Herrje, SEGA: Winzige Spielkonsole “Game Gear Micro” vorgestellt

SEGA hat heute in Japan anlässlich seines 60. Geburtstags eine Spielkonsole namens Game Gear Micro vorgestellt. Ein Handheld-Winzling, der haarsträubend unspannend ist.

von Carsten Drees am 3. Juni 2020

SEGA feiert sein 60-jähriges Jubiläum. Persönlich muss ich zugeben, dass ich das Datum nicht ganz kapiere, wurde Service Games of Japan doch eigentlich schon 1952 offiziell registriert. Soll uns aber auch nicht weiter beschäftigen, die werden schließlich schon wissen, wann sie was zu zelebrieren haben.

Anlässlich seines Jubiläums wollte man am 3. Juni — also heute — etwas Besonderes, Großes vorstellen. Groß ist das nun präsentierte Gadget aber wahrlich nicht, egal wie man es betrachtet. In Japan erscheint nämlich der Game Gear Micro — ein winziges Handheld, welches natürlich an das Original aus der 8-Bit-Ära erinnert, welches 1990 erschien (bzw. 1991 in Europa).

Der Game Gear sollte damals gegen den bereits sagenhaft erfolgreichen Game Boy von Nintendo antreten und hatte definitiv auch das technische Rüstzeug an Bord. Ich selbst hab gerne darauf gespielt und wenn man auf das schöne Farbdisplay blickte, schüttelte es einen danach, wenn man sich dagegen den monochromen Game Boy ansah.

Wie so oft in seiner anscheinend 60-jährigen Karriere hat es SEGA jedenfalls geschafft, aus diesem Vorteil nicht nur nichts zu machen, sondern die besseren Voraussetzungen sogar in eine krachende Niederlage zu verwandeln. Ob es das Marketing war, die gegenüber dem großen Konkurrenten enttäuschende Akkulaufzeit oder die eher überschaubare Zahl an verfügbaren Spielen, weiß ich nicht — vielleicht von allem ein bisschen.

Jetzt jedenfalls möchte man den alten Spirit wieder ein wenig aufleben lassen und hat sich dazu den Game Gear Micro ausgedacht, bei dem das “Micro” auch tatsächlich Programm ist. SEGA bringt tatsächlich das Kunststück fertig, eine mobile Konsole zu bauen, die 80 x 43 x 20 Millimeter misst und mit einem 1,15 Zoll (!) großen Farbdisplay daherkommt.

Da auch die Original-Konsole ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, hat man sich diese als Neuauflage herausgepickt und spricht selbst von so etwas wie einem spielbaren Maskottchen. Und ja: Viel mehr ist es tatsächlich nicht — maximal ein Retro-Gadget, welches man fanatischen Game-Nostalgikern mal kurz in die Hand drücken kann und danach wieder in die Ecke feuert.

 

Insgesamt sind auf dem kleinen Handheld vier Spiele installiert, die je nach Farbe des Modells variieren. Insgesamt vier verschiedene Farben — Schwarz, Rot, Gelb und Blau — gibt es und dieses sind die Spiele:

Schwarz:

  • Sonic
  • Out Run
  • Royal Stone
  • Puyo Puyo Tsu

Blau:

  • Sonic & Tails
  • Gunstar Heroes
  • Sylvan Tale
  • Baku Baku Animal

Rot:

  • Game Gear Shinobi
  • Columns
  • zwei Megami Tensei Gaiden-Spiele

Gelb:

  • Shining Force
  • Shining Force II
  • Shining Force: Final Conflict
  • Nazo Puyo Aruru no Ru

Ohne Steuern verlangt SEGA für die vier Dinger jeweils 4 980 Yen, was umgerechnet knapp 41 Euro entspricht. Angesichts der Größe bin ich skeptisch, wie gut die Games spielbar sein wird, aber bei einem 1,15 Zoll großen Display dürfte sicher sein, dass wir nicht wirklich viel erkennen werden.

Das Problem möchte man lösen, indem man auch ein altes Zubehör aus Game-Gear-Zeiten wieder aufleben lässt mit dem SEGA Big Window. Diesen Aufsatz klemmt ihr auf den Game Gear Micro und könnt dann das Bild ein klein wenig größer sehen. Nur der Vollständigkeit halber: Das originale Display auf dem Game Gear hatte seinerzeit eine Bildschirmdiagonale von 8,1 Zentimetern, also etwas mehr als 3,1 Zoll!

Wer einen Anspruch auf das Big Window haben will, muss dazu zwingend alle vier verschiedenen Modelle des Game Gear Micro vorbestellen, erklärt SEGA und nennt einige zusätzliche Bundles, die beispielsweise auch noch Pins beinhalten. Ich denke mal, dass das aber allerhöchstens für riesige Mega-Fans der Japaner reizvoll sein kann, die wirklich alles sammeln, was SEGA anbietet.

Persönlich bin ich irgendwas zwischen enttäuscht und entsetzt, weil ich Naivling mir wünschen würde, dass es SEGA nochmal ernsthaft angeht mit einer richtigen, konkurrenzfähigen Konsole und nicht erneut einem Device, welches mehr schlecht als recht auf der Retro-Welle reitet.

Wirklich spielbar sind diese Teile meines Erachtens nicht (zumindest für meine XL-Wurstfinger) und ganz sicher sind sie auch nicht 41 Euro plus Steuern wert. Wer etwas Großes ankündigt und dann sowas wie den Game Gear Micro abliefert, den man auch gleich vier mal kaufen muss, um alle 16 Spiele zu zocken, muss damit leben, dass er Fans vor den Kopf stößt.

Damit keiner sagen kann, ich hätte euch nicht alle verfügbaren Infos gegeben, hier noch das: Ihr könnt den Game Gear Micro sowohl mit Batterien befüllen als auch per USB laden. Es gibt einen Anschluss für einen Kopfhörer, außerdem einen kleinen, eingebauten Speaker. Japanische Fans können das Teil ab Oktober kaufen, zu einer Verfügbarkeit in Europa hat sich SEGA nicht geäußert.

Wer weiß, vielleicht hält SEGA anlässlich seines Jubiläums ja noch etwas anderes bereits. Wenn die große Ankündigung aber tatsächlich die des Game Gear Micro gewesen sein soll, dann können wir hinter SEGA so langsam ebenso einen Haken machen wie hinter der anderen einstigen Kultmarke Atari. Ich lege mich jetzt jedenfalls enttäuscht vor den Fernseher und schaue mal, ob es der alte SEGA Mega Drive noch tut — da wusste man noch, was man hat.

Quelle: SEGA via Gamepro und Golem.de