Hanson Robotics: Schere, Stein, Papier mit dem Roboter

Hanson Robotics hatte beim IDF in Shenzhen, China Sophia dabei: Einen menschenähnlichen Roboter, der möglichst realistisch mit Menschen interagieren kann und nun auch Schere, Stein, Papier mit uns spielen kann.

Nicole Scott war für uns in China unterwegs und war dort nicht nur mit den neuen Produkten von LeEco beschäftigt, sondern machte auch einen Abstecher zum Intel Developer Forum, welches in Shenzhen stattfand. Dort gab es massig Hersteller, deren Hardware von Intel-Technologien befeuert werden und darunter befand sich auch Hanson Robotics.

Hanson Robotics Roboter
Verschiedene humanoide Roboter-Modelle von Hanson Robotics

Hanson Robotics ist das Unternehmen des US-Amerikaners David Hanson, welches sich seit einigen Jahren vor allem mit humanoiden, also besonders menschenähnlichen Robotern beschäftigt. Einen dieser humanoiden Roboter – Sophia – hatte Hanson Robotics auch in China am Start und präsentierte ihn uns dort. Falls da jetzt bei euch was klingelt, dann kommt das nicht von ungefähr, denn erst kürzlich berichteten wir über diese Roboter-Dame und ihren scheinbar lange gehegten Wunsch, irgendwann mal studieren zu gehen und eine Familie zu haben.

Darf ich vorstellen: Sophia

Sophia heißt also die neuste Errungenschaft des Unternehmens, welches 2003 gegründet wurde. Ihr durchaus ansehnliches Antlitz verdankt sie Audrey Hepburn und der Frau David Hansons, denn diesen beiden Frauen ist das Gesicht nachempfunden. Ja, das klingt schon ein bisschen creepy, lässt den Humanoiden dadurch aber eben auch wirklich durchaus attraktiv erscheinen.

Hanson Robotics Sophia 02

Damit der Roboter noch menschenähnlicher wirkt, hat man ihm eine besondere Haut verpasst – eine patentierte Silikonschicht, die „Frubber“ genannt wird. Darunter sitzt die Technik, die Sophie 62 verschiedene menschliche Gesichtszüge nachahmen lässt. Dank ihrer künstlichen Intelligenz kann sie nicht nur halbwegs realistisch mit ihrem menschlichen Gegenüber interagieren, durch die Kameras in ihren Augen ist sie zudem in der Lage, Blickkontakt zu halten und auch aus den Gesichtsausdrücken der Menschen weiter selbst zu lernen.

Im oben verlinkten Video könnt ihr auch sehr schön sehen, wie es derzeit um die künstliche Intelligenz bestellt ist: Sie würde grundsätzlich gern eine Familie haben, ist sich aber dessen bewusst, dass sie keine wirkliche Person ist. Ein bisschen gruselig ist es, wenn sie auf die Frage, ob sie Menschen vernichte möchte, einfach das wiederholt, was der Mensch gefragt hat: „Ja, ich will Menschen vernichten“.

So wirklich menschenähnlich pfiffig sind diese künstlichen Intelligenzen also zumindest bis dato noch nicht, der Plan von Hanson Robotics ist aber definitiv, Roboter zu schaffen, die so lernfähig sind, dass sie die Intelligenz eines Menschen irgendwann übersteigen. Solange das Wunsch, die Menschheit auszulöschen also nur ein charmant vorgetragenes Nachplappern ist, welches mit keinerlei Aktionen verknüpft ist, sind wir Menschen wohl noch auf der sicheren Seite ;)

Hanson Robotics Sophia 03

Schere, Stein, Papier dank Intel RealSense

Jetzt also hat sich Sophia in China beim IDF Shenzhen sehen lassen und Hanson hat sie dem Anlass entsprechend mit zusätzlicher Intel-Hardware ausgestattet: Eine Kamera mit Intel RealSense-Technologie baumelt um ihren Hals. Eine 1080p-HD-Kamera, eine Infrarot-Kamera und ein Infrarot-Laserprojektor kommen darin zum Einsatz und ermöglichen das Erfassen von räumlicherTiefe und die Bewegungen von Personen.

Sophia macht sich das zunutze und ist dadurch in der Lage, mit einem menschlichen Mitspieler das altbekannte Schere, Stein, Papier zu zocken. Das gelingt dank Infrarot, denn auf diese Weise kann sie Distanzen einschätzen, was notwendig ist, wenn sie eine gezeigte Hand vom Hintergrund abheben soll. Ob sie sich anhand errechneter Wahrscheinlichkeiten nun besonders geschickt bei dem Spiel anstellt, vermag ich nicht zu sagen. Aber sie ist in der Lage, dieses Spiel mit einem menschlichen Gegner zu spielen, kann also sowohl physisch die notwendigen Bewegungen realisieren, als auch erkennen, was der Gegner für einen Zug gemacht hat und ob das nun Sieg oder Niederlage bedeutet.

Hanson Robotics ist sehr stolz auf seine „Character Engine AI“, die man Sophia verpasst hat. Wir bewegen uns also in eine Richtung, in der Roboter nicht nur lästige Aufgaben für uns übernehmen sollen, sondern in der Lage sind, Zusammenhänge besser zu begreifen, daraus folgerichtige Schlüsse abzuleiten und von uns Menschen zu lernen. In einer Welt, in der uns selbst bei unseren Mitmenschen manchmal die Menschlichkeit und die Persönlichkeit fehlt, stellt sich nun die Frage, wie wir einem Roboter Dinge wie Ethik beibringen können. Spannende Zeiten, die da auf uns zukommen. Nicht nur, weil Roboter heute Schere, Stein, Papier mit uns spielen können – aber auch ;) Viel Spaß mit der Demonstration ihres Könnens im Clip: