MWC 2018
Huawei-Chef Yu über US-Sabotage, das P20 und hohe Smartphone-Preise

Im Interview hat sich Huawei-CEO Richard Yu darüber beschwert, von den USA sabotiert zu werden. Außerdem sprach er über das P20, faltbare Smartphones, hohe Smartphone-Preise und Laptops.

Beim MWC hat Huawei bekanntlich noch nicht den Vorhang gelüftet, hinter dem sich derzeit noch das P20 befindet. Okay zumindest nicht richtig, denn beworben wird das gute Stück in Barcelona auf dem Messegelände durchaus bereits:

Stattdessen hat man ziemlich feine neue Tablets und das MateBook X Pro gezeigt und lässt darüber hinaus natürlich keine Gelegenheit aus, schon mal die Werbetrommel für das P20 zu rühren, welches am 27. März in Paris vorgestellt wird. CEO Richard Yu hat sich hier in Barcelona gleich mehrfach in Interviews zu Wort gemeldet und u.a. über die Verbesserungen des P20 (innovativere Kamera, noch mehr AI) gequatscht.

Im Interview mit den österreichischen Kollegen von Futurezone hat er sich aber auch zu anderen Themen geäußert und sich dort u.a. über die US-Regierung aufgeregt, die seiner Meinung nach das Unternehmen Huawei sabotiert. Schon zur CES ließ er seinem Unmut auf öffentlicher Bühne freien Lauf, als nämlich kurz vor der Präsentation klar wurde, dass der Deal mit AT&T in letzter Sekunde geplatzt war.

Richard Yu spricht von Sabotage durch die US-Regierung

Huawei würde sein Verhältnis zur chinesischen Regierung nicht offen legen, lautet der Vorwurf und die US-Geheimdienste rieten im Februar sogar davon ab, Huawei-Geräte zu nutzen. Kein Wunder, dass dem Huawei-Chef da der Hut hochgeht, zumal das Unternehmen in unabhängigen Untersuchungen die Vorwürfe widerlegen ließ.

Alle US-Mobilfunker wollen unsere Geräte anbieten. Unsere Konkurrenten nutzen aber die Politik, um uns von diesem Markt fernzuhalten. Wir haben in unabhängigen Untersuchungen alle Datenschutz- und Sicherheits-Prüfungen bestanden und die Vorgaben sogar übertroffen. Wir verkaufen unsere Geräte in mehr als 170 Ländern und nur in einem wird uns gesagt, es gäbe ein Problem. Richard Yu, CEO Huawei

Davon ausgehend, dass fast überall die Smartphones hauptsächlich über die Mobilfunkanbieter verkauft werden, ist seine Wut nachvollziehbar. Der US-Markt liegt für Huawei ziemlich brach, obwohl davon auszugehen ist, dass sich auch die US-Käufer liebend gern auf die Hardware stürzen würde.

Fuß fassen auf dem Notebook-Markt

Aber es gab natürlich nicht nur Grund zum Ärgern für den guten Mann. Schließlich kann Huawei zulegen im Smartphone-Sektor und das in Zeiten, in denen der Markt stagniert. Außerdem hat er einen brandneuen Laptop auf dem Markt und sieht selbstverständlich auch hier noch großes Potenzial für weiteres Wachstum. Dabei möchten die Chinesen im Territorium des Apple MacBook Pro wildern.

Wir wollen in Zukunft 30 Milliarden US-Dollar am PC-Markt umsetzen. Der Anteil unseres PC-Geschäfts am Gesamtumsatz ist noch relativ klein, aber es wächst rasant und das in einem schrumpfenden Markt. Wir mussten außerdem alles selbst aufbauen, wie vor einigen Jahren am Smartphone-Markt. Der Spielraum für Innovation auf dem PC-Markt ist sehr klein, aber er ist noch da. Richard Yu, CEO Huawei

In Summe — Notebooks, Smartphones und Smartwatches — erzielt Huawei in den USA einen Umsatz von etwa 35 Milliarden US-Dollar. Geht es nach Huawei, wird sich das schon in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln, die Chinesen haben einen Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar anvisiert.

Von teuren und faltbaren Smartphones

Huawei wird in erster Linie natürlich immer noch als Smartphone-Unternehmen wahrgenommen und mit dem P20 hat Huawei den nächsten Pfeil nicht nur im Köcher, sondern schon in den Bogen eingespannt: Direkt, nachdem das P20 am 27. März in Paris präsentiert wurde, soll es auch bereits unmittelbar in den Handel kommen. Die Produktion läuft bereits längst auf Hochtouren, bestätigt Yu.

Er will auch nichts davon wissen, dass man dem Samsung Galaxy S9 bewusst aus dem Weg gegangen wäre beim MWC. Der Grund sei vielmehr, dass noch der Feinschliff nötig war beim P20:

Wir brauchen einfach noch etwas Zeit, um alles perfekt zu machen. Diese Kamera ist eine zu große Innovation, um sie überhastet anzukündigen. Richard Yu, CEO Huawei

Weiter erklärt er zum P20, dass man den Kamerasensor einer professionellen Kamera so weit geschrumpft habe, dass diese Kamera nun in einem Smartphone Platz findet. Unter anderem damit verbunden ist allerdings auch ein hoher Preis. Wir erwarten ja verschiedene Modelle des P20 und mit Spitzenausstattung werden die Käufer einen gesalzenen Preis hinlegen müssen.

Das geht für Richard Yu aber auch klar und er verteidigt Unternehmen wie Apple, die für ein iPhone X weit über 1 000 Dollar verlangen. Damit die Leistung der Handsets auch künftig weiter steigen kann, muss sehr viel Geld sowohl in die Entwicklung als auch ins Material investiert werden und das ziehe eben auch steigende Preise nach sich, sagt der Huawei-Boss.

Unser Mate 10 Pro ist sogar teurer als das iPhone X und es verkauft sich sehr gut. Wenn man den Preis auf drei Jahre rechnet, sind es nur rund 30 Euro pro Monat. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was man jeden Tag für Essen und Unterhaltung ausgibt. Wenn wir nicht mehr verlangen würden, wären wir bankrott und könnten nichts Neues mehr anbieten. Wir wachsen weiter, während die anderen schrumpfen. In Zukunft wollen wir mehr als 40 Prozent Marktanteil dort halten. Richard Yu, CEO Huawei

Dieses Wachstum will Huawei erreichen, indem man davon profitiert, dass kleinere Hersteller in den nächsten Jahren auf der Strecke bleiben, Richard Yu rechnet da mit einem Umbruch am Markt. Mit seinem Rechenbeispiel hat er grundsätzlich natürlich recht, aber es stellt sich auch in Zeiten, in denen Nutzer länger an einem Smartphone festhalten, die Frage, ob man ein solches Device dann gleich drei Jahre lang nutzen will. Immerhin steht die technische Entwicklung nicht still, so dass in drei Jahren ein heute innovatives Smartphone dann sehr altbacken wirken könnte.

Apropos Innovation: Auch hier möchte man nicht Samsung das Feld überlassen und arbeitet daher ebenso wie die Konkurrenz aus Südkorea an einem faltbaren Smartphone. Klappt alles, dann wird Huawei im Jahr 2019 ein solches Modell herausbringen können.

Wenn man künftig einen großen Bildschirm braucht, wird man ihn künftig wie Papier auffalten oder wie Stoff tragen können. Alles ist möglich. Richard Yu, CEO Huawei

Ob man dann schneller am Markt ist als Samsung, ob die Käufer ein solches Device annehmen und ob der Nutzen im vernünftigen Verhältnis zu den Kosten steht, wird sich wohl erst im Jahr 2019 klären. Bis dahin werden wir aber noch viel anderes von Huawei hören und sehen — im März in Paris geht es bereits los.

Quelle: Futurezone.at