In Gedenken an Robert Basic: Gute Reise, lieber Rob

Letzte Nacht verstarb nach einem Herzleiden unser Kollege, Freund und Vorbild Robert Basic.

Leben ist wie Schnee, Du kannst ihn nicht bewahren. Trost ist, dass Du da warst, Stunden, Monate, Jahre. Herman van Veen

Robert Basic ist tot! Er hat sich von seinem Infarkt nicht wieder erholen können und letzte Nacht hörte sein Herz dann auf zu schlagen. Für diesen Satz habe ich jetzt ungefähr eine Stunde gebraucht, weil ich einfach nicht weiß, wie man sowas tut. Wie erzählt man auf einem Blog, dass ein so außergewöhnlicher Mann für immer von uns gegangen ist? Deswegen sitze ich hier, ringe mit mir, mit Gefühlen und eben auch Worten, weil ich nicht weiß, was man sagen soll.

Ihr seht mir daher hoffentlich diesen harten, sachlichen Einstieg nach am Anfang eines Textes, von dem ich so gehofft habe, dass ich ihn niemals schreiben müsste. Schreiben! Vermutlich der perfekte Aufhänger, wenn man ein paar Sätze über den Blogger Robert Basic sagen möchte. Denn Schreiben konnte er unnachahmlich und sein Schreiben hat mich nicht nur viele Jahre begleitet, sondern auch geprägt.

Ich weiß nicht, ob er es mögen würde, wenn man ihn wieder einmal als Blog-Dinosaurier oder -Urgestein bezeichnet. Ach doch, vermutlich schon — weil er wüsste, wie es gemeint ist und er würde es augenzwinkernd und verschmitzt grinsend kommentieren. Genau das war er nun mal auch, weil er das Bloggen in Deutschland quasi im Alleingang auf ein anderes Level gehievt hat.

Er hat vielleicht auch genau auf diese besondere Art damals geholfen, mein eigenes Leben zu retten. Es war der Tod meiner Mutter, der mich damals in die Depression und die selbst gewählte Isolation stürzte. Ich konnte es einfach nicht ertragen, dass das Leben für meine Freunde allesamt normal weiter lief, also traf ich keine Menschen mehr, telefonierte mit niemandem, las online nichts mehr von ihnen.

Um diese auf einmal unendlich langen Tage überstehen zu können, gewöhnte ich mir an, online zu Themen zu lesen, die mich interessierten. Ich entdeckte Blogs, die über Technik schrieben, über das Internet im Allgemeinen und über Social Media im Speziellen. Alles Themenfelder, die Robert ausführlichst beackert hat. Es gab eine Handvoll Menschen, denen ich online folgte, deren Texte ich las und die mich Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben holten.

An der Spitze dieser Menschen stand für mich noch vor Caschy vor allem Robert — beides Personen, die das wirklich seltene Talent haben, Dich so zu informieren, dass es was mit Dir macht. Weil Du weißt, dass sie für ihre Arbeit brennen, dass sie das Herz am rechten Fleck haben und dann auch noch die Begabung mitbringen, das packend und unnachahmlich in Worte zu gießen.

Genau diese lockere Schreibe eines Robert Basic ließ mich dann auch glauben, dass ich das vielleicht auch mal probieren sollte: Über Dinge schreiben, die mich interessieren und das ganze dann eben auch ein wenig anders zu schreiben, als man das aus so vielen drögen Tech-Medien kannte. Wenn ich jetzt also hier sitze, über Robert nachdenke und ihn beweine, dann bin ich mir dessen bewusst, dass ich nur deswegen an diesen Zeilen sitze, weil ich damals durch ihn zum Bloggen gekommen bin und er großen Anteil daran hat, dass ich wieder zurück ins Leben gefunden habe.

Robert Basic (Foto: Sandra Schink)

Was schreibt man denn jetzt über Rob an so einem schlimmen Tag? Über seine kroatischen Wurzeln, seinen Werdegang bei der Deutschen Bank und seinen gewagten Schritt, diesen sicheren Hafen zu verlassen und mit Basic Thinking der Inbegriff des deutschen Tech-Bloggings zu werden? Das könnt ihr alles auch an anderer Stelle lesen und das allein würde dem Menschen Robert Basic auch nicht gerecht.

Ihr müsst eigentlich über ihn lediglich wissen, dass in ihm ein unauslöschliches Feuer brannte, eine nie versiegende Neugier. Eine Neugier auf technische Innovation und wie die Welt von morgen aussehen könnte. Aber auch eine Neugier auf Menschen, eine Neugier auf die Geschichten hinter diesen Menschen und die Neugier auf das Leben allgemein. Als bestes Beispiel dienen dafür seine letzten Postings auf Facebook, in denen er über seine Krankheit, über seinen Krankenhausaufenthalt schrieb. Dort erahnt man, wie schlecht es ihm geht, aber dennoch nutzt er auch diese denkbar unschöne Situation, um uns auf seine typische Art daran teilhaben zu lassen.

Ihr wollt noch ein Beispiel für diese so positive Einstellung des Robert Basic? Gerne — vor einigen Tagen schrieb er diese Zeilen anlässlich einer ziemlich stressigen Zugfahrt. 99 von 100 Menschen hauen online in dieser Situation vermutlich die Deutsche Bahn in die Pfanne, Robert nicht — im Gegenteil:

Zugchefin ist echt legendär mit ihrer patenten Art, ein bisserl nordisch platt klingend. Sie hat die 800 Fahrgäste im…

Gepostet von Robert Basic am Donnerstag, 18. Oktober 2018

Er brachte stets das Kunststück fertig, seine Gedanken ganz offen und ungefiltert rauszuhauen und dabei dennoch alle Seiten und Aspekte im Vorfeld abzuklopfen und zu berücksichtigen. Er ließ sich nicht beirren, wenn es eine sehr populäre Meinung zu einem Thema gab. Wenn er nach langem Abwägen der Fakten zu einem anderen Schluss kam, hat er sich immer wieder gern auch mit einer konträren und unpopulären Meinung in den manches mal eisigen Medien-Wind gestellt.

Wenn man sich einen Tech-Blogger basteln könnte, dann würde er genau diese Eigenschaften Roberts mitbringen. Er hat sich so tief in Themen, in Fakten und in Zahlen reinwühlen können und dabei nicht eine Sekunde lang die Leidenschaft, den Spaß und die bereits angesprochene Neugier vermissen lassen.

Dabei ist er auch mit Kritikern stets fair umgegangen. Nicht nur, dass er sich Kritik gestellt hat — er verstand es dabei auch noch, andere Meinungen einfach mal zuzulassen. Das ist in diesen Zeiten tatsächlich ein seltenes Gut, ebenso wie seine wenig geheime Superkraft, sich stets diesen immer freundlichen, fröhlichen und für ihn so typischen Ton zu bewahren.

Noch immer mag ich nicht glauben, dass uns dieser Mensch niemals wieder mit seinen Beiträgen begeistern wird und es zieht mir in diesen Stunden tatsächlich ziemlich den Boden unter den Füßen weg. Über die Jahre kreuzten sich unsere Wege immer wieder, online wie offline, wenngleich ihr mir wünsche, dass ich ihn öfter getroffen hätte als nur diese Handvoll Male.

Auch beruflich gab es diese gemeinsamen Berührungspunkte. Nachdem er Basic Thinking verkaufte (und damit dafür sorgte, dass erstmals in diesem Land ein deutscher Blogger eine derart mediale Aufmerksamkeit erfuhr), schrieb ich tatsächlich eine Weile selbst dort und wie ihr natürlich wisst, waren wir auch auf diesem Blog in den letzten Monaten Kollegen.

Meine Begeisterung, dass er bei Mobile Geeks anheuern würde, hat mich seinerzeit auch unendlich gefreut. Schlicht, weil es auf seinem Gebiet keinen Besseren gibt und weil es menschlich einfach eine Bereicherung ist, ihn im Team zu haben. Für mich persönlich hat sich auf diese Weise ein besonderer Kreis geschlossen und das ist nur einer der Gründe, wieso ich wünschte, dass diese Zusammenarbeit nicht auf so furchtbare Art und Weise beendet würde.

Die geschätzte Cornelia Diedrichs verband die engste denkbare Freundschaft mit Rob und so möchte ich ihn mit einem Satz zitieren, den er an sie gerichtet hat:

Conny, weine nicht eines Tages an meinem Grab. Singe und tanze und feiere mein Leben. Es war geil, ich habe viel erlebt, was gibt es da zu betrauern? Robert Basic

Robert Basic (Foto Mark Kreuzer)

Ich würde seinem Wunsch gerne folgen und singen, tanzen und feiern. Allein, ich kann es nicht — nicht jetzt. Gerade sehe ich ihn förmlich vor mir, wie er mir auf diese fröhliche Art erklärt, dass er dieses traurige Geschwurbel in diesem Text für Quatsch hält und ich doch lieber ein paar lustige Geschichten zum Besten geben sollte.

Seht ihr es mir bitte nach und vor allem: Sieh Du es mir nach, Robert! Ich kann es nicht, weil es mich gerade zerreißt. Mir gehen gerade ehrlich gesagt die Worte aus, weil ich mich sehr, sehr leer fühle und ich wieder einmal mit dem Schicksal hadere, dass es sich immer die Falschen holt und das wieder einmal so viel zu früh. Die fröhlichen Anekdoten werden kommen, wenn wir wieder mit Kollegen zusammenhocken, da bin ich ganz sicher. Aber in diesem Augenblick bringe ich es nicht übers Herz und mir ist eben alles andere als zum Lachen zumute.

Aus diesem Grund ist es jetzt auch höchste Zeit, dass ich Ruhe gebe und auch unser Blog wird für den heutigen Tag verstummen. Mobile Geeks kann heute nicht zum Tagesgeschehen übergehen, habt bitte Verständnis dafür. Ab morgen muss sich die Welt wieder weiter drehen, aber heute gedenken wir diesem ganz besonderen Menschen. Danke für alles, Robert und gute Reise — wohin auch immer Du jetzt gegangen bist.

Wir — das ganze Team von Mobile Geeks — verneigen uns vor Dir und es erfüllt uns mit Stolz, dass wir Dich kennen und mit Dir arbeiten durften. Dass Du fehlen wirst, muss nicht extra erwähnt werden. Unsere Gedanken sind an diesem furchtbaren Tag bei seiner Familie und seinen Freunden, ihnen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid. Hoffentlich finden sie alle die notwendige Kraft, um das Geschehene zu verarbeiten.

Jetzt möchte sich abschließend noch jemand zu Wort melden, den selbst unglaublich viel mit Robert verbindet, der mich seinerzeit zum Berufs-Blogger machte und der dieses Blog hier damals aus der Taufe hob und lange Jahre prägte. Bevor unser Blog also aus Respekt vor Robert für einen Tag verstummt, lest bitte noch die Worte, die Sascha Pallenberg an Robert richtet:


Rob liegt im Krankenhaus. Als ich vor wenigen Tagen diese Nachricht erhielt, war ich mir nicht einmal ansatzweise darüber bewusst, dass es wirklich ernst war. Ne, der Bursche scherzte schon wieder und schrieb ellenlange Erkärbär-Texte in die sozialen Medien, in denen er gleich analysierte, was die Crew da auf seiner Station mit ihm macht.
Und jetzt ist der Robert verstorben. Tot. Weg.

Unser 1. Treffen in Frankfurt im Jahr 2009. Kurz vor meinem Abflug und meiner Auswanderung nach Taiwan

Ich ringe seit einigen Stunden mit mir und nach Luft. Beides ist gerade verdammt schwer. Schreiben, also das was Robert so unvergleichbar geliebt hat, fällt mir noch schwerer. Angst habe ich davor, dass all das was ich sage, nicht einmal ansatzweise dem gerecht werden kann, was mir gerade durch den Kopf schießt. Aber vor allen Dingen dem Robert nicht.

Wobei der wahrscheinlich gesagt hätte: “Alter mach dir keinen Kopf, das bekommste schon hin”, um dann den Satz mit seinem typisch verschmitzten Grinsen und einem “na klar” in einem Motivations-Statement enden zu lassen.

Persönlich habe ich dem Robert so unfassbar viel zu verdanken. Nicht nur war er der erste, der nur wenige Wochen nach dem Start von Eeepcnews.de mit mir 2008 ein Interview führte, wir saßen 2009 dann auch zusammen auf einem Panel zum Status Quo der dt. Blogosphäre. In Berlin. Auf der re:publica. Zwischen Thomas Knüwer, Markus Beckedahl und Stefan Niggemeier. Auf der Twitterwall im Friedrichsstadt-Palast liefen damals massenhaft Tweets auf: “Rob, Markus, Thomas und Stefan kenne ich, aber wer ist der Typ mit der Kappe?”

Um es auf den Punkt zu bringen. Robert war DER Techblogging-Mentor in Deutschland für mich. Ohne ihn wäre ich auf der medialen Bühne meines Heimatlandes nicht so aufgeschlagen und ohne ihn hätte sich mein Stil nicht so entwickelt.

Jetzt ist er nicht mehr da und ich weine ihm nicht nur eine Träne nach, ich weiß nicht, wie diese Lücke zu schließen ist.

Machs gut, Alter!