Industrie 4.0: Chef der Internet Economy Foundation ist Oettinger 2.0

Wenn der Vorsitzende der Internet Economy Foundation nach Regulierungen fuer die Industrie 4.0 ruft und dabei kreuz und quer durch die globale Digital-Industrie rauscht, dann ist das weder konstruktiv noch hilfreich, sondern einfach nur peinlich!

Lieber Staatssekretaer a.D. Friedbert Pflueger,

Ich muss gestehen, dass ich wahrscheinlich laenger ueber den Titel dieses Kommentars nachgedacht habe, als ueber den eigentlichen Text. Einen offenen Brief wollte ich Ihnen widmen, Sie direkt ansprechen und natuerlich moeglichst viele Leser dazu bewegen, meine Ausfuehrungen anzuklicken. Mitzudiskutieren und Ihnen vor Augen zu fuehren, wer in Deutschland denn die vermeintlichen Meinungsfuehrer in dieser komplexen Digitalisierungs-Debatte sind. Sie gehoeren als Vorstand der Internet Economy Foundation dazu. Zumindest glauben Sie das. Ich hoffe es nach wie vor nicht, denn damit wuerden wir Europa – und natuerlich auch Deutschland – ein Armutszeugnis ausstellen. Gedruckt wohlgemerkt. Ja vielleicht sogar gemeisselt.

Verzeihen Sie mir, wenn ich bis dato die IEF kaum wahrgenommen habe. Das mag daran liegen, dass es in Deutschland einfach so unglaublich viele Vereine gibt. Vielleicht aber auch daran, dass ich ihre Statements bisher ausgeblendet habe. Zum Glueck moechte ich fast sagen, denn ihre Kolumne im Handelsblatt vom 16. November, hat mich dann doch wirklich ein wenig erschuettert. Sie wissen schon, die Nummer mit dem schicken „Industrie 4.0 Titel“, in der Sie mehr Fair Play forderten. Die Platzhirsche wollen Sie in einen gesetzlichen Rahmen zwaengen, ohne diesen aber auch nur ansatzweise definieren zu wollen.

handelsblatt-pflueger

Mal davon abgesehen, dass innerhalb der Industrie 4.0 sowohl Apple und Amazon, wie auch Microsoft Profiteure der Entwicklungen in und aus Deutschland sind, haben Firmen wie Facebook, Tencent oder Google gar nichts (oder wenn ueberhaupt, dann nur am Rande) mit dieser Branche zu tun. Aber ich denke, die mussten einfach herhalten, um das Bild der alles verschlingenden Datenkraken zu vervollstaendigen. Friedbert Pflueger als der Bob Ross der digitalen Untergangsfantasien: „Lets paint some happy German companies filing for bankruptcy.“

Und genau dann aergere ich mich und frage mich, warum Sie einfach alles in einen Topf schmeissen. Haben derartige Dystopien in Ihrer Branche wieder Konjunktur oder warum erreichen mich diese Sorgen einfach nicht. Im Gegenteil! Wer sich mit den dt. Ausstellern auf CeBIT und Hannover Messe zusammensetzt, der erfaehrt eine Aufbruchstimmung: Industrie 4.0 wird als Motor made in Germany angesehen und kommt sogar bei mir im fernen Taiwan an. Die intensiven Gespraeche zwischen Siemens und Foxconn sind ein offenes Geheimnis. Und vertrauen Sie mir einfach mal, wenn ich Ihnen sage, dass es im asiatisch-pazifischen Raum ein dickes Ausrufezeichen darstellt, wenn der weltgroesste Auftragsfertiger auf Infrastrukturen aus Deutschland setzt.

Lesenswert: Et voilá Industrie 4.0: eine persönliche Einschätzung

Nein, Facebook und Apple sind keine Industrie 4.0 Player, noch bieten sie entsprechende Produkte an

Dort wird hergestellt, da finden Loesungen fuer die Industrie 4.0 ihre Absatzmaerkte und genau dort sollten wir tunlichst ein paar Kerzen (oder Raeucherstaebchen fuer die buddhistischen Tempel) anzuenden und darauf hoffen, dass man die deutschen Produkte nicht mit vermeintlich regulierenden Strafzoellen belegt. Sie wuerden es wahrscheinlich Fair Play nennen, waeren Sie Praesident der Volksrepublik. Erklaeren Sie das mal den Mitarbeitern von KUKA oder Festo!

Nein, Facebook und Apple sind weder Industrie 4.0-Player, noch bieten sie entsprechende Produkte an. Nein, Google und Amazon werden kaum Infrastrukturen und Loesungen von Firmen wie Siemens einkaufen, denn sie stellen keine Produkte her. Nur weil auf einem Echo das Woertchen „Amazon“ oder auf dem Pixel „Google“ prangt, heisst dies noch lange nicht, dass diese Firmen diese Hardware herstellen. „Designed in California“ heisst nun einmal nicht, dass Apple die Millionen iPhones im neuen Cupertino Campus herstellt. Foxconn macht es, die sitzen in China. da muessen unsere dt. Hersteller ran. Und genau das machen sie.

Wir brauchen flaechendeckendes 4G und Breitband-Internet in ganz Deutschland!

Sie Herr Pflueger, Sie wollen kein Fairplay, Sie fordern staatliche Eingriffe in einen freien Markt und werfen dort mit Firmennamen und Begriffen um sich, dass mir ganz schwindelig wird. Die EU-Kartellverfahren gegenueber Google haben naemlich so gar nichts mit Industrie 4.0 zu tun. Microsofts Monopolstellung bei den Desktop-Betriebssystemen und die von Android im Mobile-Bereich, darueber kann man sich aergern, ich tue es auch, aber dann muessen Alternativen ran. Und verdammt noch einmal Infrastruktur.

Hoeren Sie endlich auf zu regulieren und nach einem Buzzword-Crashkurs derartige Kommentare in angesehene Blaetter zu packen, sorgen Sie viel mehr endlich dafuer, dass unsere Regierung die Chancen dieses Zeitalters erkennt und seinen Steuerzahlern die Moeglichkeiten bietet, diese auch nutzen zu koennen.

Wir brauchen mehr staatliche Hilfen fuer Gruender, die sich diesem Wandel verschrieben haben und eben nicht abgehaengt werden wollen

Wir brauchen flaechendeckendes 4G und Breitband-Internet in ganz Deutschland. Guenstig und als richtige Flatrate! „Datenautobahnen“ (sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) transportieren die digitalen Gueter von morgen, aber diese muessen verdammt noch einmal gelegt und gebaut werden. Ich will mich nicht mehr wie in einem 3. Welt-Land fuehlen, wenn ich aus Taiwan komme und zwischen Muenchen und Stuttgart pendle. Edge beschreibt keine Internetanbindung, es definiert die Infrastruktur einer Gesellschaft, die Gefahr laeuft, den digitalen Anschluss zu verlieren!

Wir brauchen mehr staatliche Hilfen fuer Gruender, die sich diesem Wandel verschrieben haben und eben nicht abgehaengt werden wollen. Aber erklaeren Sie mal einem Startup in Mecklenburg-Vorpommern, dass sie dann einfach ihren Businessplan ueberarbeiten muessen, wenn der Sparkassen-Sachbearbeiter einen Kredit in Kooperation mit der KfW nicht durchwinken will, nur weil er ueberhaupt nicht verstanden hat, worum es geht.

DAS ist Fair Play. Vor der eigenen Haustuer kehren und die analogen Mechanismen und Prozesse der letzten Jahre endlich auf den Muellhaufen der industriellen Geschichte schieben. Nach vorne schauen und die eigene Industrie staerken, anstatt vermeintliche Wettbewerber schwaechen zu wollen.

Und wissen Sie was auch Fair Play waere? Wenn sich unsere Marktteilnehmer durch die „Internet Economy Foundation“ auch wuerdig vertreten fuehlen wuerden. Zum Beispiel durch die Aussagen eines kompetenten Vorsitzenden dieser Vereinigung.

Der sind Sie offensichtlich nicht und wenn ich mir Ihren Twitter Account anschaue, dann weiss ich auch warum!