu unterscheiden und dass im Endeffekt auch im Jahr 2019 immer noch ein Experte mit der Kraft seiner Augen und eines Mikroskops entscheiden muss, wie man den Krebs behandelt. Auf dem Blog schreibt Ruth Porat dazu:

Ein Prozess namens Staging hilft festzustellen, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat, was sich auf den Verlauf der Behandlung auswirkt. Die Staffelung hängt weitgehend davon ab, dass Kliniker und Radiologen sich die Krankengeschichte, körperliche Untersuchungen und Bilder ansehen. Darüber hinaus untersuchen Pathologen Gewebeproben aus einer Biopsie, um das mikroskopische Aussehen und die biologischen Eigenschaften des Krebses jedes einzelnen Patienten zu beurteilen und die Aggressivität zu beurteilen. Die pathologische Beurteilung ist jedoch ein mühsamer und kostspieliger Prozess, der – unglaublich – weiterhin darauf angewiesen ist, dass ein Experte mikroskopische Merkmale in biologischem Gewebe mit dem menschlichen Auge und dem Mikroskop bewertet!

Egal, wie weit die Technologien also in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fortgeschritten sind: Es ist immer noch notwendig, dass sehr viel menschliche Arbeitskraft eingesetzt wird, um überhaupt erst mal bis zu einer ersten Diagnose bei Brustkrebs zu gelangen. Das kann KI auch nicht abstellen, aber zumindest können wir dank künstlicher Intelligenz dahin gelangen, dass man sehr viele Prozesse so beschleunigen kann, dass wir signifikant weniger Zeit verlieren.

Damit gewinnen wir aber nicht nur Zeit: Im vergangenen Jahr hat Google einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Pathologen helfen könnte, Gewebe zu beurteilen und die Ausbreitung und das Ausmaß von Krankheiten in praktisch jedem Fall besser zu erkennen. Dadurch würde die Lokalisierung des Krebses nicht nur schneller funktionieren, sondern auch präziser und kostengünstiger.

Aber auch bei Google weiß man, dass die künstliche Intelligenz es allein nicht richten kann. Die Erkenntnisse, die per KI gewonnen werden, müssen also mit menschlicher Intelligenz gepaart und in die Hände von qualifizierten Forschern, Chirurgen, Onkologen, Radiologen und anderen gelegt werden. Die bisherigen Google-Studien zeigen dann auch, dass die besten Ergebnisse erzielt werden, wenn Mediziner und Technologie zusammenarbeiten und sich ergänzen.

Google weiß, dass man sich hier noch ganz am Anfang eines langen Weges befindet. Aber es ist doch beruhigend zu sehen, dass künstliche Intelligenz eben nicht nur unsere Smartphone-Fotos schöner macht oder dafür sorgt, dass uns beim Tippen automatisch das nächste mögliche Wort vorgeschlagen wird, sondern eben auch dazu beiträgt, die Leben von Patienten signifikant zu verlängern durch eine bessere, effektivere Krebsbekämpfung.