HTC wird 18 – Die Geschichte der Smartphone Pioniere aus Taiwan

Bereits Ende der 90er Jahre stellte HTC erste Smartphone Designs vor. Inzwischen feiern die Taiwaner ihren 18. Geburtstag. Grund genug um die Meilensteine HTCs Revue passieren zu lassen.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, HTC! Junge 18 Jahre bist du geworden und damit volljährig. Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, wie du mit noch unsicheren Babyschritten den Smartphone-Markt erforschtest. Als dir deine erste Liebe Microsoft das Herz brach und wie du als Teenager deine wilden, farbenfrohen Jahre ausgelebt hast. Jetzt stehst du da, erwachsen, und den Blick entschlossen in die Zukunft gerichtet. Ich möchte aber diese besondere Gelegenehit nutzen und zurückblicken. Auf 18 Jahre High Tech Computer.

In den jungen Jahren war HTC ein echter Nerd. Das Modell "Startrek" war das erste "Klapphandy" des jungen Unternehmens.
In den jungen Jahren war HTC ein echter Nerd. Das Modell „Startrek“ war das erste „Klapphandy“ des jungen Unternehmens.

An der Brust vieler Mütter

Als HTC am 15. Mai 1997 offiziell als Unternehmen in das taiwanische Handelsregister aufgenommen wurde, hatten wohl selbst die drei Gründer Cher Wang, Peter Chou und H.T.Cho nicht ahnen können, wie sehr sie die Art und Weise, wie Menschen zukünftig miteinander kommunizieren werden, beeinflussen würden. Wie Menschen zukünftig Informationen konsumieren und teilen würden.

Statt den eigenen Brand auszubauen und als eigenständige Marke auf dem Internationalen Markt sichtbar zu sein, entschied HTC subtil vorzugehen und schloss Partnerschafften mit nahmhaften OEMs wie HP, Dell oder Siemens ab. Bevor es Smartphones gab, dominierten sog. Personal Digital Assistants (PDAs) den Markt. Sie informierten vielbeschäftige Business-Leute über ihre Termine, E-Mails und Kontakte. Viele der Top-Modelle entstanden unter der Federführung von HTC aber unter einem anderen Brand.

Partnerschaften – das war für das noch junge Unternehmen ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Stein auf dem langen Weg an die Spitze der Smartphone-Hersteller. Eine langjähriger Wegbegleiter war Microsoft. Das Unternehmen erkannte schon früh das Potential leistungsfähiger und zugleich höchst kompakter Mini-Computer im Taschenformat. Mit dem Betriebssystem “Windows Mobile” hatte man dann 2003 auch einen starken Konkurrenten zu dem damals sehr dominanten PalmOS geschaffen. Windows CE und PocketPC 2000 hatten einige Jahre zuvor erkennen lassen, wohin die Reise für Microsoft gehen soll. Business, Apps und Produktivität standen auf der Prioritätenliste ganz weit oben.

Ab April 2003, mit der Einführung des HTC Quanta, war das Unternehmen dann praktisch überall. In nahezu jeder Filiale der damals noch vier Netzbetreiber gab es HTC Geräte. Geführt wurden sie aber unter anderen Bezeichnungen: XDA bei O2, VPA bei Vodaphone, MDA bei der Telekom und PDA bei E-Plus. Die Preise bewegten sich dabei zwischen 699 und 999 Euro je nach Modell. HTC hatte die erste große Hürde genommen.

Jede Nische ist eine Zielgruppe

Die Produktpalette von HTC war zu dem damaligen Zeitpunkt groß und bunt. Nicht unbedingt von der Farbwahl, sondern im Sinne einer vielfältigen Modellauswahl für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete und Zielgruppen. Es gab Smartphones für Vielschreiber, Smartphones für Dauerreisende und solche für Minimalisten. Jede noch so scheinbar kleine Zielgruppe war für HTC ein lukrativer Markt – eine Möglichkeit sich in der Community zu etablieren und den Vorsprung zu den Mitbewerbern auszubauen. Zu dem Zeitpunkt begann Palm zu straucheln und überlies das Feld fast komplett Smartphones und PDAs mit Windows Mobile.

Ein ganzes digitale Ökosystem bildete sich um das mobile Betriebsystem. Entwickler brachten komplexe Software für den Markt – hier würde der Begriff “App” dem Funktionsumfang in keinster Weise gerecht werden – erste AppStores etablierten sich und in Communities und Foren tauschten Gleichgesinnte das eigene Wissen mit anderen aus. Wie sehr HTC die Community geprägt hat, zeigt eines der größten “altmodischen” Wissenssammlungen im Mobile-OS-Segment: XDA Developers.

Mit dieser soliden Basis im Rücken passte das Unternehmen seinen Kurs an. Zukünftig sollte der Brand “HTC” im aller Munde sein. Langsam kamen immer weniger angepasste OEM-Smartphones auf den Markt. Anfangs noch mit einem Smartphone als Logo, später nur noch als Namensmarke wurde HTC immer präsenter und zur ersten Wahl, wenn es um Computer im Taschenformat mit einem ansehnlichen Design ging.

Mit Mut zur Schramme

Meine Faszination an HTC wurde stark durch die mutigen Entscheidungen der Unternehmensführung geprägt. Nur noch selten sieht man heutzutage eine derart hohe Anzahl an innovativen Konzepten, die auf engstem Raum Verwendung finden. Viele der Entscheidungen waren zwar mutig, zugleich jedoch auch – aus rein wirtschaftlicher Sicht – gewissermaßen dumm. Nicht selten wurden unausgereifte Technologien implementiert, nur um sie in der nächsten Generation wieder fallen zu lassen.

Das HTC Evo 3D war neben dem LG Optimus 3D eines der wenigen Smartphones mit 3D-Fähigem Bildschirm. Mit der 3D-Kamera konnten entsprechende Bilder und Videos erstellt werden.
Das HTC Evo 3D war neben dem LG Optimus 3D eines der wenigen Smartphones mit 3D-Fähigem Bildschirm. Mit der 3D-Kamera konnten entsprechende Bilder und Videos erstellt werden.

Noch heute wird mir ein wenig flau im Magen, wenn ich mich an die Zoom-Leiste unter dem Bildschirm beim HTC’s Touch Diamond2  erinnere – kann die Entscheidung dennoch nachvollziehen. Sie war wohl die günstigste und eleganteste, wenn auch nicht die praktikabelste Alternative zu einem kapazitiven Bildschirm.

Andere Technologien hatten viel Potential, finden heute in modernen Smartphones Verwendung, wurden von HTC zum damaligen Zeitpunkt aber nicht mehr weiterverfolgt. HTC VueFlow ist eine solche Technologie, die auf den Beschleunigungssensor setzte und das Scrollen von Webseiten, Dokumenten und sonstiger digitaler Inhalte durch das neigen des Smartphones erlaubte.

Selten lief HTC den Trends hinterher, man lebte sie aus. Das vielleicht skurrilste Produkt war das HTC Shift. Ein UMPC mit gleich zwei Betriebssystemen. Ein UMPC, das war ein Tablet mit integrierter Tastatur, Touchscreen und vollwertigem Windows Betriebssystem. Das HTC Shift war teuer und hatte sich nicht sonderlich gut verkauft. Es war aber ein bis ins kleinste Detail durchdachte Produkt, mit nur einigen wenigen Kritikpunkten. Das Taiwanische Unternehmen bewies erneut hohen Pioniergeist.

Ziemlich unterschätzt

In den Jahren 2006 und 2007 drehte sich Microsoft, zumindest was das mobile Betriebssystem anging, im Kreis. Wegen dem starken Fokus auf den Business- und Enterprise-Markt hatte das in Redmond ansässige Microsoft Research den Consumer-Markt außer Acht gelassen. Das iPhone stand in den Startlöchern und alles was der damalige CEO Steve Ballmer tat, war über den Mitbewerber zu lachen.

Und auch HTC hatte Ansehen in der Community eingebüßt. Durch die starke Bindung zu den Netzbetreibern setzte das Unternehmen verstärkt auf Sicherheitsmaßnahmen, die beispielsweise das Entfernen des SIM-Locks verhindern sollten. Die unabhängigen Entwickler und Hacker auf XDA Developers fanden aber immer wieder einen Weg, die Sperre zu überwinden. Dieses Verhalten sowie die Haltung von HTC der Community gegenüber hatte jedoch nachhaltig gelitten.

Der rasante Aufstieg des iPhones fraß Microsofts Marktanteile und das ohne große Gegenwehr. Dennoch war Microsoft noch sehr gut auf dem Business-Markt vertreten und auch HTC entwickelte weiterhin fleißig an neuen Smartphone-Modellen. Doch zwischen 2009 und 2010 war dann Schluss. Microsoft beerdigte in einer peinliche Marketing-Aktion das iPhone, schaffte zugleich jedoch Windows Mobile ab. Windows Phone 7 sollte es richten. Wie gut bzw. wie schlecht das geklappt hat, wissen wir ja: Ein globaler Marktanteil von 4,2% sagt eigentlich schon alles.

Das angespannte Verhältnis zwischen HTC und Microsoft erreichte 2008 einen Höhepunkt, als HTC auf das richtige Pferd setzte und gemeinsam mit Google das HTC Dream aka Google G1 mit Android OS auf den Markt brachte.

Eine Ära geht zu Ende

Ende 2009 veröffentlichte HTC ihr vorletztes Windows Mobile Smartphone und es war ein voller Erfolg. Das HTC HD2 war leistungsstark, vielfältig und qualitativ sehr hochwertig verarbeitet. Ein neuer Benchmark für die Branche und ein weiterer Meilenstein für HTC. Die Community feierte das Gerät. Ihr gelang es neben Android auch Windows Phone 7 auf das Smartphone zu portieren. Ubuntu und MeeGo folgten einige Monate später. Noch heute wird das HTC HD2 aktiv von Hobbyentwicklern unterstützt.

Trotz des Erfolges hatte sich HTC und Microsoft auseinander gelebt. Die Partnerschafft mit Google brachte mehr Sichtbarkeit für die Marke und auch mehr Absatz ein – Android begeisterte Massen.

Doch sich ganz von Microsoft abzuwenden konnte oder wollte HTC nicht. In einer “we too”-Aktion brachte das Unternehmen gleich fünf Geräte mit Windows Phone 7 auf den Markt. Im Nachhinein wird HTC sagen, dass die Geräte nicht sonderlich erfolgreich waren.

Mit dem HTC Desire und dem fast baugleichen Google Nexus One hatte HTC da schon wesentlich mehr Erfolg. Die Medien lobten die hochwertige Verarbeitung der Smartphones und die vielseitigen Funktionen des Betriebssystems. HTC war auf bestem Wege, sich einen Namen als Premium-Hersteller zu machen, dessen Produkte zwar teurer jedoch aus hochwertigem Aluminium gefertigt wurden.

Das Google Nexus One
Das Google Nexus One

Während sich Microsoft verzweifelt bemühte, mit Windows Phone “Mango” und später auch Windows Phone 8 einen nennenwerten Anteil auf dem Smartphone-Markt zu erobern, wuchs Android rasant und überholte den ehemaligen Platzhirsch iOS. Aber Erfolg kann trügerisch sein. Binnen weniger Jahre verlor HTC erneut an Boden, Samsung wurde zu der neuen Nummer 1, zumindest was den Umsatz anging. Eine Zeit lang schien es, als würde der einstige Pionier auf der Strecke bleiben.

HTC lebt auf

Der rasante Wachstum des Smartphonesmarktes der letzten Jahre hatte viele Verlierer. Alteingesessene Hasen kämpfen heute mit dem Überleben oder haben schon längst aufgegeben. Palm, BlackBerry und Nokia gehören dazu. HTC konnte sich, mal mehr mal weniger, standhaft behaupten und wirtschaftet wieder in der Gewinnzone. Mit der One-Reihe wurde eine Marke geschaffen und über Jahre gepflegt, die sich in den Köpfen der Konsumenten eingebrannt hat. Mit neuen Produkten, wie der Re-Kamera oder der VR-Brille “Vive” betritt das Unternehmen neue Märkte. Der Pioniergeist ist wieder entfacht. Zwar ist noch viel Luft nach oben, doch HTC scheint auf einem sehr guten Weg zu sein.

HTC One M9 05

Zum 18 Geburtstag wünsche ich dir, liebes HTC, für die Zukunft alles Gute viel Erfolg.

Disclaimer: Der Artikel wurde von Jakob Ginzburg erstellt, einem HTC Fan der ersten Stunde.