Health Care statt Lifestyle – Smart Home für Senioren

Bei dem Wort “Smart Home” denken wir in erster Linie an Lifestyle, schönes Wohnen, Luxus und Komfort. Doch kann Smart Home mehr als nur Lifestyle sein – Smart Home als eine “Lebenshilfe”

Wir sollten uns bewusst sein, das die Zeiten der Mehrgenerationen Haushalte in denen “die Jungen – die Alten” pflegen vorbei sind. Viel mehr noch, wir befinden uns in Zeiten, in denen wir Worte wie “Pflegenotstand” verwenden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Smart Home eine wichtige Rolle in Zukunft bei dem Thema Health Care spielen wird. Egal ob Senioren oder pflegebedürftigen Menschen mit einer Behinderung, all diese werden von den neuen Möglichkeiten im Smart Home profitieren. Bereits heute schon ist es mithilfe von Smart Home Komponenten möglich, das ältere Menschen länger in ihren eigenen vier Wänden leben können und somit den (noch) nicht gewünschten Heimaufenthalt etwas nach hinten verschieben.

Dazu zählt zum Beispiel das System Casenio, welches von seinen Funktionen weit über ein normales Hausnotrufsystem hinaus geht. Es basiert auf Sensoren, welche auch sonst im Smart Home eingesetzt werden wie: Temperatur- und Luftfeuchtigkeit-, Bewegungs- und Helligkeitssensoren sowie Tür- und Fensterkontakte. So kann kann das System schnell gefährliche Situationen erkennen, wie zum Beispiel wenn das Wasser ungewöhnlich lange läuft, der Herd eingeschalten ist – obwohl der Bewohner im Bett liegt oder gerade die Wohnung verlässt. Mithilfe von Bewegungssensoren kann das System auch feststellen wenn der Herd eingeschaltet ist, aber längere Zeit in der Küche keine Bewegung stattgefunden hat. Natürlich erkennt das System auch Rauchentwicklungen, Überflutungen, offen stehende Fenster und Türen. So kann das System im Notfall einen Alarm absetzen, damit ein Pflegedienst vorbeischaut und nach dem Rechten sieht.

Smart Home - eine Erleichterung im Alltag
Smart Home – eine Erleichterung im Alltag

Aber auch in der Forschung passiert gerade viel zu diesem Thema. Das Fraunhofer Institut hat sich dem Thema angenommen und SonicSentinel entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Geräuscherkennungsverfahren, welches Geräusche klassifiziert. So kann das System Hilferufe, Wimmern, Schreie oder sogar einen Sturz aus dem Bett akustisch erkennen. Eine sehr sinnvolle Sache, denn meist ist die Notruftaste, wenn denn vorhanden, im Ernstfall nicht greifbar oder erreichbar.

Ebenfalls vom Fraunhofer Institut stammt der CapFloor. Dabei handelt es sich um einen intelligenten Fußboden, welcher erkennen kann ob auf Ihm jemand läuft, oder nach einem Sturz liegen geblieben ist.

Diese “Intelligenz” ermöglicht ein Drahtgeflecht, welches unter dem Teppich oder dem Parkett / Laminat verlegt werden kann. Die Drähte werden von einer geringen Spannung (gerade einmal 1,5Volt) durchflossen und bilden somit ein schwaches elektrisches Feld. Läuft nun jemand über diesen Fußboden, so ändert sich in diesem Bereich das elektrische Feld. Somit kann der Fußboden nicht nur Schritte erkennen, sondern auch ob jemand am Boden liegt.

Bild: fotolia.com
intelligenter Fußboden erkennt auch Stürtze

Das Forschungsprojekt “CapFloor” des Fraunhofer Institut könnte bald Schule machen. Bereits Mitte nächsten Jahres will man mit einem Industrieunternehmen in die Produktion gehen. Ich denke der intelligente Fußboden hat mehr Potential als es auf den ersten Blick scheint. Er könnte nicht nur im Bereich Health Care zum Einsatz kommen, sondern auch zur Sicherheit oder beim Energie sparen beitragen. Er könnte einen Alarm auslösen, wenn bei Abwesenheit der Bewohner dennoch Schritte erkannt werden. Es könnte automatisch das Licht eingeschaltet werden sobald jemand den Raum betritt, oder die Heizung heruntergefahren werden wenn gerade niemand im Zimmer ist.

Durch all diese smarten Technologien kann der Alltag vieler älterer Menschen erleichtert, aber auch sicherer gemacht werden. In vielen Fällen wird damit der Heimaufenthalt noch nicht notwendig sein denn: “Zuhause ist es doch am schönsten” ;-)