Hallo, wir sind’s, die Tesla-Clickbait-Hater! [Lügenpresse!!!!]

Unsere Berichterstattung zu Tesla sei "tendenziös", kein "seriöser Journalismus" und eventuell (Zwinker-Smiley, hihihi) von Werbepartnern oder anderen beeinflusst - so lässt sich zusammenfassen, was zwei Moderatoren des Electrify-BW Podcast von Mobilegeeks halten. Getreu unserem Motto, die offene Diskussion zu suchen, liefern wir eine (Stichwort "seriöser Journalismus") nie angefragte Stellungnahme nach.

Zum anstehenden Wochenende erscheint mal wieder ein Beitrag in eigener Sache. Offenbar wurde unsere zurückliegende Berichterstattung über Tesla im “Electrify-BW Podcast” thematisiert und kritisiert. Nach Ansicht der dortigen Moderatoren – die wiederum nur die Ansicht “vieler” anderer wiedergeben wollen – berichten wir “tendenziös” über das Unternehmen von Elon Musk.

Insbesondere unsere Überschriften scheinen den Machern des eingetragenen Vereins nicht zu gefallen. Sie finden eine Headline wie Rekordverlust, „echte“ (in Anführungszeichen) Serienfertigung erst 2018: Tesla gerät ins Trudeln offenbar unangebracht und halten diesen und ähnliche Titel für “Clickbait”.

Vor der Auseinandersetzung mit uns hat man sich bei Electrify-BW selbst mit dem Thema beschäftigt. Das Credo: Die aktuellen Produktionsprobleme bei Tesla seien zwar “doof” – aber eigentlich gar nicht so “schlimm”, “bei anderen” passiere das ja auch. Der Aktienkurs sei wieder auf dem Stand von vor sechs Monaten – aber man sei ja selbst günstig eingestiegen und habe immer noch ordentlich Gewinn gemacht. Der Rekordverlust sei auch nicht “schön”, aber so ist das eben. Die momentanen Produktionsprobleme seien (tl;dr) von Panasonic zu verantworten, auf die anscheinend zu spät georderten Produktionslinien geht man mit keinem Wort ein.

Bezeichnend ist, dass beim Herunterrasseln unserer Überschriften gelegentlich Teile der Überschrift weggelassen werden oder es eben nicht über die vermeintlich “negative” Überschrift hinausgeht. So werden Artikel wie dieser, dieser, dieser oder dieser geflissentlich übersprungen – weil sie das nachfolgend skizzierte Bild von uns einfach stören könnten. Zum Teil wird der Kontext von den Moderatoren völlig falsch eingeordnet, das führt dann zu süffisanten Hinweisen auf “Fahrräder auf der Autobahn”. Wir haben uns z.B. ausführlich mit der von vielen Medien falsch interpretierten Schweden-Studie auseinandergesetzt und dargelegt, dass diese in weiten Teilen eben nicht auf Tesla übertragbar ist. Unsere Berichterstattung zu den Akku-Zellen im Model 3 basiert auf simplen Berechnungen, die jeder ebenso wie die daraus resultierenden Schlussfolgerungen nachvollziehen kann.

Leser-Feedback zu unserem Artikel zur „Umweltsau Tesla“

Offenbar hat sich keiner der beiden Moderatoren auch nur ansatzweise mit dem Inhalt der Artikel beschäftigt, man stört sich scheinbar anfänglich – wie die Hinweisgeberin Jana Höffner – daran, dass wir uns überhaupt und in diesem offenbar auffälligen Umfang kritisch mit Tesla auseinandersetzen.

Tatsächlich gibt es immer wieder Kommentatoren, die uns (nicht nur) auf Facebook darauf hinweisen, dass ”irgendwas” mit unserer Berichterstattung ”nicht stimmt”. Und tatsächlich engagieren wir uns sehr stark in unserer Community und reagieren dann auf die entsprechenden Einwände. Offenbar gibt es bei verschiedenen Menschen das Bedürfnis, dass dann öfter ein ”Oh ja, das haben wir irgendwie falsch eingeordnet.” oder ”Da haben wir vielleicht ein bisschen überzogen mit der Überschrift.” als Feedback kommt.

Zwei der „rechthaberischen“ Diskussionen, die wir unlängst mit Jana Höffner zu diesem und diesem Thema geführt haben:

Nach rund 5 Minuten beginnen die beiden Moderatoren, unsere Berichterstattung über Tesla mit unserer Berichterstattung über andere Fahrzeughersteller zu vergleichen und stellen resümierend fest, dass die ”irgendwie ein bisschen positiver klinge”. Die Berichterstattung über Tesla sei deutlich kritischer als die Berichterstattung über andere Hersteller.

Das stimmt. Ihr habt völlig recht.

Insbesondere gegenüber eurer Hinweisgeberin Jana haben wir das schon mehrfach bestätigt, vielleicht hätte sie euch vorher darüber aufklären sollen. Ihr hättet uns natürlich auch einfach vor der Aufzeichnung des Podcasts fragen können ;-).

Zum einen konzentrieren wir uns bei unserer automobilen Berichterstattung auf die Themen Elektromobilität und “Smart Cars”. Dementsprechend berichten wir nicht oder in nur sehr eingeschränktem Umfang über Dinge wie die “Dieselaffäre”. Wenn wir es tun, dann setzen wir die Thematik in den entsprechenden Kontext und liefern wie z.B. in der eingangs erwähnten Auseinandersetzung mit dem CO2-Ballast von Akkus dutzende von Fakten, die u.M.n. zum jeweiligen Veröffentlichungsdatum von anderen Medien nicht oder in nur sehr eingeschränktem Umfang beachtet werden. Das haben wir auch getan, als wir unlängst über den “Kartellverdacht” gegen deutsche Autohersteller berichtet und diese Thematik mit den zukünftigen Herausforderungen der Branche verknüpft haben.

Unser Alltag bei Facebook:

"Los geht's" Der Johannes (mit einem Tesla Model S als Cover-Foto für sein Facebook-Profil) möchte uns etwas mitteilen. Fanboys … immer wieder lustig.

Posted by Mobilegeeks Deutschland on Freitag, 3. November 2017

 

Als Tech-Blog konzentrieren wir uns ansonsten selbstverständlich auf den selbsternannten oder von Teilen der Öffentlichkeit so wahrgenommenen “Markt- und Technologieführer” in diesem Sektor und nehmen diesen selbstverständlich besonders kritisch unter die Lupe. Das ist unser Job.

Wir verweisen in jedem unserer Artikel auf die Stellungnahmen anerkannter Experten und auf deren Einordnung der Thematik. Wir nennen stets unsere Quellen und achten enorm darauf, welche Reputation diese Quellen und die darin zitierten Fachleute besitzen. Wir wissen mittlerweile, dass uns dies nur äußerst selten angreifbar macht – und dass wir damit oft erst recht eine Emotionalisierung der Diskussion befeuern. Wer als Kommentator keine “Argumente” hat, widmet sich gerne wirren Beschimpfungen und abstrusen Vorwürfen, bis hin zur angeblichen Bestechlichkeit unserer Autoren.

Wir sind der Auffassung, dass sich sowohl eine Technologie als Solche als auch ein diese Technologie vermeintlich “dominierendes” Unternehmen ständig dieser besonderen Kritik stellen muss. Auf irgendeine Weise haben es Tesla und Elon Musk in den vergangenen Jahren erreicht, dass ein erheblicher Teil der durchaus berechtigten Kritik sowohl von einer treuen “Gefolgschaft” als auch von weiten Teilen der “Fachmedien” marginalisiert wurde und wesentlich niedrigere Maßstäbe an das Unternehmen angelegt wurde. Umgekehrt weckt fast jede kritische Berichterstattung bei einigen offenbar das Bedürfnis, ”Ja, aber die anderen …!!!” zu rufen und – z.T. ohne jeden Zusammenhang – auf Verfehlungen anderer Unternehmen zu verweisen.

Wir als Autoren machen, wie die beiden Moderatoren richtig feststellen, diesen Job bereits seit Ewigkeiten. Wir kennen die Mechanismen, die eine typische Fanboy-Kultur kennzeichnen und haben bereits früh festgestellt, dass jegliche Thematisierung von Tesla früheren Diskussionen mit “Apple-Jüngern” gleicht oder diese an Heftigkeit weit übertrifft. Als besonders problematisch erweist sich seit längerem der Umstand, dass die Themen Elektromobilität und “Smart Cars” wirtschaftlich, rechtlich, gesellschaftlich und technisch wesentlich komplexer sind als es “Smartphones” jemals waren. Dies wiederum führt dazu, dass viele Kommentatoren basierend auf einer sehr eingeschränkten Filterblase mit einem erschreckenden Halbwissen unterwegs sind und sich daran stören, wenn sich jemand nicht auf die liebgewonnene Simplifizierung komplexer Zusammenhänge einlässt.

Zusammenfassend kommen die beiden Moderatoren zu dem Schluss, dass es sich bei einem erheblichen Teil unserer Artikel nicht um Journalismus, sondern um “Meinung” handele.

Das stimmt. Ihr habt erneut völlig recht, es ist Meinung!

“Dass ausgerechnet jene, die eine ganz bestimmte Deutung der Geschehnisse bevorzugen, allen anderen, die dieser Deutung widersprechen, mangelnde Neutralität vorwerfen, gehört längst zum Ritual einer Debatte, die sich an den falschen Begriffen orientiert.” Georg Restle, Monitor

Stürmische Zeiten – Was dürfen Medien?Objektiv sollen sie sein, neutral und meinungslos: Es ist ein lupenreiner…

Posted by Monitor on Montag, 23. Oktober 2017

 

Wir sind nicht “neutral”, wir schreiben unsere Meinung. Ihr unterliegt einem fundamentalen Missverständnis, was Journalismus ist und reiht euch in die Schlange derjenigen, die eine “Meinung” immer dann kritisieren, wenn sie nicht der eigenen (oder bevorzugten) Deutung des Sachverhalts entspricht. Wir kennen diesen Vorwurf seit Jahren, die dahinterstehenden Beweggründe sind immer die gleichen.

“Für „guten“ Journalismus gibt es andere Kriterien: Genauigkeit, Unabhängigkeit und Transparenz gehören ganz sicher dazu; Distanz zu wahren sowieso – und der Blick über den Tellerrand bitteschön: Das Einordnen von Fakten in einen größeren Kontext, das Offenlegen von Interessen und Machtstrukturen. Und natürlich darf, ja soll ein Journalist auch bewerten, was er recherchiert hat, solange er dies kenntlich macht. Besser so, als eine „Neutralität“, die Uneinlösbares verspricht und dabei die eigene Haltung nur kaschiert.” Georg Restle, Monitor

Daran, dass wir unsere Bewertung kenntlich machen, dürfte es spätestens nach eurem Podcast ja keinerlei Zweifel mehr geben. Offenbar ist unsere regelmäßige Bewertung so offensichtlich, dass sie eben – nicht nur bei euch – den unmittelbaren Reflex auslöst, die Bewertung als solche als unzulässig einzustufen. Dass wir diese Bewertung mit der gebotenen Genauigkeit, unabhängig und transparent treffen, ist offenbar entweder völlig unerheblich oder es wird pauschal bezweifelt. Und aus gebotenen „Distanz“ zu einem kalifornischen Multimilliarden-Dollar-Konzern wird kurzerhand eine „Nähe“ zu dessen Konkurrenten abgeleitet – so einfach kann man es sich machen.

Zukunft der Autoindustrie. Von einer auf zwei – drei Milliarden PKWs? Ein kurzer Ausflug in die PKW-Zukunft von…

Posted by Robert Basic on Samstag, 21. Oktober 2017

 

Wir haben eine Challenge für euch, liebe Macher von Electrify-BW. Nehmt euch doch bitte ein oder zwei Artikel über Tesla aus den vergangenen Wochen inhaltlich vor und konfrontiert uns mit den eurer Ansicht nach nicht zutreffenden Fakten. Zeigt uns, wo wir eurer Meinung nach “rechthaberisch” argumentieren und uns eventuell in eine abstruse Theorie verrannt haben.

Dass ein bis zu 140.000 Euro teures Model S “funktioniert” (00:43:00), ist großartig – wir setzen das voraus und erkennen auch nach mehrmaligem Überlegen nicht, inwiefern das ständig besonders erwähnt werden oder einen Autor zu einer grundsätzlich “freundlicheren” Berichterstattung veranlassen sollte. Wir hätten gerne, dass die Diskussion auf einem Level geführt wird, das über solche Trivialitäten und Selbstverständlichkeiten hinausgeht. Wir hätten gerne, dass Hohlphrasen wie “Bald gehen hier die Lichter aus!” von Menschen, die sich selbst Journalisten nennen, in den entsprechenden Kontext gesetzt werden, über den von Georg Restle erwähnten und von Robert Basic dokumentierten Tellerrand hinaus.

Wo spielt die Musik in der Autoindustrie nach Kontinenten?USA? Deutschland? Wir reden vom Heute. Ich betone das ja…

Posted by Robert Basic on Freitag, 3. November 2017

 

Da fragen auch wir uns echt: “Wer hat da was nicht verstanden?”

”Lügenpresse!!!”

Auf die offene Unterstellung, unsere Berichterstattung könne von irgendeinem Werbepartner oder Sponsor beeinflusst sein, wollen wir gar nicht näher eingehen. Bei uns steht – auch das haben wir dutzendfach betont – jeder Autor mit seinem Namen für jedes geschriebene Wort. Eine Beeinflussung gibt es nicht und mit dem bloßen Verdacht begeben sich die beiden Moderatoren – leider – wie viele andere auf das Niveau der Lügenpresse-Schildchenschwenker, denen es schlicht um die Diskreditierung von unliebsamen Medien geht.

Ein schmunzelndes “Wir haben das nie behauptet!” hilft da wenig und wir werden uns auch weiterhin nicht dazu herablassen, die Inhaber von Tesla-Aktien oder -Fahrzeugen auf irgendein Eigeninteresse an einer positiven Berichterstattung zu reduzieren. Im Zusammenhang mit Tesla darf man ja als Journalist und Blogger schon froh sein, wenn man im Rahmen einer kritischen Berichterstattung nicht als potentieller Mörder bezeichnet wird oder sich öffentlich unterstellen lassen muss, man spekuliere an der Börse auf den Niedergang des Unternehmens.

PS: Zum Unterschied zwischen Innen- und Außenwahrnehmung, Meinungen, tendenziöser Berichterstattung, Glashäusern und Steinen der Tweet eines Podcast-Zuhörers:

 

Bildquelle: flickr.com, CC BY 2.0