Nespresso Vertuo Kapseln

IFA Kaffee-Roundup: Von XXL-Kaffeekapseln zu Tripple-Bean Behältern

Kaffee ist genau das: eines der beliebtesten Getränke in Deutschland. Schauen wir uns dazu einige – wie ich finde – erhellenden Statistiken an, bevor wir auf einige Techniktrends im Bereich Kaffeekonsum eingehen, die es auf der IFA zu sehen gab.

Der Umsatz mit Kaffee in Europa und Nordamerika

Kaffeeumsatz

Quelle: Statista

In welcher Form trinken wir Kaffee

Hierzu zwei Charts vom Deutschen Kaffeeverband: Röstkaffee/Filterkaffee ist die klare Nummer 1. Dann folgen Ganze Bohnen (mit deutlicher Zunahme) und der Konsum über Pads (8,3%) sowie Kapseln (5,8%).

Kaffekonsum
Kafffekonsum

Eine besonders ausführliche Studie ist der Kaffeereport 2017 von Tchibo / Brand Eins und Statista zusammengestellt. Daraus einige erhellende Daten (Link zum .pdf):

Wie oft trinken wir Kaffee?

Eindeutig: 57,1% mehrmals täglich.

Kaffeekonsum

Gründe, Kaffee zu trinken

Klar, die meisten geben einfach den Geschmack an? Und erst dann den „Red-Bull“-Effekt. Hätte ich so nicht erwartet.

Kaffeekonsum

Welche Geräte verwenden wir?

Aufgrund des Röstkaffee/Filterkaffee-Dominanz liegt natürlich die Filtermaschine (63,1%) ganz weit oben.  Den in der Regel teuren Vollautomat besitzen immerhin 21,3%. Pad- und Kaffeemaschinen kommen gemeinsam auf 57,2%.

Kaffeekonsum

Wie oft verwenden wir die Maschinen?

Eindeutig zu beobachten: Je maschineller umso häufiger die Nutzung! Spitzenreiter ist der Vollautomat. Wer so eine Maschine besitzt, scheint zum Häufignutzer zu mutieren. Trotz hohem Reinigungsaufwand. Das spiegelt auch umgekehrt die seltene Nutzung einer Espressokanne wider. Die von allen Hilfsmitteln den höchsten, manuellen Bediengrad aufweist.

Kaffeekonsum

Die Top 5 Assoziationen mit Kaffeekonsum?

Kämet ihr nie drauf:
Wärme (91,4%)
Liebe (88,5%)
Energie (86,6%)
Freude (84,5%)
Geborgenheit (82,4%)

Zucker und Milch?

Kaffeekonsum

Portionierter Kaffee: das Aluminium-Gespenst

Da besonders Kapseln in der Kritik stehen, anbei eine Konsumdarstellung in Tonnen von 2005 -2016.

Kaffeekonsum

Portionierter Kaffee kommt wie ganz oben bereits aufgezeigt auf einen Marktanteil von ca. 14% kommen. Kapselkaffee auf 5,8%.

Eine Kapsel enthält ungefähr je nach Sorte 5 Gramm Kaffee. Dementsprechend kommen wir beim Kapselverbrauch auf rund 4,25 Milliarden Kapseln. Und das Alu? Wiegt grob 1 g je Kapsel, macht demnach 4.250 Tonnen an Gesamtaluminium. Setzen wir das in einen Kontext:

Die deutsche Aluindustrie sagt zu ihrem GeschäftIm deutschen Aluminiummarkt ist der Verkehrssektor das dominierende Marktsegment. Mit einem Marktanteil von 48 % im Jahr 2015 steht er für rund die Hälfte des Gesamtbedarfs. Die Marktsegmente Bauwesen und Verpackung kamen zusammen auf ein Viertel des Bedarfs, während auf den Maschinenbau und die Elektrotechnik weitere 14 % Marktanteil entfielen. 

Und die Produktionsmenge?

In Deutschland wurden im Jahr 2015 rund 1.161.500 Tonnen Rohaluminium erzeugt. Damit liegt die Produktion 2,8 % über dem Niveau des Vorjahres. Die Herstellung von Rohaluminium teilte sich in diesem Zeitraum auf 541.400 Tonnen Hüttenaluminium und 620.100 Tonnen Recyclingaluminium bzw. Umschmelzaluminium auf.

Und wie viel wird dann für Folien (also auch Kapseln) verwendet?

Die Aluminiumweiterverarbeitung erstreckt sich auf die Herstellung von Aluminiumfolien (2015: 274.000 Tonnen), die Fertigung von Tuben, Dosen und Aerosoldosen (2015: 44.000 Tonnen) sowie auf die Herstellung von Aluminiumpulver (2015: 35.600 Tonnen).

Heißt? 0,37% der Gesamtproduktion an Rohaluminium (53% Sekundäralu : 47% Primäralu) für den deutschen Markt gehen in die Kaffeekapseln. 99,63% werden für andere Zwecke gebraucht. Irgendwie ist es aber auch doof, sich Projektionsflächen wie Aluminiumverkabelung herauszupicken oder Walzfabrikate, für die sich kein Normalsterblicher interessiert.

Die Maschinenwelt der Kaffeemacher

Nachdem wir nun ausführlichst Kaffeetrinkgewohnheiten kennen, gar erfahren haben, dass Liebe mit Kaffee assoziiert wird und wie heftig dieser Kapseltod ist, kommen wir zum Abschluss zu den Kaffeemaschinen. Von denen wir wissen, dass rund 1/5 aller Deutschen eine Maschine besitzen und diese mit Abstand am häufigsten vor allen anderen Hilfsmitteln genutzt wird. Immerhin können diese LowTech HighTech-Maschinen von wenigen hundert Euro bis 3.000 Euro kosten.

Und was gibt es an HighTech dieses Jahr auf der IFA zu sehen? Im Grunde genommen hat sich nicht besonders viel seit der letzten IFA 2017 getan. Die modernsten Maschinen besitzen mittlerweile allesamt ein Touch-Interface (OLED). Eine Anbindung an eine Kaffee-App des jeweiligen Herstellers. Bis zu drei Kaffeebohnenbehälter. Und zig Variationsmöglichkeiten, seinen Kaffee zuzubereiten. Manch eine kann auch Tee zubereiten. Oder als Kombimaschine genutzt werden, um statt eine Tasse eine ganze Kanne zuzubereiten.

Was sie alle nicht können? Sie besitzen interessanterweise noch keine Form von AI, die wie auch immer maschinell die Gewohnheiten des Users kennenlernen würde. Gar nach dem Aufstehen via Smartwatch erkennt, dass es Zeit für exakt die Sorte xyz ist, weil der User die Nacht über mies geschlafen hatte. Was ich auch nicht entdecken konnte, ob es bereits Maschinen mit Sprachsteuerung via Alexa oder Google gibt. Und ebenso wenig konnten sich die Hersteller wie seit jeher nicht dazu durchringen, einen gemeinsamen „Smart Home“-Standard zu deklarieren, so dass verschiedene Hausgeräte untereinander über eine beliebige App kommunizieren könnten.

Insofern, es gab dieses Jahr keine Quantensprünge. Lediglich kleine Iterationen. Hierzu einige Beispiel, um das konkreter zu machen. Die vier Maschinen dienen stellvertretend für die Funktionsarmada der modernsten Maschinen. Die Texte sind übrigens nicht von mir, sondern von den Herstellern:

Siemens EQ9.Plus

Siemens EQ.9 Plus

Die vollautomatische Dampfreinigung autoMilk Clean nimmt Ihnen die tägliche Pflege des Milchsystems vollständig ab. Mit baristaMode, der Feinaromaeinstellung und dem dualBean System, zwei getrennte Bohnenbehälter und Mahlwerke, erleben Sie unverfälschten, individuellen Geschmack.

So lassen sich in der Coffee Playlist mehrere Getränkewünsche mit individuellen Geschmackspräferenzen wie die Kaffeestärke, Temperatur und Kaffeemenge pro Tasse präzise definieren und direkt an das Gerät senden.

Egal ob Kaffeestärke, das Kaffee-Milch-Verhältnis, Intensität, Größe oder die Brühtemperatur – mit dem baristaMode können Kaffeefreunde ganz individuell ihre Präferenzen bestimmen.

Miele CM 7750 CoffeeSelect

Miele CM 7750 CoffeeSelect
Kaffeebohnen-Tetris

Erstmals lassen sich drei unterschiedliche Bohnensorten per Fingertipp auswählen.

Sensorgesteuerter Anpassung des Auslaufs ans Trinkgefäß.

16 Kaffeespezialitäten stehen zur Wahl, von Kaffee Crema, Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato bis hin zu vor allem in anderen Ländern gängigen Varianten wie einem „Long Black“ oder „Flat White“.

Hinzu kommt Heißwasser in mehreren Temperaturstufen für die Zubereitung von Tee.

Kaffeekannen-Funktion für bis zu acht Tassen.

De’Longhi Maestosa

De’Longhi Maestosa
Adaptive Grinding Technologie

Mehr als 20 verschieden warme und kalten Kaffeespezialitäten.

Zwei voneinander unabhängige, elektronisch steuerbare Mahlwerke mit innovativer Adaptive Grinding Technologie, die für einen hochpräzisen Mahlvorgang mit automatischer Mahlgradanpassung sorgen.

Nespresso Vertuo mit XXL-Kapseln

Nespresso VertuoLine Evoluo Red

Einfach Kapsel einlegen und die Klappe schließen – nach dem Starten des Brühvorgangs scannt die Maschine den Barcode auf der Kapsel und bringt diese auf eine Drehzahl von bis zu 7.000 Umdrehungen pro Minute. Dabei durchdringt Wasser den gemahlenen Kaffee, sodass ein hervorragender Kaffee mit perfekter Crema für größere Tassen entsteht. Die vielseitige Maschine brüht den optimalen Kaffee für fünf Tassengrößen – mit nur einem Knopfdruck.

Alto-Tasse mit 414 ml
Mug mit 230 ml
Gran Lungo im Americano-Stil mit 150 ml
Double Espresso mit 80 ml
Espresso mit 40 ml

Dafür stehen drei unterschiedliche Kapselgrößen zur Verfügung: große Kapseln für Alto und Mug, mittelgroße Kapseln für den Gran Lungo und Double Espresso und kleine Kapseln für den Espresso.

So sehen die Aluminium-Monsterchen aus:

Nespresso Vertuo Kapseln

Was kommt nächstes Jahr?

Auf jeden Fall immer noch kein Smart Home Standard. Was eine Art running gag ist. Zu erwarten ist eher eine Anbindung bzw. Steuerung mittels Alexa. Falls ich das nicht übersehen habe und es ist schon Standard. Ob Künstliche Intelligenz einzieht? Ich glaube es nicht so recht. Eher programmierbare Events über IFTTT, die über signalgebende Geräte (Smartwatch / smart light) getriggert werden. Das sollte eigentlich kein großes Kunststück sein. Mehr als eine serviceorientierte Freigabe der API ist dazu nicht notwendig. Was ich etwas vermisse? Explizite Hinweise der renommierten Hersteller aus der obigen Riege, wie sie Security by Design gewährleisten wollen, um Angriffe und Missbrauch Dritter vorzubeugen. Das ist vielleicht noch lustig für eine olle LED Lampe, aber nicht mehr für Heizgeräte wie die Kaffeemaschinen.

So, genug. Ich hoffe, ihr habt wenigstens ein bisschen was aus der Statistikwelt der Kaffeetrinker mitgenommen. Liebe !