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Hyperloop One: Russland will ihn zwischen Moskau und St. Petersburg

Hyperloop One heißt die von Elon Musk erdachte Technologie, mit der wir in Zukunft deutlich schneller und sicherer reisen sollen. Wir haben alle Informationen dazu für euch zusammengefasst und halten euch bei den Entwicklungen auf dem Laufenden.
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Update vom 23. Juni 2016

Neues vom Hyperloop One: Wie Wired UK berichtet, hat nach Finnland, England und natürlich den USA auch Moskau eine Vereinbarung mit Hyperloop abgeschlossen, um die Machbarkeit eines Hyperloop-Projektes in Russland zu prüfen.

Im Rahmen des St. Petersburg Economic Forum hat Sergey Sobyanin – Bürgermeister Moskaus mit Vertretern der russischen Summa Group und Hyperloop One gesprochen und auch eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Angedacht ist eine Trasse, die parallel zur Transsibirischen Eisenbahn St. Petersburg und Moskau miteinander verbinden soll.

Mit 12 Millionen Einwohnern ist Moskau eine der größten Metropolen der Welt und dank Hyperloop könnte man dort den Verkehr entlasten und Autos von den Straßen holen. Aber wie gesagt: Fürs Erste sind diese geschlossenen Verträge erst einmal Absichtserklärungen: Längst ist die technische Umsetzung noch nicht gewährleistet und zudem muss der Hyperloop in Russland auch beweisen, dass er mit ganz anderen Temperaturen als etwa in Nevada zurechtkommt.

Quelle: Hyperloop One via Wired UK

Update vom 12. Mai 2016

Es tut sich was in Sachen Hyperloop: Wie Hyperloop Technologies jetzt ankündigte, findet heute in Las Vegas ein erster öffentlicher Test statt. Passend zu diesem Anlass hat sich das verantwortliche Unternehmen, welches auch 80 Millionen Kapital einsammeln konnte, auch von Hyperloop Technologies zu Hyperloop One umbenannt. Damit will man sich vermutlich von Hyperloop Transportation Technologies deutlicher absetzen, angesichts des „One“ im Namen will man wohl aber auch so ein bisschen herausstellen, dass man eventuell den wahren Hyperloop baut.

In der Nähe von Las Vegas hat Hyperloop One eine Teststrecke errichtet, auf der heute die Antriebstechnologie vorgeführt werden soll. Es gibt also noch keine fertige Kapsel, die auf die wilde Testfahrt geschickt wird, sondern ein System aus Antriebstechnik und Motor.

Später im regulären Betrieb sollen die Kapseln zumeist ohne Elektromotor auskommen. Deren Impulse werden dann nur alle 80 Kilometer benötigt. Wenn wir schon bei Zahlen sind: Hyperloop One erwartet, dass beim Test, der um 19 Uhr unserer Zeit stattfindet, das Gefährt in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100 beschleunigt.

Update – 1. Test erfolgreich

 

Neues auch von Hyperloop Transportation Technologies

Schon Anfang der Woche meldete sich das Konkurrenzunternehmen Hyperloop Transportation Technologies ebenfalls zu Wort. Das Unternehmen setzt mit der passiven magnetischen Levitation auf eine Technik, die ebenfalls weitestgehend auf Elektromotoren verzichtet und die in den Lawrence Livermore National Labs jetzt zum ersten Mal praktisch demonstriert werden konnte. Die Kapsel kann demzufolge auch ohne Elektromotor in der Schwebe gehalten werden, was gleichzeitig auch die Sicherheit erhöhen soll.

Schön, dass sich diese beiden Unternehmen gerade so gegenseitig anstacheln, was die Entwicklung angeht – profitieren dürfen wir in Zukunft vermutlich dann alle davon.

Quelle: Engadget und Futurezone

Aktualisierter Artikel vom 11. März 2016

Autos, Eisenbahnen, Flugzeuge und Schiffe: Aus diesen vier Säulen besteht unser Transportwesen, so reisen wir von A nach B. Die Nummer Fünf soll – wenn es nach Tesla-CEO Elon Musk und den Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies und Hyperloop Technologies geht – der Hyperloop werden!

Hyperloop ist ein völlig neuartiges Transport-System, bei dem Fracht und Passagiere in einer Kapsel mit 1.200 km/h auf einem Luft-Teppich durch eine Röhre geschossen werden.

Nachdem wir euch die Idee zum Hyperloop schon vor zwei Jahren vorstellen konnten, steht nun ein handfester Plan für eine erste Teststrecke. Ein guter Anlass also für einen ausführlichen Blick auf das Projekt, die Macher dahinter und die technischen Details.

Elon Musk hatte die Idee

Elon MuskÜber Elon Musk haben wir auf diesem Blog schon sehr viele Worte verloren. Aktuell sorgt er oft als CEO des Auto-Herstellers Tesla für Furore, durch den Verkauf von PayPal wurde er einst zum Milliardär und auch sein Raumfahrt-Unternehmen SpaceX ist derzeit in aller Munde. Musk ist ein sehr umtriebiger Mann, der auch mit all diesen Projekten immer noch nicht ausgelastet scheint und so vor Jahren damit begonnen hat, ein neues Transportsystem zu ersinnen.

Das hat er, wie wir heute wissen, Hyperloop getauft. Schon vor zwei Jahren, als er diese Idee der Öffentlichkeit vorstellte, ließ er jedoch durchblicken, dass er all das, was er sich ausgedacht habe, der Welt zur Verfügung stellt. Als Open Source überlässt er es nun anderen, diese Technologie in die Wirklichkeit umzusetzen.

futuristisch stilisierter Hyperloop Render mit Röhre von schräg vorne

Wie funktioniert Hyperloop?

Im Endeffekt wichtiger als der Kopf hinter der Idee ist natürlich, wie dieser Hyperloop tatsächlich funktionieren soll, bzw. worum es sich dabei überhaupt handelt. Ganz simpel gesagt müsst ihr euch Hyperloop wie die klassische Rohrpost vorstellen – nur größer, schneller und als Transportmittel sowohl für Frachtgut als auch für den Personenverkehr.

In der Praxis soll es so aussehen, dass zwei nebeneinander verlaufende Röhren auf Betonstützen gebaut werden, wobei in den Röhren ein Teilvakuum herrscht. Dadurch können die Kapseln, die jeweils bis zu 28 Personen aufnehmen können, besonders reibungsarm und schnell auf einem Luftpolster durch diese Röhren transportiert werden.

Mittels eines Kompressors wird die wenige in der Röhre verbliebene Luft vorne an der Kapsel angesaugt, ein Teil der Luft erzeugt das Luftpolster, der Rest wird nach hinten geblasen.

Die Kapseln sollen aus Aluminium bestehen, die Röhren selbst hingegen aus Stahl. Personenkapseln werden laut aktueller Planung 1,35 Meter breit und 1,1 Meter hoch sein, die Lastenkapseln bieten etwas mehr Platz.

Hyperloop Render schräg oben

Welche Vorteile bringt der Hyperloop?

Das System – wenn es denn tatsächlich so realisiert werden kann – hat zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Fortbewegungsmitteln. Zunächst mal ist da der Speed: Mit bis zu 1225 Stundenkilometern – knapp oberhalb der Schallgeschwindigkeit – wird man von A nach B transportiert. Ein Hyperloop in Deutschland würde 30 Minuten von Köln nach Berlin brauchen!

Hyperloop Geschwindigkeitsvergleich - 260 MPH schneller als ein Flugzeug

Die Geschwindigkeit ist aber nicht der einzige Vorteil, den der Hyperloop gegenüber Auto, Eisenbahn und Flugzeug hätte. Bei der Vorstellung seines Konzeptes nannte Musk folgende Vorteile:

  • Schneller
  • Sicherer
  • Günstiger
  • Bequemer
  • Wetterunabhängig
  • Nachhaltiger
  • Erdbebensicher
  • Unauffälliger

Die höhere Geschwindigkeit erwähnte ich bereits, aber die neue Technologie soll zudem sicherer sein, auch wenn man zunächst meinen könnte, dass diese Art der Fortbewegung durch den hohen Speed grundsätzlich gefährlicher sein könnte als beispielsweise ein Personenzug.

Auch zu den kalkulierten Kosten haben wir schon was vernehmen können. HTT – eines der beiden Unternehmen, die an dem Projekt arbeiten – erklärte, dass die Infrastruktur für den Hyperloop pro Meile deutlich günstiger herzustellen ist als ein High-Speed-Zug (bis zu 220 Meilen pro Stunde): Während dafür nämlich 82,5 Millionen US-Dollar pro Meile veranschlagt werden, fallen beim Hyperloop „nur“ 20 Millionen Dollar pro Meile an – nicht einmal ein Viertel davon also. Das liegt u.a. daran, dass man oberirdisch arbeitet und die Röhren auf Stützpfeiler stellt, statt sich durch die Erde bohren zu müssen.

Hyperloop Render - Röhre seitlich

Weitere Vorteile: Die Umwelt wird in mehrfacher Hinsicht geschont weil die Technologie zum Einen nachhaltiger und sparsamer ist und zudem die Natur durch die Röhren nicht so verschandelt wird, als würde man beispielsweise einen neuen Highway bauen. Dazu soll das System wetterunabhängig sein und selbst Erdbeben können den Röhren nichts anhaben – in der Theorie.

Wer treibt die Projekte heute voran?

Wie eingangs erwähnt, hält sich Elon Musk persönlich vornehm zurück bei dem Vorantreiben der Technologie. Zwar wird auch bei SpaceX eine Teststrecke realisiert, aktuell sind es aber vornehmlich zwei andere Unternehmen, die sich ausgiebig mit dem Hyperloop beschäftigen. Das ist zum einen Hyperloop Technologies und zum anderen das sehr ähnlich klingende Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies.

Über Hyperloop Technologies berichteten wir bereits in einem Videobeitrag – entsprechende Röhrenabschnitte in der Wüste von Nevada weisen darauf hin, dass hier bald eine erste Strecke errichtet wird.

Aber auch bei Hyperloop Transportation Technologies geht es voran – ein sehr interessantes Unternehmen, welches nicht an einem Firmensitz arbeitet, sondern seine Mitarbeiter weltweit verstreut hat. Die arbeiten noch in anderen Unternehmen wie der NASA, Boeing oder SpaceX und arbeiten quasi nebenher an der Hyperloop-Nummer.

We think of this as more than a company, it’s a movement. Dirk Ahlborn, Chef von HTT

Wo wird der Hyperloop getestet?

HTT wird sein Projekt zunächst auf einer acht Kilometer langen Teststrecke realisieren. Dort fährt der Hyperloop mit etwa 300 Kilometern pro Stunde zwar deutlich langsamer als theoretisch möglich, aber es ist ja auch erst sowas wie ein erster Versuch, auf dem die Technologie mit dem Luftfilm an sich erprobt wird und das geringe Tempo dem Umstand geschuldet ist, dass die Teststrecke eben sehr kurz ist.

Hyperloop Teststrecke

Als Ort hat HTT Quay Valley in Kalifornien auserkoren – eine Modellstadt, die erst noch in Planung ist und einmal 75.000 Einwohner beherbergen soll. Hier sollen all die neusten Erkenntnisse moderner Stadtentwicklung zum Tragen kommen, inklusive Stromversorgung ausschließlich per Solarenergie – der perfekte Ort, um also auch eine neue Transport-Technologie zu testen. Land hat HTT bereits erworben und noch in diesem Jahr wird man mit dem Bau beginnen.

After over two and a half years of research and development our team has reached another important milestone. This will be the world’s first passenger-ready Hyperloop system. Everyone traveling on California’s I-5 in 2016 will be able to see our activities from the freeway. Dirk Ahlborn, HTT CEO

Klappt alles, dann wird man in Quay, welches mittig zwischen San Francisco und Los Angeles liegt, ab 2017 die ersten Kapseln durch die Röhre jagen können.

2018 sollen dann erste Testfahrten mit Personen erfolgen.

Nach dem Test ist diese Strecke dann aber nicht nutzlos, sondern soll Teil eines größeren Netzes werden, welches möglichst irgendwann die komplette USA durchziehen soll. Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter und auch harter, steiniger Weg.

Hyperloop Streckennetzplan

Hyperloop in Europa

Alles schielt also in die USA, was die Realisierung des Hyperloops angeht. Das kann und wird aber natürlich nicht das Ende der Fahnenstange sein. Hochspannend ist diese Technologie zum Beispiel auch für Asien, wo nicht nur Städte in sensationeller Geschwindigkeit aus dem Boden schießen, sondern auch oftmals noch deutliche Mängel bei der Infrastruktur auszumachen sind. Das bedeutet, dass eine neue Technik wie der Hyperloop eher eine Chance eingeräumt bekommt als beispielsweise in Ballungszentren der westlichen Welt, die über ein sehr dichtes Eisenbahn- und Straßennetz verfügen. Aus diesem Grund sind auch der Mittlere Osten und Afrika prädestiniert für den Hyperloop, aber auch in Europa tut sich nun was!

Von Bratislava nach Wien in acht Minuten

Gute Nachrichten gibt es vom Unternehmen HTT, welches mit der slowakischen Republik eine Vereinbarung getroffen hat, wie das slowakische Wirtschaftsministerium bestätigt. Die Tinte unter dem Vertrag zwischen der Regierung der Slowakei und Hyperloop Transportation Technologies dürfte mittlerweile getrocknet sein, was bedeutet, dass dieses Hochgeschwindigkeits-Gefährt auch nach Europa kommen könnte und zwar nicht nur in die Slowakei, sondern wie es die Planung vorsieht, auch nach Ungarn und nach Österreich.

Landkarte Österreich Slowakei und Ungarn

Sicher ist das alles natürlich noch nicht, denn zum einen ist dieser Vertrag von HTT bislang nur mit der Slowakei geschlossen worden, mit den Ungarn und den Österreichern haben noch keine Gespräche stattgefunden, wenngleich auch dort großes Interesse besteht. Auch handelt es sich noch nicht um ein beschlossenes Bauprojekt, sondern erst mal um eine Machbarkeitsstudie, bei der die Regierung in der Slowakei ausloten will, ob man das Projekt mit Unterstützung heimischer Unternehmen und Universitäten stemmen kann.

Slovakia is a technological leader in the automotive, material science, and energy industries, many of the areas that are integral to the Hyperloop system Dirk Ahlborn, HTT CEO

Bratislava steht im Zentrum der Überlegungen, denn aus der slowakischen Hauptstadt soll per Hyperloop Wien angesteuert werden. Ich bin schon öfters mit Freunden von Wien aus nach Bratislava gereist, mit dem Zug ist man da etwa eine Stunde unterwegs. Der Hyperloop würde diese beiden Städte in acht Minuten miteinander verbinden, mit Vollgas würde dieser Rohrpost-Express von Bratislava nach Budapest in Ungarn 10 Minuten brauchen.

Die Planspiele sehen aber natürlich auch innerslowakische Strecken vor: Die 400 Kilometer nach Košice könnten innerhalb von 25 Minuten zurückgelegt werden – weniger als eine halbe Stunde also, um fast das komplette Land von West nach Ost zu durchqueren. Zuzana Nehajova, Direktorin der Innovations-Abteilung im slowakischen Wirtschaftsministerium teilte im Interview der futurezone mit, dass man sich noch ganz andere europäische Strecken vorstellen könne:

Übergeordnetes Ziel ist sicher, die gesamte EU-Region zu verbinden. Persönlich würde mir neben Bratislava – Wien auch Bratislava – London als superschnelle Verbindung gefallen

Das ist jedoch noch Zukunftsmusik, wenngleich die Vorstellung eine hochinteressante ist. In wenigen Jahren könnte die Slowakei – falls das Projekt realisiert werden kann – bereits einen ersten Streckenabschnitt fertigstellen und nachdem nun Österreich Gesprächsbereitschaft verkündet hat, kann die Hyperloop-Trasse Wien-Bratislava meinetwegen kommen.


HTT hat aber auch weitere spannende Ideen für den Hyperloop, die weit über das bloße Transportieren hinausgehen: Ahlborn denkt beispielsweise daran, dass man sich des überholten Fahrkartensystems entledigen muss und kann sich zudem vorstellen, dass man mit Augmented Reality experimentiert. Normale Fenster werdet ihr in diesen Kapseln natürlich sowieso nicht vorfinden, da ihr ja durch eine Röhre geballert werdet.

Also überlegt HTT, ob man AR-Fenster installiert, die euch durch alle möglichen Welten reisen lassen können. Möglich also, dass ihr mit Highspeed an Urwäldern vorbeirauscht, in denen es Dinosaurier zu sehen gibt. Ihr könnt euch denken, dass die Möglichkeiten hier nahezu unbegrenzt wären und den Hyperloop als Transportmittel nochmals interessanter macht. Für HTT wäre es zudem eine Möglichkeit, sein Projekt zu finanzieren, könne man über solche Fenster schließlich auch Werbung laufen lassen.

HTT Hyperloop 05

Ihr merkt schon, das befindet sich alles noch in einem frühen Stadium, selbst wenn zwei Jahre seit Veröffentlichen der Idee vergangen sind, sich seitdem viel getan hat und auch gleich mehrfach an Teststrecken gearbeitet wird. Mir persönlich zeigt es wieder einmal, in was für aufregenden Zeiten wir leben, denn sobald der Hyperloop regulär eingesetzt werden kann, ändern sich unsere Reisegewohnheiten fundamental. Denkt allein daran, dass ihr in Hamburg wohnen könnt und dennoch in weniger als einer Stunde auf der Arbeit in München sein könntet.

HTT Hyperloop 03

Gut, dass Köpfe wie Musk solche Ideen ausbrüten und vorantreiben – ich hoffe indes inständig, dass diese Entwicklung in Deutschland nicht nur von einer Handvoll Nerds beobachtet wird, sondern auch in Industrie und Politik, damit hier nicht wieder der Anschluss verpasst wird, um mal mit einem meiner Meinung nach passenden Wortspiel einen Schlusspunkt zu setzen.

Wir werden den Bau der diversen Teststrecken natürlich aufmerksam verfolgen und euch auch stets aufs Neue ins Bild setzen, sobald es neue Informationen aus Kalifornien bzw. Nevada zum Transportmittel der Zukunft gibt!

Quelle: TechCrunch