IFA 2016 Rant – Registrierungs-Prozedere oder Behoerde 0.2

Stichwort Deutsche Effizienz... was sagt die Messe Berlin, der Veranstalter der Internationalen Funkausstellung, als Unbeteiligte dazu? Ein Erfahrugsbericht aus den unwirklichen Tiefen der Service-Wueste IFA!

Die „Internationale Funkausstellung“ hat eingeladen und zeigte sich fuer mich in den ersten Tagen wieder einmal von einer Urdeutschen Seite. Verzeiht mir einfach mal, dass die folgenden Zeilen meine fatalistische Einstellung zur Organisation dieser Veranstaltung unterstreichen werden. Es aendert sich einfach nicht. Niemals!

Wer schon einmal Messen in Asien oder den USA besucht hat, der kennt das Prozedere zumindest ein wenig. Moechte ich z.B. an der Computex in Taipei teilnehmen, dann kann ich als auslaendischer Fachbesucher einen der Registrierungsterminals aufsuchen, gebe 2 Visitenkarten ab und habe innerhalb von 2 Minuten mein Ticket. Ohne Vorregistrierung, ohne umstaendlich ellenlange Dokumente auszufuellen oder sich gar in einer Verhoersituation wiederzufinden, die an irgendwelche Geheimdienst-Filme erinnert.

Aehnlich schaut das beim Presse-Ticket aus. Hin, Visitenkarten abgegeben, die Mitarbeiter des Veranstalters schauen in ihrer Datenbank nach und schon legt der Drucker los. Einfach, unkompliziert und vor allen Dingen so, wie das sein soll. Effizient halt!

Das sieht man bei der IFA bzw. der Messe-Organisation aber ein wenig anders. Mal davon abgesehen, dass man es immer wieder schafft, an den unmoeglichsten Punkten derart viel Personal zu positionieren, dass sie dort unter sich ein Kleinfeld-Fussballturnier durchfuehren koennten, bekommen sie ansonsten relativ wenig auf die Kette. Schliesslich fehlen die „Turnier-Teilnehmer“ an allen anderen Ecken und Enden. Zum Beispiel wenn es darum geht, sich ein Presseticket abzuholen.

Warum einfach, wenn es kompliziert geht?

Wie jedes Jahr habe ich mich nicht registriert. Warum auch? Ich nehme seit 10 Jahren an der Veranstaltung teil, die haben alle meine Daten in ihrem Rechner, ich hab Visitenkarten dabei und eine Taiwan-ID, die eigentlich immer recht hilfreich ist wenn es darum geht, die persoenliche Wichtigkeit des Events herauszustellen. Seht her, ich fliege um die halbe Welt, nur um hier mitzumachen.

Das war schon immer so IFA-Mitarbeiterin

Also wieder hin in das Presse- und Medien-Zentrum in Halle 6 irgendwas und meine Dokumente praesentiert. „Das geht hier aber nur, wenn sie sich bereits vorher auf unserer Webseite registriert haben. Das war schon immer so“ schoss die rabiat auftretende „Sachbearbeiterin“ mir direkt entgegen. Mein Einwurf, dass die Definition von „immer“ in der letzten Dekade dann doch durchaus ein wenig anders war, kam eher suboptimal gut an. Sie kannte keine Gnade. Presseregistrierungen koennen nun nur noch und exklusiv in der Halle 7 durchgefuehrt werden. Ja gut, dachte ich mir und gab mich den Anweisungen der Autoritaet hin. Die Erfahrungen in der Vergangenheit hatten mich gelehrt, dass jegliche Eskalation in Richtung „bringen sie mir doch mal jemanden, der das entschieden hat“ in einem Fiasko aus ellenlangen Rechtfertigungen endete. Dafuer hatte ich keine Zeit. Es ist IFA. Ich musste arbeiten!

Auf dem Weg raus traf ich dann Kollege Blum von der Computer Bild, der mir direkt verstaendlich machte, dass in Halle 7 eine aehnlich kompetente Person das Heft in die Hand genommen hatte. Diese gab naemlich den Hinweis, dass diese Registrierungen immer im Presse- und Medien-Zentrum vorgenommen werden. Ja ne, is klar. Da standen wir ja auch nicht gerade vor. Um den Kompetenzen-Ping Pong zwischen Halle 7 und 6 zu entfliehen, wurde mir von Christian Blum  nahegelegt, mich doch gleich zum Sued-Ausgang zu bewegen.

Tja, der Sued-Ausgang war inzwischen fuer das jaehrliche Showstoppers-Event umgebaut und ich lief auch direkt dem Veranstalter in die Arme. „Sascha du bist zu frueh, wir legen erst in 90 Minuten los hier“ schoss es mir schon aus 10 Meter Entfernung entgegen. Ich haette zwar schon ein paar erste Haeppchen vom kalten Buffet haben koennen, aber einen Pressepass gab es hier auch nicht.

IFA 2016 Registrierung

Last exit City Cube

Nun, direkt neben dem Sued-Ausgang befindet sich der City Cube und da gab es, oh wunder, auch eine Registrierstelle. Oder sagen wir mal das, was die Veranstalter dafuer halten. Ich glaube bei uns in Taipei nennt man dies einen Verschlag, in der eine(!) ueberforderte Angestellte sich Ausdrucke von Zeitungen vorlegen lies, oder Webseiten ansurfte, um Online-Kollegen zu verifizieren. Alleine! Ohne irgendeine Hilfe und mit einer knackigen Schlange voller wartender Medienmenschen, denen es aehnlich wie mir erging.

Wie lange soll ich denn bitte hier stehen? Also noch einmal zum Haupteingang des City Cubes gelaufen  und siehe da, uns empfingen nicht nur mindestens ein halbes Dutzend freundlicher „Ausweis-Checker“, sondern auch eine breite Reihe an Registrierungsstellen. Ich zaehlte 10 und jetzt ratet mal wieviele davon besetzt waren? Zwei! Wobei… der erste Ansprechpartner gab sich als Teil des Sicherherheits-Teams zu erkennen.

Registrierung uebers Telefon!

Er hatte kein Internet und konnte deshalb nicht auf die Datenbank der IFA-Registrierungen zugreifen!

Aber dann… die Rettung war so nah. Ein ueberaus freundlicher Mitarbeiter der Messe kuemmerte sich nun um uns. Und das moechte ich noch einmal unterstreichen, denn der Mann war ein Engel, der uns beiden gefrusteten Techblogger-Seelen vorfuehrte, dass es auch anders geht. Freundlich, laechelnd und darauf aus, uns zu helfen. Nur, er hatte kein Internet und konnte deshalb nicht auf die Datenbank der IFA-Registrierungen zugreifen! Ganz ehrlich, waere dies die Schwipp-Schwaegerin der ersten Tusnelda aus dem Presse- und Medien-Zentrum gewesen, die Berliner Polizeit haette gleich ne Hundertschaft vom Deeskaltions-Team vorbeischicken muessen. Aber dieser Typ, ruhig und bestimmt, greift zum Telefonhoerer, ruft seine Chefin an (und erklaerte uns dabei jeden Schritt, denn er merkte, dass wir durchaus ein wenig angesaeuert waren) und konnte sich dann von ihr unsere Namen bestaetigen lassen.

Ein Sieg der Gerechtigkeit und das nach leckeren 90 Minuten! Was fuer ein heilsames Ende einer Organisations-Katastrophe, die uebrigens auch Kollegen aus den USA mitmachen durften. Und ich bin mir sicher, dass sie nicht die einzigen waren.

Epilog: Abbau-Chaos

Ich koennte jetzt final noch einmal richtig ausholen und weitere 500 Worte darueber verlieren, wie die Messe unser Streaming-Team der ESL schikanierte. Die beiden Jungs wollten eigentlich nur ihre Tickets haben, um nach 18 Uhr das Gelaende fuer den Abbau befahren zu koennen. Sagen wir mal so, es war noch weitaus komplizierter als unsere Registrierungs-Odyssee und liess das Team so langsam aber sicher an den logistischen Kompetenzen der Organisatoren von deutschen Grossveranstaltungen zweifeln.

Liebe Messe Berlin GmbH, was ihr da in regelmaessigen Abstaenden veranstaltet, das hat fuer mich den Eindruck, dass jedes Dorf-Schuetzenfest besser organisiert ist. Ich schaeme mich nahezu, wenn mich Kollegen aus dem Ausland darauf ansprechen und mich fragen „what about this German efficiency thingy?“… Da bin ich sprachlos, denn ich habe diesen Quatsch nun bereits zum 3. mal in den letzten 10 Jahren mitgemacht.

Regelt dieses Chaos und brieft die Mitarbeiter vor Ort. Nicht nur bezueglich der Organisation der Messe, sondern auch in Richtung Freundlichkeit und Service-Gedanken. Als Coach empfehle ich den wunderbaren Herren, der sich im City Cube (1. September gegen 17 Uhr) mit Einsatz und entwaffnender Freundlichkeit gegen die Ausbreitung eurer Service-Wueste stemmte.

Wir kommen nach Berlin, um ueber euch und eure Kunden zu berichten. Kostenlos! Also behandelt uns nicht so, als wuerden wir euch was wegnehmen wollen.

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