HowTo: HDR-Fotos mit dem Samsung Galaxy S6 Edge+

Anfang Januar war ich mit dem Samsung Galaxy S6 Edge+ in Las Vegas unterwegs und ließ mir vom Studio J Inc.-Team ein paar Tipps zum Fotografieren mit dem Smartphone geben. HDR-Fotos und Light Painting standen auf dem Programm.
von Carsten Drees am 26. Januar 2016

Wie jedes Jahr stand auch dieses Mal Anfang Januar die CES in Las Vegas an – das erste wichtige Tech-Event des Jahres, auf welchem auch wir Mobile Geeks regelmäßig vertreten sind. CES, das sind immer sehr spannende und interessante, aber auch sehr stressige Tage, in denen es Pressemitteilungen und neue Produkte noch und nöcher regnet.

Zusammen mit Lars von allaboutsamsung.de war ich auf Einladung von Samsung vor Ort und die Koreaner hatten uns für diesen Zeitraum u.a. mit einem Galaxy S6 edge+ ausgestattet. Wir hatten das Glück, zwischen dem Messe-Stress mal ein wenig durchschnaufen zu können, denn auf dem Programm stand noch ein Treffen mit Eric Jamison und Richard Brian, die zusammen bei Studio J Inc. arbeiten und sich als absolute Foto-Profis auch erstmals mit dem Samsung-Flaggschiff auseinandersetzten.

Das edge+ ist ein Gerät, welches mir schon vorab sehr gut gefiel, mich aber in diesen Tagen in Las Vegas dann komplett überzeugen konnte. So sehr, dass ich das Smartphone nur unter Protest und Tränen wieder zurück an Samsung schicken kann ;)

Es gibt eine ganze Latte an Punkten, die man an diesem Teil hervorheben kann, lest dazu am besten unseren Samsung Galaxy S6 edge+ Test, bei dem das Handset auf satte 8,5 von 10 Punkten kam und somit von unserer Seite aus trotz des hohen Preises eine klare Kaufempfehlung darstellt. In diesem Beitrag möchte ich mich auf die Kamera des Smartphones konzentrieren, die für mich sowieso das Sahnestück des Geräts darstellt.

Samsung Galaxy S6 edge+ Rückseite

Das klingt schon auf dem Papier wirklich klasse, aber erst im Einsatz merkt man dann tatsächlich, was für ein großartiger Shooter da auf der Rückseite sitzt. Nur noch mal zum Rekapitulieren: Die Hauptkamera kommt mit einem 16 Megapixel-Sensor und einer besonders lichtstarken F/1.9-Blende, aktuell das Nonplusultra im Smartphone-Bereich. Klar, dass ihr 4K-Videos aufnehmen könnt mit dieser Cam und als Sahnehäubchen gibt es dann auch noch einen optischen Bildstabilisator (daneben auch noch einen digitalen) und sogar einen Verfolgungs-Autofokus. Letzterer verfolgt ein Objekt, wenn ihr es auf dem Display antippt, so dass ihr bei beweglichen Objekten nicht neu fokussieren müsst.

Wenn ihr unseren Test zum Galaxy S6 edge+ oder dem Galaxy S6 gelesen habt, welches mit einer nahezu identischen Cam ausgestattet ist, kennt ihr all diese Funktionen aber vermutlich schon. Konzentrieren wir uns also auf ein Feature, welches ich bislang noch nicht erwähnt habe – HDR:

HDR-Fotografie mit dem Galaxy S6 edge+

Auch ein HDR-Feature ist 2016 nichts mehr, was Samsung exklusiv beherrscht, dennoch habe ich das Gefühl, dass die Koreaner auch hier die Messlatte für die ganze Branche ein Stückchen höher gelegt hat. Neben der „normalen“ Möglichkeit, im Menü HDR als Funktion auszuwählen, habt ihr auch die Option, HDR Auto zu nutzen. Dieses Feature gibt es übrigens nicht nur bei der Hauptkamera, sondern auch vorne beim Selfie-Shooter!

Kleiner Exkurs – Was ist HDR?

HDR steht für High Dynamic Range und bedeutet, dass ihr hier Ergebnisse mit besonders hoher Dynamik erzielen könnt: Die Bilder sehen lebendiger aus und entsprechen eher dem, was unser menschliches Auge wahrnimmt. Damit das funktioniert, werden mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten geschossen und übereinander gelegt.

Als wir nun wie gesagt auf Rich und Eric trafen in ihrem Studio, befasste ich mich erstmals mit dieser HDR-Funktion und lernte somit, was man wirklich in heutigen Zeiten aus einer Smartphone-Cam herausholen kann. Vielleicht muss ich dazu erklären, dass ich durchaus gerne mal Fotos mit dem Smartphone knipse, dabei allerdings mehr Gelegenheits-Schnappschüsse mache, beispielsweise auf Parties.

Allein aus diesem Blickwinkel hat mich das Gerät überzeugt, denn nie zuvor konnte ich mit so einer Geschwindigkeit und Leichtigkeit Fotos machen: Ihr zaubert es aus der Hosentasche, startet die Kamera-App direkt vom Lockscreen aus – oder noch einfacher – per zweifachem Druck auf den Home-Button. Die App startet nicht nur schnell (0,7 Sekunden), auch das Fokussieren und letzten Endes das Auslösen der Cam funktionieren so schnell, dass ihr nun wirklich kaum noch ein Motiv verpassen dürftet.

Mit HDR setzte ich mich nun aber zum ersten Mal auseinander im Gegensatz zu Lars von allaboutsamsung.de, der nun wirklich schon so eine Art Kamera-Pro ist. Wir bekamen professionelle Stative verpasst nebst Einweisung und dann machten wir uns auf den Weg nach draußen – in geheimer HDR-Mission:

Wir auf dem Weg zum HDR-Shooting
Voluminöser Tech-Blogger lässt sich von Eric (Studio J Inc.) mit Profi-Tipps versorgen ;)

Schnell-drauflos-Knipser wie ich können auch mit den Auto-Einstellungen großartige Bilder machen mit dem Galaxy S6 edge+, in diesem Fall aber nutzen wir zunächst einmal besagten HDR-Modus, den ihr über die linke Menü-Reihe aufruft. Unten rechts wird in die Modus-Einstellungen gewechselt, die ihr auf dem zweiten Bild in der Galerie seht und wo ihr den Pro-Modus auswählen könnt. Mit dem seid ihr dann in der Lage, manuell Einstellungen zum Beispiel an ISO-Werten und der Belichtungszeit vorzunehmen.

Unser Ziel war eine Brücke in der Nähe des Studios. Die Idee war es, ein Foto zu schießen, bei dem wir die Wolken im Blick haben, möglichst mit Akzenten durch die Sonne und dazu die Pfeiler des Brückenaufbaus im Vordergrund. So präsentierte sich das dann auf dem Bild im HDR Auto-Modus auf der linken Seite, rechts im regulären HDR on-Modus:

Eric und Rich haben sich eigens zu unserem Termin auf das Samsung-Device vorbereitet und konnten uns daher auch den Pro-Modus vorführen. Eric erklärte mir übrigens ziemlich erstaunt und begeistert gleichermaßen, dass ihm anfangs angesichts der Möglichkeiten die Kinnlade runterkippte – so eine Vielfalt an Einstellungen bietet sein iPhone nicht, ließ er mich wissen.

Normalerweise vertraut ihr ja bei HDR-Bilder nicht darauf, dass euch die Cam das aus mehreren Bildern selbst zusammenschraubt, sondern legt nachträglich mit entsprechender Software – beispielsweise Photoshop (Datei – Automatisieren – HDR) – Hand an. Wenn ihr so vorgehen möchtet, dann müsst ihr im Pro-Modus manuell die Belichtungszeit verändern. Fangt mit einem überbelichteten Bild an und verändert dann nach und nach die Belichtungszeiten, so dass immer weniger Licht eingefangen kann und dementsprechend die Ergebnisse immer dunkler werden, bis ihr zuletzt ein unterbelichtetes Bild erhaltet.

Ich hab das jetzt mal schnell in Photoshop zusammengeschoben und nicht weiter bearbeitet. Fotografen werden da die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil normalerweise in die Nachbearbeitung genau so viel Sorgfalt gesteckt werden sollte wie in das Fotografieren an sich. Hab ich hier nun wie gesagt nicht getan und das Resultat seht ihr hier auch nur als .jpg-Datei, weil ich euch hier alles andere nicht zumuten wollte – ihr müsst nämlich bedenken, dass durch HDR wahre Foto-Monster entstehen, was die Datei-Größe angeht.

Samsung_HDR

Hier noch ein paar grundlegende Dinge, die ihr berücksichtigen solltet, wenn ihr euch mit eurem Smartphone (bzw. eurer Kamera) anschickt, vernünftige HDR-Fotos zu machen.

  • Verwendet in jedem Fall ein Stativ, damit die Kamera auch wirklich identische Bilder machen kann
  • Achtet zudem auf einen festen Untergrund – auf einer Wiese wird es selbst mit einem Stativ schwierig
  • Verzichtet auf Bilder mit beweglichen Objekten
  • Nutzt den Selbstauslöser (könnt ihr auch in der Menüleiste links einstellen), andernfalls riskiert ihr, dass ihr beim Auslösen das Bild verwackelt
  • Wenn ihr nicht auf den Automodus vertraut, solltet ihr wenigstens drei Fotos schießen, um in der Nachbearbeitung ordentliche Resultate zu erzielen, optimal sind fünf Einzelbilder
  • nicht speziell HDR-spezifisch, aber dennoch von Nutzen: Lasst euch die Gitterlinien anzeigen – euer Display wird dadurch in neun Rechtecke aufgeteilt, die euch vermeiden helfen, dass das fotografierte Objekt direkt in der Mitte des Bildes zu finden ist.
  • Experimentiert im Pro-Modus mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Werten, bis ihr das beste Ergebnis erhaltet

Galaxy S6 edge Plus HDR Titel

Alles in allem war das eine sehr lehrreiche Geschichte – ich glaube, ich hab in dieser Stunde auf der Brücke mehr übers Fotografieren mit Smartphones gelernt als in meinem ganzen Leben zuvor – wie das eben so ist, wenn man mal von Experten an die Hand genommen wird. Danach ging es übrigens zurück ins Studio, denn dort erwartete uns das neue Samsung Galaxy TabPro S, auf dem wir dann die Fotos nachbearbeiteten.

received_10153799380380629
Von links nach rechts: Lars, ich und Eric

Lichtmalerei in Las Vegas mit dem Galaxy S6 edge+

Nach dieser Lehrstunde bzw. den Lehrstunden ging es von diesem echt schönen Ort außerhalb von Las Vegas zurück in die Stadt. Wenn man noch nicht dort war, macht man sich übrigens gar kein Bild davon, wie klein Las Vegas eigentlich ist. In einer halben Stunde Fahrt landet ihr bestenfalls in den kleinen Vororten, ansonsten bereits in der Wüste. Jetzt fuhren wir also zu einer anderen Location in Vegas und die beiden Foto-Profis haben sich dazu einen Ort ausgesucht, auf den ich so sicher nicht gekommen wäre – ein Parkhaus Nahe des MGM-Hotels. Wieso es uns dorthin verschlug, erkannte man dann spätestens, als wir mit Erics Tesla oben auf der höchsten Ebene des Parkhauses angekommen waren:

Skyline von Las Vegas
Öde Parkhaus-Mauer – die Aussicht dahinter war aber absolut beeindruckend

Wir hatten unsere Stative und Smartphones natürlich mit im Gepäck, und während es in Vegas dunkler (und auch wirklich frischer) wurde, versuchten wir uns zum Abschluss des Tages an Lichtmalerei. Eric und Rich waren auch hier bestens vorbereitet, denn sie hatten eine lange Holzlatte dabei, auf der eine lange Reihe LEDs verbaut war. Diese LEDs konnten programmiert werden, so dass bestimmte Wörter oder auch Grafiken dargestellt werden konnten.

Dazu musste Rich mit diesem Holzstab einmal vor unseren Kameras entlang laufen, gleichzeitig haben wir mit sehr langen Belichtungszeiten von bis zu 10 Sekunden fotografiert. Dabei herausgekommen sind dann verschiedene Schriftzüge und Muster:

Tolle Effekte ließen sich zudem auch mit kürzeren LED-Leisten erzielen, die von uns an kurzen Schnüren gehalten wurden und mit denen wir wie mit Nunchakus herumwirbelten:

Was nehme ich mit nach diesem gelungenen Tag? Zunächst mal hab ich echt eine Menge übers Knipsen mit meinem ständigen mobilen Begleiter gelernt, in diesem Fall eben das Galaxy S6 edge+. Außerdem kann ich jetzt wohl deutlich realistischer einschätzen, wie stark eine Smartphone-Cam heute bereits sein kann und dass sich sowohl die Smartphone-Konkurrenz als auch die Hersteller von kompakten Cams schon ziemlich strecken müssen, um hier was entgegenzusetzen.

Darüber hinaus haben wir mit Eric und Rich (Danke an alle beide!) ganz großartige Lehrer gehabt, die uns abschließend in ihrem beeindruckenden Studio schließlich sogar noch mit homebrewn Beer versorgten, für Lars sprang zudem auch noch eine Fahrt in Erics Tesla heraus. Dankeschön natürlich auch an Lars, der in der CES-Woche ein sehr angenehmer Begleiter und Mitstreiter war (wenngleich wir natürlich Caschy schmerzlich vermissten) und natürlich ein fettes Danke an Samsung fürs Einladen nach Las Vegas, für die Leihgaben und das Vorführen des Galaxy TabPro S und vor allem für die großartigen Menschen Maria Mahler, Andrea Ficht und Sang Won, die sich toll um uns gekümmert haben und dafür sorgten, dass man sich in so mancher Minute mehr wie auf einer Klassenfahrt fühlte als bei der Arbeit.

Lasst uns doch in den Kommentaren wissen, welche Rolle die Fotografie für euch auf den Smartphones spielt und ob ihr die mittlerweile sehr beachtlichen Fähigkeiten ausnutzt, oder dann doch lieber ergänzend auf eine „richtige“ Kamera setzt.