Und das von einem Mac-User!
Hilfe, ich werde zum Windows-Fan!

Vor gar nicht so langer Zeit hätte es kaum jemand für möglich gehalten, aber wenigsten ich selbst, aber inzwischen besteht die realistische Chance, dass ich zu einem Windows-Fan werden könnte. Microsoft macht seit und mit Windows 10 einfach zu viel richtig.

Windows und ich, wir kennen uns seit Jahren und es handelte sich dabei immer um eine Hassliebe ohne  Liebe. Windows wirkte auf mich schon optisch im Vergleich Mac OS immer plump, es machte keinen Spaß damit zu arbeiten und dann diese DOS-Vergangenheit, die Microsoft über Jahre mit sich rum schleppte. Nein, früher war die Welt einfach und in Ordnung: Auf der einen Seite waren Microsoft, Intel und IBM – in J.B.O.-Sprache die Armeen der Langeweile und Ernsthaftigkeit – und auf der anderen Seite Apple, die Rechner für echte Menschen bauten, mit denen das Arbeiten auch noch Spaß machen konnte.

Und nachdem erst IBM plötzlich „zu den Guten“ gehörte (PowerPC) und nach dem Wechsel des Prozessors auch noch Intel „die Seiten wechselte“, wird auf einmal Microsoft und vor allem Windows immer interessanter und gar nicht mehr langweilig. Angefangen hatte es ja schon mit Office 2016, das inzwischen von „muss man halt haben wegen verschiedener Kunden“ zu meiner primär genutzten Office-Suite auf dem Mac wurde.

Windows 10: Der Mensch im Mittelpunkt

Gestern zeigte Microsoft in Hamburg zusammen mit seinen Hardware-Partnern, was es so an aktuellen Geräten mit Windows 10 gibt und als besonderes Highlight es gab dann noch Hololens-Demos. In Sachen Hardware gab es leider nichts wirklich neues zu sehen, auch das neu vorgestellte Surface Studio gab es noch nicht zu sehen. Aber es war ein schöner Überblick über die verschiedenen Geräteklassen, auf denen Windows 10 läuft: vom kleinen Mini-Notebook über 2-in-1-Convertibles bis hin zu 17″-Monstern, gibt es für jeden Geldbeutel und jedes Anwendungsszenario passende Geräte – wobei die Frage der Mobilität in einigen Fällen wohl stark von der Körperkraft des Nutzers abhängig ist. 

Das ist der größte Vorteil von Windows 10 gegenüber dem Konkurrenten Apple, der zwar in der Präsentation nicht namentlich erwähnt aber trotzdem angesprochen wurde. Der Hinweis, dass Windows 10 auf Geräten jedes Typs läuft, während  „andere Anbieter“ auf jeweils eigene Betriebssysteme für klassische Notebooks und PCs auf der einen und Tablets auf der anderen Seite setzen. Viele „andere Anbieter“ gibt es da ja nicht.

Cortana erkennt relevante Informationen in handschriftlichen Notizen
Cortana erkennt relevante Informationen in handschriftlichen Notizen

Immer wieder wurde bei den Präsentationen betont, dass für Microsoft der Mensch im Mittelpunkt stünde, man sich bei jedem Feature sehr genau überlege, ob und wie es den Usern die Arbeit mit ihren Windows 10 Gerät und damit das Leben erleichtern kann. Etwas ausführlicher wurde dabei Windows Ink gezeigt, die digitale und direkt im Betriebssystem verankerte Variante der klassischen Tinte. Wirklich sehr gut umgesetzt und in das System integriert.

Windows Ink rückt den Stift in den Vordergrund

Zugegeben, ich kann mit Touch- oder Stifteingabe auf einem Notebook oder gar Desktop nichts anfangen, möglicherweise bin ich einfach zu alt und zu festgefahren, aber bei so einem 2-in-1-Gerät, das auch als Tablet nutzbar ist, ergibt das auf jeden Fall Sinn. Und die Art und Weise, wie Microsoft das umgesetzt hat, gefällt mir ausgesprochen gut.

Und sorry Apple, aber ein iPad Pro mit Stift und Tastatur ist eine ganz nette Sache und reicht wahrscheinlich auch für sehr viele Aufgaben – es ist aber eben kein Ersatz für einen Rechner mit einem „echten“ Betriebssystem. Gewisse Begehrlichkeiten in Richtung eines Notebook-Tablet-Hybriden waren bei mir ja schon länger vorhanden und je häufiger ich solche Geräte ausprobieren kann, desto größer wird diese Begehrlichkeit – und Windows als Betriebssystem ist dabei tatsächlich für mich kein Argument dagegen mehr.

Hololens: Will ich haben!

Zum Thema „Ausprobieren“: Hololens. Während Windows 10 auf Smartphones, Notebooks, PCs, Tablets und der Xbox zwar auf unterschiedlichen großen, aber doch immer auf Bildschirmen läuft, ist Hololens das Extrembeispiel von „Windows 10 überall“. Natürlich steckt in der Brille streng genommen auch ein Bildschirm, aber es ist trotzdem eine ganz andere Nummer. Und auch wenn die kurze Demo natürlich nur einen ersten Einblick in die Technik geben konnte, bin ich mir da sehr sicher, dass das ein erster Einblick war, wie wir in Zukunft mit Rechnern interagieren – diese Brillen werden in Zukunft ja eher nicht größer.

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Microsoft bezeichnet das als „Mixed Reality“, hier werden nicht einfach Zusatzinformationen in die reale Welt eingeblendet (augmented reality) und man wird auch nicht von der Umgebung abgeschlossen und in eine komplett künstlicher Welt gezogen (virtual reality), sondern virtuelle Objekte werden über diese Brille zu Teilen der Umgebung. Damit lassen sich sehr interessante Anwendungen umsetzen. Während der Demo konnte ich kurz eine Astronomie App und eine rund um das menschliche Auge ausprobieren. Es ist schon faszinierend, wenn man auf einmal ein riesiges Auge im Raum stehen hat, das man sich in allen Details anschauen und in das man regelrecht hineingehen kann. Die Steuerung per Sprachbefehl oder Gesten mit der Hand ist meiner Meinung nach recht intuitiv.

Microsoft oder Apple?

Ich werde jetzt kaum meine Macs und iOS-Geräte raus schmeissen und durch Windows-Maschinen ersetzen, aber die Wahrscheinlichkeit steigt langsam zur Gewissheit, dass Windows 10 in nicht allzu ferner Zukunft bei mir auf mindestens einem 2-in-1-Gerät laufen wird und nicht mehr nur in einer virtuellen Maschine auf meinem Mac. Wenn mir das jemand vor ein paar Jahren erzählt hätte, dann hätte ich es kaum geglaubt.

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Primäre Arbeitsplattform bleibt bei mir aber trotzdem macOS: Zwar ist Windows 10 mit Sicherheit das beste Windows aller Zeiten und es enthält eine ganze Menge wirklich feiner Features, aber es fühlt sich trotz allem immer noch nicht so rund an, wie macOS. Ist aber natürlich ein subjektives Empfinden, das sich mit der Zeit auch ändern kann. Bei Apple sollte man so eine Entwicklung (jetzt nicht auf mich bezogen, sondern ganz allgemein natürlich) aber nicht ignorieren, denn auch wenn ich den radikalen Schnitt bei den Schnittstellen mittel- bis langfristig für die richtige Entscheidung halte, so ein MacBook mit TouchBar erzeugt bei mir nicht mal die Hälfte des Haben-Wollen-Gefühls, das ein elegantes 2-in-1-Gerät wie das Surface Book oder auch das Acer Switch Alpha 12 auslösen. Und von Hololens brauchen wir da gar nicht reden – an der Ecke hat Apple leider überhaupt nichts zu bieten…