Don Dahlmann
Here Maps – Warum sind sie so wichtig?

2.5 Milliarden Dollar für ein paar Karten? Die Firma, um die es geht, ist so den deutschen Herstellern so wichtig, dass sie sich gleich zu einem gemeinsamen Konsortium zusammengeschlossen haben um die Kaufsumme aufzubringen.

Dass Unternehmen, um das geht, heißt „Here“ und ist ein quasi ein übrig gebliebener Rest von „Nokia“. Der finnische Konzern hat in den letzten 10 Jahren nicht nur ein paar gute Mobiltelefone gebaut, sondern auch, fast unbeobachtet, sich zu einem Giganten in Sachen Kartenmaterial entwickelt. Als Nokia damals die Mobilfunksparte an Microsoft verkaufte, blieb der Kartenbereich unberührt. Aber vielleicht hätte Microsoft damals besser den Kartendienst „Here“ und nicht die Smartphones gekauft. Denn der Markt mit den Karten explodiert gerade.

HERE introduces HD maps for highly automated vehicle testing – All detailsSchuld daran ist die Autoindustrie und der Wunsch selbiger, dass die Autos in Zukunft autonom durch die Gegend fahren. Das geht schon ganz gut mittels der diversen Sensoren, aber halt nicht komplett. Aus der VW-Entwicklung heißt es dazu: Ohne Karten geht erst einmal gar nichts. Aber mit „normalen“ Karten, wie zum Beispiel Google Maps, kommt man auch nicht weiter. Damit ein Auto sicher kartengestützt navigieren kann, braucht es Karten mit einer Auflösung von 20 bis 30 Zentimeter, die gleichzeitig Kurvenradien, Gefälle und Steigungen genau verzeichnet haben.

Denn im Gegensatz zum Menschen, dessen Auge schnell erkennt, wann eine Kurve zu eng wird und wann nicht, ist die Technik halt noch etwas blöd. Wenn zum Beispiel 100 km/h auf einer Landstrasse erlaubt sind, dann fährt das Auto auch die maximale Geschwindigkeit, sei denn, der Fahrer regelt selber runter. Enge Kurven erkennt das System zwar auch auf normalen Karten, aber nicht, wie eng genau sie ist. Damit das Auto effizient und sicher unterwegs ist, braucht es also mehr Daten.

Die Karten sind also nicht nur ein Backup, sie spielen eine zentrale Rolle in der gesamten Programmierung. Gleichzeitig benötigt man die Daten von „Here“ aber auch noch für andere, nicht unwichtige Teile der Software, die für die Steuerung des Fahrzeugs zuständig ist. Weiß man, wann ein Gefälle kommt, vor allem in Verbindung mit einer nachfolgenden Kurve oder einem Kreisverkehr, kann man den Wagen so programmieren, dass er die maximal effizienteste Fahrweise wählt. Hat das Fahrzeug im Gefälle seine Geschwindigkeit erreicht, können Motor und Getriebe in den „Segelmodus“ versetzt werden. Dabei wird die Motorbremse mehr oder weniger abgeschaltet, das Fahrzeug wird mittels der Bremse innerhalb der erlaubten Geschwindigkeit gebracht, so dass gleichzeitig auch die Möglichkeit besteht, einen vorhandenen Akku aufzuladen. Die so eingesparte CO2 Menge ist nach Schätzungen von Audi, die ein solches System schon im neuen Audi Q7 einsetzen, enorm.

„Here“ hat diese Daten. Was in der Geschichte des Unternehmens begraben liegt. 2007 kaufte Nokia das US-Unternehmen „Navteq“ die seit 1985 mit elektronischen Karten arbeiten. Navteq wiederum bekam Unterstützung von Phillips, die die erste Datenbank für hochauflösende Karten aufbauen. 2004 kaufte Navteq den Dienst „Map24“ und führte weitere Daten zusammen. Nach und nach baute Nokia unter verschiedenen Namen (Nokia Maps, Ovi) eine einzigartige Kartendatenbank auf. Eine, die unbedingt notwendig ist, wenn Autos in Zukunft autonom fahren sollen. Und das kann einem schon 2.5 Milliarden Euro wert sein, zumal die deutschen Autohersteller nun in den nächsten Jahren auf einem wahren Schatz sitzen, der ihren technologischen Vorsprung in Sachen Automation weiter ausbauen wird.