Happy Birthday, Windows: Das Betriebssystem feiert 30. Geburtstag

Heute auf den Tag genau vor 30 Jahren veröffentlichte Microsoft die erste Version von Windows. Man verpasste dem DOS eine grafische Oberfläche und revolutionierte in der Folge den Computer-Markt. Wir schauen zurück auf 30 Jahre Windows.
von Carsten Drees am 20. November 2015

Wir haben es schon oft gesagt hier auf dem Blog: 2015 ist ein ganz besonderes Jahr für Microsoft: Das Betriebssystem des Unternehmens verschmilzt mit Windows 10 zu einer Plattform für alle Geräte und es gibt jede Menge Geburtstage zu feiern. Firmengründer Bill Gates wurde vor kurzem 60 Jahre alt, bereits im April feierte Microsoft seinen 40. Geburtstag und heute kommt auch noch der 30. Geburtstag von Windows – dem erfolgreichsten Betriebssystem der Computer-Geschichte – ein weiterer hinzu.

Das wollen wir gebührend feiern, indem wir eine kleine Zeitreise unternehmen und euch mit zurücknehmen ins Jahr 1985 – ein Jahr, in welchem Zeitreisen ja durchaus ein Thema waren ;) Im gleichen Jahr also, als Doc Brown und Marty McFly die Kinos dieser Welt im Sturm eroberten, schickte sich Microsoft an, ähnliches mit seinem Betriebssystem Windows zu versuchen. Während der Film aber seinerzeit sofort ein absoluter Welterfolg wurde, musste sich Microsoft noch ein wenig gedulden, bis dem Unternehmen mit seinem Betriebssystem Gleiches vergönnt war.

Damals quälte man sich mit wenig attraktiven Operating Systems herum und Microsoft wollte allen Usern die Bedienung deutlich vereinfachen mithilfe einer grafischen Oberfläche – die Idee für Windows war geboren. Wir schauen zurück auf 30 Jahre Windows:

Windows 1.0

Bis zum Jahr war die Bedienung eines Computers eine ziemlich spröde Angelegenheit, auch unter MS-DOS von Microsoft, welches 1980 veröffentlicht wurde. Bereits 1983 konnte man im Rahmen einer Fachmesse mit dem sogenannten Interface Manager den Prototypen einer grafischen Oberfläche für MS-DOS vorstellen, zwei Jahre später war es dann soweit: Am 20. November 1985 wurde Windows 1.0 veröffentlicht. Der Name lag für das Unternehmen auf der Hand, nachdem die Entwickler immer von „Fenstern“ sprachen, die sie auf dem Bildschirm öffnen.

Wie man sein nagelneues System damals beworben hat? Mithilfe eines alten Bekannten – seht selbst:

Windows 1.0 hatte aber selbstverständlich nicht nur eine TV-Werbung mit dem damals augenscheinlich schon komplett durchgeknallten Steve Ballmer zu bieten gehabt. Features wie Drop-Down-Menüs, den Desktop, die altbekannten Scroll-Balken und die Zwischenablage fürs Kopieren von Dateien gab es schon in dieser ersten Fassung, ebenso die Systemsteuerung, das Spiel Reversi und kleine Programme wie Notepad oder MS Paint, mit welchem damals lediglich in Schwarz-Weiß gemalt werden konnte. Ein eigenständiges Betriebssystem war Windows 1.0 jedoch nicht, sondern eben nur die grafische Oberfläche für MS-DOS.

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Win1.03“ von unbekannt – eigener Bildschirmausdruck (unter VmWare erstellt). Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia.

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Der ganz große kommerzielle Erfolg war Windows 1.0 damals gar nicht mal für das Unternehmen, welches bereits in dieser Zeit schon jede Menge Kohle anderweitig verdiente. Dennoch zeichnete sich hier bereits ab, dass es für die Hersteller von Computer-Programmen essenziell wichtig werden könnte, künftig eine Windows-Kompatibilität zu gewährleisten.

Windows 2.0

Der nächste Streich folgte Ende 1987 mit Windows 2.0 und auch diese Version war eine grafische Oberfläche, die auf dem System MS-DOS aufsetzt. Wir sind immer noch in der 16-Bit-Abteilung unterwegs, Windows 2.0 konnte gegenüber seinem Vorgänger jedoch einige interessante Neuerungen mitbringen:

windows2.0

VGA-Displays wurden nun unterstützt, man konnte verschiedene „Windows“ überlappen lassen und in der Größe verändern, Programme wie Paint wurden überarbeitet und verbessert. Um die überlappenden Fenster sollte es den ersten Streit mit Apple geben – das Unternehmen war damals der Meinung, dass Microsoft das Look and Feel kopiert hätte. Der Rechtsstreit sollte fünf Jahre andauern bis 1992 und mit einer saftigen Niederlage für Apple enden. Es erschienen mehrere Versionen von Windows 2.0, die aber nicht über einen großartig neuen Funktionsumfang verfügten, sondern im wesentlichen neuere Hardware unterstützten.

Windows 3.0

Spätestens ab Windows 3.0, veröffentlicht 1990, wurde es dann richtig spannend: Mittlerweile waren die immer stärker werdenden Rechner auch in der Lage, problemlos die grafische Oberfläche ausführen zu können, die nach wie vor auf MS-DOS aufsetzte. Das sollte sich auf den kommerziellen Erfolg von Windows 3.0 auswirken: Innerhalb von vier Monaten konnten eine Million Einheiten von Windows 3.0 abgesetzt werden, insgesamt sollten es 10 Millionen werden.

Technisch und vor allem im Design hatte sich seit Windows 2.0 eine ganze Menge getan: Das komplette Design wurde überarbeitet, so dass es übersichtlicher und alles in allem reifer wirkte. Neue Icons, unauffälligere Farbgebung, Hintergrund für den Desktop – es wurde an einigen Stellschrauben gedreht. Vielleicht wichtigste Neuerung war der Programm-Manager, ebenso wurde ein Datei- sowie der Task-Manager eingeführt.

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Windows 3.0 Bildschirmfoto“ von Liliana – eigenes Werk. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia.

Windows 3.0 ist übrigens das erste Windows, mit dem ich selbst arbeitete, allerdings noch nicht auf einem eigenen Rechner – dafür mussten die Computer von Freunden herhalten und ich glaube mich zu erinnern, dass auch die Schul-Rechner damals entsprechend aufgerüstet wurden ;)

1992 legte Microsoft ein Update nach mit Windows 3.1 – erstmals musste man nicht zwingend eine neue Version erwerben, sondern konnte sich auch für die Update-Variante entscheiden. Mit dieser wurden nun beispielsweise TrueType-Schriftarten unterstützt, außerdem führte Microsoft mit Windows 3.1 die Drag&Drop-Funktion ein. Nicht zuletzt sollte mit diesem Update aber auch gewährleistet sein, dass das System nicht mehr so oft abstürzt.

Windows 95

Mit Windows 95 – im Jahre 1995 veröffentlicht – gelang Microsoft ein wahrer Meilenstein. Das 16/32-Bit Betriebssystem konnte vor allem durch seine grafische Oberfläche überzeugen, die von Grund auf neu gestaltet wurde und die im Wesentlichen länger als ein Jahrzehnt das Windows-Bild prägen sollte. Aus dem Schweizer Fernsehen stammt dieses Zeitdokument:

Mit Windows 95 wurde der klassische Desktop eingeführt, so wie ihn die meisten von uns kennengelernt haben dürften und auf dem weitere Neuerungen wie der Papierkorb und der Arbeitsplatz zu finden waren. Anstelle des Programm-Managers gab es nun erstmals das Startmenü, außerdem hatte Windows 95 den Windows Explorer mit an Bord. Auch kommerziell war Windows 95 ein Meilenstein für Microsoft: Allein in den ersten drei Monaten wurde das Betriebssystem über 45 Millionen mal verkauft.

Mit „Start me up“ von den Rolling Stones wurde das OS massiv beworben und sollte sich auch zum erfolgreichsten Betriebssystems Microsoft entwickeln.

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Windows 95 C Startmenü System mit allen Updates 2010-03-01“ von erstellt von Henry Mühlpfordt – selbst erstellt, mit VirtualBox und Gimp. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia.

Windows 98

Drei Jahre zogen ins Land, bis Microsoft erneut nachlegte und uns Windows 98 präsentierte. Grafisch hielten sich hier die Änderungen im Rahmen, u.a. wurde der Active Desktop eingeführt, ebenso die Schnellstartleiste. Auch Windows 98 war ein kommerzieller Erfolg, wenn auch nicht so fulminant wie Windows 95 drei Jahre zuvor.

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Später sollte Microsoft noch weitere Versionen vorlegen, die auf Windows 98 basieren mit Windows 98 SE und dem ebenfalls zur Windows 9x-Generation gehörenen, wenig beliebten, weil absturzfreudigen Windows Me, mit dem man sich auf Multimedia konzentrierte, dazu u.a. einen neuen Media Player, den Movie Maker als auch den Internet Explorer in neuer Ausführung mitlieferte.

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Windows XP

2001 war dann Zeit für Windows XP – ein Betriebssystem, welches nicht mehr auf DOS basiert und sich erstaunlicherweise auch heute noch – 14 Jahre später – auf erschreckend vielen Rechnern weltweit befindet. Windows XP war nicht nur technisch ein völlig neues Level, als die NT-Linie von Windows mit dem Consumer-Windows verschmolz, auch grafisch war es wieder einmal ein erheblicher Schritt nach vorne, was zum großen Teil an der Luna-Oberfläche lag:

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Windows XP Desktop Luna“ von Bernard Ladenthin (Originalfoto); Das Schäfchen (Aktuelle Version des Screenshots) – selbst erstellter Screenshot. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia.

Auch kommerziell sollte Microsoft sich über Windows XP wieder deutlich mehr freuen dürfen als über das vorherige Windows Me, die Windows-Nutzer waren wieder weitestgehend versöhnt mit dem Unternehmen aus Redmond. Windows XP sah aber natürlich nicht nur besser aus, auch zahlreiche Features wie das Startmenü, die Systemherstellung und vieles mehr wurde verfeinert, man konnte schneller den Benutzer wechseln und natürlich erhielt auch Software wie der Internet Explorer oder der Media Player das fällige Update.

Windows Vista

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Vista-Desktop“ von Screenshot: Benutzer:Das Schäfchen; Programm: Microsoft – selbst erstellter Screenshot. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia.

Windows Vista – ich glaube, viele Windows-Fans zucken heute noch zusammen, wenn sie diesen Namen hören. Eingeführt 2007, sollte es zu einem der unbeliebtesten Betriebssysteme Microsofts avancieren. Zum Teil hing das auch mit den Hardwarevoraussetzungen zusammen – das OS, welches die Aero-Oberfläche und Funktionen wie Flip 3D (eine 3D-Ansicht der Ordner und Programme) mitbrachte, zwang seinerzeit so manchen Rechner in die Knie. Das führte dazu, dass Vista auch kommerziell hinter den Erwartungen zurückblieb und sich viele Nutzer dafür entschieden, doch lieber auf die nächste Windows-Version zu warten.

Windows 7

Wir nähern uns der Jetzt-Zeit so langsam mit dem im Oktober 2009 veröffentlichten Windows 7. Mit dieser Version sollte Microsoft wieder deutlich mehr Menschen begeistern können als mit dem verschmähten Windows Vista. Dabei war Windows 7 keine völlige Neuentwicklung, sondern basierte grundlegend auf Vista, besserte aber viele Fehler des ungeliebten Vorgängers aus und entwickelte sich so zu einem der bis heute beliebtesten Betriebssysteme von Microsoft.

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Man optimierte das System beim Design der Oberfläche, aber vor allem auch im Performance-Bereich, was dazu führte, dass sowohl Nutzer als auch Experten hier von einer sehr erfolgreichen Fortsetzung der Windows-Reihe sprechen – so erfolgreich, dass sich bis zum heutigen Tage so mancher Nutzer davor sträubt, auf eine jüngere Ausführung des OS zu wechseln.

Windows 8

Es schien sich einzubürgern, dass Microsoft immer eine gelungene und eine missratene Windows-Version abwechselnd herausbringen. Somit musste nach dem Erfolg von Windows 7 nun also eine folgen, die wieder mal so gar nicht bei den Verbrauchern ankam. Die lieferte uns das Redmonder Unternehmen dann auch tatsächlich mit Windows 8.

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Auf dem Screenshot oben könnt ihr auch den Hauptgrund für die Unzufriedenheit vieler Windows-Nutzer sehen: Nie zuvor hatte Microsoft seinen Kunden eine so große Veränderung von einer auf die nächste Windows-Version zugemutet als beim 2012 veröffentlichten Windows 8. Um sich auf die Zunahme von Touch-Devices auszurichten, setzte man auf ein völlig neues Kachel-System, während der klassische Desktop ins zweite Glied rückte.

Die große Kritik, die neben dem Design auch funktioneller Natur war, sorgte dafür, dass Microsoft binnen eines Jahres mit Windows 8.1 ein kostenloses Update nachlegt, mit dem die meisten Kritikpunkte ausgemerzt werden sollten. Der Windows-Rechner startete nun optional wieder mit dem Desktop und auch der Start-Button kehrte zurück. Damit gelang es Microsoft erneut, so manchen grummeligen Windows-Nutzer zu besänftigen, dennoch sträubte sich nach wie vor so mancher vor dem Wechsel von Windows 7 auf die Version mit dem Kachel-System.

Windows 10

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Willkommen in der Jetzt-Zeit, willkommen im Jahr 2015! Viel muss man euch zu dieser neuen Version vermutlich nicht erzählen, denn wer sich für Windows interessiert und hier auf dem Blog fleißig mit liest, dürfte ja absolut im Thema sein, was die jüngste Iteration des Betriebssystems angeht.

Wenn es nach Microsoft geht, ist diese aktuelle Version dann auch die letzte überhaupt, denn sie führt nicht nur Mobile und das eigentliche Windows zusammen, sondern wird künftig als ein Update-System fortgeführt. Das bedeutet für die Nutzer: Man kauft sich eben nicht alle paar Jahre ein neues Update oder gar eine neue Voll-Version, Updates werden künftig laufend euer bestehendes System aktualisieren.

Seid ihr noch nicht komplett im Thema, was Windows 10 angeht? Dann legen wir euch einige unser Artikel ans Herz:

Microsoft: Windows 10 vorgestellt – ein OS für alle Systeme

Windows 10: So sieht das neue Betriebssystem von Microsoft aus und das kann es

Alles Wichtige zum Windows 10 Upgrade

Anleitung: Windows 10 Download und installieren

Windows 10: Tipps und Tricks zum Start

30 Jahre also auf den Tag genau und ich muss sagen, für ein Betriebssystem in diesem doch betagten Alter sieht Windows derzeit frischer aus denn je und macht mir persönlich sehr viel Spaß. Windows 10 wird als nächstes dann auch auf die Smartphones kommen in Bälde und auch alle anderen Devices inklusive Xbox One vereint Microsoft künftig unter dem Windows 10-Dach. Auch, wenn die Ansage lautet, dass wir keine neuen Versionen des Betriebssystems in der klassischen Update-Ausführung erwarten dürfen, können wir doch davon ausgehen, dass Windows auch in den nächsten 10, 20 und vielleicht auch nochmal 30 Jahren viele spannende Neuerungen für uns bereithalten wird und Microsoft sich für die Zukunft bestens aufgestellt hat.

Wir Mobile Geeks jedenfalls grüßen ganz artig zum Geburtstag und harren der Dinge, die man da in Redmond noch für uns bereithalten wird.

Quellen: The Verge und Winhistory.de